Ich war schon mal lustiger.

Guten Tag,

wir schreiben das Jahr 2007 und ich bin jetzt offiziell Blogger. 

Ok. Ich sehe gerade, dass ich mich vertan habe: wir haben das Jahr 2019 und ich hinke dem Trend ungefähr 8 Jahre hinterher. Egal.
Alle sind jetzt Influencer oder züchten Tomaten – und ich kritzel tatsächlich hier in diesem Blog rum auch wenn es so anfühlt als würde ich meine Gedanken in eine Steintafel meißeln, sie per Fax an Horst Seehofer schicken, der sie auf Thermopapier ausdruckt und per Telegramm ins Internet bringt.

„Früher warst du echt mal lustiger“ höre ich immer häufiger. Das ist eine wunderbare Mischung aus Kompliment und Enttäuschung.
Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur nicht mehr lustig – ich bin langweilig und peinlich. Und nicht ganz dicht.
Sagen zumindest viele Menschen, die mir nahe stehen. 

Wenn ich nicht nerve und mich in die gesellschaftlichen Themen einmische, lehne ich schmollend an einer Wand und überlege, einen Podcast zu machen. Den bringe ich dann pünktlich im Herbst 2073 raus.

Ach so: rechnen kann ich auch nicht. 

GREAT GAME! IT´S GREAT!!!

Es wird vom „Trump-Zeitalter“ gesprochen.
Ein narzisstisch gestörter Mann, dessen Kopfinhalt dem stinkenden Darminhalt nach einer durchzechten und durchdöneren Nacht entspricht, ist der (nach eigenem Ermessen) mächtigste Mann der Welt.

Der Mann ist nicht ganz dicht. Und trotzdem ist er amerikanischer Präsident. Eigentlich wäre er die perfekte Besetzung für eine bissige, schmierige, zynische Komödie über Machtmissbrauch, über Tölpeligkeit, über Gesichtsentgleisungen.
Der Mann ist die Mimik von Luis de Funès mit der Trotteligkeit eines besoffenen Benny Hills, der Widerwärtigkeit eines Harvey Weinsteins und dem Humor einer Steuererklärung. Ein Film mit dem Typen wäre schmerzhaft anzusehen, an einigen Stellen bestimmt auch lustig.
Am Anfang, als er darüber redet, wie man Frauen in den Schritt fasst…“, oder „die Stelle, wo er der deutschen Kanzlerin den Handschlag verweigert….“, oder „allein wie der Typ ins Flugzeug steigt....“ oder „wie der redet….“.
Tja.
Leider haben Realität und Leinwand kurz die Rollen getauscht.

In ein paar Jahren werden Kinder im Geschichtsunterricht anhand seiner Tweets die Geschichte rekonstruieren können. Wenn es dann noch Geschichtsunterricht gibt.

Das Fatale: Donald Trump ist vielen ein Vorbild. Und weil sie sehen, dass man mit diesem beschissenen Verhalten nach ganz oben kommt, machen sie das auch.

Sie reißen ihr Maul auf, lügen, beleidigen, grabbeln, hetzen, sind hinterf***ig und ekelig, sie bedrohen, machen Leute fertig. Weil es geht.

Ob sie nun Stephan Brandner, Nigel Farage, Jair Bolsonaro oder Alice Weidel heißen. Ob sie das ätzende Kind auf dem Schulhof sind, das Mitschüler fertig macht oder ob sie der miese Chef sind, der Frauen angrabbelt und Leute rausschmeisst, ganz einfach, weil er es kann.

Es ist gerade angesagt, mit der Macht zu spielen.
Herzlich Willkommen im Trump-Zeitalter.

DLANOD PMURT

Der krasseste, mieseste, ätzendste, widerlichste, am schlechtesten frisierte, hässlichste und am schlechtesten ausgedachte Bösewicht aus dem Marvel-Universum:

Der EVILDENT OF THE WORLD!

Er fasst Frauen in den Schritt, er vergewaltigt, er bedroht, er wütet.
Er spinnt Intrigen, er feuert Mitarbeiter schneller als ein MG60 Patronen durch den Lauf jagen kann. Er streut Hass wie ein Krebsgeschwür Metastasen. Er verarscht alle und jeden.
Er schreit, er riecht schlecht. Er bekämpft das Gute mit schlechten Deals.

Seine Superkraft: Lügen.
Innerhalb kürzester Zeit hat er 13.435 Lügen und Falschbehauptungen in die Welt gesetzt. (https://www.washingtonpost.com/graphics/politics/trump-claims-database/)

Seine Hauptwaffe: TWITTER und DEALS!

Er sieht aus wie eine gelbhaarige Eierspinne, sein Steak iss er blutig, am liebsten, wenn es noch zuckt. Mit seinen Keramikzähnen reißt er Kühen das Fleisch aus den Schenkeln. Dann spuckt er seinen Verdauungssaft auf den Batzen, wartet ein paar mit Lügen gefüllte Sekunden und schlürft dann den Brei durch seinen Rüssel ein. Am liebsten würde er das auch mit Menschen machen, am allerliebsten mit seinen politischen Gegnern. Er will die Welt vernichten. 

Und er hat DEN KOFFER!

Allein kann ihn niemand besiegen. Deshalb braucht es die gebündelte Macht des Guten.

Können Spiderman,Thor, Mister Fantastic, Power Man, Ghost Rider, Hulk, Iron Man, Jessica Jones, Boombergman und vor allen Dingen Alexandria Ocasio-Cortez ihm den Koffer und den Code entreißen?

Das Böse wächst mit jeder Lüge und wird immer mächtiger.

Spoiler: Nein. Können sie nicht.

Der einzige, der ihn zum Einsturz bringen kann, ist er selbst! Er kann nur über die Stricke seiner Lügen fallen – und die Welt muss ihm dabei helfen. Wie? Politiker dürfen ihm nicht mehr die Hand geben und ihn anlächeln. Sie dürfen bestenfalls nicht mehr mit ihm sprechen. Außenminister aller Länder sollten ihn nicht mehr treffen wollen. Denn seine Deals sind eh mies.
Talkshowmoderatoren sollten ihn öffentlich nur noch auslachen.
Zeugen sollten gegen ihn aussagen. Untersuchungsausschüsse müssen die absolute, faktensichere Wahrheit rausholen. Zeitungen müssen sich gegen seine beschissenen Fake-Behauptungen wehren. Und Twitter sollte ganz dringend seinen Account sperren. Das Böse, was wirklich wie eine schlecht ausgedachte Comicfigur klingt, aber leider wahr ist, muss ausbluten.

Nur so kann die Allianz der Wahrheit ihm dabei helfen, über seine eigenen Lügen zu stolpern.

Denn was die Welt merken muss:
Er ist das Böse.
Seine Deals sind scheiße.
Außerdem twittert er beim Kacken.

PURE DOMINANZ.

Wenn man zufällig während der Brunftzeit irgendwo in der amerikanischen Steppe unterwegs ist und einen 900 Kilo schweren Bisonbullen mitten im Begattungsvorgang von einer Kuh pflückt, wenn man dann das gesamte Bullensperma auffängt und das ausgeschüttete Testosteron und den krassen Brunftgeruch extrahiert und in einen laschen Typen reinpumpt, der früher zu viel Nachhilfeunterricht und zu wenig Liebe bekommen hat und das heute mit Krokodillederschuhen und miesem Arschlochverhalten kompensieren muss, hat man genau die Zielgruppe, für die die Produktmanager von BMW den neuen X6 M Competition entworfen haben.

Weiche Schlaffis, die ihr verkrüppeltes Ego, das eigentlich so stark ist wie ein warmer Furz, mit dem in Blech gepressten, offiziellen BMW X6-Leitgedanken „PURE DOMINANZ“ aufpusten müssen.

Das sind Leute, die kein Problem damit haben, im Jahr 2019 für ein Auto mit 625 PS knapp 180.000 Euro auszugeben. Leute, bei denen auf jeden Fall nicht das Gewissen dominiert, sondern der Hedonismus, der offene Benzinhahn, das Gaspedal, der Ellenbogen.

Markus Flasch, Leiter der Geschäftsführung BMW M GmbH, über den Wagen:


„Der BMW X6 M Competition macht auf den ersten Blick klar, was in ihm steckt.“

Genau. In dem Wagen steckt zu viel von allem.
Der BMW X6 M Competition ist das Gesicht von Harald Glööckler als Auto. Allerdings mit dem Gehirn einer Teppichmilbe und dem mit Drogen zugespachtelten Gewissen von Jordan Belfort, dem Hauptdarsteller aus „Wolf of Wall Street“.
Der Wagen ist für Leute gemacht worden, die ihre Exaltiertheit wie einen Pelzmantel, der aus dem letzten sibirischen Tiger genäht wurde, tragen müssen. Ganz einfach weil sie es können. Der Wagen ist das Blech gewordene Spiegelbild der Gesellschaft.
Wenn man schon in den Weltuntergang fährt, dann wenigstens ausreichend motorisiert und mit den richtigen Sonderausstattungen versehen.

Zum Beispiel mit der Akustikverglasung für € 600,-.
Denn die ekelerregenden Geräusche, die entstehen, wenn man z.B. mal einen Hund, ein Kind oder einen Radfahrer überrollt, sollen nicht in den Innenraum dringen. Wäre nicht schön.

Und der Duft der Außenwelt, egal, ob blühende Rapsfelder, brennende Kohlekraftwerke oder brennende Vorstädte, soll auch schön draußen bleiben. Deshalb gibt es das „Ambient Air Paket“ für zarte € 350,-.
Hier kann man aus einem Buffet von künstlichen Duftaromen sein eigenes Geruchspaket zusammenstellen. Wo sich das Prekariat einfache Duftbäume an den Rückspiegel hängt, kann die verwöhnte Nase hier Düfte mischen.
Es wird in jedem X6 riechen wie in einer Douglas-Filiale an einem Samstag vormittag. Aber vielleicht gibt es ja auch Büffelsperma als Aroma?

Natürlich verfügt das Auto über eine Gestensteuerung. Damit kommt man
der Zielgruppe entgegen, die es nicht anders kennt, dass auf cholerische Anfälle (in Meetings, beim Ehestreit, beim Shoppen) oder auf das Zappeln bei einer Überdosis reagiert wird.
Die Kopf-ab-Geste ändert zum Beispiel Lieder oder beendet Telefonate. Hektisches Zucken mit unkontrolliertem Röhren schaltet das Gebläse an, wenn das Prozac mal nicht anschlägt und man wütend durch die Luft fuchtelt, blättert man automatisch das digitale Telefonbuch durch und landet wahrscheinlich beim BMW-Concierge, der einem den Weg in die Betty Ford-Klinik vorschlägt.

Für die Türen können sich die Kunden eine „Soft Close-Automatik“ bestellen. Kostet € 650,-.
Auf der Website steht: „Die Soft-Close-Automatik für die Türen bringt die Raffinesse und die Souveränität des Fahrzeugs bestens zum Ausdruck.
Sie ermöglicht ein bequemes und sicheres Schließen der Türen ohne viel Kraftaufwand und störende Zuschlaggeräusche.“
Es werden sich Millionen Menschen über heftige Zuschlaggeräusche beschwert haben, deshalb dieses sinnvolle Extra.
Muss man sich mal vorstellen, wie ein irgendein solventer Muskelrapper mit Wurstpenis, der aussieht und riecht wie ein Gorilla, aus dem Bodybuilding-Studio kommt, seine Gucci-Tasche auf den Rücksitz schleudert und die Tür sich mit einem leisen bzzzzzzzzzzzz automatisch zuzieht. Das ist echt hart.

Dass die Sitze eine Massagefunktion haben, war nicht anders zu erwarten. Dass man sich eine Carbon- Motorhaubenabdeckung für € 1.200- bestellen kann: wird den BMW-Mechatronikern, die das Ding jedes Mal abbasteln müssen, wenn sie den Motor sehen wollen, ein müdes, Kopfschütteln entlocken. „Nicht noch so einer…“

Am zeitgemäßesten von allem ist die BMW-Niere, die den Namen „Iconic Glow“ trägt. Allein für die Namensgebung möchte man den Leuten, die es sich ausgedacht haben, die ein oder andere BMW-Niere an die Stirn nageln.
Für schlappe € 500,- kann man den Kühlergrill, der ungefähr den Grundriss einer 1,5 Zimmer-Wohnung hat, leuchten lassen.
So kann man auch am Ende einer Fahrt sehr gut sehen, wo in den Gitterstäben sich mal wieder ein Rehbock oder ein lästiger Kleinwagen verfangen hat.

Schätzungsweise wird der BMW  X6 M Competition im Modelljahr 2022 mit dem Motor eines Kreuzfahrtschiffes (wird dann mit Welpen, Kindern und Hartz4-Empfängern betankt), mit Panzerabwehrraketen im Kühlergrill, mit Sitzen aus Nashornleder, mit Webergrill im Handschuhfach, mit einem Puff im Kofferraum und natürlich einem diamantbesetzten „FUCK YOU GRETA“-Emblem angeboten.

Ist ja eh alles egal.
Das Motto wird dann nur kurz angepasst:

PURE IGNORANZ.

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Hier geht es zur Website. (Und: ja. Ich weiß, dass ich den Hersteller BMW und die „M GmbH“ in einen Topf werfe. Nur falls sich jemand darüber aufregen sollte. Aber dieser werksgetunte Wagen wird offiziell auf der BMW-Website angeboten.)

https://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/m/x6-m/2019/bmw-x6-m-automobile-ueberblick.html

KLEIN ANFANGEN.

Das Abgleiten in Richtung Hass, Spaltung und Negation ist eine gesellschaftlich Kontinentaldrift in Zeitraffer. Und wir alle sind mittendrin. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten:

1. Mithassen. Mitlügen. Mitspalten
2. Schweigen
3. Was machen.

1 und 2 sind die Punkte die den ganzen Populisten, also der AfD, einem Donald Trump, einem Jair Bolsonaro, einem Matteo Salvini, einem Recep Erdogan, einem Viktor Orbán, einem Nigel Farage und den ganzen anderen gefährlichen Typen Erfolg bringen. (Und natürlich auch damals einen Adolf Hitler an die Macht gebracht haben.)
Auch Schulterzucken und Schweigen hilft denen.

Lasst doch einfach was ändern. Also Punkt 3.

Da die großen Veränderungen gerade irgendwie nicht hinzubekommen sind, weil jede größere Entscheidungen erst durch eine gallertartige Zeit-Raum-Masse gequetscht werden muss, bevor etwas Spürbares passiert, sollten wir vielleicht erstmal wieder klein anfangen.

Ich bin echt kein Typ für Listen. Aber trotzdem habe ich eine kleine Liste geschrieben.

Wenn ein paar Menschen ein paar dieser Dinge davon machen, wird der Moment besser. Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr gute Momente. Und je mehr gute Momente, desto weniger Groll, Hass und der ganze Scheiß, der jeden von uns runterzieht wie eine Tonne Blei.

Hier also die Top 33 der kleinen Dinge, die vielleicht Großes bewirken können:

1. „Hallo“ oder „Guten Tag“ sagen.
2. „Danke“ sagen
3. „Bitte“ sagen. 4. Nachfolgenden Leuten die Tür aufhalten.
5. Wenn man Einkaufen geht, die Omi (oder den Opi) von nebenan fragen, ob man etwas mitbringen soll.
6. Jemandem Hilfe anbieten.
7. Zuhören.
8. Beim Abbiegen blinken.
9. Im Supermarkt heruntergefallene Sachen aufheben und zurück ins Regal stellen.
10. Den Müllmännern, den Putzleuten im Hotel oder den Leuten, die bei H&M die T-Shirts falten, „danke“ sagen – und es ehrlich meinen.
11. Leute ausreden lassen.
12. Im Auto: nicht Wut-hupen. Möööööp! Mööp! MÖÖÖÖÖÖP!!!
13. Kinder ernst nehmen.
14. Nicht unbedingt recht haben wollen. Vor allen Dingen nicht, wenn es nicht so ist.
15. Freundlich sein.
16. Lächeln.
17. Einem Obdachlosen Beachtung schenken.
18. Einen Obdachlosen fragen, ob man etwas für ihn tun kann.
19. Gegenargumente anhören, nicht reflexmeckern.
20. Mal wieder über den eigenen Schatten springen.
21. Wenn man sexistischen / homophoben / rassistischen Scheiß hört, den Mund aufmachen.
22. Ein Buch im Buchladen kaufen.
23. Einen Waldspaziergang machen, über die Bäume staunen.
24. Für Freunde da sein.
25. Sich mal wieder bei den Eltern bedanken.
26. Am Ende einer Rolltreppe weitergehen – nicht stehen bleiben.
27. Komplimente machen.
28. Nicht belehren.
29. Zugeben, dass man etwas nicht weiß, wenn man etwas nicht weiß.
30. Leuten Erfolg gönnen.
31. Regenwürmer vom Asphalt aufheben und auf die Erde legen.
32. Mal nicht zynisch, ironisch oder sarkastisch sein.
33. Leuten mal die Vorfahrt lassen.
34. Sich entschuldigen, wenn einem ein kleines Missgeschick passiert ist. Sorry!
35. Nicht alles sofort verurteilen.
36. Nach vorne gucken.
37. Diese Liste im Kopf weiterspinnen.

KLEINE PAUSE

Nur falls ihr euch wundern solltet: mein Konto wurde gesperrt. Weil ich gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstoßen haben soll. Mit anderen Worten: weil irgendein zu dünn angerührter Bot mich gemeldet hat.

Mehr dazu später.

IHR HABT DIE WAHL.

Am 27. Oktober 2019 sind in Thüringen Landtagswahlen. Es gibt ungefähr 1,8 Millionen Wahlberechtigte in 44 Wahlkreisen.
Den aktuellsten Umfragen nach liegt die AfD (laut Infratest Dimap) momentan bei 25 %.
Das sind 450.000 Menschen, die ihr Kreuz bei der AfD machen wollen.

Geht man mal davon aus, dass der „harte Kern“, also die wirklich Rechten, Leute, die „Muselmänner aus den Moscheen zerren wollen“, die sich auf Rechtsrockkonzerten 22 Liter Bier reintanken und deren Gehirne einem braunen Haufen Durchfall ähneln, 15 % der Wähler ausmachen, also Menschen, bei denen man nichts mehr machen kann, bleiben noch 10 %.

Das sind gut 180.000 Menschen, die die AfD wählen wollen, weil „die endlich mal sagen, wie es ist“, die die AfD wählen wollen, weil „die Altparteien nichts hinbekommen!“, die die AfD wählen wollen, weil „Danke Merkel!!1!!11!“.
Das sind die wankelmütigen Protestwähler, die enttäuschten Mitläufer, die nur eines denken: „Naja, wenn das alle machen, mach ich das auch.“

Das sind 180.00 Menschen, die die AfD zu sich ziehen will, indem sie sich verharmlost und sich als eine „bürgerlich-konservative“ Partei inszeniert.
Die sie aber nicht ist. 

Man kann davon ausgehen, dass diese 180.000 Menschen in Thüringen wissen, wen sie da wählen, trotzdem will ich gern nochmal sagen, wem sie ihre Stimme geben wollen. Wen sie an die Macht heben wollen.  

Björn Höcke ist Geschichtslehrer und versucht mit seiner Rhetorik, in die Köpfe der Menschen einzudringen. Er nutzt genau wie seine Partei Mittel, mit denen schon die Nationalsozialisten die Massen manipuliert haben: Umdeutungen, Ideologisierung der Alltagssprache, wahnwitzige Übertreibungen.
„Unkontrollierte Flüchtlingsströme“, „Lügenpresse“, “Zwangsgebühren”, “Staatsfernsehen”.

Björn Höcke faselt von einer „tausendjährigen Zukunft Deutschlands.“
Genau der Höcke bezeichnet Sigmar Gabriel schon 2016 als „Volksverderber“.
Adolf Hitler schrieb in „Mein Kampf“: „Hätte man zu Kriegsbeginn (1914) und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet.“

Andere Beispiele für die Höcke-Rhetorik?
„Bewegungspartei“. „Entartung“, „Degeneration“, „Tat-Elite“, „Verfall, „dass Deutschland erwacht“.

Das sind alles Begriffe, die erwiesenermaßen der NS-Rhetorik entliehen sind, wie Andreas Diss recherchiert hat.
(Quelle:
https://www.diss-duisburg.de/2016/11/zur-ns-rhetorik-des-afd-politikers-bjoern-hoecke/)

Björn Höcke ist Geschichtslehrer.
Er weiß genau, was er sagt. Und er weiß ganz genau, was seine Worte anrichten können. Denn er hat gelernt (und gelehrt), dass aus Worten irgendwann auch Taten werden.
1933 fing auch mit Worten an. „Kauft nicht beim Juden!“, zum Beispiel. Später kam es zur Reichspogromnacht, zur „Polenaktion“, zum Holocaust.
Seit April 1933 wurden jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien im Deutschen Reich boykottiert. Heute werden Flüchtlingsheime angezündet und die antisemitischen Übergriffe steigen seit Jahren an. Und dem Mann geht es nicht mehr um Flüchtlinge und um „Umvolkung“. Ihm geht es um Deutschland.

Die Worte der Deutschen 1933 waren die ersten Warnsignale, darauf wollte aber niemand hören, man ist lieber blind dem Führer gefolgt. Haben alle anderen ja schließlich auch gemacht.
Und Jahre später haben die Leute „von alledem nichts gewusst.“

80 Jahre später will Björn Höcke unter Zuhilfenahme derselben Worten an die Macht. Er will die Leute mit genau den rhetorischen Mitteln hinter sich wissen. Derselbe Björn Höcke, der ein (sehr konfrontatives) Interview mit folgenden Worten abbricht:

Höcke: Passen Sie auf. Wir beenden das Interview, nur, dann ist klar … Wir wissen nicht, was kommt … Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.

ZDF: Ist das eine Drohung?

Höcke: Nein. Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin. Ich bin auch nur ein Mensch, verstehen Sie?

ZDF: Und was könnte kommen? Wenn Sie sagen, wir wissen nicht, was kommt.

Höcke: Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein.

Achtung: „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande.“

Der Mann hat psychische Auffälligkeiten und will unbedingt an die Macht.
Und es ist vielleicht mal an der Zeit, daran zu erinnern, was seine Worte bewirken.
Nein. Ich werde Björn Höcke keine Schuld an dem Naziterror-Akt in Halle geben. Auch wenn man den Mann offiziell einen „Faschisten“ nennen darf. Auch wenn er für den Rechten Flügel der AfD steht. Der Mann steht sogar so weit rechts, wenn die Erde eine Scheibe wäre, würde er mit einem Bein schon in irgendeinem brauen Loch im All stehen. Oder im Führerhauptquartier.

Ich schweife ab.

Denn ich will nur kurz darauf aufmerksam machen, dass die Nazi-Rhetorik und die verbalen Vernichtungsphantasien der AfD und speziell von Höcke die Hemmungen gewaltbereiter Menschen sinken lassen. Wahrscheinlich ist schon so ungefähr jeder, der hier liest, im Netz von Rechten bedroht worden. Das ist nicht immer schön.
Noch unschöner ist, dass diese verbalen Drohungen mittlerweile in die Tat umgesetzt werden.
Erst der Mord an Walter Lübcke, dann der Terrorakt gegen Juden in Halle. Was soll denn noch kommen?

Höcke hat sich natürlich von dem Terrorakt distanziert (klar, sind ja bald Wahlen). Er hat geschrieben: 

„Mit großer Bestürzung habe ich von dem Terroranschlag in Halle erfahren.
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer dieses völlig wahnhaften Verbrechens.

Was sind das nur für Menschen, die anderen Menschen so etwas antun?!“

Er schrieb vom „wahnhaften Verbrechen“.
Mit diesem kleinen Adjektiv bietet er dem Täter Schutz.
Wenn der nämlich „wahnhaft“ ist, ist er automatisch nicht ganz zurechnungsfähig. So wird der Täter ein „Psychokiller“ werden, ein „verwirrter Einzeltäter.“ Jemand, mit dem Höcke und die AfD ideologisch nichts zu tun haben. Was nicht ganz richtig ist.

Denn zu seiner Frage: („Was sind das nur für Menschen, die anderen Menschen so etwas antun?!“)

Das sind Neonazis.
Neonazis, die aus den Worten Taten werden lassen. Und solche Taten nennt man Naziterror.

Wir haben ein echtes Neonazi-Problem in Deutschland. Die Entnazifizierung ist noch längt nicht abgeschlossen.
Weil viel zu lange weggeguckt wurde.
Es gibt einen ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, der Hetzjagden klein redet – und der die rechte Szene offenbar lange geschützt hat.
Es gibt einen NSU und dazu geshredderte Akten. Es verschwinden Waffen bei der Bundeswehr und der Polizei. Es gibt ein rechtes Netzwerk bei der Bundeswehr und der Polizei. Es gibt einen Schulterschluss der AfD mit der PEGIDA und der ultrarechten Bewegung „Pro Chemnitz“.
Wir haben Nazigruppierungen, die sich im Internet Löschkalk und Leichensäcke besorgen, es gibt „Terrorlisten“ auf denen 25.000 Menschen stehen.
Es gibt eine Kanzlerinkandidatin, die in dem Terrorakt mit zwei Toten und neun Verletzten allen Ernstes ein „Alarmsignal“ sieht.
Und es gibt ein Bundesland, das den Mann, der mit seiner Rhetorik die Nazis in diesem Land befeuert, mit einem (Haken)kreuz auf dem Wahlzettel an die Macht bringen kann.

Es muss jedem, der am 27. Oktober wählen darf, klar sein: Wer Höcke wählt, wählt einen Neonazi.
Wer die AfD wählt, wählt eine Partei, die einen Mann, den man offiziell als Faschisten bezeichnen darf (muss!) als Fraktionsvorsitzenden in Thüringen hat.
Wer die AfD wählt, wählt nicht Protest. Sondern Faschismus.
Wer die AfD wählt, wählt nicht die Zukunft. Sondern die dunkelste Vergangenheit, die es in Deutschland gibt.
Wer die AfD wählt, wählt nicht „endlich mal eine ordentliche Oppositionspartei“. Sondern Neonazis.

Ihr seid in Thüringen 180.000 Menschen, die einen Unterschied machen können. Geht unbedingt wählen. Zeigt, dass ihr aus der Geschichte gelernt habt. Fordert Veränderungen. Geht auf die Straße. Nehmt die Politiker in die Pflicht. Seid laut. Seid unbequem! Seid schlau!
Aber macht euer Protestkreuz aus Protest nicht bei der AfD.

Es sei denn, ihr wollt wirklich einem Faschisten eure Stimme geben.