DER STRAND.

Ich hatte vor ein paar Tagen eine kleine Bauch-OP. Nichts Wildes, nur eine Kleinigkeit, die aber gemacht werden musste. Habe das ganze Ding allerdings etwas unterschätzt, habe es, wahrscheinlich auch aus verängstigtem Selbstschutz, mit Reifen flicken verglichen und das auch der Chefärztin so gesagt.
Sie hat mich angesehen und gesagt: „Naja. Einen Reifen kann man wegwerfen, wenn etwas schief geht.“

Ein paar Gedanken später wurde ich in den OP geschoben. 

Kann sein, dass es sich jetzt etwas kalt anfühlt.“ Den Einstich der Anästhesistin habe ich nicht mehr gemerkt. Dann sagte sie, dass ich mir einen Strand vorstellen soll. Das Meeresrauschen. Den Sand unter den Füßen. Die Wärme der Sonnenstrahlen.

Na klar. Strand. Pauschalgedanken, mit denen man Pauschalmenschen auf eine Reise schickt. Aber doch nicht mit mir!

Natürlich habe ich versucht, noch alles mitzubekommen, habe in die Lampe gestarrt, wollte unbedingt nichts verpassen. Die Lamellen in der Lampe, dahinter schemenhaft die Decke, ein Kabel, die Aufhängung. Habe natürlich gemerkt, wie ich an meinen Rändern ausfranse – aber ich habe mich zusammengerissen.
Der Anesthäsie-Assistent hatte ein Barbara.-Tattoo. Wir haben noch kurz drüber gesprochen. Drei Menschen. Die Augen. Die Lamellen. Lachfalten. Braune Augen. Das Kabel. Alles noch da. Das Kabel. Die Aufhängung. Die Lampe. Das Kabel. Braune Augen. Die….das….der…..frzzzzzzzzt……bliiiiiip.

„Sie können jetzt wieder aufwachen.“

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich dafür, dass die Welt eine Vollnarkose bekommt.
Für einen ganzen Monat. Nichts Partielles, kein ausdiskutiertes Kompromiss-Klein-Klein.

Einmal kurz komplett weg.

Nur das Allernötigste soll laufen. Nur das, was wirklich gebraucht wird: Medizinische Versorgung, Strom, Wasser, Gas, Feuerwehr, Nahrung, alles, was das System zum Leben braucht, sollte natürlich da sein – und viel besser bezahlt als üblich. Die Impfkampagne sollte natürlich weiterlaufen.

Der Rest der Wirtschaft: komplett runter, bitte. Fabriken, Baustellen, Büros: dicht machen. ÖPNV: muss still stehen. Schulen: komplett zu. So wie die viel kritisierte und als totalitären Quatsch und Wunschdenken bezeichnete Initiative ZERO COVID es fordert.

Und es sollte noch weiter gehen, damit die Leute sich nicht doof bestellen und die Hotlines der Kurierdienste glühen: amazon & Co: Server runterfahren. Die Leute können die Zeit nutzen, um ihr Steuersystem zu überdenken.
Medien: nix da. Keine BILD, kein Spiegel, keine Bunte. Kein Facebook. Keine Banner. Nichts verkaufen. Auch hier: Nur das Nötigste. Deutschlandfunk zum Beispiel.

Mieten: sollten für die Zeit ausgesetzt werden können. Kredite und andere Verbindlichkeiten: einen Monat pausieren.

Auch wenn die Welt sich dagegen sträubt und unbedingt die Lamellen zählen will. Und die Stromkabel. Und die Aufhängung. Wach bleiben um jeden Preis. Mit dem Wissen, dass unheimlich viel verpasst wird, dass es unfassbar teuer wird, wenn man ausfällt.

Es ist viel besser, aufzuwachen und kurz nicht zu wissen, was los war. Dann kommen zwar echte Schmerzen, aber man weiß auch, dass es von Tag zu Tag besser wird.

Und vor allen Dingen wird man sich darüber bewusst, dass die OP wirklich nötig war.   

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Hier zwei gute Links:

https://twitter.com/pavel23/status/1355170818179870727

https://zero-covid.org/

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