Ich war schon mal lustiger.

Guten Tag,

wir schreiben das Jahr 2007 und ich bin jetzt offiziell Blogger. 

Ok. Ich sehe gerade, dass ich mich vertan habe: wir haben das Jahr 2019 und ich hinke dem Trend ungefähr 8 Jahre hinterher. Egal.
Alle sind jetzt Influencer oder züchten Tomaten – und ich kritzel tatsächlich hier in diesem Blog rum auch wenn es so anfühlt als würde ich meine Gedanken in eine Steintafel meißeln, sie per Fax an Horst Seehofer schicken, der sie auf Thermopapier ausdruckt und per Telegramm ins Internet bringt.

„Früher warst du echt mal lustiger“ höre ich immer häufiger. Das ist eine wunderbare Mischung aus Kompliment und Enttäuschung.
Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur nicht mehr lustig – ich bin langweilig und peinlich. Und nicht ganz dicht.
Sagen zumindest viele Menschen, die mir nahe stehen. 

Wenn ich nicht nerve und mich in die gesellschaftlichen Themen einmische, lehne ich schmollend an einer Wand und überlege, einen Podcast zu machen. Den bringe ich dann pünktlich im Herbst 2073 raus.

Ach so: rechnen kann ich auch nicht. 

TRANSKRIPT.

Berlin, 27. Januar 2033, auf dem ehemaligen Platz des Holocaust-MahnmalsBjörn Höcke, der gewählte Volkesführer der Neo-Germanen, redet vor hunderttausenden. Ausgesuchte Vertreter der Weltpresse sind anwesend.
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„Heute ist ein sehr wichtiger Tag für das Neo-Germanische Reich. Denn der 27. Februar wurde jahrelang von den linken Mächten, von der Antifa, von den Juden, den Andersdenkenden, von der Lügenpresse, von den schwachen Systemlingen und auch den sogenannten „Vereinten Nationen“ als der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ missbraucht. Ja. Ich muss es so sagen: missbraucht!!!

Für mich persönlich und für uns als Partei war das schon immer ein Tag der Schande. Aber wir waren immer schon so mutig, die Dinge zu benennen! 
Wir wurden gezwungen – ja, regelrecht gezwungen, an diesen Tag den Opfern des Holocaust zu gedenken. Aber, liebe Neo-Germanen, die Frage sei erlaubt: wer sind denn die Opfer? Wo sind die Beweise? (seine Stimme überschlägt sich.) Gibt es Überlebende, die davon – und das betone ich: glaubwürdig berichten können? Leben sie noch? Ich glaube kaum. (seine Stimme überschlägt sich erneut, er muss schreien, weil die Massen jubeln.)

Die stolzen Bürger des Landes mussten sich jahrelang die Flaggen der Bundesrepublik Deutschland auf Halbmast ansehen. Der Schuldkult wurde uns regelrecht aufgeladen – ob jung und alt. Alle mussten damit leben. 
In Schulen wurden Kinder und Jugendliche im Geschichtsunterricht gezwungen, sich mit den in einigen Teilen unangenehmem Thema zu befassen. Ein historischer Fliegenschiss in der stolzen Geschichte des Deutschen Volkes! Und eine absolute Schande für den Neo-Germanischen Volkskörper!
Wie soll ein Volk, auf dessen Schultern eine solche Last liegt, Tag für Tag regelrechte Abnutzungskriege gewinnen? (Jubel) 
Wie soll ein Volk, dessen Blick nicht ganz nach oben gerichtet sein darf, weil er in der Mitte festgehalten wird, die Weiten des Himmels als einzige Grenze begreifen? 
Ab sofort werden wir die Flagge des Neu-Germanischen Reiches doppelt so hoch hängen wie an allen anderen Tagen des Jahres. Dafür haben wir alle Fahnenmasten des Landes verlängern lassen. (Die Massen jubeln.)

Am 27. Februar 1945 wurden die Insassen des KZ Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit, so stand es zumindest in den Geschichtsbüchern. 
Heute, exakt 88 Jahre später, werden wir die von uns 2015 begonnene Geschichtsrevision endgültig vollbringen. Wir werden das Holocaust-Mahnmal, dieses „Mahnmal der Schande“, diesen dunklen Fleck, aus dem Herzen der Neo-Deutschen Volkes reißen und die tonnenschwere Last von den Schultern unseres Neo-Deutschen Volkes nehmen. (Die Massen jubeln.)

Anstelle unnützer Stelen, die hier viele Jahre standen, um uns und euch ein schlechtes Gewissen einzureden, werden wir in naher Zukunft ein Braunkohlemuseum eröffnen. Denn wir sollten stolz auf unsere Neo-Germanischen Bodenschätze sein. Und wir sind stolz auf unsere Bodenschätze! Wir werden einen Braunkohlebagger ausstellen und wir werden der Welt unseren neu entwickelten PKW-Braunkohlemotor zeigen. 
Wir werden in der Welt Neid erzeugen und wir werden den Klimahysterikern und der lächerlichen Klima-Tante Greta und ihren Jüngern zeigen, dass wir hier noch lange nicht fertig sind. 

Sondern gerade erst anfangen!!! (Die Massen jubeln.)

Wir werden der Welt mit diesem Platz zeigen, dass wir, das Neo-Germanische Volk, das sich aus den Zwängen einer anstrengenden Nachkriegszeit, das sich aus einer fremdbestimmten Bundesrepublik und einer im Kern guten DDR, das sich von einer kränklichen Kanzlerin-Darstellerin, das sich aus den Klauen der von Zwangsgebühren finanzierten Lügenpresse befreit hat, sich jetzt auch aus künstlich herbeigerufenen Schuldgefühlen befreien kann! 

Heute ist der Tag! (Seine Stimme überschlägt sich erneut, die Massen jubeln.)

Wir haben schon 2017 versprochen, dass wir unser Land zurückholen! Man hat uns belächelt, man hat sich empört. Und was haben wir getan?  Wir haben uns das Land zurückgeholt! 
Und wir werden uns noch mehr Länder zurückholen. Unschuldig, wie wir sind! Ich denke an Polen. (Jubel) 
Ich denke an Ungarn. (Jubel)
Ich denke an Österreich und Frankreich. (Jubel)
Die Achsenmächte und auch die nordischen Länder. (Jubel)
Und wenn wir den ersten Schritt gegangen sind, wird der zweite folgen. (lauter Jubel)
Und dann der dritte! (Hysterie)

Wir haben in den ersten Jahren unseres Bestehens als Partei versprochen, dass wir unsere Gegner aus dem Land jagen werden. Man hat uns belächelt. Man hat sich empört. Aber auch dieses Versprechen werden wir einhalten. Wir werden unsere Gegner aus unserem schönen Neo-Germanien jagen. (Jubel)

Jahrelang wurde uns Antisemitismus und sogar Rassismus vorgeworfen.
Es ist Zeit für ein neues Kapitel. Sollen die nachfolgenden Generationen voller Stolz von Antimigrantismus sprechen. Wir werden alles Nicht-Germanische aus dem Land jagen. Weg mit euch! (Jubel)

Und wir werden zeigen, dass wir aus der Gesichte gelernt haben – wir werden aber niemanden zwingen. Wir sind die Alternative!
Deshalb werden ihnen die Wahl lassen: entweder zurück in die Heimat – auch wenn da Krieg und Dürre oder zumindest warme Temperaturen herrschen – oder in eines unserer Erziehungslager.
Egal ob Klimaflüchtlinge, ob Kriegsflüchtlinge oder Globalisierungsopfer: Unsere Neo-Germanische Exekutive wird in jedem Fall die richtigen Antworten wissen.

Wir führen endlich glorreich zu Ende, was vor vielen tausend Jahren begonnen wurde und was in der Zeit von 1933 bis 1945 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte.

WIR WERDEN DER GANZEN WELT ZEIGEN, WOZU WIR NE-GERMANEN IN DER LAGE SIND!!!!!

(Sein rechter Arm zuckt nach oben. Seine Stimme überschlägt sich, die Massen jubeln.)

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Ja. Sehr harte Zeilen. Weiß ich. Ich würde es aber nicht so denken und schreiben, wenn ich nicht alarmiert wäre.
Und ich teile meine Gedanken deshalb, weil ich alarmieren will.
Gerade an diesem Tag.

Rechter Terror. Rechte Gewalt. Faschisten im Bundestag. Und das im Jahr 2020. Momentan driftet Deutschland in der Geschichte zurück.

Wir dürfen nie aufhören, an diese unmenschliche Zeit zu erinnern.

Nie.

Damit sie nie wieder kommt.

#niewieder

AUSREDEN.

„Australien ist ja zum Glück weit weg.“

„Sooooo oft fahre ich ja gar nicht mit dem Auto.“

„Wenn ich was bestelle, aber dann doch nicht will und zurückschicke, ist das schon in Ordnung. Der Paketbote ist ja eh unterwegs.“

„Ist das aus Massentierhaltung? War halt echt günstig und die Tiere waren ja eh schon tot.“

„Wenn ich das morgen mache, reicht das.“

„Das eine Stück Plastik um die Gurke herum ist ja echt voll dünn, das belastet die Umwelt ja kaum.“

„Ich schimpfe ja nicht auf alle Ausländer. Es gibt ja auch die Guten: Schweden, Iren, sowas. Ich kenne sogar einen Polen.“

„Zwei kleine Feierabendbier werden schon in Ordnung sein. Drei gehen auch klar.“

„Iran ist weit weg, lass die mal machen, die kriegen das da schon hin.“

„Dauert ja noch, bis der Meeresspiegel steigt.“

„Pffft. Ein Ohrenstäbchen pro Tag hat jawohl keinen Effekt auf die Umwelt.“

„Die meisten von den Tierarten, die verschwinden, hat man eh noch nie gesehen.“

„Skifahren ist halt toll und ich mache das seit der Kindheit! Und die Strecken können sich im Sommer erholen.“

„Lesen ist aber so anstrengend.“

„Fleisch gehört aber zum Grillen dazu.“

„Im Bus und in der Bahn ist es immer so voll. Und ich brauche einfach meine Ruhe“

„Ist ja meine erste Kreuzfahrt.“

„Naja. Gletscher sind schon immer geschmolzen.“

„Ist doch egal, ob ich wählen gehe oder nicht. Meine Stimme zählt eh nicht.“

„Die AfD ist ja eigentlich nur im Osten so stark.“

„Ist ganz einfach bequem, online zu bestellen.“

„Natürlich könnte ich Seife nehmen – aber ich brauch Schaum.“

„Erstmal sollen die in China und Indien anfangen. Wenn ich was mache, bringt das ja doch nichts.“

„Wenn die draufschreiben, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, muss das auf jeden Fall schlecht sein.“

„Ich könnte Fahrrad fahren – aber dann bin ich verschwitzt. Außerdem ist immer Gegenwind.“

„Wenn so ein paar Insekten aussterben, ist das nicht so schlimm. Die braucht eh niemand.“

„Ich weiß genau, dass ich Verzicht nicht aushalten würde – muss ich gar nicht erst probieren.“

„Ja, das Auto ist sehr groß und schwer, verbraucht aber wirklich nicht viel.“

„Ab und zu mal einen Klaps zu geben, hat noch niemandem geschadet.“

„Coffee to-go-Becher sind halt so praktisch. Und die Umweltfreundlichen sind schwer. Und man muss sie abwaschen….“

„Stimmt, ich brauche es nicht wirklich, aber ich will es unbedingt haben. Also brauche ich es ja doch irgendwie.“

„Wenn ich Hasskommentare schreibe, wird das schon nicht so schlimm sein. Ist ja nur Internet.“

EVENTUELL.

Vor uns liegt eine ganz neue Dekade. Unberührt liegt sie da, wie eine frisch berieselte Schneelandschaft. Jede und jeder von uns allen tritt Spuren in diesen Schnee.
Wir entscheiden, wie diese Spuren, die wir hinterlassen, aussehen werden. Eventuell nicht ganz unwichtig zu wissen, dass die Spuren anderen zur Orientierung dienen. Und auch nicht ganz unwichtig: Ein komplettes Durcheinander aus Salzstreuschneematsch, Kackhaufen und zertretenem Wuthass sieht scheisse aus.
Hier kommen ein paar ´Vielleichts´. Jedes Vielleicht ist vielleicht ein Schritt.

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• Vielleicht sollte man mehr auf Konzerte gehen, obwohl man eigentlich keine Lust hat, auf ein Konzert zu gehen.
Da spielen Bands, die, bevor sie auf die Bühne gegangen sind, in kalten, siffigen Proberäumen gestanden haben und geübtgeübtgeübt haben.
Und manchmal gibt es Konzerte, die der absolute Knaller sind und sich spontan in die Hirnrinde einbrennen. Am besten sind übrigens die Konzerte, bei denen das Smartphone in der Tasche bleibt.

• Vielleicht sollte man mehr Bücher lesen. Auch von Autoren, die einem nicht unbedingt liegen. Vielleicht auch mal ein Sachbuch, nicht nur den neuesten Horrorsplatterthriller. Viele Autorinnen und Autoren zerreißen sich beim Schreiben. Jedes Buch wird mit Hingabe und Leidenschaft geschrieben. Na gut. Fast jedes. Aber es gibt so viele tolle Autorinnen und Autoren, die entdeckt werden wollen.

• Vielleicht sollte man ab und zu mal etwas essen, was man noch nie vorher gegessen hat. Und vielleicht sogar selbst kochen. Irgendwas mit Kurkuma, Wolàtnyi-Wurzeln oder Birkenrindensaft. Oder Tomaten. Oder Kartoffeln.

• Vielleicht sollte man nicht mehr von Fleischverzicht sprechen. Sondern von Gemüsedazugewinn.

• Vielleicht sollte man ab und zu mal einen Umweg nehmen. Oder den üblichen Weg viel langsamer zurücklegen. Oder mal ein anderes Transportmittel nehmen: das Fahrrad oder die Bahn oder die Füße. Oder, wenn man immer Fahrrad fährt: auch mal das Auto. Ein Perspektivwechsel ab und zu ist wirklich nicht schlecht.

• Vielleicht sollte man keine Bilder mehr von Kindern posten, die beim Essen eingeschlafen sind und den Kopf voll niedlich in die Pommes mit Mayo gelegt haben. Vor allen Dingen, wenn man selbst jemand ist, die oder der durchdreht, wenn von ein Foto von sich mit Doppelkinn im Netz zu sehen ist.

• Vielleicht sollte man versuchen, Plastik zu vermeiden, wo man Plastik vermeiden kann. Zum Beispiel im Badezimmer: ein Stück Seife hält bedeutend länger als eine Pulle Duschgel. Also richtig viel länger – bestimmt 20 Mal länger.

• Vielleicht sollte man den Leuten viel häufiger mal die Tür aufhalten. Ganz einfach , weil es nett ist.

• Vielleicht sollte man mehr lernen. Irgendwas, einfach den Horizont erweitern.

• Vielleicht sollte man „das mit dem Gendern“ einfach mal zur Routine werden lassen. Weil es respektvoll und sinnvoll ist. Und wenn man schon dabei ist: vielleicht sollte man auch alles dafür tun, dass diese dumme Ungleichberechtigung verschwindet.


• Vielleicht sollte man viel häufiger mal Regenwürmer retten, die auf Gehwegplatten entlangglitschen und versuchen, irgendwie in die Erde zu kommen.

• Vielleicht sollte man den Mund aufmachen, wenn andere Leute etwas Tendenziöses / Rassistisches / Sexistisches / Homophobes / Herabwürdigendes von sich geben. Vielleicht ist man in dem Moment der Partypooper. Aber wenn man abends in den Spiegel guckt, ist das Partypoopergefühl nicht mehr so schlimm.

• Vielleicht sollte man mal mit einer oder einem Obdachlosen reden und fragen, ob man irgendwas mitbringen kann.
Vielleicht sollte man auch mal mit sehr erfolgreichen Menschen reden und fragen, wovon sie zu viel und wovon sie viel zu wenig haben. Ist bestimmt interessant.

• Vielleicht sollte man die Meinungen anderer akzeptieren, auch wenn sie nicht die eigene ist.

• Vielleicht sollte man standhaft bleiben – aber nicht erstarren, nur um unbedingt standhaft zu bleiben.

• Vielleicht wären mehr Zwischentöne gut.

• Vielleicht sollte man viel häufiger singen. Laut und schief. Egal. Raus damit.

• Vielleicht sollte man sich ab und zu eine ganze Tafel Schokolade reinzimmern. Und niemandem etwas davon abgeben.

• Vielleicht sollte man nicht die eigene Wahrheit zur Wahrheit für alle machen.

• Vielleicht sollte man viel mehr akzeptieren. Aber nicht alles.

• Vielleicht sollte man viel häufiger daran denken, dass wir das unfassbar große Glück haben, in Frieden leben zu dürfen. Seit 75 Jahren. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Genau wie fließend Wasser, Strom und eine sehr anständige Infrastruktur auch nicht unbedingt selbstverständlich sind.

• Vielleicht sollte man häufiger mal die eigene Komfortzone verlassen. Auch wenn es nur kurz ist.

• Vielleicht sollte man viel mehr lieben. Und viel weniger hassen. Und auch nicht so viel meckern, sondern mehr wundern.

• Vielleicht sollte man mehr miteinander reden. Statt übereinander herfallen.

• Vielleicht sollte man viel weniger Angst haben. Denn Angst ist kein guter Motor.
Der Angstmotor bringt uns nicht durch eine ganze Dekade.

Und vielleicht braucht man viel weniger ´vielleicht´, sondern viel mehr ´auf jeden Fall!´

ERBÄRMLICH.

Alte weiße, verknorrte Männer mit schrumpeligen Truthahn-Hodensäcken und Hormonebbe und alte weiße Frauen mit hodenartigen Eierstöcken, die Angst vor einer 16jährigen haben und ihre miesen Gefühle wegpöbeln und weghetzen müssen, weil sie nicht damit klarkommen, dass es schon seit über einem Jahr eine Jugendbewegung gibt, die sich für das Klima einsetzt, echauffieren sich in diversen Postings auf allen Kanälen über dieses Bild.

Sie rechnen mit derselben Penibilität, mit der sie Falschparker melden und Hotels auf Meckerportalen schlecht bewerten, auf, was die Designersessel kosten. Und setzen das in Relation mit dem Einsatz von Greta Thunberg: „Abzocke!“, „Klimahysterie als Geldmaschine!!!1!11“, „alles gesteuert! Alles Meinungsmache von den Ökoterroristen!!!“

Kurze Frage an die Leute, die so einen Denkmüll absondern müssen:
Habt ihr noch alle Latten am Zaun? Könnt ihr nicht mal eure erbärmliche Fresse halten und vielleicht mal nachdenken, bevor ihr euch mit großen Worten an den vermeintlichen Verfehlungen ergötzt und euch dann auf die geile Reichweite, die ihr in den sozialen Medien erzielt, euren Pümmi reibt und dabei ganz aufgeregt hechelt und mit euren steifen Spinnenfingern weiterhetzt und kommentiert und euch an dieser ganzen miesen Nummer aufgeilt?

Versucht doch mal, euren Restklumpen Gehirn zu aktivieren und nutzt diese popelige Rosine, um zu verstehen, worum es Greta Thunberg wirklich geht.
Um das Klima. Sie setzt sich für eine konsequent an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierte Klimapolitik ein.
Das Klima ist auch für euch, das gehört nicht einer 16jährigen Aktivistin, die man sehr gern kritisch sehen kann und in Teilen auch muss.

Aber wenn ihr schon dabei seid, auf Google irgendwelche Preise für irgendwelche Sessel nachzuschlagen, nutzt doch einfach mal den Übersetzer.

Da steht dann: „Einem 39-jährigen Mann wird vorgeworfen, die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mutter-Opernsängerin Malena Ernman mit dem Tod bedroht zu haben, schreibt Aftonbladet.“

Das werdet ihr natürlich gut finden, weil „die Klimagöre es nicht anders verdient hat“, und „ihre gierige Instrumentalisierungsmutter sowieso“.
Und das zeigt, dass ihr nichts, aber auch wirklich nichts, also noch weniger als nichts verstanden habt. Egal, wie schlau ihr euch findet.

Ihr nervt.

Sehr, sehr doll.

Wenn ihr das nächste Mal das Bedürfnis habt, unbedingt euren miesen, zynischen Kackhass in die Tastatur hämmern zu müssen, weil jemand mit dem Tode bedroht wird, tut allen den Gefallen, haltet kurz inne, nehmt euch einen Backstein und schlagt damit so oft ihr könnt, auf eure Finger ein. Ist besser für alle.

Hier geht es zum Artikel:
https://www.svd.se/man-atalas-for-hot-mot-greta-thunberg?fbclid=IwAR1aFMMwcTPPDLv06t6QaWddCpLYDhY7SNFBcQ6MS0W8AYr7NTgVt9M9VMI

SEKUNDE MAL.

Vielleicht polierst du Autolack, oder du vereinbarst Termine, vielleicht fütterst du Kinder. Oder Alte.
Was auch immer du machst: Mach es so toll du kannst.

Egal, ob du Zahnarztbohrer desinfizierst, ob du Geranien einpflanzt oder Döner verkaufst: du wirst diesen einen Moment haben, den du so perfekt beherrschst wie nur du es kannst. Deine Sekunde.
Vielleicht ist es der Schwung, mit dem du jedes Mal genau die richtige Menge Krautsalat in das Fladenbrot hineinlegst. Oder es ist genau der richtige Druck, mit dem du die Schaufel Erde in die Erde drückst, so dass die Geranie mit ihren zarten Wurzeln perfekt hineinpasst. Oder dein Lächeln, das du für Alte übrig hast.

Egal, ob du Gedichte schreibst oder Verträge. Oder ob du Platinen lötest oder im Tierheim Hunde fütterst.
Egal, ob du Menschen eine neue Sprache beibringst, ihnen neue Laufschuhe verkaufst oder Fenster putzt: Du wirst Dinge darin finden, die nur du kannst. Den Schwung, das Weiterdenken, das Planen.

Es ist vollkommen egal, ob du Gasthermen wartest oder Fußböden schleifst, kunsthistorische Zusammenhänge herausfindest oder Sonntag nachmittags als Schiedsrichterassistent guckst, ob das eben Abseits war oder nicht.
Es wird diese eine Bewegung, diese eine Fähigkeit geben, die genau deine Bewegung ist. Deine Sekunde, dein Talent.

Manchmal ist es vielleicht schwierig, in diese Sekunde, in dein Talent hineinzukommen.
Gibt eben manchmal Hürden – vielleicht in Form von Blödis um dich herum oder in Form von Ablenkung oder irgendwas, was dich bedrückt. Aber du wirst es immer wieder schaffen.
Egal, ob du Eis verkaufst, ob du Jazz-Pianist bist oder ob du Kinokarten abreisst. Selbst wenn dein Talent für einen Moment unter einem Haufen Emo-Schrott verbuddelt ist: Es ist da.

Und wenn du diese eine Sekunde, nämlich deinen Moment gefunden hast, dann lass dich da reinfallen. Ist schließlich deine Sekunde.

Und wenn du gerade einen Menschen erlebst, der seinen vielleicht klitzekleinen Moment gefunden hat –  zum Beispiel im Baumarkt, wenn dieser schüchterne Verkäufer weiß, dass der 8er Bohrer vollkommen ausreicht, um dieses kleine Gewürzregal an der Wand über dem Herd zu befestigen und dass man vielleicht noch gucken sollte, dass es nicht direkt über dem Herd angebracht wird, weil man sonst beim Kochen mit den Töpfen da rankommen kann, dann bemerke es doch einfach und sag staunend „danke“.

Und wenn dir im Supermarkt jemand voller Inbrunst deinen Einkauf über den Scanner zieht und dich im größtmöglichen Supermarktstress anstrahlt und dir ein schönes Wochenende wünscht, dann wünsche doch einfach ein schönes Wochenende zurück.

Und wenn dir jemand die Tür aufhält, dir ein perfekt gezapftes Bier auf den Tresen stellt, dir (fast) schmerzfrei Blut abnimmt oder dir genau das Brötchen aus der Auslage gibt, das du haben wolltest, obwohl du nicht mal sagen musstest, welches du haben wolltest, dann bemerke es doch einfach und sag „Wow. Danke“.

Es kann nämlich sein, dass genau das der Moment dieses einen Menschen war. Und es kann sein, dass ein kurzes Lächeln und ein kleines Wertschätzen dieses kleinen Momentes den Tag dieses einen Menschen wirklich besser macht. Jeder Mensch, der ein Talent hat, freut sich, wenn das Talent bemerkt wird.

Vielleicht denken jetzt einige: „Boah. Nee, ey. Das sind vor Zucker triefende Zeilen, die sich wie Gelee durch meine Augen in mein Hirn drücken. Hat der SoBo so früh am Morgen Drogen genommen oder warum schreibt er so einen furchtbaren Rosamunde Pilcher-Motivations-Quatsch? Das ist wirklich schlimmer als ein schmalziger Schlagersänger im ZDF Fernsehgarten!!!“

Ganz so ist es nicht.

Meine Gedanken kommen aus einer anderen Richtung: Stress ist ansteckend. Hass ist ansteckend. Schlechte Laune ist ansteckend. Miese Gefühle sind ansteckend. Hatespeech ist ansteckend. Anrempeln ist ansteckend. Meckern ist ansteckend. Dieser komplette Kackhass, gerade hier im Netz, ist total ansteckend. Miese Laune XXL de luxe-Edition.

Und ich bin mir sicher, dass ein „Danke“ im richtigen Moment, ein Lächeln, Wertschätzung und Respekt, auch ansteckend sind.

Vergisst man nur manchmal. 

NICHT WEITERSAGEN!

Wenn man in New York ist, erlebt man unheimlich viel. Ganz einfach, weil einem diese riesige Stadt viel gibt. Sehr viel sogar. Und alles auf einmal. Ein paar Mal war ich da schon und habe meine Synapsen an das New Yorker Starkstromnetz angeschlossen. Informationen, bis die Drähte glühen – innerhalb von Nanosekunden.
Man kann gar nicht anders als gucken und glotzen und staunen. Und mal den Kopf aufmachen und mal ins Museum gehen, oder in dieses eine Café, von dem alle reden. Und auf jeden Fall auch mal in diesen einen Jazz-Laden, wo die Leute spielen, von denen man noch nie vorher gehört hat, von denen man aber später auf jeden Fall mal hören wird.

Ach, New York.

Dieser eine Geheimtipp-Jazz-Laden, in dem ich ein paar mal war, ist in einem Hinterhof, irgendwo eine gute halbe Stunde Fahrt mit der Bahn, dann noch ein paar Minuten zu Fuß.
Liegt in diesem einen Stadtteil, in den man sonst nicht so geht, irgendwo im East-End vergraben.
Aber wenn man schon in New York ist, na klar, dann kann man da mal eben hinfahren. Weil es sich immer lohnt – extrem gut kuratierte Abende vom Betreiber, der Musik liebt, der Musik ist. Die Stunden in dem Laden sind der perfekte Abschluss nach einer vollen Woche.

Die Bands, die da spielen, spielen da gern, wenn sie in der Stadt oder in der Nähe sind – weil da keine klassische Club- oder Konzertatmosphäre ist, sondern eine Mischung aus Proberaum, Bar und Wohnzimmer. Direkt vor der Bühne steht ein Sofa, der Sound in dem Laden ist exzellent und das Publikum weiß zu schätzen, was es da hört und sieht.

Die Bands, die kommen, wohnen da mehr als dass sie nur spielen. So nah ist man den Musikerinnen und Musikern sonst nur, wenn man selbst in einer Band ist.
Alles ist sehr intim und offen. Keine durchkonzipierten Konzertabende, die sich nach Plastik anfühlen und bei denen sich die Leute auf der Bühne fragen, in welcher Stadt sie eigentlich gerade sind.
Es gibt hier keine Hotelkettenbands, die sich Hotelkettenfrühstück reinschaufeln und nur da ihre Sets runterrotzen, weil es so im Plan steht, den der Bandmanager im Kokainwahn aufgestellt hat. Die Bands, die hier spielen, wollen hier spielen, weil es einzigartig ist.

Da ist das internationale Jazz-Kollektiv, das einem mit seinen Arrangements das Rückenmark auf links dreht und das Gehirn kalibriert. Mit der finnischen Trompetenfrau, die auch die Sängerin ist und die man spontan heiraten möchte, weil sie so toll ist. Die Band mit dem Drummer, der so spielt als hätte er vier Arme und dem Bassisten, der mit seinem Kontrabass irgendwann mal Nachwuchs zeugen wird und dem 22jährigen Pianisten, der spielt als käme er aus einer anderen Galaxie und wäre auf dem Halleyschen Kometen in die Stadt geritten.

Es gibt da experimentelle Jungs, die Elektronik und Jazz zu einem absonderlichen Abend mit der Sprengkraft von mehreren tausend Tonnen TNT vermischen und es gibt da offene Jam-Sessions, wo Leute aus der Szene hinkommen und sich ausprobieren. Ganz einfach, weil sie Bock haben. Das ist besonders.

New York ist aber auch einzigartig. Solche Orte gibt es eben nur da, in dieser Millionenstadt, wo es neben den Massenabfertigungsorten mit stumpfen Touristen und Feiermenschen eben auch sowas wie diesen Ort gibt. Wahrscheinlich ist das Verhältnis von Scheiss-Plätzen zu so einem wie diesem hier ungefähr 14999227:1.
Dieser Ort hier liegt in diesem halb-Industriegebiet, bisschen abgefuckt, bisschen gut, wo irgend so ein schrumpelig-legendärer Pizzadienst ist und gegenüber eine bunte Tankstelle und wo sich echt nur Freaks und Kenner hinverirren. Kommt man aber mit der Bahn gut hin. Geheimtipp. Hinterhof, Treppe hoch, zweiter Stock. Gibt da Erdnussflips und Hutkasse. Also nicht mal Eintritt. Die Getränke sind günstig. Alle sind nett. Sollte man lieber niemandem sagen.

Und ich mache es doch. Das mit dem Weitersagen.

Und kann an dieser Stelle auch verraten, dass man sich den Flug über den Atlantik sparen kann.
Der Club heißt „white cube“ und ist in Bergedorf, also Hamburg Ost.
Dauert ein paar Minuten, um dahin zu kommen, aber die Reise (die keine Reise, sondern eine schnöde Bahnfahrt mit der S-Bahn ist) lohnt sich sehr.
Der white Cube könnte sehr gut in New York stehen, Brooklyn zum Beispiel, da passt er wirklich gut hin.

Aber noch besser passt er dahin, wo man ihn nicht erwartet – weil man dort Abende erlebt, die man so nicht erwartet.

Geht da hin, erlebt was unterstützt die Leute da. Erlebt die Leidenschaft. Erzählt aber niemandem von dem Laden.

Hier gibt es alle Informationen: https://whitecube-bergedorf.de/program/

NUR DEUTSCH.

So viele strammdeutsche möchten ein reines, pures Deutschland wie früher. Weil da ja alles besser war. Sie wollen keine kulturellen Einflüsse von außen, alles muss so deutsch sein wie es geht. Ganz pur, ganz rein.
Sie haben Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“, vor „Umvolkung“, einige von ihnen leugnen den Holocaust, finden dass der Führer damals mehr richtig als falsch gemacht hat und bezeichnen den Nationalsozialismus als „Fliegenschiss in der deutschen Geschichte.“
Ein paar von den Deutschen sitzen sogar im Bundestag, spalten das Land mit Hass und Hetze und zersetzen die parlamentarische Demokratie.
Sie wollen die Macht. Und sie wollen „das Volk“.

Ok. Seid deutsch. Könnt ihr meinetwegen machen. Aber wenn ihr es wirklich ernst meint, gibt es ein paar Regeln: ihr müsst ausschließlich deutsch leben.

Das heißt:

Euren Toyota, euren Skoda, euren Hyundai, euren Renault, euren Kia, euer was-auch-immer lasst ihr stehen. Und wenn ihr jetzt denkt: „Gnorff Gnroff, ich fah´ VOLKSwagn!!1!!11“. Könnt ihr machen. Ihr solltet dann aber bitte so konsequent sein und die Steuergeräte für die Elektronik (kommt aus dem Ausland), die Reifen (Gummimischung aus dem Ausland), die Sitze (im Ausland zusammengenäht), das Radio (aus dem Ausland) und nicht zuletzt das Benzin (aus dem Ausland, wahrscheinlich aus den Vereinigten arabischen Emiraten!) nicht nutzen. Das heißt: ihr könnt eure zerpflückte Karosserie in den Vorgarten stellen, euch reinsetzen und so tun als würdet ihr mit 190 über die Autobahn fahren.

Wenn ihr konsequent seid, sitzt ihr nackt im Auto. Denn die Klamotten, die ihr tragt, kommen sehr wahrscheinlich nicht aus Deutschland. NIKE? In Indien zusammengenäht. Adidas? In der Türkei produziert. Levi´s? Judenmarke. H&M? Wird in China zusammengetackert. Von armen Menschen mit nicht-arischem Blut.

Hungrig wäret ihr auch. Döner? Pizza? Spaghetti? Nein. Nicht für euch. Auch nichts vom „Chinamann“, auch wenn euer Lieblingsessen „vom Schlizi“ Schweinefleisch süß-sauer ist.
Ihr könntet nicht mal nackt am Lagerfeuer sitzen und euch ein paar deutsche Kartoffeln grillen. Die haben ihren Ursprung auf der Insel Chiloé im Süden Chiles. Da leben Menschen mit braunen Augen und dunklen Haaren.
„Na unt? Dann brat ich mir ehm ein rosa Hausschwein!“
Nee. Geht auch nicht.
Erste archäologische Nachweise der Haustierwerdung gibt es aus der Zeit vor 9000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Osttürkei.

Eure Scheissmusik würdet ihr auch nicht hören können. Weder Schlager noch Rechtsrock. Die Gitarren, die Verstärker, der Effektgeräte: alles aus dem Ausland.
Helene Fischer: auch aus dem Ausland. Euer „blonder Engel“ wurde im sibirischen Krasnojarsk geboren. Radios und Anlagen? Sehr wahrscheinlich habt ihr zu Hause keine Volksverstärker stehen, sondern irgendwas Japanisches. Wieder „so Schlitzis.“

Nicht mal die AfD dürftet ihr wählen. Zum Beispiel ist in dieser Partei auch ein Dubravko Mandic. Der wurde in Sarajewo geboren.
Oder Markus Frohnmaier. Der kleine Brüllwürfel, der hervorragende Kontakte nach Russland hat, wurde in Rumänien geboren. Unwählbar.

Seid deutsch. Aber wenn, dann so richtig, richtig, richtig. Also komplett ohne Einflüsse von irgendwo anders. Wählt euch selbst. Pflanzt euch fort. Wenn ihr wirklich konsequent und sehr fleissig seid, seid ihr schon ganz bald bestimmt 12 oder 13 Leute. Irgendwann in 100 oder 200 Jahren.
Und ihr sitzt dann nackt vor einer Höhle im Wald und ärgert euch über die Wolken am Himmel, die keine Grenzen kennen.

Ach so, fast vergessen, für all die nicht-ganz-so konsequenten, die nicht nackt vor ihrer Waldhöhle sitzen wollen: Auf Facebook solltet ihr trotzdem nicht mehr kommentieren. Das Unternehmen gehört Mark Zuckerberg. Einem Amerikanischen Juden.