Innen.

Was genau spricht dagegen, dass es eine gendergerechte Sprache gibt? Was spricht dagegen, dass es Ärztinnen, Studentinnen, Schülerinnen, Beamtinnen, Chefredakteurinnen und Autofahrerinnen gibt?
Was spricht dagegen, dass sich unsere Sprache an der Gesellschaft, an der Kultur entlang entwickelt?

Wer könnte ernsthaft etwas dagegen haben?
Wer könnte etwas dagegen haben, dass Frauen gesehen werden?

Gehen wir doch mal ein paar Jahre zurück.

Die Sprachvermischung ab dem Dreißigjährigen Krieg hat einige Leute sehr wütend gemacht. So um 1650 schrieb ein sehr aufgebrachter Dichter:

“Solche Sprachverkätzerung istanzeigung genug der Vntrew, die du deinem Vaterlande erweisest; deine ehrlichen Vorfahren sind keine solche Mischmäscher gewesen, wie ihr jetzt mit einander seit.”

Für den wütenden Dichter und die Menschen, die ihm zustimmten, sollte die Sprache, die Walter von der Vogelweide in seinem Gedicht „Preis des deutschen Landes“ nutzte, für immer gelten. Am liebsten bis heute.
Wann hat er es geschrieben? Im Jahr 1200?

Ich han lande vil gesehen,
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
daz im wol gevallen
wolde fremeder site.
nu waz hulfe mich ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gât vor in allen.


Nun. Fürdann gelte das âventur der Worte nicht. Denn nicht mal die freie Abwandlung des Lutherdeutsch, die gern auf Mittelaltermärkten gesprochen wird, währe genehm. Zu modern.

„Ihr aber, die ihr rechtschaffend seid, sollt aufs Herzlichste geladen sein euch umzutun. Seht was euch wohlfeilgeboten wird, lauschet den fremdartigen Klängen und knausert auch nicht mit dem einen oder anderen Taler so euch der Gegenwert recht erscheint.
Schmauset und saufet bis euch Wänste und Mieder bersten.“

Ich erinnere mich noch ziemlich genau, als ich anfing, „geil“ zu sagen.
Es roch nach Tomaten und ich stand im Garten meines Opas, war vielleicht acht oder neun. Ich weiß nicht mehr, was genau ich geil fand, aber ich weiß noch, dass mein Opa mich fragte, ob ich denn überhaupt wüsste, was „geil“ bedeutet. „Sowas wie super.“, sagte ich.
Er erklärte mir, was „Vergeilung“ bei Pflanzen bedeutet. Wir standen ja im Garten bei den Tomaten. Und er erklärte mir, dass es oft mehrere Bedeutungen eines Wortes gibt. So machte er mich neugierig auf Sprache. Er zeigte mir, was Sprache kann und wie mächtig Sprache ist.

Und wenn ich mir die Diskussionen (gerade im Netz) angucke und vor allen Dingen schaue, aus welcher Ecke die größten Gegner der gendergerechten Sprache kommen, stellt sich die Frage: Kann es sein, dass die größten Gegner der gendergerechten Sprache bornierte alte Männer sind, die Angst um ihr Partriarchat haben? Männer, die geistig in der Phallokratie leben. Männer, die Angst vor Machtverlust haben?

Was auf jeden Fall auffällt: Es gibt anscheinend nur Gegner der gendergerechten Sprache. Keine Gegnerinnen. Keine GegnerInnen. Keine Gegner*innen.

Hier ein interessanter Artikel einer sehr tollen Frau dazu:

https://www.zeit.de/kultur/2021-01/gendergerechte-sprache-duden-kathrin-kunkel-razum

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