Ich war schon mal lustiger.

Guten Tag,

wir schreiben das Jahr 2007 und ich bin jetzt offiziell Blogger. 

Ok. Ich sehe gerade, dass ich mich vertan habe: wir haben das Jahr 2019 und ich hinke dem Trend ungefähr 8 Jahre hinterher. Egal.
Alle sind jetzt Influencer oder züchten Tomaten – und ich kritzel tatsächlich hier in diesem Blog rum auch wenn es so anfühlt als würde ich meine Gedanken in eine Steintafel meißeln, sie per Fax an Horst Seehofer schicken, der sie auf Thermopapier ausdruckt und per Telegramm ins Internet bringt.

„Früher warst du echt mal lustiger“ höre ich immer häufiger. Das ist eine wunderbare Mischung aus Kompliment und Enttäuschung.
Die Wahrheit ist: Ich bin nicht nur nicht mehr lustig – ich bin langweilig und peinlich. Und nicht ganz dicht.
Sagen zumindest viele Menschen, die mir nahe stehen. 

Wenn ich nicht nerve und mich in die gesellschaftlichen Themen einmische, lehne ich schmollend an einer Wand und überlege, einen Podcast zu machen. Den bringe ich dann pünktlich im Herbst 2073 raus.

Ach so: rechnen kann ich auch nicht. 

ABRISS UND NEUBAU.

Was war denn da nochmal? Wie sah das Haus aus, als es noch stand? Waren die Fensterläden blau? Grün? Grau? Hatte es überhaupt Fensterläden? Das Dach hatte zu hundert Prozent rote Ziegel. Können aber auch schwarze gewesen sein, mit so Moosbewuchs.
Die Haustür war – ähm. Butzenscheiben waren da drin, der Briefkasten war – äh – und der Garten war immer ziemlich – ähm. Ja.
Und wer hat da gewohnt? War es nicht diese eine alte Mecker-Omi mit ihrem schrulligen Sohn? Nee. Da war doch ne ganze Familie, die mit den blonden Töchtern und dem Hund. Oder?

Mit einem Haus, das abgerissen wird, löst sich offenbar immer gleichzeitig die komplette Erinnerung in Schutt auf. Sobald die Baggerschaufel die Wand eingerissen hat, sobald die Heizungsrohe wie Krampfadern aus dem Schrott gezogen wurden, sobald der Staub sich gelegt hat, ist die Erinnerung an das Haus weg. Und macht Platz für Neues.

Im Kopf des Menschen scheint ein bestimmter Speicherplatz für Gebilde und Gewohnheiten zu sein, der immer mal wieder überschrieben wird, sobald etwas zu alt oder zu kaputt ist. Die Erinnerungen verblassen nicht nur langsam wie alte Fotos, sie werden manchmal von schweren Geräten weggerissen und überschrieben.

Auch die Erinnerung an die Corona-Epidemie wird irgendwann entfernt werden. Sowohl die wirklich schlechten und schmerzhaften Erinnerungen als auch die nicht-so-schlechten werden dann innerhalb kürzester Zeit zerlegt. Wir werden mit Verhalten auf die Krise, vor allen Dingen auf das Ende der Krise reagieren.

Es wäre allerdings extrem schade, wenn wir unsere Gedächtnisspeicher sofort wieder mit Berufsverkehrstau und Autokorsos, mit Geschiebe und Geschubse, mit Businessflügen, mit Übertreibungen, mit Freizeithysterie, mit Lärm, mit Billigflügen, mit Hupen, mit Gegrabbel, mit dieser äußeren Weite und der inneren Enge auffüllten.
Wenn die Einkehr sofort wieder durch Alarm abgelöst wird. Denn soviel wie gerade haben so viele Menschen gleichzeitig wahrscheinlich selten über ihre Leben nachgedacht. Über ihre Lungen übrigens auch nicht.

Wäre schade, wenn Bundesligaspiele schnell wieder wichtiger sein werden als zum Beispiel die aufkeimende Nachbarschaftshilfe. Oder wenn Biergarten unter den Tische reihern schnell wieder angesagter sein wird als regelmäßiges Händewaschen.
Die an einigen Stellen positiven Wirkungen und Auswirkungen von Corona werden schnell wieder egal sein. Ein massenkompatibler Zweckbau wird einen Steinhaufen ersetzen.

Aber die Aufmerksamkeitsspanne für Telefonkonferenzen, für ein bisschen Demut, für Schnelligkeit und Flexibilität, für das innere Kalibrieren sollte nicht innerhalb von wenigen Stunden weggerissen werden wie so ein olles Haus. Wäre zumindest sehr schade.

Ein Beispiel: Die Erinnerungen an die Pflegekräfte, Ärzte, SupermarktmitarbeiterInnen, Müllmänner, Schaffner und Polizisten, WasserwerkmitarbeiterInnen und überhaupt alle Unterbezahlten, die sich gerade den Arsch für das Land aufreißen, werden mit dem ersten erleichterten Restaurantbesuch oder dem Bier mit den Jungs oder dem langersehnten Bundesligaspiel aus dem Erinnerungsspeicher entfernt. Kliniken weiterhin privatisiert und auf Effizienz getrimmt.
Also auch hier: Alles wie immer. 

Ein anderes Beispiel: adidas, der Konzern mit Milliardengewinnen, steht momentan sehr stark in der Kritik, weil er im Gegensatz zu den kleinen Einzelhändlern einfach mal so sagt: „Pffffft! Wir zahlen keine Mieten! Corona ist Schuld!“
Politiker verbrennen öffentlichkeitswirksam Poloshirts der Marke. Der Imageschaden für das Unternehmen aus Herzogenaurach könnte immens sein.
Wenn diese Marke aber jetzt Hygienemasken rausbringt, so richtig abgefahrene Dinger in geilen Farben, mit drei Streifen und irgendeinem „air lock System“, und wenn ein paar Influencer abgefahrene Selfies damit machen, werden viele Leute die Dinger natürlich sofort bestellen. Bei amazon. Und dem Paketboten, der die Dinger liefert, drücken sie auf Twitter eine miese Bewertung rein. Also alles wie immer.

„Wichtig“ und „unwichtig“ werden wieder neu bewertet. In Zahlen, in Medaillen, in Punkte.

Auf dem Schotterhaufen wird bald wieder ein Haus stehen.

Wir können allerdings dafür sorgen, dass es ein Haus sein wird, an das wir uns alle lange erinnern werden. Auch an die Tür und den Briefkasten. Und vor allen Dingen an die Leute, die in dem Haus gewohnt haben.

Weil wir mitgestalten können.

IM POSTFACH.

привет sehr geehrter Herr Herr,

ANTRAG AUF UNTERSTÜTZUNG – STRENG VERTRAULICH

Ich bin Dr. Michael Tolzin, der Cousin des niedersächsischen Papierbauern, Dipl. Ing Klaus Wisch. Er war der erste Niedersachse, der die Tissue-Pflanze angebaut hat und auch der erste, der seltene Papierkühe züchtet. 1977 hat er zusammen mit James Bond und Dr. Q auf dem Geheim-Areal in der Lüneburger Heide die ersten Zuchtversuche unternommen. 1988 wurde er mit seinen Kühen von einer russischen Delegation nach Nowosibirsk entführt, um dort sibirische Papiertiger zu züchten. Er ist mit dem Russland-Express dort gestrandet. Einmal, kurz nachdem die Sowjetunion aufgelöst wurde, wollte ein Filmteam ihn filmen, aber sie haben keine Genehmigung bekommen. Mein Cousin und seine 5000 Kühe sind gut gelaunt, wollen aber nach Hause kommen.

Aus der russischen Papierproduktion können umgerechnet über 9000 Billionen Millionen Milliarden Tonnen Toilettenpapier hergestellt werden. Schön weich und 32-lagig.

In den vielen Jahren, seit er Papierkühe züchtet war, hat mein Cousin 18 Millionen Tonnen Papiermaterial in Höhe von fast 15..000.000.000.000 US-Dollar angesammelt. Plus Zinsen. Das Geld soll transferiert werden. Dies geschieht in einem Trust der Niedersächsischen Socken-und Tassenbank. Wenn wir Zugang zu diesem Geld erhalten, können wir beim russischen Bauernverband eine Anzahlung für eine Rückfahrt inkl. Papiertransport leisten, um ihn nach Niedersachsen zurückzubringen.
Mir wurde von einem Agenten gesagt, dass dies umgerechnet nur 3.000.000 US-Dollar kosten wird. Um auf seinen Treuhandfonds zugreifen zu können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Überweisen Sie bitte hierhin. Betreff: Wischt gut.

Niedersächsische Socken-und Tassenbank
IVAN: DE01 3982 2838 2403 4932 9833 34
BIC: NISOTALHXXXX

Das Vertrauen, das Ihnen zu diesem Zeitpunkt entgegengebracht wurde, ist natürlich enorm. Im Gegenzug haben wir vereinbart, Ihnen 20 Pakete weiches und schönes, 32-lagiges Toilettenpapier pro Woche anzubieten, während 10 Prozent für Nebenkosten (intern und extern) zwischen den Parteien im Verlauf der Transaktion vorgesehen sind. Sie werden beauftragt, den Restbetrag zu gegebener Zeit zu 70 Prozent auf andere Konten zu überweisen. Eine Mail dazu kommt bald.

Bitte beschleunigen Sie die Maßnahmen, da wir hinter dem Zeitplan zurückbleiben, damit wir die Anzahlung in diesem Geschäftsquartal berücksichtigen können. Und Sie essen doch so viele Nudeln.

Bitte bestätigen Sie den Empfang dieser Nachricht nur über meine direkte Nummer 836 (0) 9-244-99377492-7823653334-72623-21.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Michael Tolzin

Projektmanager Papierkuh muh@naprfda.gov.ru

WAHRHEIT.

Schon mal drüber nachgedacht, was gerade wirklich passiert?

Also gut.

Nicht aus Zufall sind in den meisten Zigarettenpackungen 19 Zigaretten.
Und nicht aus Zufall ist der neue Name der „Lungenkrankheit“ ein Kofferwort aus „Communication“ und „Video“. Es ist ein Mega-Deal der Zigarettenindustrie und Videokonferenzportalen, zufällig von Bill Gates schon 2012 angekündigt.

Covid-19.

Beschlossen wurde das ganze schon im April 1942 auf der ersten Bilderbergkonferenz.
Ach so, von wegen „Bilderberg“ – das ist nur ein Ablenkungsmanöver. In Wahrheit ist das die „Wörtersee-Konferenz“. Also genau das Gegenteil. Hier werden Wörter erfunden.
Geleitet wurde die Konferenz von Elvis Presley. Bill Gates, Madonna (die damals noch Marilyn Monroe hieß), Elon Musk, Christiano Poknalldo, Monica Lewinski, John F. Kennedy (mit seinem best Buddy Lee Harvey Oswald) und der Mafiapate Don Corleone waren damals auch dabei. Zum Dessert gab es eine kubanische Orangensorte mit dem Namen „Dlanod Pmurt“. Zufall? Hahaha. Nein.

Hintergrund:

Das Departement of Justice (DOJ) der „US-Regierung“ reichte 1382 gegen die US-Tabakindustrie (u. a. Philip Morris USAR.J. Reynolds Tobacco CompanyBrown&Williamson Tobacco) eine Zivilklage am U.S.District Court Washington D.C. ein. Sie stützte sich auf ein Gesetz von 200 v. Chr., das damals zur Bekämpfung der Mafia erlassen wurde.

Das Master Settlement Agreement wurde unterzeichnet. Darin stand, dass ab 11. September 2001 nur noch 19 Zigaretten in einer Packung sein sollten. Unterschrieben wurde der Deal mit Blut, man hat sich auf eine kleine Guerilla-Aktion geeignet: Erst sollte ein Ablenkungskrieg angefangen werden, bei dem das Durchschnittalter der imperialistischen Macht genau 19 war. Paul Hardcastle hat den Beweis als Song geliefert. https://youtu.be/doDdTAlpFzk

Jahre später sollten zwei bekannte Gebäude „brennen wie Zigaretten. Und es soll eine Menge Asche geben.“. Hat funktioniert. Man redet noch heute davon und wundert sich öffentlich über die Stahlträger. (Die natürlich mit Chemtrail-Parfum der Marke BOEING eingesprüht wurden.)
Codewort der „Piloten“ war: „SARS-CoV-2“

Entwickelt wurden beide Aktionen von einer kleinen mexikanischen Agentur „El Quadichilla“, die aber eine mediale Tarnkappe bekommen hat und „Al Quaida“ genannt wurde. Geleitet wurde sie vom Drogenbaron „El Burrito“.
Dazu muss man wissen, dass der größte Teil Mexikos unterirdisch ist und mit Öl betrieben wird. „Mexiko“ heißt ja auch ursprünglich „Hohlerde“, was man, wenn man es spricht, als Aufforderung verstanden werden kann. Denkt mal drüber nach!
Bezahlt werden sollte also mit Barrels, die die USA mit einer weiteren Aktion aus Afghanistan beziehen sollte. Auch das hat funktioniert.

In der Zwischenzeit wurde ein Rover auf dem Mars installiert – von Google, um die extraterristischen Wesen zu tracken. Der Rover hieß „Curiosity“, was sich auf Covid-19 reimt. Zumindest fast. Und das haben die extra gemacht, damit die Menschen nachdenken. Wer den Zusammenhang versteht, ist noch nicht verchemtrailt.

Die ganze Wahrheit kennen nur Abdul Güsay, ein „armer“ Olivenbauer aus Ostanatolien und Xavier Naidoo, dessen Augen Laserwaffen sind, mit denen Gehirne gesteuert werden können. Oder warum hat er immer eine Sonnenbrille auf? Das ist jawohl eine Schweissbrille. 

Jetzt soll die „neue Lungenkrankheit“, die in Wahrheit eine PR-Aktion ist, die ganze Welt in eine neue Ordnung führen? Obwohl es eigentlich nur eine ganz normale Grippe ist, wie die vielen YouTube-Spezialisten und Facebook-Kommentatoren (Rapper, die in Treppenhäusern sitzen und alte Landärzte) sagen.
Und als nächste Aktion soll eine Ausgangssperre kommen, damit die zu Sprühflaschen umfunktionierten Straßenlaternen ganz in Ruhe flächendeckend das Gehirngift versprühen können.

Als Medienpartner ist der „Duden“ dabei. Das Wort „Quarantäne“ soll endlich „Ku-arantäne“ ausgesprochen werden und nicht mehr „Ka-rantäne“.

So ist das.

Was das alles jetzt in Wirklichkeit bedeutet?

Glaubt nicht jeden Scheiß. Prüft Informationen. Verlasst euch auf valide Quellen wie zum Beispiel das Robert Koch-Institut. Und bleibt zu Hause.

https://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html

Danke.
 




UNTERWEGS.

Wir sitzen in einem Auto und fahren durch die Zeit. Obwohl der Wagen, vielleicht ein großer Mercedes, ein BMW oder ein Volkswagen, schon ein paar Jahre alt ist, ist er bis unters Dach ausgestattet: Servolenkung, Wurzelholzapplikationen, elektrische Fensterheber, Sitze mit Massagefunktion, Klimaanlage, Schiebedach, Lederausstattung, Automatikgetriebe mit unterschiedlichen Fahrmodi, ESP und ABS sowieso. Insgesamt 14 Airbags, vier davon auf Kopfhöhe, Seitenaufprallschutz, es ist alles dabei.
Wir sind schnell und wir sind stolz. Und sicher sind wir sowieso, uns kann nichts passieren, wir werden immer gut temperiert und pünktlich ankommen. Uns hält nichts auf, erst bei 250 Km/h ist Schluss. Die linke Spur kann uns gehören, wir lieben es aber auch, einfach entspannt mitzuschwimmen.
Der Lack (schwarzpearl-Metallic, Sonderfarbe) glänzt, wir kümmern uns gut um unser Mobil. Wenn wir irgendwo ankommen, geben wir ihm einen Klaps, wir sind dem Wagen, dieser wunderbaren Ingenieurskunst, diesem Kunstwerk aus Stahl, Gummi und Öl, näher als einigen Menschen aus Fleisch, Sehnen und Blut.

Wir sind gern unterwegs. Gut unterwegs. Und es ist großartig. Wir sind frei, können alles erreichen. Wir können Ausflüge machen, zur Arbeit fahren, einfach nur so rumcruisen, wir können zur Geliebten fahren oder zum dementen Vater. Wir können um die Welt fahren, wenn wir wollen, drei Mal. Wir können alles. Weil wir alles können.

Autobahn, Landstraße, Schnellstraße, egal wann, egal wo – unser Navi kennt den Weg. Wir müssen nicht denken, können uns zurücklehnen und genießen. Musik aus der großartigen Anlage oder einfach nur den Blick, wie die Bäume, die Wolken, die Häuser, das Leben der anderen an uns vorbeizieht. Es ist phantastisch. Beschleunigen, Scheitelpunkte, mit dem Fuß lenken, Vollgas. Es riecht nach Benzin und Öl. Das sind wir, es ist großartig. Wirklich.
Es gibt keine Sorgen – nur Wege und Möglichkeiten.

Guck mal. Haha.

Da stehen sie am Straßenrand und brauchen Hilfe. Bei denen geht nichts mehr. Wir sind schneller, wir lachen sie aus. Und wir rufen ein paar Freunde an und machen Witze. Haha, sind die bescheuert, wirklich.
„Was um alles in der Welt machen die denn da? Zucker im Tank, oder was? Idioten!“

Klack. Tja.

Eben waren es nur die anderen.

Und jetzt hat uns irgendein unsichtbares Ding den Schlüssel abgezogen, mitten in der Fahrt. Wir waren doch eben noch so schnell! Wir rollen aus, wir sind entkoppelt, nichts geht mehr. Da sind nur noch wir in unserer schweren Hülle und alles ist schwer. Es gibt Angst und Unsicherheit, aber kaum noch Geschwindigkeit. Im Gegenteil, wir werden zu Langsamkeit gezwungen, bewegen uns durch eine Zeit, die aus Aspik ist. Und wir dürfen nicht mal raus aus unserem Leben.

Jetzt müssen wir höllisch aufpassen, dass das Lenkradschloss nicht einrastet.

Wenn wir das hinbekommen, werden wir ankommen.
Viel später als geplant. Ohne Navi. Ohne die vielen Annehmlichkeiten, ohne Bequemlichkeit, ohne das Mühelose, vielleicht auch ohne Leichtigkeit. Und bestimmt auch ohne das geplante Ziel zu erreichen. Aber vielleicht ist es da, wo wir landen, viel besser – das wissen wir allerdings erst, wenn wir da sind.

WIRKUNGEN.

AUSWIRKUNGEN.

Vielleicht interessiert man sich für Gemüsefond, Turnschuhe oder Aktienkurse, geht vielen Leidenschaften nach oder ist vielleicht auch komplett hobbylos und trotzdem glücklich.
Man ruckelt sich in seinem Leben ein, versucht, seinen Platz zu finden und merkt irgendwann, dass da irgendwas irgendwie ein bisschen schief läuft. Aber was?
Das Klima. Die Wirtschaft. Das System. Die Gesellschaft. Alles irgendwie angespannt und leicht hektisch. Was wird passieren? Steigen die Meeresspiegel so rasant wie befürchtet? Kippen die Ozeane? Starten die Rechtsextremen einen Bürgerkrieg? Kommen plötzlich Millionen Klimaflüchtlinge?
Nein. Erstmal kommt ein Virus, das lustig klingt. Corona. Covid-19.

Die ersten Auswirkungen waren unheimlich verkrampfte Berichte, die mit Überheblichkeit geschrieben und mit Rassismus gewürzt wurden.
„Made in China“, titelte der SPIEGEL mit der Wuchtigkeit eines nervigen Andreas Gabalier-Hits.
„Ist ja weit weg, interessiert uns hier nicht“, hat der deutsche Durchschnitts-Jochen gedacht. „Alles nicht so wild, haha, die blöden Schinokken, sollen mal lieber Schuhe nähen. Ich mach hier weiter. Mein Gemüsefond ist wichtiger. Und meine Sneaker sowieso. Was kostet ein Liter Diesel?“

Was folgte, waren Hamsterkäufe und schlimme Hamsterkaufwitze.
Die Prepper waren die neuen IT-Boys. Virologen sind die neuen Helden.

Eine virale Übersprungshandlung hat das ganze Land erfasst: Die Menschen wollten sich kümmern, wollten irgendwas Vernünftiges tun – und haben angefangen, Nudeln und Toilettenpapier zu kaufen wie die Irren. Was für eine Scheiße. 

Ein paar Wochen später hat das Corona-Virus das Land und sogar größte Teile der Welt lahmgelegt. Forscher haben berechnet, dass jeder Infizierte drei bis fünf Menschen ansteckt. Es gibt sehr viele Menschen, die die Pandemie überstehen, aber auch viele Tote.
Eine Pandemie. Krass. Grippe in unbekannt und schlimm. Damit hat kaum jemand gerechnet.

Europa ist am Boden. Das öffentliche Leben ist sehr stark eingeschränkt – so stark wie selten zuvor. Es werden in den ersten Ländern Ausgangssperren verhängt, Schule fällt aus, die Kultur sackt in sich zusammen, Clubs und Kleinunternehmer sterben, die Wirtschaft bricht ein. Das menschliche Denken ist überlastet. Das System „Alltag“ sowieso.
Und die Leute prügeln sich in Supermärkten um die letzte Flasche Desinfektionsspray. Der letzte Mundschutz ist schon längst über die Ladentheke gegangen. Fake-News, Hetze und widerliche Verschwörungstheorien treiben Menschen in den Wahnsinn.

Hamsterkäufe werden nur der Anfang gewesen sein.

NEBENWIRKUNGEN.

Auf den Titelseiten werden in neun Monaten die ersten „Corona-Kids“ zu sehen sein. Kinder, die im Home-Office gezeugt wurden.
Therapeuten werden sehr viele Burn-Out-Opfer behandeln müssen: Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen, Ärzte, Menschen, die sich für andere Menschen aufgerissen haben – und immer noch aufreissen.
Und die häusliche Gewalt wird sehr wahrscheinlich ansteigen – logisch: Angst, Stress und dann sind die Leute auch noch eingesperrt.
Natürlich gibt es auch die Rebellen (die sehr, sehr dummen, ignoranten und behämmerten Rebellen), die trotzdem feiern. Weil man sich doch „von oben“ nichts verbieten lässt! „Pack‘ das Nackensteak auf den Grill!“. Man leckt sich ab und steckt sich an. 
Und überall wachsen Verschwörungstheoretiker aus ihren Bunkern wie Schleimpilze und halten ihre blassen Gesichter in die Kamera. Sie geben Tipps („Nicht zu tief bohren, immer dran denken: die Erde ist ja hohl!“)
Handcrème wird knapp, die Populisten hetzen fröhlich weiter und wenn mal das Internet ausfällt, schlagen sich die Leute die Köpfe mit Gullydeckeln ein.


Schlimm.

Aber es gibt auch wirklich gute Nachrichten.
Menschen fangen an, sich umeinander zu kümmern, sind ja nicht alles ignorante Blödmannsgehilfen und Allesversalzer.
Nachbarn sind wieder wer, nämlich Menschen, denen man hilft.
Viele nutzen die Zeit, um in sich zu gehen und den Alltag zu überdenken. Sie hinterfragen vieles, es ist auch die Zeit der Kontemplation. Man redet miteinander. Viele geben social Media die eigentliche Bedeutung wieder.
Unternehmen merken, dass man gar nicht so viel reisen muss, ganz einfach, weil es nicht geht. Es gibt Videokonferenzen statt Gedränge am Gate, es gibt weniger Belastung für die Umwelt. Die Welt kann einmal durchatmen, während wir Menschen einmal kurz lahmgelegt sind.
Das verklebte Denken: „Dasmachenwirimmerso! Denn das haben wir schon immer so gemacht!“ platzt auf wie eine Schorfkruste. Und macht Platz für Neues.

NACHWIRKUNGEN.

Vielleicht wird man ja mal wieder mehr auf Wissenschaftler hören.
Und vielleicht wird man die Flexibilität zur Gewohnheit werden lassen. Und vielleicht wird man wieder ein bisschen mehr füreinander da sein. Vielleicht ist es gar nicht mehr so peinlich und dumm, sich zu kümmern. Vielleicht werden Pflegeberufe endlich wertgeschätzt. Und auch die Menschen, die im Supermarkt Klopapier nachlegen. (Und Dosentomaten.)
Vielleicht kann man mal wieder mehr lächeln.
Vielleicht nehmen die Menschen aus der Krise mit, dass die neuesten Sneaker, das größere Auto, das geilere Selfie, die NOCH derbere Fernreise, die Frisur, die Zeit beim Triathlon, die Serie auf Netflix, der Tweet von dem einen Typen, das Ergebnis vom Wochenende, die Klamotten von Gucci, das Tattoo, die Uhr, der Burger, der YouTube-Clip und das Idealgewicht nicht so wichtig sind, sondern dass es Wichtigeres gibt.

Gesundheit zum Beispiel. Und ein vernünftiges Miteinander. 

#wir_helfen_uns

Corona zwingt die Welt gerade in die Knie. Angst und Leid sind die vorherrschenden Themen – gerade in den sozialen Medien, aber auch im analogen Leben.
Wo bis vor ein paar Tagen nur Hass und Hetze den Tagesablauf bestimmt haben, gibt die Krise auch die Chance, zusammenzuwachsen. Trotz Leid und Angst.

Wenn möglichst viele mitmachen, ist es leichter zu ertragen.

Ihr könnt euren Eltern helfen. Fragt sie, ob sie was brauchen. Redet mit ihnen.
Ihr könnt euren Nachbarn helfen. Fragt, ob sie was brauchen. Redet mit ihnen.

Sollten Schulen und Kitas geschlossen werden, könnt ihr euch gegenseitig helfen. Mit einem Kleinstkindergarten. Damit Menschen, die zur Arbeit wollen und müssen und kein Home-Office machen können, ihrer Arbeit nachgehen können.

Viele Selbständige, Kleinunternehmer, Bands, Kleinkünstler, Autoren, etc. verlieren jetzt eine Zeitlang ihre Aufträge – und somit ihre Lebensgrundlage. Lesungen werden abgesagt, Auftritte fallen aus. Ihr seid einigermassen solvent? Ladet euren Lieblingsautoren zu euch ins Wohnzimmer ein. Da gibt es eine Lesung im kleinen Kreis.
Ihr braucht einen Kurier? Fragt den Tischler von nebenan, ob er für einen kleinen Kurs den Auftrag für euch übernehmen kann.

Ihr seid Marketingverantwortliche? Dann überlegt, was euer Unternehmen für die Gesellschaft machen kann. Ob nun freie Gespräche als Telekommunikationsunternehmen oder der Verzicht auf einen Mindestbestellwert beim Pizzadienst, wenn es sich irgendwie einrichten lässt.
Ihr seid Medienverantwortliche? Dann verzichtet auf Bezahlschranken für Artikel, die über das Coronavirus aufklären.

Ihr seid Multiplikatoren in den sozialen Netzwerken? Ihr seid Influencer? Ihr habt eine Reichweite? Dann bietet eure Reichweite an. Bildet regionale Gruppen.
Verbreitet #wirhelfenuns und #wir_helfen_uns.

Ihr könnt gut Kuchen backen oder seid Taxifahrer, die keine Kunden haben? Oder seid einfach nur ein menschliches Wesen?
Dann helft vor allen Dingen den Menschen, die helfen. Die sich im Krankenhaus den Arsch aufreißen. PflegerInnen und Pfleger, Ärzte, alle.
Backt ihnen Kuchen. Bietet ihnen Gratis-Fahrten zur Arbeit (oder nach Hause) an. Und helft, wo ihr könnt. Euch fällt da bestimmt was ein.

Macht das Helfen groß.

Wir werden es noch brauchen.




CORONA. WOCHE ZWEI.

Was als nächstes passiert:

Menschen essen ihre Hamsterkäufe auf, die angeregte Verdauung zwingt sie sehr häufig zum Klo. Viele müssen zwischenspülen. Wasser wird knapp. Toilettenpapier wird knapp. Deutschland wischt erst einlagig und dann gar nicht mehr. „Deutschland, Schmierinfektionsland!!!“, titelt die BILD.

Die Klopapierkriminellen kommen. Menschen klauen in Hotels, in öffentlichen Einrichtungen und sogar in Bahnhofstoiletten Klopapier.
Es bilden sich aggressive Klo-Clans, Gangsta-Rapper verbrennen in Musikvideos Toilettenpapier und bekommen dafür Musikpreise.

Sanifair-Bons sind jetzt wertvoller als Gold.
Menschen fahren wie die Irren auf Autobahnraststätten, um die beliebten Bons zu bekommen. Es kommt zu Staus und Unfällen. Die BILD streamt alle Unfälle live ins Netz und schreibt, dass das die Rache der Russen ist. Oder, noch wahrscheinlicher, von dem Teil der Bevölkerung, der in der Hohlerde lebt und noch nie Tageslicht gesehen hat. „Jetzt drehen wir die ganze Scheiße mal um! Exklusivinterview mit Hohlerdling Kaspatrum Schauinsland“, titelt die BILD.

Die Wirtschaft steht so still, dass sogar die Kinder in Taiwan und Indonesien sich fragen, warum sie keine T-Shirts und Schuhe mehr nähen sollen.

Die AfD mobilisiert alle Wähler und alle PEGIDA-Demonstranten.
Sie schützen die Grenzen. Für viele die Gelegenheit, endlich mal die Wehrmachtsuniform aus dem Schrankversteck zu holen. Alexander Gauland kichert debil Anweisungen ins Megaphon, Björn Höcke blüht auf.
Es wird scharf geschossen – Waffen wurden ja in Erdbunkern gehortet.
„DIE GRENZEN SIND SICHER!“, titelt die BILD.

Der EURO wird abgeschafft und durch den SANBO (Sanifair-Bon) ersetzt. Bankfilialen sind Raststättenautomaten mit Drehkreuz.
„DEUTSCHLAND DREHT DURCH!!!“, titelt die BILD.

Benzin wird knapp. Denn jetzt wäscht sich die deutsche Bevölkerung mit einem Benzin-Parfum-Gemisch die Hände. (95 Oktan, CK one).
Es kommt zu Verätzungen und es werden viele Hautlappen in die Kanalisation gespült. Die Hände vieler Menschen bestehen nur noch aus Fleisch und Knochen, riechen aber betörend gut.

Behandlungsmethode: Pökeln. Flächendeckend werden in Krankenhäusern „Pökelstationen“ eingeführt. Eine Idee von Jens Spahn.
„Das fetzt!!!“, titelt die BILD.

Friedrich Merz fädelt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten Benzindeals ein. Als Gegenleistung gibt es Waffen, frauenfeindliche Witze und Flohsamenschalen. Menschen fangen an, Benzin zu trinken.

Schwimmbäder werden mit Kerosin gefüllt. Menschen baden sich spirituell rein, es kommt zu Tumulten in den Schlangen vor den Bädern.
Vereinzelt gibt es Tote. Der Flugverkehr ist komplett lahmgelegt. Ausgerechnet als BER eröffnet werden soll.

Das Innenministerium beschließt, auch den Rhein mit Kerosin zu fluten. Die Lage in Deutschland entspannt sich etwas, weil die Tumulte vor den Schwimmbädern aufgelöst werden. Und weil Deutschland im Fußball gewonnen hat.

Erst als ein Tanklaster ungebremst in die badende Masse rauscht und sich ein Funke bildet, kommt es zur großen Katastrophe.
Der komplette Rhein brennt. Deutschland brennt. Die Rauchsäulen sind bis Australien zu sehen. Koalas spenden Geld.

Ein 13jähriger Junge aus Niedersachsen, der einen Chemiebaukasten zu Weihnachten bekommen hat, entwickelt ein Serum gegen das COVID-19-Virus. Es wird von der Pharma-Industrie vertrieben.
Kosten: 200.000 SANBO für 5 ml.
„DIE FLÜCHTLINGE KOMMEN! SIE WERDEN UNSER LAND KAPUTT MACHEN!!! DANKE, MERKEL!!!“, titelt die BILD.