Ich war schon mal lustiger.

Guten Tag,

wir schreiben das Jahr 2007 und ich bin jetzt offiziell Blogger. 

Ok. Ich sehe gerade, dass ich mich vertan habe: wir haben das Jahr 2019 und ich hinke dem Trend ungefähr 8 Jahre hinterher. Egal.
Alle sind jetzt Influencer oder züchten Tomaten – und ich kritzel tatsächlich hier in diesem Blog rum auch wenn es so anfühlt als würde ich meine Gedanken in eine Steintafel meißeln, sie per Fax an Horst Seehofer schicken, der sie auf Thermopapier ausdruckt und per Telegramm ins Internet bringt.

„Früher warst du echt mal lustiger“ höre ich immer häufiger. Das ist eine wunderbare Mischung aus Kompliment und Enttäuschung.
Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur nicht mehr lustig – ich bin langweilig und peinlich. Und nicht ganz dicht.
Sagen zumindest viele Menschen, die mir nahe stehen. 

Wenn ich nicht nerve und mich in die gesellschaftlichen Themen einmische, lehne ich schmollend an einer Wand und überlege, einen Podcast zu machen. Den bringe ich dann pünktlich im Herbst 2073 raus.

Ach so: rechnen kann ich auch nicht. 

EINE EINORDNUNG.

Es gibt unterschiedliche Arten, mit einer Krise umzugehen. Wobei die mentale Beschaffenheit eines Menschen dafür zuständig ist, wo „Krise“ beginnt.
Einige befinden sich schon in einer tiefen Krise, wenn eine Torte schief angeschnitten wurde oder wenn im Supermarkt der Joghurt nicht mehr da steht, wo er sonst immer steht. WO SIND WIR DENN HIER?!?!?!
Andere Menschen stehen in einem Waldbrand, einem Feuersturm, der mit 1000 Grad alles Leben wegbrennt und sagen: „Oh. Bisschen warm heute.“

Kommt es zu einer großen Krise, die jeden Menschen auf der Welt betrifft, verstärken sich bestimmte Verhaltensweisen.
Forscherinnen und Forscher der Pierre Tradonneur-de-chardonnay-et-exorbitante-du-quatre-vingt-trois-au-miel-Universität in Aurich haben untersucht, wie eine Pandemie Anfang des 21. Jahrhunderts bestimmte Verhaltensweisen des Menschen in Deutschland verstärkt und eine erste grobe Einordnung vorgenommen.
Momentan gibt es in Deutschland überwiegend:

Die middelraged men
Gerade Männer um die 50 sind sehr anfällig für Verhaltensverstärkungen. Dieses Alter markiert grundsätzlich einen Wendepunkt im Leben: Haare fallen aus, um die Hüften bildet sich eine Fettdecke, im Schritt ist alles halbschlaff und der Hodensack schlackert auf Kniehöhe. Die Lücke zur Jugendlichkeit wird radikal kompensiert, früher mit Cabrios (z.B. Mercedes Benz SLK in hellblau metallic), Viagra (auch blau) oder Motorrädern („was Englisches“).
Heute gern mit Yoga-Sessions, sehr teurem Gin, folkloristischen Instrumenten und mit radikal-jugendlicher Zwangsrhetorik.
Gerade die erfolgreichen Managertypen sind es, die sich im Netz mit ihren Morning Runs darstellen und zwei Postings später davon faseln, dass „Die Mainstream-Medien sowieso nur lügen, die Regierung komplett versagt und Merkel endlich vertrieben werden muss“.

Die Katastrophen-Groupies
„Ich habe es euch schon letztes Frühjahr gesagt!“ ist der am häufigsten ausgesprochene Satz dieser Gruppe. Dazu hochgezogene Augenbrauen und verschränkte Arme als Zeichen der Abgrenzung und der Überheblichkeit.
Im Wohnzimmer hängt ein Prof. Christian Drosten-Poster, die Bücher in den Regalen mussten Desinfektionsmittelflaschen und Forscher-Biographien weichen.
Im Wohnzimmer surrt der Drucker, der aktuell alle 23.882 Studien von Dr. Fauci ausspuckt.
Alle RKI-Statistiken werden genau so auswendig gelernt wie Zitate von Karl Lauterbach.
Und man ist natürlich schon längst auf die Klimakatastrophe vorbereitet: Das Greta Thunberg-Poster hängt im Schlafzimmer gegenüber vom Bett.

Die Radikalen
Der Erdbunker ist längst eingerichtet. Acht Paletten Dosenfleisch, vier Fässer Diesel für den Generator und mehrere Rambomesser sind am Start. Der kleine Waffenschein ist beantragt, der Tarnanzug ist schon mit der Haut verwachsen. „Nudeln? Mehl? Hefe? Das ist was für Anfänger!“
Ein typischer Radikalen-Karriere-Verlauf geht so: Klopapier und Nudeln hamstern -> Facebook-Sperre wegen Hate-Speech -> Angelschein, Jagdschein, kleiner Waffenschein -> Kündigung beim Arbeitgeber (oder unehrenhafte Entlassung bei der Bundeswehr) -> Kündigung aller Freundschaften und Familienbeziehungen -> Pachtgrundstück bei Schönwalde -> Army-Shop, Baumarkt (Profi-Abteilung) -> VW Caddy Pick Up (Bj 83) -> zwei Kilo Plastiksprengstoff vom KSK-Kollegen bunkern -> Bilder vom Capitolsturm sehen -> Kuh schießen, häuten (gibt ja keine Büffel in Deutschland), im Kuh-Kostüm den Reichstag stürmen. Verhafte werden.

Die Knallwürste
Deep State. Reptiloiden. Die Erde ist eine Scheibe. Attila. Bill Gates. Kinderblut. Unterirdische Fabriken, in denen Menschen zu Dosenfleisch (wait! What?!) verarbeitet werden. Chemtrails. Trump wird Kanzler von Deutschland. Alles auf Telegram nachzulesen.
Irgendwann macht es POFF und ein wichtiger Teil im Gehirn platzt.
Früher haben die Knallwürste Donald Duck geglaubt. Heute glauben sie den Quatsch, den sich zynische Widerlinge bei 12 Flaschen Wein ausdenken – und verwechseln das mit der Realität. Knallwürste sind die am stärksten

DIE ZÜNDLER
Es sind Menschen mit sehr gut ausgebildeten rhetorischen Fähigkeiten (sehr oft konservative Journalisten und Kolumnenschreiber), die große Krisen dazu nutzen, um bewaffnet mit Dynamit, Benzinfässern und Flammenwerfen die sozialen Medien anzuheizen.
Sie hämmern mit jedem Tweet / Kommentar / Posting einen Spaltkeil durch die Gesellschaft. Ihre mediale Wirkung ist überaus gefährlich, denn sie versammeln viele -> middelraged men und -> Radikale hinter sich.


Die Verbesserer

Grob betrachtet gibt es zwei Arten der Verbesserer: Die aktiven und die passiven.
Die aktiven Verbesserer packen an. Sie erfinden Lösungen für Probleme oder Missstände. Sie versuchen, Dinge wirklich besser zu machen. Voller Tatendrang. Egal, ob es darum geht, Lerngruppen zu organisieren, ob man Geld für Bedürftige sammelt, ob man Alten hilft. Sie denken zuerst an die anderen – und sehr selten an sich selbst. (Auch nicht immer gesund)

Die passiven Verbesserer gucken immer genau hin. Ob Masken korrekt sitzen. Ob die Bahn pünktlich ist. Ob die Autos korrekt parken. Aber sie sagen nichts. Und sie machen wenig. Die Stimme wird selten laut.

Auch im Netz natürlich wird genau hingesehen, hier wird auch gern etwas kommentiert.
Nicht vollständige Aufzählungen müssen sofort ergänzt, nicht ganz korrekte Sachverhalte richtig gestellt werden. Damit es in der verstärkt diffusen Angst eine klare Struktur und eine Ordnung gibt. Es wird natürlich auch beim Lesen dieses Textes Menschen geben, die impulsiv denken oder schreiben müssen:
„Du hast die Gruppe der (hier einsetzen, welche Gruppe fehlt) vergessen.“ oder „Dr. Fauci hat nur 1.300 Veröffentlichungenund „die Pierre Tradonneur-de-chardonnay-et-exorbitante-du-quatre-vingt-trois-au-miel-Universität in Aurich gibt es gar nicht.“

Die KREISCHER

Sie werden lauter. Immer lauter. Und wenn sie so laut sind, dass es in den Ohren matscht, legen sie noch eine Schippe drauf. Im Supermarkt, auf der Straße, an der Tastatur. „DAS IST DOCH HIER NUR PSEUDO!!!“
Leben im CAPS LOCKDOWN.

Die Suchtgefährdeten
Vom Feierabendbier zum Frühstückswein: Die Handydaten zeichnen seit Wochen nur noch Bewegungen zwischen Wohnort, Getränkemarkt und Altglascontainer auf. Der Lockdown wird weggesoffen. Die Leber glüht. Das Gehirn schreit.

Die Kiffer rauchen sich so dicht, dass die Zeit nur noch eine zähe Masse aus Gelee ist. Gras ist der wichtigste Rohstoff der Welt und pro Woche werden zwei Großpackungen Blättchen verbaut.

Die Zocker verwachsen mit ihren Konsolen oder bringen die Entwickler von Candy Crush an die Grenzen, weil sie immer neue Level freischalten.

Die Pornosüchtigen haben das gesamte Internet durchgewichst. Wo sind die gottverdammten Taschentücher?

Die Serienjunkies haben Netflix, Amazon Prime, Magenta TV und sogar die ARD Mediathek durchgeguckt. Von vorne nach hinten, von hinten nach vorne. Jetzt gucken sie alles nochmal durch – auf der Suche nach Filmfehlern.

Zwischenfazit:
Die Pandemie ist derzeit im vollen Gange, die Entwicklung der Dynamik ist rasant.
Es wird spannend zu beobachten sein, was mit den Suchtgefährdeten, den Kreischern, den Verbesserern, den Zündlern, den Knallwürsten, den Radikalen, den Katastrophen-Groupies und dern middelraged men passiert, wenn die Pandemie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Oder wenn es wieder ein halbwegs normales Leben gibt.

Mein Tag in Teesorten.

„Habt euch Lieb-Tee“, „heute ist ein guter Tag-Tee“, „Magenliebe-Tee“. Die Supermarktregale sind voller Motto-Tee.
Da lass ich mich doch nicht zweimal bitten. Hier mein Tag in Teesorten. Und ich trinke echt viel Tee.

Scheiß-Wecker-Tee.
Äh-was?-Vielzufrühwach-Tee.
Zum Frühstück erstmal ne Kanne Kaffee-Tee.
Noch ein Koffeein-Partikel und ich habe einen Herzinfarkt-Tee.
Wie soll ich diesen Tag bloß überleben-Tee.
Ist Puls von 300 normal-Tee
Nazis raus-Tee.
Irgendwas zum Mittag machen-Tee.
Veganer Putenhack-Tee.
Blöder Witz-Tee
Hände waschen nicht vergessen-Tee.
Sowieso: Immer Hände waschen-Tee.
Das neue Sleaford Mods-Album ist sehr gut-Tee.
Warum gibt es so viele dumme Menschen-Tee.
Querdenker raus-Tee.
Zeit-für-wichtige-Fragen-Tee.
Warum sind Kniekehlen eigentlich nicht behaart?-Tee.
Sind Schneeflocken nur Hipster-Regentropfen?-Tee.
Mag mein Lieblingsbuch mich vielleicht gar nicht?-Tee.
Bisschen Optimismus-Tee
Der Tag ist zwei Minuten länger hell-Tee
Guten Abend-Tee
Ach vergiss es, kannst es nicht einschlafen-Tee
Wälz dich stundenlang-Tee


Hirnlose Nullperformer.

Miese Buffetvordrängler. Herzlose Welpentöter. Frühspritzer. Wirtschaftliche Allesversalzer. Toten-nachträglich-aufs-Grab-Pisser. Scheiss-Egaliker. Selbstverliebte Ellenbogenrempler. Ätzende ErstmalICHlinge. Widerliche Gesellschaftszerstörer. Elendige Jammerlappen. Verhöhner. Penner. 
Zu dünn angerührte IQ-Zwerge. 
Megabeschissene Scheißflachhirner. Behämmerte Gipsfköpfe. Merkbefreite Trottel. Unnütze Kackhaufen. Dumme Idioten, die man als allererstes zurücklassen müsste. 
Superdoofies, die es nicht verdient haben, in diesem Land zu leben. Geistesgestörte Tuffis, denen man Führerschein, Wahlrecht und Handy wegnehmen müsste. 

Das (und noch viel mehr) seid ihr, wenn ihr jetzt unbedingt feiern müsst. Es gibt Kontaktbeschränkungen, die niemand geil findet – aber alle halten sich dran. Alle, ausser euch.

Was stimmt mit euch nicht?

Klare Ansage: Skatrunden, Shisha-Abende, Raves, Kindergeburtstage, Junggesellenabschiede, Gang-Bangs, Scheidungsparties, Massenprügeleien und alle anderen Zusammenkünfte, bei denen viele Leute zusammmenkommen, um sich zu umarmen, zu feiern, zu saufen, zu knutschen, müssen warten. Ihr seid nämlich nicht allein. 

Jede und jeder versteht es. 

Sogar ich habe Lust, mal wieder Menschen zu sehen. Ich bin mittlerweile sogar so weit, dass ich in eine Kneipe gehen würde. Aber sich dem Drang widersetzen? Das versteht niemand mit mehr als einer funktionierenden Hirnzelle. 
Zumal es doch so ist: Wenn jetzt gefeiert wird, dauern die Kontaktbeschränkungen noch länger. Sogar ein Spatz würde das verstehen. Selbst eine Eintagsfliege. Oder eine Alge. Oder eine Scheibe Toast. 
Wenn ihr euren Finger nehmt, ihn in eure Nase steckt, einen glitschigen Popel rausholt und den fragt: „Ist es sinnvoll, jetzt zu feiern?“ Wird er sagen: „Natürlich nicht. Ich schäme mich dafür, dass du so denkst und ich hasse mich dafür, dass ich in deiner Nase gewohnt habe! Igitt, bist du ekelig, du hässlicher Fleischsack!“

82 Millionen Menschen in Deutschland halten sich an die Regeln. Und am Ende – Stichwort „Pandemie“ – halten sich rund acht Milliarden Menschen auf der Welt an die Kontaktbeschränkungen.

Aber ihr nicht, oder was? Wie scheisse seid ihr?

Reisst euch mal zusammen. Es kann doch nicht angehen, dass ihr euch verabredet und niemand denkt oder sagt: „Nee, lass mal. Keine gute Idee, jetzt mit 40 Menschen zusammen zu kommen.“ 
Das Virus wird nicht denken: „Ach komm, die machen nur ne Ausnahme. Heute steck ich mal niemanden an.“
Wann merkt ihr was? Wenn ihr selbst auf der Intensivstation liegt, intubiert werden müsst? So wie ihr drauf seid, noch nicht mal dann. 

Oder ist das Feiern im Keller, im Hinterhof, in der Wohnung, in der Halle, woauchimmer euer ernstgemeinter Beitrag zum Umgang mit einer Pandemie? 

Falls ja, sollte man euch die Worte, die oben stehen, noch ein paar Mal um die Ohren hauen. Am besten zusammen mit der flachen Seite einer handelsüblichen Spatenschaufel.

Politik. Und Politik.

Irgendwo habe ich in einem Tweet eine kleine Analyse zum Angebot von Friedrich Merz gelesen, in dem er Armin Laschet vorschlug, Wirtschaftsminister zu werden.
Leider finde ich den Tweet nicht mehr, vielleicht wurde er auch gelöscht. Egal.

Darin hieß es sinngemäß, dass Merz das getan hat, um Armin Laschet zu schwächen. Und natürlich, um Angela Merkel, seiner Intimfeindin, eins auszuwischen.
Denn Armin Laschet hat nicht auf das Angebot geantwortet, sondern Angela Merkel hat ihm via Interview eine klare Abfuhr erteilt.
In einer Friedrich Merz-Welt bedeutet diese Zurückhaltung von Armin Laschet, nicht auf das Angebot eingegangen zu sein, Schwäche.
Er etikettiert den Mann, der noch nicht mal eine Stunde an der Spitze der CDU steht, als schwache Führungsperson.
Angela Merkel bescheinigt Merz, mit dem Merkel-Vertrauten Peter Altmeier einen schlechten Wirtschaftsminister im Kabinett zu haben.

Ein Tweet, drei Backpfeifen.

Das ist Politik.

Armin Laschet hat auf dem digitalen Parteitag eine verhältnismäßig gute Rede gehalten. Friedrich Merz hat eine schauderhafte Performance hingelegt.
Polemische Spalthammer wie Jan Fleischhauer schreiben jetzt: „Der Unterschied zwischen Merz und Laschet? Merz hat seine Rede selbst geschrieben.“
Friedrich Merz wird als Macher dargestellt. Laschet als Typ, der alleine nichts auf die Kette kriegt.

In einem BILD-Interview sagt Armin Laschet: „Als netter Herr Laschet wird man nicht Parteichef.“
Die Springerpresse wollte Merz ins Amt schreiben – Laschet versucht hier, seine Wahrnehmung zu korrigieren. Sehr wahrscheinlich auch mit Blick nach Bayern. Diese Aussage ist als Kampfansage an Markus Söder zu verstehen, der als Shrek verkleidet unter seinem Franzjosef Strauss-Plakat liegt und kichert. Markus Söder hat ordentlich Ellenbogen, gilt als starker Macher, er kann sich der Unterstützung der Springer-Presse sicher sein.
Er kann nur noch über seine eigenen Beine stolpern, da können die anderen machen, was sie wollen.
Und dann ist da ja auch noch Jens Spahn, den man auch gut ins Amt schreiben kann.

Auch das ist Politik.

Jetzt gucken alle auf die aktuellen Umfragen, bringen sich in Position, es kommt Bewegung ins Spiel. Annalena Baerbock und Robert Habeck gelten als Wunschpartner der CDU. Nicht wegen der Nähe (die besteht eher zur FDP), sondern weil die Umfragen es bestimmen. Wird die Grünen-Spitze nochmal umgestaltet? Bleibt es bei einer Doppelpitze? Wird Annalena Baerbock alleinige Spitze? Oder kommt Cem Özdemir doch noch aus dem Windschatten? Die Grünen haben die realistische Chance, Teil der Regierung zu werden, sie werden alles dafür tun. Denn es geht um nichts weniger als Macht.

CDU Generalsekretär Paul Ziemiak faselt davon, dass „man vielleicht bald mit den Grünen verhandeln würde und dass die Grünen dann garantiert mehr Kröten schlucken würden als sie jemals über eine Strasse getragen haben.“

Und auch das ist Politik.

Politik besteht in der Wahrnehmung aus unheimlich viel Ego, aus externen Einflüssen (Medien, Lobbyismus), aus Machtgier – und aus schlechten Reden.
Das ist aber nicht Politik, sondern nur Wahlkampf, das Sprungbrett zum Machtgewinn, Machterhalt oder zum Ausbau der Macht.

Die eigentliche Politik, das Gestalterische, das Handeln, gerät vollkommen in den Hintergrund.
Wenn gehandelt wird, passieren Fehler – und die werden natürlich sofort ausgeschlachtet. Persönlich und medial. Bewegung ist so gut wie nicht spürbar. Das Belauern schon.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie soll man Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermitteln, wie wichtig Politik ist?
Aus der Perspektive der Jungen hampeln und balzen da ein paar alte Männer (und wenige Frauen), giften sich an, treten in Talkshows auf und labern theoretischen Müll, unverständliches Zeug. Das ist nicht Politik. Das ist größtenteils Ego-Schrott, den man so ähnlich auch aus dem Trash-TV kennt.

Die Inhalte werden an Personen festgemacht, bestenfalls an Parteipositionen. Erst das Ego, dann die Partei, dann der Inhalt.

Wie wäre es, wenn man Inhalte (Klima, Wirtschaft, Wohnungsbau, Pflege, alles) in der Wahrnehmung fixieren und in den Mittelpunkt stellen würde – und die Politikerinnen und Politiker sich einfach nur damit beschäftigen würden?
Dann würde es um Inhalte und Themen gehen – und nicht mehr um die Personen.

Also: Inhalt first.

Auch das wäre Politik. Und das ist vielleicht eine Chance für die SPD.

VÖGEL UND FLIEGEN.

Es ist der Traum der Menschheit. Fliegen. Wieso hat eigentlich noch nie jemand die Vögel gefragt, wie das mit dem Fliegen so ist?

Adler:
„Ja, guckt mich gern an. Ich bin der Richard David Precht der Lüfte, der Coole aus der Raucherecke. Ich bin der Zlatan Ibrahimovic der Luft. Wo ich bin, ist ganz oben. Das ist mal klar.
Auf Thermik gleiten und beobachten ist das, was ich den ganzen Tag mache. Flügelschläge? Kraftaufwand? Pffft. Habt ihr schon mal einen Adler schwitzen sehen? Ich lache euch aus. Und ich sehe alles, was ihr macht. Alles. Verstanden?


Auch dass ihr gerade näher an den Bildschirm kommt und eure dümmlichen Glotzkorken zusammenkneift.“

Fasan:
„Haha! Neulich habe ich Zwölf Meter geschafft. Zwölf! Zwöööööö-höööööölf! Das war wunderbar. Und jetzt bewundert bitte wieder mein Federkleid, wie es glänzt. Schön, oder?“

Möwe:
„LINKS RUM – VROOOOOOM. RECHTS RUM – VROOOOOOAAAAR. BZIOUUUUUUUU. JETZT STEIL.
HIER IM GEGENWIND IST ES ÜBRIGENS SEHR LAUT.
ICH MUSS AUCH JETZT LOS – IN FÜNF KILOMETER ENTFERNUNG HAT JEMAND EINEN KRÜMEL BROT IN DIE LUFT GEWORFEN. TSCHAU!“

Spatz:
„Alter! (hechel) Wie ätzend! Ich (hechel) kann nicht (hechel) mehr! Zwwww…(hechel)…zweitau(hechel)….zweitausend Flü(hechel)…Flügelschläge….in…der…Sekunde….(hechel) sind (hechel) echt (hechel) an(hechel)streng(hechel)end! Und das (hechel) für (hechel) fünf (hechel) Meter. Scheiss (hechel) Mini(hechel) Körper.“

Taube:
„Jaja. Ich weiß. Ich nerve. Alle Tauben nerven. Mit unseren Geräuschen und unseren komischen Bewegungen. Das Kopfwackeln. Das Humpeln. Das Flattern.
Und das Klatschen und Pfeifen unserer Flügel, wenn wir starten. Klatschpfwwwwit – Klatschpfwiiiiiit – Klatschpfwiiiiiit – Klatschpfwiiiiiit.
So. Keine Zeit mehr – ich kacke jetzt einem von euch aufs Dach.“

Ente:
„Whaaaaat! Es geht tatsächlich – wenn man VOOOORSIIIICHT! die Flügel schnell bewegt und dazu so schnell läuft wie es AAAAACHTUNG! geht, kann man PLAAAAAAATZ DAAAAA! – whoooooooooo-hoooooou! WIE GEIL IST DA DENN?!?!?!
Versucht das doch auch mal!!!“

Specht:
„Ich mach das hier nur, um zum nächsten – Ah! Dahinten die Pappel. Da muss ich sofort hin. Hier Tschak – Tschak – Tschak – Tschak – ich baller dir die Rinde weg! Tschak – Tschak – Tschak“

Kormoran:
„Wenn sogar die Ente meint, das das geht, mach ich das auch. Ok. Aber höher als 20 Zentimeter – niemals. Das ist mir zu krass. Ich bin ja keine Möwe oder so. Wie hoch bin ich jetzt? Elf? Alter, nee. Ich lande.“

Krähe:
„Crow13delta8 an Tower, Crow13delta8 an Tower: auf drei Uhr ist eine Straßenlaterne defekt. Stromkreislauf scheint unterbrochen, sollte gecheckt werden, ist ein 98er Modell mit Halbschalenleuchte. Vielleicht auch Feuchtigkeitsschaden.
Direkt unter mir ist ein roter Ford Fiesta, er schlingert leicht. Entweder Stoßdämpfer oder der Reifendruck hinten rechts ist zu niedrig. Werde jetzt eine Walnuss auf die Straße legen, damit der Wagen sie knacken kann. Warte noch auf Grün am Fußgängerüberweg. Werde die Zeit nutzen, um die 826334ste Stelle hinter dem Komma von pi zu definieren. Over.“

Pinguin:
„Ey, wovon redet ihr eigentlich?“





@REALDONALDTRUMP

Das Privatunternehmen Twitter hat das Privatkonto von Donald Trump gesperrt.

Es hat erst die Stürmung des Capitols gebraucht.
Es hat Bilder eines QAnon-Freaks im Büffelkostüm, der das wichtigste Rednerpult Amerikas durch die Gegend trägt, gebraucht.
Es hat bewaffnete, gewaltbereite Extremisten gebraucht, die darauf vorbereitet waren, Geiseln zu nehmen.
Es hat ein paar (zum Glück nicht gezündete) Sprengsätze in Washington gebraucht.
Es hat Angst und eine Erschütterung gebraucht.
Es hat Verletzte gebraucht.
Und es hat fünf Todesopfer gebraucht.

Aus Gedanken werden Worte. Aus Worten werden Taten.

Hier sind aus Worten Taten geworden – auch um gewaltige, ikonische Bilder zu produzieren, die zeigen, wie angreifbar die USA sind, wie verletzlich die Demokratie ist.
Bilder, die sich in die Geschichtsbücher einbrennen, die in gedanklicher Nähe zu den brennenden Twin Towers stehen werden.
Diese Bilder wollte Trump haben und er hat sie mit dem Büffelmann bekommen.

Die Stürmung des Capitols hat gezeigt, wie schnell Dinge außer Kontrolle geraten können. Und sie haben vor allen Dingen gezeigt, wie mächtig Worte, wie mächtig die sozialen Medien als Verstärker sind.

88,7 Millionen Follower können jetzt nicht mehr von Trumps Lügen aufgestachelt werden.
Zumindest auf Twitter.
Donald Trump wird natürlich einen anderen Weg finden, Bilder zu kreieren, die die Welt verändern. Vielleicht mit der nächsten Live-Ansprache auf Fox. Oder durch seine treuen Republikaner wie Ted Cruz, Matt Gaetz oder seinen Schwiegersohn.
Vielleicht geht er auch gleich rüber zu Michael Wendler und Attila Hildmann. Ist dann auch gleich auf einem russischen Server. Praktisch!

Donald J. Trump hat in den vier Jahren seines Wirkens eines geschafft, bzw. geschaffen: Das Wortmonster „Trumpismus“ – die durch Lügen und Hetze angereicherte, verschärfte Form des Populismus. Inkl. Faschismus.

Sein Regierungsstil (wobei „Stil“ hier vollkommen falsch ist) wird sein Twitter-Wirken und ihn selbst als orangefarbenen Fleischklumpen überleben.

Trumpismus wird es noch in zig Jahren geben.

Diese politische Ideologie, die die Kraft hat, sich wie ein Krebsgeschwür durch die Demokratie zu fressen. Eine lügendurchtränkte Schlagwortpolitik, mit der man die Dummen und die Lauten hinter sich versammeln kann. 88,7 Millionen Menschen auf Twitter. 75 Millionen Menschen bei der Wahl.

Seine Politik funktioniert mit wenigen Zeichen und kann einen Nachrichtenkanal in einen verlogenen Propagandakanal verwandeln. Seine Politik ist keine Politik, sondern ein einziges Anschreien.
LAUT! VERLOGEN! GEGEN DIE WAHRHEIT!

Eine Politik, die zerstörerische Bilder will: Angela Merkel nicht die Hand geben. Die amerikanische Flagge würgend umarmen. Menschen mit Behinderungen nachäffen. Swat-Teams, die BLM-Protester wegtreten. Menschen, die das Capitol stürmen. Die haben übrigens Flaggen dabei gehabt, aber nicht Stars&Stripes, sondern „Trump is my president“. Allein das ist vollkommen irre. Und bezeichnend.

Zwei Dinge sind sehr bemerkenswert: die Erleichterung, die die mediale Welt direkt nach dem Löschen des Kontos spürt.
Und natürlich der Beißreflex einiger konservativer und populistischer Pappnasen, die jetzt „ZENSUR!!!!“ brüllen.
Zur Einordnung: Ein Privatunternehmen löscht ein gefährliches Privatkonto. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist keine Zensur. Das ist konsequentes Handeln mit vierjähriger Verspätung.
Zensur wäre es, wenn Twitter das offizielle Konto des Präsidenten sperren würde. Haben sie aber nicht gemacht.

Die Lauten brüllen: „Das ist gegen die Meinungsfreiheit!“
Nein, ist es nicht. Wenn die Wirkung einer Meinung auf einer privaten Plattform zu gefährlich wird, muss man sich als privates Unternehmen darum kümmern. Ganz einfach.
Dass auch immer mal wieder „linke“ Seitenbetreiber oder Meinungen blockiert oder gelöscht werden, verschweigen die lieben Populisten gern. Klar.   
Das sind übrigens genau dieselben Populisten, die im Zusammenhang mit der Stürmung des Capitols vor linkem Terror warnen. Sind es noch Populisten oder sind es schon Trumpisten?

Eines muss man Donald Trump übrigens zugute halten: Unter seinem Account @realdonaldtrump hat er sein wahres Gesicht gezeigt.
So ätzend, laut, berechnend und verlogen ist er wirklich.
Und die Menschen sind ihm und seinen Worten genau deshalb gefolgt – einige sogar bis ins Capitol.

NORMAL.

Momentan wird viel über das „New Normal“, das „neue normal“ diskutiert. Schlaue Köpfe versuchen, die Gewohnheiten und den Konsens so hinzubiegen, dass sich das Leben, das tägliche Miteinander, tatsächlich irgendwie normal anfühlt: Maskenpflicht, Homeschooling, Geisterspiele, Videokonferenzen, Einreisebeschränkungen, Kontaktverbot, Umarmungen, und so weiter.

Bevor man sich über das neue normal den Kopf zerbricht, sollte man auch mal gucken, was das „alte normal“ ist und war.
Und was davon auch im neuen normal stattfinden soll.

Dazu ein paar Fragen:

Wie konnte es für viele Menschen normal werden, unbedingt jeden Tag Fleisch essen zu müssen?
Zum Beispiel irgendwelche zusammengefegten Fleischreste, die in Tierdärme gestopft werden, für die die Hackfresse Dieter Bohlen mit den Worten: „Mann, ist das ne Wurst!“ eine ziemlich sexistische Werbung gemacht hat.
Oder diese trostlosen schrumpeligen Bockwürste, die es an fast jeder Tankstelle an der Kasse gibt. Wer will die essen? Und wer isst die? Und warum? Wann ist es normal geworden, dass in jedem größeren Supermarkt eine Fleischtheke von der Länge eines Linienbusses steht?

Wann ist es normal geworden, dass Menschen, die es sich leisten können, sich aus ihrer Eigentumswohnung in den Fahrstuhl Richtung Tiefgarage schleppen, um dort in den komplett übermotorisierten Neuwagen zu steigen und damit in die Tiefgarage vom Gym zu fahren, wo man eine Runde auf dem Laufband schwitzt?

Wie konnte es normal werden, dass Leute, die eine in einem Garten gewachsene Gurke sehen, sagen: „Krass! Die sieht ja echt aus wie eine aus dem Supermarkt!“

Warum konnte es normal werden, dass man mal eben kurz zum Shopping nach Barcelona oder London oder Mailand fliegen kann?
Für 16 Euro.

Wann ist es normal geworden, dass nicht alle Kinder in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, dieselben Bildungschancen haben?
Und: wann ist es normal geworden, dass es allein in Deutschland tausende Kinder gibt, die in Armut leben müssen?

Warum ist es normal geworden, dass rechtsradikale den Diskurs bestimmen?

Warum ist es normal geworden, dass es eine „dritte Welt“ und „Schwellenländer“ und „Industrienationen“ gibt?

Wann ist es normal geworden, dass Verschwörungstheoretikern, Populisten, Spaltern, Zersetzern und Hassmenschen zugehört wird – und dass Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen wollen, ausgelacht werden?  

Wann ist es normal geworden, dass aus sozialen Medien sie asozialen Medien geworden sind?

Warum sind Waffenexporte normal?

Wann wird es normal, nicht rassistisch zu sein? Wann wird es normal, nicht sexistisch zu sein? Wann wird es normal, nicht homophob, nicht antisemitisch zu sein? Wann wird es normal, dass alle Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Klimakatastrophe wenigstens einzudämmen, tatsächlich ergriffen werden?
Wann wird es normal werden, Menschen und ganze Kontinente nicht mehr auszubeuten?

Wann kommt „the wise normal“, die „vernünftige Normalität“?

DIE MITTE.

Tauben sind mit einem natürlichen Kompass ausgestattet. Egal, wo man die kleinen Racker aussetzt: Sie finden immer wieder nach Hause. So ähnlich wie Besoffene. Und wenn sie unterwegs sind, kacken die Klumpfußwesen parkenden Autos aufs Dach. (Die Tauben, nicht die Besoffenen.)

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Brieftauben den Stand der Sonne und Sterne sowie das Magnetfeld der Erde als Orientierungswerkzeug verwenden können und zusätzlich visuelle Anhaltspunkte nutzen. „Bei der Pappel rechts abbiegen, dann dritter Strommast links – und dann da der Opel Corsa….“
Diese kleinen Milbenschleudern mit ihrem nervenzersetzenden Dauergegurre haben außerdem ein System verbaut, auf das jeder Radfahrer, der in einer Großstadt unterwegs ist, neidisch sein dürfte: Sie lassen sich nicht von Autos überfahren.

Tauben eignen sich auch hervorragend als Einleitung für einen Text über Menschen.

Der Großteil der deutschen Menschen ist mit einem Wege-Vermessungs-Sensor ausgestattet: Egal, wo man sie aussetzt, sie bewegen sich immer exakt in der Mitte.
Dabei ist es egal, ob die Menschen auf einem Fußweg, einem Radweg, auf einer Autobahn oder in ihrer gesellschaftlichen Position unterwegs sind: ihr implementierter Gyroskop hält sie immer genau mit dem gleichen Abstand von links und rechts.
Man könnte Menschen auch mit verbundenen Augen und mit Gehörschutz auf einem Acker in Turkmenistan aussetzen – sie würden automatisch die Mitte finden. Ist es zwanghafter Symmetriewille?

Wissenschaftler streiten noch, was genau das Phänomen ist, und wie es einzuordnen ist. Und sie untersuchen auch, ob Tauben vom Menschen abstammen – oder umgekehrt. Aber was können die Ursachen für den zwanghaften Drang sein, sich immer zentriert bewegen zu müssen?

-> Angst ist ein Motiv

Eine Erklärung des Heidelberger Instituts für Bewegungspsychologie ist die Angst der Deutschen.  
Zum Beispiel die mächtige Angst davor, mit dem Ellenbogen an einem Gebüsch entlang zu schubbern und irgendwann in eine besondere Stoff-Abhängigkeit zu kommen. Ärmel gehen kaputt. Jacken wetzen ab.
Die Abwärtsspirale droht: es muss immer mehr Kleidung repariert und besorgt werden, dafür müssen immer mehr Wege zurückgelegt werden. Immer mehr Wände, Gebüsche, Straßenlaternen und Häuserfassaden liegen an diesen Wegen. Beschaffungskriminalität ist die nächste Station. Und dann geht es immer schneller.

Wer mal genau hinsieht, bemerkt: viele Menschen, die mit Handschellen gefesselt auf Polizeirevieren sitzen und auf ihre Vernehmung durch Beamten warten, haben aufgerissene Ellenbogen. Auch bei Aktenzeichen XY ungelöst und im TATORT ist das zu beobachten.
In amerikanischen oder britischen Krimiserien hingegen haben die Verhafteten immer unversehrte Ellenbogen.
Dann ist da natürlich noch die pure Angst davor, überholt und abgehängt zu werden. Nicht nur physisch, sondern auch in der gesellschaftlichen Position. Eine furchtbare, diffuse Angst. Dieser Druck lässt die Menschen in der Mitte gehen. Immer.

-> Macht ist eine Erklärung.

„Meins, meins, meins! Ich mache hier Karriere! ICH! Du nicht! Das ist MEIN WEG“, denken viele, während „my way“ von F. Sinatra als Ohrwurm am Thalamus knabbert.
Empathielose ICH-Menschen mit einem ausgesprochen miesen Arschlochverhalten und einem hohen narzisstischen Anteil lassen natürlich niemanden vorbei.

WÄRE JA AUCH NOCH SCHÖNER!

ICH habe mir diesen Platz hier erkämpft. Und ich lasse mich GANZ BESTIMMT nicht überholen. My life is my Schreibtisch!
Solche Mittelgänger sind innerlich Konzernchefs mit einer archaischen Grundhaltung und leben in ihrer undurchdringlichen Herrschaftsblase. Keulenschwingend. Mammut jagend. Feuersteine aneinander schlagend. Frauen hinter sich herziehend. Gutturale Laute von sich gebend.

Prof. Olaf Borselius vom Frankfurter Machtinstitut dazu: „Was nerven Sie denn mit so einer Frage? Sehen Sie zu, dass Sie Land gewinnen, ich habe keine Zeit, mich mit Kretins wie Ihnen aufzuhalten. Ich werde Sie jetzt in den Ruin klagen!“

-> Unentschlossenheit ist ein Motiv.

Wer mal ganz gepflegt ausrasten möchte, geht mit jemandem Essen, der sich immer in der Mitte eines Weges bewegt. Am besten mit jemandem, der mittelalt ist.
„Hm. Ich weiß überhaupt nicht, was ich nehmen soll. Vielleicht Fisch. Aber Fleisch ist auch schön. Oder was Vegetarisches. Vegan? Tja. Tja. Tja-haaaaaaaa.
Was nimmst du? Ach, ich weiß gar nicht, ob ich etwas essen möchte. Oh. Mein Magen knurrt – vielleicht habe ich doch ein bisschen Appetit. Sollte ich mit dem Nachtisch anfangen? Oder erstmal was trinken? Wein? Bier? Wasser? Mit Sprudel? Ohne? Medium? Heilwasser? Quellwasser? Warm? Kalt? Lauwarm?“


Und so weiter.

Spätestens nach 20 Minuten des Lavierens möchte man diese Menschen mit der Speisekarte, der Pfeffermühle und einem Tischbein füttern.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen, deren Lebensantrieb Unentschlossenheit ist, mehr als drei Mal so viel Zeit vor Kleiderschränken verbringen wie Menschen, die entschlossen links oder rechts gehen. Platzverschwendung wegen Zeitverschwendung. Unentschlossenheit, von Unsicherheit genährt. Wie so ein Lungenfisch, der am Strand liegt und nicht weiß, ob er doch lieber zurück in den Ozean kriechen soll.
In einem Kölner Büroartikelgeschäft soll Rainer J. seit 43 Jahren, 8 Monaten und 13 Tagen stehen, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er ein liniertes oder ein kariertes Notizheft haben möchte.

-> Bequemlichkeit ist ein Motiv.

Lebensziel Egal: Immer schön mittig positionieren, damit man zur Not nach links oder rechts pendeln kann. Von da aus dann gleich wieder in die Mitte schielen, damit man immer wieder schnell in jede Richtung neigen kann.
Was nach schmalem Fußweg oder nach Autobahn klingt, ist vorrangig im Kopf vieler Menschen aktiv. Beim Wahlverhalten, in der gesellschaftlichen Position. VW Golf ist gut. Größe M ist gut. Pauschal ist gut. GroKo ist gut. 1,75 Körpergröße ist gut. Nicht nachdenken ist gut. Das-machen-was-alle-machen ist gut. „Wir haben das schon immer so gemacht“ ist gut. Flachbildfernseher ist gut. Masse ist gut. Bestseller sind gut. Borniertheit ist gut. Das, was im Radio läuft, ist gut. Schuhgröße 43 1/2 ist gut. Haben alle, muss man auch tragen. Egal, ob man 45er Füße hat.

-> Abnutzung ist eine Ursache.

Kennt man vielleicht von der Autobahn oder von viel befahrenen Straßen: Da, wo LKW mit ihren 40 Tonnen Gewicht dauerhaft fahren, bilden sich Spurrillen. Reifen wollen immer in diesen Rillen fahren, man merkt, wie es am Lenker zerrt.
Ein ähnliches Phänomen gibt es auf jedem deutschen Fußweg.
Da, wo viel Gewicht mäandert, sackt der Weg ab. Und Fleischmasse glibbert zäh in diesen Abnutzungsgraben. Physik. Mit einer beachtlichen Gleit- und Absackgeschwindigkeit von 1,28 m/s bewegen sich die Körper Richtung Mitte.
Viele Deutsche können sich diesen Kräften nicht widersetzen, kommen dort schwerer wieder raus als angeschossen aus dem Schützengraben anno 1943.

-> Eine Mischung aus allem + Dummheit ist ein Motiv.

Auf der Welt leben gut acht Milliarden Menschen. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass hinter einem ein anderer Mensch in einer etwas höheren Geschwindigkeit unterwegs ist, ziemlich hoch.

Eine Bitte:

Bitte geht nicht in der Mitte. Bitte fahrt nicht in der Mitte.
Geht rechts. Fahrt rechts. Wählt aber nicht rechts.

Danke.

US F**KING A.

Die USA, das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten.

Ich möchte sie mit Gehwegplatten füttern, ihnen den Arsch aufreißen und sie über einen Betonpoller stülpen. Ich möchte sie mit Scherben waschen und sie danach salzen. Ich möchte ihnen das Gehirn rauspusten. Ich möchte sie mit dem Vorschlaghammer bearbeiten. Ich möchte, dass ihnen der Schwanz abfällt.

Und ich möchte mit den Eltern reden.

Ich möchte, dass diese Scheißkakerlaken niemals im Leben einen Job bekommen – bei jedem einzelnen Bewerbungsgespräch – und sei es als Einkaufswagenzusammenschieber – sollen ihnen diese Bilder gezeigt werden. Und dann sollen die Chefs sagen: „Nein, du Arschloch! Du wirst hier niemals einen einzigen Cent verdienen. Verpiss dich!“

Wenn sie jemals heiraten wollen, soll ihnen der Pastor im Moment der Trauung genau diese Fotos zeigen und zur Braut sagen: „Nein. Sie werden diesen widerlichen Typen nicht heiraten. Gott hasst euch!!!“
Sie sollen an den digitalen Pranger gestellt werden. Und auch an den analogen.
Sie sollen auf dem Boden aufschlagen und Crack-abhängig werden, sie sollen alles verlieren, was sie haben. Und alles, was die Eltern haben, soll auch bei drauf gehen.

Und sie sollen ab sofort schlimmer kontrolliert werden als jeder Schwarze. Sie sollen Rassismus erfahren. Sie sollen nach Guantanamo. Da sollen sie voll durchgefoltert werden.
Sie sollen alle Krankheiten bekommen, die man bekommen kann – gleichzeitig.
Sie sollen auf einem brennenden Fluss direkt in die Hölle fahren. Sie sollen fallen, am Boden zerschellen – und nie wieder aufstehen.

Und immer wenn sie fragen, „warum das alles? Reicht es nicht langsam mal?“, werden ihnen diese Fotos gezeigt und dann bekommen sie einen Elektroschocker an den Hals gehalten und sie werden betäubt. Und wenn sie aufwachen, werden drei Hundertkilotypen in Polizeiuniform auf ihnen knien.

Sie sollen buchstäblich in der Hölle schmoren.

Wenn ich schreibe, was ich wirklich mit diesen Menschen machen möchte, werde ich lebenslang gesperrt. Und wahrscheinlich komme ich auch direkt in U-Haft. Oder in eine Psychoklinik.

Wenn ich sage: „Ich hasse Menschen“, dann meine ich genau solche verfickten, erbärmlichen Typen wie diese hier.

Ich hasse Menschen.

Und: Nein. Keine Diskussion im Sinne von: „Sie sind jung – da macht man Fehler.“

Quelle:
https://www.reddit.com/r/awfuleverything/comments/gvrwhn/george_floyd_challenge/


IHR SEID TOLL!

Ihr geht einkaufen und tragt eure Maske, als wäre nichts gewesen. Maske? Hä? Welche Maske überhaupt?
Ihr probiert neue Rezepte aus und spielt viel mit euren Kindern. Lego, Backgammon, Schach, die Siedler von Catan, alles, was es gibt.
Ihr topft eure Zimmerpflanzen um, ihr telefoniert viel und schreibt.
Und ihr malt Bilder. Warum auch nicht?

Ihr würdet sehr gern in eure Lieblingskneipe gehen oder in den Club, der seit Monaten geschlossen ist, aber ihr seid geduldig. Die ausgelassenen Abende in eurem Lieblingsrestaurant? Tja. Lange her. Lange hin.
Ihr denkt viel nach, kalibriert eure Ansprüche – und wenn es euch zu viel wird, putzt ihr auch mal unterm Herd.

Außerdem lest ihr Bücher und guckt die Serien, die ihr schon lange mal gucken wolltet. Ihr repariert ihr eure Fahrräder, ihr macht euch natürlich Sorgen. So wie alle.

Ihr seid im Home-Office und versucht zu arbeiten, während ihr gleichzeitig die LehrerInnen eurer Kinder seid und versucht, irgendwie eine Normalität herzustellen. Kostet viel Kraft – und die bringt ihr auf.
Ihr wisst, dass dieses Jahr wohl kein Urlaub drin ist und dass sich gerade echt viel verändert. Wie es im Job weitergeht? Wisst ihr nicht. Eure Existenz ist mindestens gefährdet. Was kommt nach der Kurzarbeit? Was sind nächste Schritte?

Ihr seid kritisch, ihr hinterfragt, es juckt euch in den Fingern – aber ihr seid geduldig. Ihr lasst euch nicht von der diffusen Angst anstecken und glaubt nicht jeden Quatsch.

Ihr glaubt aber, dass ihr euren Teil beitragen könnt. Ihr fragt eure Nachbarn, ob ihr ihnen irgendwie helfen könnt, ihr werdet gerade Hobby-Ornithologen oder backt Brote aus Sauerteig. Ihr versucht, Dinge besser zu machen, statt schlechter.
Wenn man euch beschimpft, lächelt ihr und denkt euch euren Teil.

Ihr seid schlau. Ihr seid die Guten. Ihr seid die Wichtigen. Ihr seid empathisch. Ihr habt sehr große Herzen, überhaupt: Ihr seid großartig!

Und wisst ihr was? Ihr seid nicht allein.
Ihr seid nämlich der Großteil der deutschen Bevölkerung. Von euch gibt es sehr viele. Zum Glück!

Danke dafür, dass ihr so seid, wie ihr seid.