Ich war schon mal lustiger.

Guten Tag,

wir schreiben das Jahr 2007 und ich bin jetzt offiziell Blogger. 

Ok. Ich sehe gerade, dass ich mich vertan habe: wir haben das Jahr 2019 und ich hinke dem Trend ungefähr 8 Jahre hinterher. Egal.
Alle sind jetzt Influencer oder züchten Tomaten – und ich kritzel tatsächlich hier in diesem Blog rum auch wenn es so anfühlt als würde ich meine Gedanken in eine Steintafel meißeln, sie per Fax an Horst Seehofer schicken, der sie auf Thermopapier ausdruckt und per Telegramm ins Internet bringt.

„Früher warst du echt mal lustiger“ höre ich immer häufiger. Das ist eine wunderbare Mischung aus Kompliment und Enttäuschung.
Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur nicht mehr lustig – ich bin langweilig und peinlich. Und nicht ganz dicht.
Sagen zumindest viele Menschen, die mir nahe stehen. 

Wenn ich nicht nerve und mich in die gesellschaftlichen Themen einmische, lehne ich schmollend an einer Wand und überlege, einen Podcast zu machen. Den bringe ich dann pünktlich im Herbst 2073 raus.

Ach so: rechnen kann ich auch nicht. 

DIE LISTE.

Eine hübsche Lautsprecherstimme rief mich persönlich auf und befahl mir, mich in Raum 328 einzufinden. Und da saß ich jetzt, vor mir eine Mittvierzigerin, die sich ziemlich erfolgreich für Anfang dreißig hielt. Im Ohr hatte ich immer noch das Quietschen der Gummisohlen auf dem blau marmorierten Linoleumboden, mit dem der schätzungsweise vier Kilometer lange Flur ausgelegt ist. Routiniert, für mich und mein zartes Gemüt etwas zu routiniert, reichte sie mir eine Liste, stellte eine Stoppuhr auf und spulte ihren Text herunter.

„Hier die Liste. Suchen Sie sich was aus.“

„Irgendwas?“

„Ja.“

„Also einfach so irgendwas?“

„Suchen sie sich ganz einfach irgendwas aus.“

Ihr Blick erfasste jede meiner Körperzellen. Sah sie jeden so durchdringend an? Schielte sie leicht? Quietschen Ledersohlen auch auf Linoleum? Was würde mich hier überhaupt erwarten? Langsam begannen meine Nieren, die erste kleine Einheit Adrenalin in meine Blutbahn zu pumpen. Sie startete die Stoppuhr.

„Gut. Ich lass Sie jetzt allein, in ziemlich genau einer Stunde bin ich wieder da.“

„Danke“

„Oh. Gern geschehen“.

Wir sahen uns einen Moment lang in die Augen. Ihr Blick wollte mir verraten, dass sie frischem Welpenfleisch nicht abgeneigt war. Sie schient auch gern kleine Kinder zu treten.

„Gut. Ich fang dann einfach schon mal an zu blättern“.

Fragte sich nur, womit, denn meine Hände waren jetzt so schweißdurchflutet, dass ich sämtliche Bewässerungsprobleme aller Wüstenstaaten der Welt allein durch die Nähe meiner Fingerkuppen hätte lösen können.

„Sie haben noch exakt 58 Minuten und 26 Sekunden“, sagte sie, ohne auf die Uhr zu gucken.

Sie drehte sich um und schlüpfte durch den Türrahmen nach draußen. Die Tür, feuerfest, hellgrau und schätzungsweise mehrere Tonnen schwer, war auf dem besten Weg, ins Schloß zu schnappen und erst nach einer Stunde wieder geöffnet zu werden.

„Äh…“

Wortlos sah sie sich um und warf mir einen Blick zu, der die gesamte Fauna ausrotten konnte.

„Ich wollte nur noch kurz wissen, ob ich eine Sache oder mehrere, also ich meine muss ich…“

„Eine Sache. Sie haben jetzt noch genau 57 Minuten und elf….zehn….neun….Sekunden, um sich eine einzige Sache auszusuchen. Eine Sache, 60 Minuten. So wie es im Vertrag steht, den sie eben gerade unterschrieben haben. Da stand drin, dass sie heute hier sind, um sich eine Sache auszusuchen, die ihr Leben verändern wird. Und da stand drin, dass sie, sobald sie diesen Raum betreten und die Liste vor sich liegen haben, genau sechzig Minuten Zeit haben, sich diese eine lebensverändernde Sache auszusuchen, die wir dann für sie umsetzen werden. Eine Sache. Eine. Noch Fragen?“

Klack. Dann fiel die Tür ins Schloss.

In mir hatte ich das gesammelte Selbstvertrauen eines kleinen Jungen, der gerade beim Bonbonklauen erwischt wurde.
Jetzt war ich allein in diesem Raum. Allein mit dem Tisch, auf dem der Wecker stand und dem Katalog. Die Sekunden verstrichen. Und noch mehr Sekunden verstrichen. Dann erst schlug ich die erste Seite auf. Das Umblättern rang mir mehr Kraft ab als ich für einen Marathon gebraucht hätte – den Mount Everest rauf.
Die Worte, auf dem Papier der ersten Seite waren noch dabei, sich durch meine Pupillen zu zwängen und den Weg in mein Gehirn zu suchen, als meine Gedanken abschweiften. Ich musste an die Anzeige denken, auf die ich mich zwei Wochen vorher beworben hatte.

Unter der Rubrik „Sonstiges“ stand: Machen Sie mehr aus sich!. In nur einer Stunde können Sie bei uns Ihr Leben verändern. Anruf genügt. INSAS Institut, Böblingen

Ich hatte damals überhaupt nichts zu tun und rief da an. Job weg. Freundin weg. Auto weg. Freunde weg. Freude weg. Alles weg. Nur die Langeweile, die auf mir lag wie ein Zementsack, war da. So konnte es nicht weitergehen. Also rief ich da an.

Erstaunlicherweise bin ich gleich durchgekommen und das größte Wunder war, dass sie mich tatsächlich eingeladen haben. Nicht mal die Fahrt musste ich bezahlen.

Und jetzt lag sie vor mir: Die Liste.
Darauf standen die Dinge, aus denen ich eine Sache auswählen musste. Eine Sache. Eine. Nicht mal mehr 40 Minuten.

Also was nehm ich?

Ein Matschauge für den Rest des Lebens?
Einen nervenden Nachbarn, der immer mit einem umzieht?
Hypochondrie?
Chronisch Pleite sein?
Faulige Füße?
Jemanden aus versehen töten?
Eine Psychose?
Zu viel Geld?
Neider?
Ständiger Misserfolg?
Vergessen werden?
Eine sehr schwache Blase?
Cotton Eye Joe als Dauerohrwurm?
Angst vor Türen?
Immer zu spät sein?
Jeden Monat einen Wohnungsbrand?
Gedanken lesen können?
Nie wieder richtig verstanden werden?
Immer das falsche kaufen?
Immer falsch abbiegen?
Immer über das Falsche lachen?
Nur unfreundliche Menschen, die einem begegnen?
Nie wieder zufrieden sein?
Die Sorgen eines anderen?
Immer betrogen werden, egal, was ich mache?
Sehr unangenehmer Körpergeruch?
Jedes Fettnäpfchen mitnehmen?
Das Gefühl verlieren?
Süchtig nach DIN A 3-Papier sein?
Perfekter Perfektionismus?

Nicht mal mehr fünf Minuten.

Vielleicht sollte ich einfach die Unentschlossenheit nehmen.

Oder?

WAS FÜR EIN SPIEL!

„Unerklärlich“, „unbegreifbar“, „noch nie sowas erlebt“, „absolut kacke!“, „die da oben wollen uns doch verarschen!“: Die deutsche Bevölkerung und die Trainerin Angela Merkel rangen nach dem Impfdebakel gegen Covid-19 um Worte.
Das, was da gerade auf den 357581 Quadratkilometern passiert, kann noch keiner von ihnen so recht fassen.

Viele Wochen hatte die deutsche Mannschaft eine der besten Leistungen der letzten Jahre gezeigt. Gegen ein aggressives Virus kombinierte das Team konzentriert, sicher und oft spektakulär.
In einer überragenden Anfangsphase wurde der Laden hinten dichtgemacht und vorne gut reinkombiniert. Das hervorragend eingestellte und eingespielte Team ging hochmotiviert zur Sache.

Die Zahlen waren, gemessen an den Umständen, fantastisch, alles sah nach einer fast mühelosen Krisenbewältigung aus. Statt wie erwartet als schwerste Pandemie präsentierte sich Covid-19 als beherrschbares Virus. „Wir haben wochenlang alles im Griff gehabt, die schlimmste Phase dominiert. Durch schlaue Maßnahmen und durch die märchenhafte Biontech-Geschichte“, sagte Merkel später. „Einen so klaren Vorsprung aus der Hand zu geben, ist normalerweise nicht möglich. Wir haben den Impfstoff entwickelt. Im ganzen Land herrscht jetzt Totenstille. Alle hängen zu Hause in ihren Sesseln und Sofas und sind entweder total wütend oder komplett sprachlos“, so die Kanzlerin.

Angeführt von der britischen Covid-Mutante B.1.1.7 

Mit der ersten Mutation bestimmte schnell wieder das Virus die Partie.
Unklare Lockerungsdiskussionen, freidrehende Ministerpräsidenten, eine von ekelhaft spielenden Boulevardjournalisten und Verschwörungstheoretikern aufgepeitschte, wütende Bevölkerung und eine verheerende Impfstrategie brachten das Virus zurück ins Spiel.

„Es ist darauf zurückzuführen, dass jeder sich zu sicher gefühlt und einen Schritt weniger gemacht hat“, versuchte sich Prof. Christian Drosten an einer ersten Analyse. „Wenn man erst alles unter Kontrolle hat und am Ende stehen wir nach vielen Wochen mit einer mickrigen Impfquote da, dann ist was schief gelaufen“, sagte eine Pflegekraft, die nicht genannt werden möchte: „Nach Weihnachten ist alles zusammengebrochen, das darf einem Spitzenteam, das in Führung liegt, nicht passieren.“

Die Wissenschaftler machten von Beginn an viel Druck auf das Virus. Ratschläge wurden befolgt, es wurde gut zusammengearbeitet, Probleme wurden angegangen und schnell gelöst. Ungewöhnliche Maßnahmen, wie zum Beispiel die Senkung der Mehrwertsteuer, Balkonklatschen für Pflegepersonal und wirklich gut durchdachte Hygienekonzepte reihten sich aneinander. Die Abwehrarbeit war hervorragend. Auch, weil Deutschland mit Jens Spahn einen gut spielenden Gesundheitsminister hatte. Die Zahlen stimmten – während viele europäische Nachbarn extrem zu leiden hatten, stand Deutschland verhältnismäßig gut da.

Die meisten Deutschen waren extrem diszipliniert, Abstandsregeln, Händewaschen, Homeschooling und Homeoffice liefen den Umständen entsprechend gut, es wurde schnell eine App entwickelt. Die Solidarität war hoch. Die Maßnahmen griffen.

Das Virus schien unter Kontrolle, die heißen Sommertemperaturen taten ihr Übriges. Das Land konnte aufatmen – und das inmitten einer Pandemie, die die menschliche Lunge zerstört.

Als der Impfstoff entwickelt und zugelassen wurde, schien die der Kampf gegen das Virus entschieden. Jeder in der Bevölkerung wusste, was ein Inzidenzwert ist, die Regeln schienen klar, man wusste, was zu tun – und was zu lassen war. Die Erleichterung war bis in die Intensivstationen zu spüren. Dann brach alles zusammen. Erst kam Weihnachten, dann die Mutante. Dann das Versagen. Und dann stiegen die Zahlen.

Falsche Entscheidungen und falsche Diskussionen

Innerhalb von wenigen Augenblicken war Covid-19 zurück in der Partie. Fast jede Neuinfizierung sorgte plötzlich für Gefahr, nun war es Deutschland, das sich kaum befreien konnte. Unklare Bestimmungen, planloses Handeln, Falschbestellungen, Unsicherheit und ein föderalistisches System, das nicht mehr zum grenzenlos agierenden Virus passte. Die einzig erwähnenswerte Aktion: der neue Candy Crush-Rekord vom CDU-Vorsitzenden Armin Laschet.

Eine lächerliche Impfquote, undurchsichtige Aktionen und Bestimmungen, die man nicht ernst nehmen kann – das waren die aktuellen Ergebnisse. Auf einem Corona-Gipfel wurde vom Spielfeldrand reingeschrien, was zu tun ist. „Hintenrum!“, „Quer!“, „Mach du, ich weiß auch nicht!“, „Locker!“, „Easy!“, „Kneipe!“
Und Bundestrainerin Merkel hat kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit den letzten Trumpf aus dem Ärmel gezogen: Die Taskforce zur Impflogistik wurde eingewechselt.

„Der Verkehrsminister Andreas Scheuer hat unser vollstes Vertrauen – er hat schon oft in entscheidenden Situationen gezeigt, was in ihm steckt.“, sagte Merkel. „Denken Sie allein an die Maut.“

———————————————

Am 27. Dezember 2020 wurden in Deutschland die ersten Menschen gegen Covid-19 geimpft. Bis zum 04. März 2021 wurden in Deutschland 4.541.389 Menschen geimpft. Das sind gerade mal 5.5 % der Bevölkerung.

Hier der original-Spielbericht:

https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-nationalmannschaft-deutschland-spielt-nur-4-4-gegen-schweden-a-861690.html

SEHR GUT!

Tja. Die Leidtragenden der Pandemie: alle (bis auf die wenigen Ausnahmen, die aus der Pandemie einen saftigen Profit schlagen).

Für die allermeisten wird sich das Leben allerdings irgendwann demnächst wieder irgendwo Richtung Normalempfinden einpendeln. „Irgendwann demnächst, irgendwo“ – das waren jetzt viele weiche Wörter, schön unkonkret, ich weiß. Aber es wird besser werden, die Pandemie wird bald unter Kontrolle sein. Daran glaube ich fest.

Natürlich wird nichts mehr sein wie vorher, es wird viele Pleiten, viele fiese Schicksale und neue Gewohnheiten geben, aber in ein, zwei Jahren, vielleicht sogar schon in ein paar Monaten, wird man bei einem schalen Bier aus dem Plastikbecher auf einem Stadtfest stehen, sich zuprosten und sagen: „Wir hier! Das wäre 2020/21 nicht gegangen! Prost!“
Es kann natürlich jede andere vollkommen undenkbaren Situation sein, wie zum Beispiel: Bei einem Spaziergang anhalten, ohne Maske auf einer Parkbank sitzen oder einen Kindergeburtstag mit mehr als einem Kind feiern.

Kinder.

Sie sind die wirklich Leidtragenden: Kita-Kinder, die verzweifelte und ängstliche Home-Office-Eltern aushalten müssen, Grundschüler:innen, die von wütenden Eltern unterrichtet werden müssen, Jugendliche, die sich zwischen eigenem Hormonlotto, der Unfähigkeit der Lehrkörper und der Verzweiflung der Eltern entscheiden müssen.
Aber diese Kinder haben zumindest die Chance, irgendwann wieder in normalen Bahnen lernen zu können.

Wer das Leben lang mit einem Stigma und einer vollkommen zu Unrecht aufgerückten Etikettierung zu kämpfen haben wird, sind die Kinder und Jugendlichen, die genau jetzt ihren Abschluss machen. Egal, ob ESA, MSA oder Abi. (Erst-Schulabschluss, mittlerer Schulabschluss oder Abitur). Egal, welcher sozialen Schicht zugehörig.
Das sind laut statistischem Bundesamt mal eben kurz 1,8 Millionen Menschen.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/_inhalt.html

Diese Kinder und Jugendlichen werden irgendwann in einem Vorstellungsgespräch sitzen – wenn sie es überhaupt bis dahin schaffen – und dann werden die Menschen am anderen Ende des Tisches die Augenbrauen hochziehen, die Lippen schürzen und mit verständnisvoller Stimme sagen: „Ah, ich sehe gerade: Corona-Abschluss…“, und in diesem Moment wird die Klappe fallen.
Der Senior Human Ressources-Manager oder Unternehmens-Boss wird wohlwollend eine von diesen übertrieben kleinen Minifläschchen Apfelsaft anbieten, was exakt das Äquivalent für die Chancen der Bewerberin oder des Bewerbers im Unternehmen ist: Mehr als eine Karikatur einer Chance wird das nicht sein.

Und genau dieses Bild, das gerade entsteht (nicht nur hier im Text, sondern vor allen Dingen in der Medienlandschaft), sollte schnellstmöglich gedreht werden.

Diese 1,8 Millionen Absolvent:innen haben in einer Pandemie, in der sehr viele Entscheider:innen so planlos umhergeirrt sind wie Hühner, denen man gerade den Kopf abgeschlagen hat, mal eben ihren Abschluss gemacht.
Und zwar trotz überforderter Lehrkräfte, einem bundesweiten Digitalisierungsstandard auf dem Niveau eines Faxgerätes von 1989, trotz sozialer Abnabelung, trotz maximaler Unsicherheit. Die können gar nicht anders als gut sein.

Und genau deshalb haben diese Absolvent:innen haben viel mehr verdient als eine verächtliche Alibi-Chance.

Liebe Personalabteilungen, wenn ihr jemanden mit einem 20/21er Abschluss bei euch sitzen habt: schiebt ihnen kein Minifläschchen Apfelsaft rüber. Stellt ihnen einen ganzen Kasten hin.
Das sind gute Leute. Sie können mit Druck umgehen, sie sind maximal flexibel und sehr viel besser als jede Abschlussnote es jemals ausdrücken könnte.

Und vor allen Dingen haben sie in der Pandemie etwas gelernt, was man in der Schule eben nicht beigebracht bekommt: Sie wissen, wie man durch eine Krise kommt.

Jedes ins Zeugnis gestempelte „ausreichend“ ist, gemessen an den Umständen, also ein „sehr gut“.

Mindestens.







DREI FRAGEN.

Wie soll man mit Autofahrern, die es noch nicht mal schaffen, beim Abbiegen ihren beschissenen Blinker zu benutzen, eine Verkehrswende hinbekommen?

Wie soll man mit ignoranten Trotteln, die es noch nicht mal schaffen, beim Einkaufen eine Maske zu tragen, eine Pandemie unter Kontrolle bringen?

Wie soll man mit engstirnigen Wählscheibengehirnen, die James Bond für echt halten, die Kredite für Autos aufnehmen, die zwei Tonnen wiegen und bei 250 Km/h automatisch abgeriegelt werden und deren Felgen ein Monatsgehalt kosten, die keinen Pauschalurlaub mehr im Hotel wollen, weil das ja pauschal und nicht angesagt ist, aber ohne mit der Wimper zu zucken zwei Wochen auf der AIDA buchen, die pro Sommer zwei bis drei Einweggrills, elfkommedrei Kilo Nackensteaks von der Tanke in Neonmarinade und 160 Liter Dosenbier verbrauchen, die ihren alten Saugdiesel anschmeissen, um die 400 Meter zum Supermarkt bollern, den sie verfluchen, weil es da keine Plastiktüten mehr gibt, die Bock auf Heizpilze, Bock auf Leistung, Bock auf Hubraum, Bock auf Shoppingtrips mit dem Düsenflieger nach Mailand, die Bock auf Vollgas, die Bock auf beheizte Whirlpools im Garten, die Bock auf schales Bier aus dünnwandingen Plastikbechern haben, eine Klimawende hinbekommen?

AAAAARRGGGLLL!!!

Wut auf die Maßnahmen. Wut auf die Regierung. Wut auf die Medien. Wut auf Karl Lauterbach. Wut auf die Kommentarspalte. Wut auf das Auto vor einem. Wut auf die Arbeit. Wut auf den Teppich. Wut auf das Haustier. Wut auf die Promis.
Wut auf die Reihenfolge. Wut auf die Enge. Wut auf die eigenen Kinder. Wut auf den Stammtisch. Wut auf den Staub. Wut auf die Frisur. Wut auf das Denken. Wut auf das Wetter. Wut auf die Zahlen. Wut auf die Folgen. Wut auf die Worte.
Wut auf die Wut.

Wut auf alles da draußen.

Ich möchte nicht klingen wie ein Dorfpastor oder irgendein YouTube-Mentalcoach, der einem basische Holzketten gegen den Schmerz für 1350,- Euro das Stück verkauft.

Aber die Wut ist nicht da draußen – sondern da drinnen, in einem selbst.

Ich kenne das – auch ich bin sehr oft sehr wütend. Es ist richtig und wichtig, die Wut rauszulassen. Schreien, Meckern, Stampfen, laut Musik hören. Rennen. was auch immer. Ich bin gerne wütend.
Aber es ist noch wichtiger, sie zu kontrollieren und irgendwann mal gut sein zu lassen.
Denn sonst übernimmt die Wut das Kommando. Wut treibt an, Wut beschleunigt, Wut macht noch wütender. Und noch wütender. Und so weiter.

Mitten in der ganzen Wut gibt es aber einen hellen Fleck: Die Besonnenheit.

Und es ist gar nicht so doof, bei der ganzen Wut da drinnen und da draußen, ab und an mal ein bisschen besonnener zu sein. Impulskontrolle ist eine gute Sache.

Gilt für mich, für viele Multiplikator:innen, für Medienmenschen, für Journalist:innen und für alle, die irgendwo in die Kommentarspalte schreiben.

Ok?

Easy. Danke.

(Ich lese mir diese Zeilen selbst vor, wenn ich mal wieder schäume. Denn ich bin noch lieber nicht wütend als wütend.)

WARUM ES SICH NICHT LOHNT, LEUTEN WIE ULF POSCHARDT ZU FOLGEN.

Twitter nutze ich wegen der Nachrichten. Ernsthafte Diskussionen kann man hier vergessen, es geht wirklich nur darum, informiert zu sein.
Ab und zu mal ein paar Witze und Annehmlichkeiten sind natürlich auch gut – das sind allerdings nur Begleiterscheinungen.

Ich folge vielen Leuten, mit denen ich politisch nicht zwingend auf einer Wellenlänge funke. Das mache ich, weil ich denke, dass andere Sichtweisen als die eigene wichtig sind. Diskurs ist wichtig. Der eigene Tellerrand sollte nicht der Horizont sein, wie ich finde.
In der eigenen Filterblase ist es zwar gemütlich, aber mehr als sehr angenehme likes und lautes Nicken auf das eigene Echo darf man da eben auch nicht erwarten.

Natürlich bin ich auch auf Twitter, um zu gucken, was die Menschen, denen ich folge, so von sich geben, wie sie das Medium Twitter nutzen. Welche Nachricht wird gerade verbreitet? Wie wird sie verbreitet? Wird es krude? Tendenziös? Wird sie Teil der Empörungsökonomie? Wie schnell geht es? Wie wird mit Informationen umgegangen? Ich kann da ne Menge lernen.
Zum Beispiel darüber, wie ich es nicht machen möchte, wie ich nie sein will.

So folge ich Ulf Poschardt, Julian Reichelt, sogar Erika Steinbach. Ich gucke selbstverständlich, was Stephan Brandner so macht. Alice Weidel und Beatrix von Storch haben mich blockiert. Benedikt Brechtken auch. Jan Fleischhauer gucke ich mir an, wenn ich gucken möchte, wie ein Mann, der die Scheidung noch nicht verarbeitet hat, sich gehen sein biederes Reihenendhaus-Image wehren möchte.
Donald Trump bin ich gefolgt, als er noch ein Twitter-Konto hatte. Und bei Don Alphonso gucke ich immer mal wieder, wen er gerade durchs Netz hetzt.

Zurück zu Ulf Poschardt.

Der Mann ist ohne Zweifel sehr klug. Er kann mit Worten umgehen. Er hat eine starke Meinung, er ist Geschäftsführer der „Welt“, einem Springer-Medium. Und er weiß ganz genau, was er tut.
Nämlich Benzin in die Glut kippen.
Nachrichten anderer Medien aufnehmen, sie einmal durch die Populismusmühle quetschen und weiterverbreiten.
Und die Nachrichten verbreiten sich ganz einfach wie eine brennende Benzinspur.

Diese brennende Spur geht vom „freien Liberalismus“ (für den Poschardt steht) ganz schnell zu den Konservativen über, von da frisst sie sich an den rechten Rand, wo die Rechtsextremen schon warten. Von Poschardt zur AfD ist es nicht weit.
Gibt es ein Distanzieren zu Leuten der AfD? Nein. Wird irgendwas dafür getan, das Feuer einzudämmen? Natürlich nicht. Warum denn auch? Brennt doch so schön.
Ulf Poschardt baut Mauern und fackelt Brücken ab. Die eigene Meinung, die eigene Blase wird eingemauert. Die Brücken, die Diskurs heißen, werden abgefackelt und eingerissen. Mit jedem einzelnen Tweet. Ich will gar nicht mutmaßen, wieso man so wird und ob der Name „Ulf“ in seiner Kindheit vielleicht eine entscheidende Rolle gespielt hat.

Am relativ aktuellen Beispiel Jella Haase kann man diese Brandspur ganz gut nachverfolgen. Die taz hat das mal kurz aufgearbeitet.

https://taz.de/Jella-Haase-und-die-RAF/!5750429&s=haase/

Alles, was Ulf Poschardt von sich gibt, ist erwartbar. Repetetiv. Immer und immer wieder. Repetetiv. Immer und immer wieder. Repetetiv. Immer und immer wieder.
Information aufnehmen, Benzinkanister aufdrehen, in die Glut kippen, zurücklehnen, gucken, was passiert. Das ist „stille Post“ mit Dynamit. Repetetiv. Immer und immer wieder.

Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand wie Ulf Poschardt ernsthaft etwas dagegen hat, dass die Menschheit die Klimakatastrophe abwendet. Man kann sich auch nicht vorstellen dass er Armut ernsthaft gut oder dass er es geil findet, wenn amazon kaum Steuern zahlt.
Trotzdem trötet er verhasste Zeilen gegen Klimaaktivismus raus. Und gegen vermeintlich „Linke“ Ideen. Alles immer schön laut und durchdringend.

Warum er das macht?

Zwei Gründe.

1. Ego. Klicks, Likes, Retweets. Eitelkeit.
1. Welt Plus-Abos verkaufen.

Ulf Poschardt („ulf posh„) ist ein langweiliger und wahnsinnig eitler Zahlenmensch ohne neue Ideen.
Er ist der Kapitän einer Butterfahrt, auf der er verkrusteten Verhaltensrentnern Welt Plus-Abos verkauft.
Abos, die wie vollkommen überteuerte Heizdecken die eigene Sturheit und Borniertheit warmhalten.

Die Welt braucht aber keine Heizdecken. Sondern Respekt und Toleranz. Ohne diese beiden Dinge kann es keinen Diskurs geben.

Tschüss, Ulf.

IMPFDRÄNGLER.

Impfdrängler.

Diese sehr für den Zustand der Gesellschaft im Jahr 2021 stehende Wortkombination bewirbt sich schon jetzt offiziell als Unwort des Jahres.

Impfdrängler. Was sind das für Menschen?

Eine Frage, der ich natürlich in knallharten Recherchen nachgegangen bin. Also:

Was Impfdrängler machen, wenn sie gerade mal nicht beim Impfen drängeln:

• Auf der Autobahn durch die Rettungsgasse brettern und Rettungskräfte beschimpfen. Ihr Verhalten rechtfertigen sie damit, dass der Asphalt in der Mitte der Autobahn ja porös und gefährlich wird, wenn er nicht durchgehend genutzt wird.

• Rentner via Maschmeyer-Enkeltrick um das Ersparte bringen. Und sich damit rechtfertigen, dass sie das Geld nur dem Wirtschaftskreislauf zuführen wollten, um das Land zu retten.

• Auf der Intensivstation Beatmungspatienten die Sauerstoffmaske abnehmen, um sie sich selbst aufzusetzen. Mit der Rechtfertigung, dass die Maske ab und zu mal an ein anderes Gesicht angepasst werden muss, weil sonst eine Materialermüdung droht.

• Auf einem Schiff, das gerade sinkt, Kinder, Frauen und Alte hart wegschubsen, um als erste ins Rettungsboot zu springen. Und sich damit rechtfertigen, dass ein Rettungsboot nur dann am besten funktioniert, wenn jemand mit einem kräftigen Ellenbogen darin sitzt.

• Im Zoo am Elefantengehege die Drei- und Fünfjährigen aus der ersten Reihe wegdrängeln, ihnen Äpfel und Möhren wegnehmen, um die Dickhäuter zu füttern. Mit der Rechtfertigung, dass die Kinder sich ja selbst in die erste Reihe stellen können – wenn sie Erwachsene sind.

• Im Hospiz Schmerzpatienten die Medikamente wegnehmen. Mit der Rechtfertigung, dass der Anblick eines Menschen, der leidet, ja schlimmer ist, als das Leid selbst.

• Auf der Straße Obdachlosen den letzten Euro aus dem Becher nehmen. Mit der Begründung, dass man dem Mann hilft, weil der ja nur Alkohol kaufen und sich selbst Leid zufügen würde.

https://www.sueddeutsche.de/meinung/corona-bloss-nicht-1.5204734

WAS MAN SO HÖRT.

Von verschiedenen Seiten habe ich glaubhaft gehört, dass Erika Steinbach sich einen Schützengraben in ihr Wohnzimmer gebuddelt hat und abends vollkommen besoffen in einer alten Wehrmachtsuniform darin liegt, dabei aus Hitlers „Mein Kampf“ liest und sich danach wollüstig in eine alte Munitionskiste erbricht.
Häufig posiert sie nackt auf einer Stalingradorgel und lässt sich abwechselnd von Alexander Gauland und Andreas Kalbitz durchknattern, während sie BdM-Lieder singt.
Videoaufnahmen davon schickt sie Ursula Haverbeck ins Gefängnis, die sich bei Erika Steinbach mit erotischen Gedichten und selbstgebauten Knastwaffen revanchiert.
Für die Medien war das bislang kein Thema. Wäre eine reizvolle Aufgabe für unsere so fleißigen Netzwerk-Journalisten. Werden die aber nicht machen.

PSSSSSSST.

Wie ruhig es ist. Und das schon seit Wochen. Sehr angenehm.
Das liegt nicht nur nicht am Schnee, an der Kälte, an den wenigen Menschen, die draußen unterwegs sind.
Es ist auch in den Displays, auf den Schreibtischen und in den Köpfen ruhig.

Es ist nämlich kein Donald Trump mehr da, der jeden Tag mehrere hundert Millionen, wahrscheinlich sogar Milliarden Menschen mit seinen Lügen, seinem Gepöbel, seinem Gehirnschrott belästigt.

Der König aller Populisten ist ruhig, er hat kein Megaphon mehr.

Und viele kleine Möchtegernpopulisten und -populistinnen haben ihr Vorbild verloren. Da liegt niemand mehr auf dem goldenen Tablett, an dem man sich in Sachen Lautstärke, Monströsität, Gier und Schrottplatzköterichkeit ausrichten kann.

Joe Biden und seine Frau, Dr. Jill Biden traten gestern kurz vor dem Super Bowl-Finale gemeinsam vor die Kamera, wünschen einen guten Abend und bitten die Bevölkerung, Masken zu tragen und auf Abstand zu achten.

Donald Trump hätte der Bevölkerung erzählt, dass er „das „China-Virus“ zurück nach Wuhan Wuuuuuuuhuuuuuhannnn schicken wird. Wie das schon klingt! Wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten hat. Wuuuuuuuhuuuuuhannnn! Aber China ist eh schlecht! Alles an China ist schlecht.“
Und dann hätte er erzählt, „dass man sich ja auch Desinfektionsmittel spritzen kann. Oder Domestos, das geht auch. Zur Not Silit Bang! Und dass man sich „Schrotflinten kaufen sollte, weil Teile der Bevölkerung EURE LÄDEN PLÜNDERN WOLLEN! Und dass Sklaven schon immer geplündert haben! Wenn man aus der Geschichte gelernt hat, dann das.“ Und dass es „niemanden gibt, der mehr über die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft weiß als ICH!“ Und dass „es noch nie jemanden gab, der besser im Baseball, im Stabhochsprung UND im American Football ist als ICH!“ Und dass „JEDER auf der Welt weiß, dass Football früher mit einem Würfel aus Magerquark gespielt wurde und erst als ICH mich mal fünf Minuten damit beschäftig habe, wurde daraus dieser wunderbare AMERICAN Football!“
Und dass „Masken nichts bringen. Aber Knutschen und Fummeln hilft! Und zar immer. Man muss Frauen übrigens nicht fragen, ob sie befummelt werden wollen. DIE WOLLEN IMMER BEFUMMELT WERDEN!“

Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.
Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.
Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.

Aber so ist viel besser.

ALLTAGSNAZI.

Okay, empören wir uns kurz.
Zum Beispiel über den 1951 in Pirmasens geborenen Georg Pazderski, den ehemaligen Offizier und heutigen AfD-Abgeordneten. Über dieses maximalrassistische Arschloch, dem man 50 Bandscheibenvorfälle pro Stunde, Oberschenkelknochen aus Weizenmehl und mehrwöchigen Brechdurchfall wünscht.
Georg Schleimpfropf Pazderski sagt medienwirksam (und taktisch geschickt), dass die AfD bürgerlich-konservativer sein müsste, sich von Rechts abgrenzen müsste.
Gleichzeitig fällt er immer wieder mit rassistischer Hetze und Falschbehauptungen auf. Was ihm zum Beispiel eine einstweilige Verfügung des Vereins „Sea-Eye“ eingebracht hat. Und was ihm eigentlich auch eine Behandlung mit einem Elektroschocker (> 20.000 Volt) einbringen sollte.

Dieser erbärmliche Kotzbrocken kann das rassistische Hetzen nicht lassen.
Auf Twitter hat dieser abscheuliche Knilch knapp 24.000 Follower und streut sein völkisches Gift weiter in dieses Massenmedium. Die Trümmeromi Erika Steinbach (feuchter Traum vieler Populisten) folgt ihm natürlich.
Sie selbst hat knapp 90.000 Follower und verbreitet seinen ekelhaften Scheiß weiter.
Bernd Luge, ein kleiner norddeutscher AfD-Knalldackel mit über 13.000 Followern, ebenfalls. Die Reichweite des Pazderski-Rassimus ist also enorm.

Natürlich hat Pazderski unter seinen Followern so zynische Würste, die seine Hassgedanken ungebremst weiterdenken. Zum Beispiel den schreibenden Flakhelfer, der sagt: „…war letztens zu Besuch in Hamburg. Und dachte, ich wäre in Nigeria oder Nairobi. Zum Kotzen.“
An dich, du kleiner ätzender Kacknazi: Hamburg ist die „Freie und Hansestadt Hamburg“. Du hast diese Stadt nicht verstanden.
Kleine dumme Denkschrapnelle, die eine Kniescheibe als Gehirn haben, haben in dieser Stadt nichts zu suchen. Bleib einfach in deinem Nest, komm nie wieder.“

Oder UweR, den nationalsozialistischen Troll, der schreibt: „Schiffe beschlagnahmen und versenken. Oder versenken, nur versenken.“
Mann, Uwe, hoffentlich erstickst du an einer fetten Bockwurst, die aus deutschem Schwein gemacht wurde, du ekelhafter Typ. Dich will man mit 9 Millionen Dezibel anschreien.
Dich soll beim Kacken der Blitz treffen. Rettungskräfte sollen dich mit heruntergelassener Hose auf dem Klo sehen. Vollkommen eingeschissen. Und sie sollen, bevor sie dich retten müssen, deine Tweets vorgelesen bekommen. Dann können sie nochmal überlegen, ob sich dich retten oder ob sie dich in deinem Kothaufen liegen und verenden lassen.  

Empören ist gut.

Es befreit, bringt aber nicht viel. Außer ein paar zustimmenden Likes der eigenen Filterblase und etwas Druckabbau. Na gut – und ein paar Hassnachrichten.
Impulsive Empörung verstärkt allerdings auch die Reichweite der Sender.

Empören ist also doch nicht so gut.
Denn mit den Beschimpfungen und derben Phantasien ist man (bin ich!) im Grunde genommen auf einer Ebene mit diesen ekelhaften Kotzbrocken und Denkverbrechern. Ich schimpfe und beleidige. Also gut. Sorry.

Raus aus dem braunen Sumpf, hin zum Rationalen:

Die oben zitierten Rassistinnen und Rassisten sind komplett verloren, sind vollständig durch das Anstandsraster gefallen. Diese sozial Abgehängten wird man nicht mehr einfangen können, die wird man nicht mehr zum Umdenken bewegen können.
Wie denn auch? Man wird sie ja nicht mal zum Denken bewegen können.
Diese Menschen sind ganz einfach von Hassgeschwür zerfressen und befinden sich am dunkelbraunen Ende der Nazi-Skala.
Was diese Menschen von sich geben, ist Rassismus der härteren Gangart. Mit sowas muss sich der Verfassungsschutz ernsthaft beschäftigen.

Die Frage, wo dieses rassistische Denken endet, wird häufig gezeigt und diskutiert.
Was meiner Meinung nach zu wenig diskutiert wird, ist die Frage: „Wo fängt das rassistische Denken an?“

Wo fangen Massenversklavung. Ausbeutung, Diskriminierung. völkisches Denken, ethnische Säuberungen, struktureller Rassismus, Vorurteile, Hass auf Menschengruppen, Wunschdenken zum Völkermord und tatsächlich durchgeführter Völkermord an?

Im Alltag.

Beim N-Wort. Beim Z-Schnitzel. Bei „mal eben schnell ungefragt jemandem in die Haare fassen“. Bei „Du kannst doch bestimmt gut tanzen / singen / spielst doch bestimmt gut Basketball / bist doch im Bett ne Granate, oder?“ Bei „das „R“ als „L“ aussprechen“. Bei „Indianer“ und „Eskimo“.

„Moooooment! Ich bin doch kein Nazi! Das haben wir früher auch immer gesagt und ich sehe nicht ein, dass ich jetzt nur wegen so ein paar (hier Bevölkerungsgruppe einsetzen) meine Sprache ändern sollte! Ich sage auch weiterhin (hier Wort einsetzen)! Das wird man jawohl noch sagen dürfen!“

Nein.

Solchen Äußerungen sollte man unbedingt ein sehr entschlossenes „Nein, das ist rassistisch.“ entgegensetzen.
Rassismus muss bemerkt werden. Immer. Auch und vor allen Dingen im Alltag.

Und da sind wir beim Alltagsrassismus.
Allein dass es dieses Wort geben muss, ist beschämend. Alltagsrassismus.

Das Wort „Alltagsrassismus“ wirkt auf mehreren Ebenen. Es beschreibt, dass Rassismus ein wiederkehrendes Muster ist. Und es bewertet den Rassismus, macht ihn gewöhnlich.
Für die Sender ist diese Gewohnheit ein stumpfes Zuschlagen mit Worten und Gesten. Und vielleicht noch der Gedanke, „dass es jawohl echt nicht so schlimm sein kann, wenn es alltäglich ist – man gewöhnt sich an alles.“
Für die Betroffenen ist diese Gewohnheit mit jeder Erfahrung schmerzlich.
Alltagsrassismus.

Ich selbst dürfte eigentlich nicht über Rassismus schreiben, weil ich ihn nicht wirklich nachempfinden kann. Haut weiß, ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebe hier, bin privilegiert.
Aber ich darf Rassismus bemerken. Und (mehr oder weniger) freundlich darauf hinweisen, wenn etwas rassistisch war. Und ich bin sehr stark der Meinung, dass jeder Mensch genau das tun sollte.

Rassismus bemerken. Jedes verdammte Mal.

Rassismus nicht zu bemerken ist nicht nur dumm, es ist gefährlich.
Denn jedes Mal, wenn etwas Rassistisches nicht bemerkt wird, wenn nicht darüber gesprochen wird, dass etwas verletzend, diskriminierend, abwertend, rassistisch ist, wird Rassismus alltäglicher. Dann verschiebt sich die Grenze des Denk- und Sagbaren immer weiter nach Rechts.
Dann werden die „großen“ Rassisten gefüttert.

Anders gesagt:

Wer nichts gegen Alltagsrassismus unternimmt, ist ein Alltagsnazi.

„Also Alltagsnazi geht jetzt aber wirklich zu weit!“

Wieso? Das wird man jawohl noch sagen dürfen.