WIR. DIE. ICH. DIE ANDEREN.

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Mal versuchen, die Ängste eines Impfgegners zu verstehen – mal versuchen, die Fakten eines Schulmediziners ernst zu nehmen. Nur mal versuchen.
Mal die Argumente eines Veganers anhören – mal jemandem beim über Schwärmen über ein perfekt zubereitetes Steak zuhören.
Mal einen FDP-Wähler ausreden lassen – mal die Geschichte eines Geflüchteten anhören.
Mal die Vorteile eines SUV anhören. Mal über die Freiheiten des Radfahrens reden.
Mal die „Genderdebatte“ nicht als „Mädchenkram“ abtun – mal dies, mal das.
Mal (…) – mal (…). Mal (…) – mal (…).

Unsere Köpfe sind Beißreflexbetriebene Bewertungsmaschinen geworden, die Denken und Befinden nur noch in „gut“ und „schlecht“ aufteilen. Die eigene Meinung ist in Sekundenbruchtteilen da und zählt für sehr lange Zeit.

Harte Grenzen. Schwarz. Weiß.
Es gibt leider nur sehr wenige Denkschleusen – und die Sozialen Medien verstärken das auch noch.
Das Denken verkrustet mehr und mehr. Und es beeinflusst unser Handeln.

Es gibt leider viele gefährliche, sehr schlaue Menschen, die genau wissen, was sie wann zu sagen haben, um die schwarz/weiß-Grenze höher und härter werden zu lassen.

Was vielleicht an der ein oder anderen Stelle ganz gut wäre: Durchlässigkeit.
Eine semiepermeable Membran, um eine Osmose, einen kleinen Gedankenaustausch, zu ermöglichen.

Zuhören. Reden. Austausch.

Ist nicht so schwer.

P.S.: Natürlich muss man auch innere Grenzen ziehen – und nicht mit jedem / jeder reden. Man muss Ausnahmen machen, allein aus Selbstschutz. Aber es sollten eben Ausnahmen bleiben.

GANZ SCHNELL MAL EBEN LANGSAM.

Gleich geht eventuell das Internet kaputt. Denn ich schreibe etwas zum Thema „Tempolimit“.
Aber bevor ich etwas darüber schreibe, will ich kurz erzählen, wie ich überhaupt zum Automobil stehe.

Als Kind hätte man mich zu „Wetten, dass…?“ schicken können, weil ich Autos am Türenzuschlaggeräusch erkennen konnte. Ich kannte und kenne die Lebensläufe und die Meilensteine einiger bedeutender Designer. Von Paul Bracq über Wilhelm Hofmeister und Flaminio Bertoni. Mercedes /8, BMW 2800 CS, Citroen DS – die Göttin.
Früher habe ich viel Zeit in Autohäusern verbracht und alle Kataloge gesammelt, die kriegen konnte. Autos haben mich schon immer fasziniert.
Ich habe ganze Wochenende auf der IAA in Frankfurt verbracht und mit Designprofessoren über Sicken und Fensterflächen gefachsimpelt.
„Auto“ war mein erstes Wort.

Heute fahre ich die meiste Zeit Fahrrad, Wetter ist mir egal. Regen, Schnee, Sonne, ich fahre immer.
Bei längeren Strecken, also Strecken über 30 Kilometer, nehme ich Bahn, selten nehme ich das Auto.
Ich habe einen schraddeligen VW Bus mit bald 270.000 Kilometern auf der Uhr, den ich so selten wie möglich fahre, weil es ein alter Diesel ist.
Ein zerkratzter Bus, mit dem ich hin und wieder in den Urlaub ins europäische Ausland fahre – wenn ich nicht gerade das Fahrrad nehme. Oder wenn Corona es unmöglich macht.
Der Bus ist ein fahrendes Bett, eine fahrende Transportmöglichkeit und eine prima Abstellkammer.
Und er ist ein Relikt.

Am liebsten höre ich beim Autofahren Radio (DLF, NDR Info) oder gute Musik und lasse mich treiben.
Ich fahre nicht gern am Limit, bin tatsächlich nie gern schnell gefahren. Die einzigen Punkte, die ich in Flensburg habe, habe ich fürs Fahrradfahren bekommen, in meinem Leben wurde vielleicht drei Mal geblitzt, auf jeden Fall häufiger abgeschleppt.

Ich fahre immer so, dass ich das Gefühl habe, niemanden zu stören. Weder hinter, noch neben und schon gar nicht vor mir. Ich fahre zügig. Umsichtig. Vorsichtig.
Und fahre immer meinen Gedanken hinterher.

Am liebsten fahre ich auf einsamen Straßen, habe es dabei nicht eilig, es ist kalt und die Sonne scheint. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind für mich keine Qual und kein ungefährer Richtwert für andere, sondern für mich selbstverständlich. Das ist mein krasser mobiler Lebensstil: NDR Info hören und mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.
Ach so: ich schimpfe viel, wenn ich im Auto sitze.

Ich bin schon in ziemlich vielen Ländern Auto gefahren, weiß, wie es ist, nach ein paar Wochen Tempolimit die Landesgrenze nach Deutschland zu überfahren und sofort den Stress zu spüren, weil sehr viele Menschen das Schild „Bundesrepublik Deutschland“ als Anlass nehmen, das Gaspedal sofort durchzutreten. („So, jetzt aber! Endlich zu Hause! Hallo Deutschland! Hallo Hubraum!“ Mach ma Platz!“)
Ich bin schon die unterschiedlichsten Autos und Autotypen gefahren, Kleinwagen, Hybridwagen, Sportwagen, Kleinlaster, Wohnmobile, Luxuslimousinen, Oldtimer.
Und ich habe natürlich auch Traumautos, am liebsten hätte ich einen alten Saab. Oder einen alten Volvo. Oder einen alten Citroen.

Am allerliebsten hätte ich zu meinem Traumauto natürlich auch die Zeit, das Autofahren so zu genießen, wie ich es mir vorstelle und nicht bei jedem Klappern, Quietschen oder Schleifen und bei jedem Schluck Treibstoff, den ich verbrauche, nervös zu werden.
Und mir mal keine Sorgen zu machen.

Soviel zu mir. Ich bin keine 1, aber auch keine 6.

Jetzt schnell zum Tempolimit.

Das Auto ist neben Bier die heilige Kuh der Deutschen: Eine mit Technik, Kraft und Assistenzsystemen vollgestopfte heilige Blechkuh.
Hat man doch immerhin das Auto hier erfunden.
Kein Wunder, dass das Auto der Stolz der Nation ist. Motor des Wirtschaftswunders. Vollgas. Statussymbol. Beschleunigung. Reisen. Strecke. Liebe. Und noch viel mehr.
Das Auto ist auch Ausdrucksmöglichkeit des sozialen Status. Es ist Objekt der Begierde, es ist für viele Menschen ein erfüllbarer Traum. Nicht wenige verschulden sich stark für ihr Traumauto mit Alufelgen und Metallic-Lack.
Das Auto ist für Deutschland ein gigantischer Wirtschaftsfaktor, es ist die dicke, heilige, schöne, schnelle, funktionierende, gut klingende, mit erotischen Linien versehene, auf Hochglanz polierte Kuh. Eine mit perfekten Spaltmaßen, einem durchzugsstarken Motor und bestenfalls Neuwagengeruch.

„Autofahren ist Freiheit!

Viele Menschen, nahezu egal, aus welchem politischen Lager, aus welcher sozialen Schicht, setzen Autofahren lautstark mit Freiheit gleich.
Davon abgesehen, dass diese Leute sich erstmal zwei Tonnen Technik und Blech für einen hohen fünfstelligen Betrag ans Bein binden, ist das Wort „Freiheit“ ein bisschen zu groß für die linke Spur.
Ist jedenfalls meine Meinung.

Man kann und muss darüber diskutieren, ob die heutige „Freiheit“ hier nicht auch mit grenzenlosem Spaß, Egoismus und Hedonismus verwechselt wird. Auch wenn der Begriff zu Zeiten des Wirtschaftswunders bis zur Ölkrise eine andere und tiefere Bedeutung hatte, weil die Deutschen das erste Mal weiter weg fahren konnten. Italien. Frankreich. Spanien. Europa. Anderes Geld, anderes Wetter, anderes Bier.
Also war die gefühlte Freiheit eigentlich eher die Größe der Entfernung.
Viele fahren Auto, um den Erinnerungen, der Leichtigkeit hinterherzufahren. Im Auto war alles gut. Man ist auf der Rückbank aufgewachsen, der Führerschein war eines der ersten Lebensziele. Das erste Auto vergisst man nie.

Auto ist natürlich auch Politik. Und Lobbyismus. Auto ist Macht. Auto ist Arbeit. Auto ist Versagen. Auto ist Begeisterung. Auto ist Verehrung. Benz. Porsche. Piech. Röhrl. Schumi. Und natürlich Andi Scheuer. (Augenverdrehen.)
Auto ist auf jeden Fall Reizthema. (Wird man wahrscheinlich auch wieder an den Reaktionen dieses Beitrages sehen.)

Es gibt sehr viele Seiten im Netz, die sich mit dem Pro und dem Contra zum Thema Tempolimit auseinandergesetzt haben – da bin ich nicht der Erste. Natürlich nicht.

Die meisten Seiten setzen sich mit dem Tempolimit auf deutschen Autobahnen auseinander, es geht dabei konkret um das Tempolimit von 130 Km/h.
Zur schnellen Einordnung: Auf 7.640 deutschen Autobahnkilometern gilt derzeit ein Tempolimit.
Auf 18.150 Kilometern gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.

Zum Thema Richtgeschwindigkeit drücken wir mal eben das Gaspedal durch und fahren in den Februar 1974.

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„Im Februar 1974 – drei Monate nach dem Höhepunkt der Ölkrise mit den vier „autofreien Sonntagen“ in Deutschland – startete der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) unter seinem Präsidenten Franz Stadler eine Kampagne mit dem Titel „Freie Bürger fordern freie Fahrt“, die sich hauptsächlich gegen den im November 1973 gestarteten viermonatigen Tempo-100-Großversuch auf den Bundesautobahnen richtete. Da sich viele ADAC-Mitglieder nicht mit diesem Slogan anfreunden konnten, hatte die Kampagne eine Austrittswelle zur Folge.

Erfolg der Kampagne war, dass statt eines generellen Tempolimits von 100 km/h auf den Autobahnen eine unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingeführt wurde.“ (Quelle: Wikipedia)
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Deutschland ist das einzige Industrieland auf der Welt, in dem man streckenweise so schnell fahren kann, wie man will. Und die Politik wurde beim Thema Tempolimit schon mal hart ausgebremst.

Ich habe mich ein bisschen durch das Netz gewühlt. Generell gilt: Für jedes Pro gibt es ein Contra. Für jedes Contra ein Pro.

Hier sind noch ein paar Links zum Thema.

1. Was Deutschland.de sagt:

https://www.deutschland.de/de/topic/leben/tempolimit-in-deutschland-pro-und-contra

2. In aller Kürze: Sechs Gründe für und gegen ein Tempolimit:

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.geschwindigkeit-auf-autobahnen-sechs-gruende-fuer-und-gegen-ein-tempolimit.e3805741-5b7f-478f-a60a-5217e84d43e3.html

3. Kontroverse Meinung einer Autozeitung:

https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/tempolimit-130-autobahn-fakten/

4. Fakten, vom ZDF gesammelt:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/im-ueberblick-was-ein-tempolimit-fuer-den-klimawandel-die-verkehrssicherheit-und-den-verkehrsfluss-bringt-102.html

Meine Meinung:

Ich bin ganz klar für ein Tempolimit. 120 Km/h auf Autobahnen. 50 Innerorts, 80 Außerorts.
Und in Städten muss dringend eine Verkehrswende her. Viel mehr Radwege, ÖPNV bestenfalls gratis, Autos raus aus den Innenstädten. Umdenken!
Wir müssen uns dringend bewegen, brauchen schlaue Konzepte, die digitale und analoge Bewegung perfekt miteinander verbinden. Und dabei natürlich maximal klimafreundlich und nachhaltig sind.
In mir ist eine Stimme, die die Menschen versteht, die jetzt ganz viel „aber aber aber“ sagen. Und dieser Stimme sage ich: „Denk mal nicht nur an dich und deine Bequemlichkeit, die Heizungsluft, den Geruch von Benzin, warmgefahrenen Reifen und an Geschwindigkeit. Sondern auch an die Zukunft.“

Drei Dinge, die ich angehen würde, wenn ich jetzt entscheiden könnte:

1. Dynamik.
Ich würde als ersten Schritt ein partielles Tempolimit einführen, das auf empirischen Daten beruht. Beispiel: Wenn auf einem bestimmten Streckenabschnitt zu einer bestimmten Zeit wenig los ist, kann man da ohne Tempolimit fahren. Ist da viel los, gibt es ein Tempolimit. Das wäre also eine dynamische Regelung. Die, wenn Deutschland smart wäre, digital ausgesteuert werden könnte. (Ist so ähnlich in dem Auto-Motor-Und-Sport-Bericht abgebildet.)
Nicht alle, aber sehr viele wären zufrieden. Und es wäre ein Anfang. Und den könnte man schnell realisieren.

2. Mut.
Wenn man Dinge nicht vorantreibt, bleibt man stehen. Und die deutsche Automobilindustrie hinkt momentan eh sehr stark hinterher.
Da kann man nicht nur ein bisschen nach vorne denken. Man muss! Die deutsche Automobilindustrie steht mit dem Arsch an der Wand.

Man hat „die Japaner, die ja nur kopieren“ lange belächelt und „die Amerikaner mit ihren Computern und der schlechten Verarbeitung“ sowieso.
Heute baut Tesla in Brandenburg eine gigantische Fabrik. Für Tesla ist die E-Mobilität nur ein Zwischenschritt zur Autonomie, während Deutschland im Innovationsstau steht und sich auf dem Erfindergeist von 1886 ausruht.
Kurzer Schritt zur Seite: Sogar die Post hat (zusammen mit dem Tochterunternehmen StreetScooter aus Aachen) ein E-Mobil auf den Markt gebracht – weit bevor die großen deutschen Marken mal was Vernünftiges auf die Straßen gestellt haben. Das ist nach vorne gedacht. Von der Post (!)

Zurück zum Mut: Autonomes Fahren? Mikromobilitätskonzepte? Sinnvolle Verkehrswenden? Ideen, die die „Freiheit“ in der Mobilität neu definieren? Digitalisierung? Fahrfähigkeitstests im Alter – und Konzepte für Alte? Tja.
Je weiter man nach vorne denkt, desto weniger braucht man die Autobahn, wie sie heute das Land wie Krampfadern durchzieht. Und desto weniger brauchen Menschen die vermeintliche Freiheit, das Gaspedal voll durchzutreten.
Mut bedeutet aber auch, Dinge neu, konsequent und anders zu denken.
Vor allen Dingen müssen sich ein paar schlaue Köpfe mal über die viel bemühte „Freiheit“ Gedanken machen und sich gut überlegen, was die Freiheit von heute ist. Denn meiner Meinung nach richtet sich man an sich an der Freiheit von gestern aus – und das kann es nicht sein, wenn man eigentlich nach vorne will.

3. Konsequenz.
Wer mit der eigenen Interpretation von „Freiheit“ nicht vernünftig umgeht und so die Freiheit anderer beschneidet, bekommt echte Konsequenzen zu spüren. Und zwar schnell. Wer nicht diszipliniert ist, gibt den Schlüssel ab.

Wer auf Autobahnstrecken, die tempomäßig limitiert sind, deutlich zu schnell fährt, verliert den Führerschein.
Wer den Führerschein verliert, kann ihn nach einer zweijährigen Denkpause noch einmal machen.
Die Probezeit für diese Leute beträgt fünf Jahre. Wer in der Probezeit wieder zu schnell fährt, verliert den Führerschein dauerhaft.
Das Auto wird ab einer bestimmten Schwere des Vergehens einkassiert und versteigert. (Mit dem Geld werden Blitzer finanziert, Mobilitätskonzepte verwirklicht und Unfallopfer entschädigt.)
Und ab einer bestimmten Schwere des Vergehens gibt es Freiheitsstrafen – allerdings sehr viel früher und konsequenter als heute.

Auch Innerorts, Außerorts und auf Landstraßen ist der Führerschein schnell weg, wenn man nicht diszipliniert fährt.

Zack. So schnell geht das. Wer Freiheit und Geschwindigkeit will, muss damit umgehen können. Nicht nur fahrtechnisch. Auch emotional.

So gibt es ganz schnell einen neuen Umgang mit Geschwindigkeit und Tempolimit, auch wenn jetzt sehr wahrscheinlich geschrien wird: „Das ist ja schlimmer als in China!“, „Überwachungsstaat!“

Aber auch das ist Freiheit: Denkfreiheit.






GEWOHNHEITEN.

Frank und Sabine L. aus 3071-Drakenburg sind gut drauf.
Günther Z. aus Ibbenbüren hat schon mal gegen Gerhard Schröder gespielt.
Joshua P. aus Düsseldorf macht sich Gedanken zum Thema Mobilität von Morgen.
Leon H. aus München verliert keine Zeit.
Petra V. aus Berlin ist der Meinung, dass Frauen nur gut kochen können müssen.
Lars Ö. aus Detmold verkauft selbstgeschnitzte Holzlöffel auf dem Mittelaltermarkt.
Ja, Herr Papa, ja, Frau Mama – Sandra I. aus Köln findet das vollkommen normal.
Ahmed Ü. aus Hannover möchte alles so wie immer.
Franz W. aus Kiel denkt modern.

DER STRAND.

Ich hatte vor ein paar Tagen eine kleine Bauch-OP. Nichts Wildes, nur eine Kleinigkeit, die aber gemacht werden musste. Habe das ganze Ding allerdings etwas unterschätzt, habe es, wahrscheinlich auch aus verängstigtem Selbstschutz, mit Reifen flicken verglichen und das auch der Chefärztin so gesagt.
Sie hat mich angesehen und gesagt: „Naja. Einen Reifen kann man wegwerfen, wenn etwas schief geht.“

Ein paar Gedanken später wurde ich in den OP geschoben. 

Kann sein, dass es sich jetzt etwas kalt anfühlt.“ Den Einstich der Anästhesistin habe ich nicht mehr gemerkt. Dann sagte sie, dass ich mir einen Strand vorstellen soll. Das Meeresrauschen. Den Sand unter den Füßen. Die Wärme der Sonnenstrahlen.

Na klar. Strand. Pauschalgedanken, mit denen man Pauschalmenschen auf eine Reise schickt. Aber doch nicht mit mir!

Natürlich habe ich versucht, noch alles mitzubekommen, habe in die Lampe gestarrt, wollte unbedingt nichts verpassen. Die Lamellen in der Lampe, dahinter schemenhaft die Decke, ein Kabel, die Aufhängung. Habe natürlich gemerkt, wie ich an meinen Rändern ausfranse – aber ich habe mich zusammengerissen.
Der Anesthäsie-Assistent hatte ein Barbara.-Tattoo. Wir haben noch kurz drüber gesprochen. Drei Menschen. Die Augen. Die Lamellen. Lachfalten. Braune Augen. Das Kabel. Alles noch da. Das Kabel. Die Aufhängung. Die Lampe. Das Kabel. Braune Augen. Die….das….der…..frzzzzzzzzt……bliiiiiip.

„Sie können jetzt wieder aufwachen.“

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich dafür, dass die Welt eine Vollnarkose bekommt.
Für einen ganzen Monat. Nichts Partielles, kein ausdiskutiertes Kompromiss-Klein-Klein.

Einmal kurz komplett weg.

Nur das Allernötigste soll laufen. Nur das, was wirklich gebraucht wird: Medizinische Versorgung, Strom, Wasser, Gas, Feuerwehr, Nahrung, alles, was das System zum Leben braucht, sollte natürlich da sein – und viel besser bezahlt als üblich. Die Impfkampagne sollte natürlich weiterlaufen.

Der Rest der Wirtschaft: komplett runter, bitte. Fabriken, Baustellen, Büros: dicht machen. ÖPNV: muss still stehen. Schulen: komplett zu. So wie die viel kritisierte und als totalitären Quatsch und Wunschdenken bezeichnete Initiative ZERO COVID es fordert.

Und es sollte noch weiter gehen, damit die Leute sich nicht doof bestellen und die Hotlines der Kurierdienste glühen: amazon & Co: Server runterfahren. Die Leute können die Zeit nutzen, um ihr Steuersystem zu überdenken.
Medien: nix da. Keine BILD, kein Spiegel, keine Bunte. Kein Facebook. Keine Banner. Nichts verkaufen. Auch hier: Nur das Nötigste. Deutschlandfunk zum Beispiel.

Mieten: sollten für die Zeit ausgesetzt werden können. Kredite und andere Verbindlichkeiten: einen Monat pausieren.

Auch wenn die Welt sich dagegen sträubt und unbedingt die Lamellen zählen will. Und die Stromkabel. Und die Aufhängung. Wach bleiben um jeden Preis. Mit dem Wissen, dass unheimlich viel verpasst wird, dass es unfassbar teuer wird, wenn man ausfällt.

Es ist viel besser, aufzuwachen und kurz nicht zu wissen, was los war. Dann kommen zwar echte Schmerzen, aber man weiß auch, dass es von Tag zu Tag besser wird.

Und vor allen Dingen wird man sich darüber bewusst, dass die OP wirklich nötig war.   

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Hier zwei gute Links:

https://twitter.com/pavel23/status/1355170818179870727

https://zero-covid.org/

Innen.

Was genau spricht dagegen, dass es eine gendergerechte Sprache gibt? Was spricht dagegen, dass es Ärztinnen, Studentinnen, Schülerinnen, Beamtinnen, Chefredakteurinnen und Autofahrerinnen gibt?
Was spricht dagegen, dass sich unsere Sprache an der Gesellschaft, an der Kultur entlang entwickelt?

Wer könnte ernsthaft etwas dagegen haben?
Wer könnte etwas dagegen haben, dass Frauen gesehen werden?

Gehen wir doch mal ein paar Jahre zurück.

Die Sprachvermischung ab dem Dreißigjährigen Krieg hat einige Leute sehr wütend gemacht. So um 1650 schrieb ein sehr aufgebrachter Dichter:

“Solche Sprachverkätzerung istanzeigung genug der Vntrew, die du deinem Vaterlande erweisest; deine ehrlichen Vorfahren sind keine solche Mischmäscher gewesen, wie ihr jetzt mit einander seit.”

Für den wütenden Dichter und die Menschen, die ihm zustimmten, sollte die Sprache, die Walter von der Vogelweide in seinem Gedicht „Preis des deutschen Landes“ nutzte, für immer gelten. Am liebsten bis heute.
Wann hat er es geschrieben? Im Jahr 1200?

Ich han lande vil gesehen,
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
künde ich ie mîn herze bringen dar,
daz im wol gevallen
wolde fremeder site.
nu waz hulfe mich ob ich unrehte strite?
tiuschiu zuht gât vor in allen.


Nun. Fürdann gelte das âventur der Worte nicht. Denn nicht mal die freie Abwandlung des Lutherdeutsch, die gern auf Mittelaltermärkten gesprochen wird, währe genehm. Zu modern.

„Ihr aber, die ihr rechtschaffend seid, sollt aufs Herzlichste geladen sein euch umzutun. Seht was euch wohlfeilgeboten wird, lauschet den fremdartigen Klängen und knausert auch nicht mit dem einen oder anderen Taler so euch der Gegenwert recht erscheint.
Schmauset und saufet bis euch Wänste und Mieder bersten.“

Ich erinnere mich noch ziemlich genau, als ich anfing, „geil“ zu sagen.
Es roch nach Tomaten und ich stand im Garten meines Opas, war vielleicht acht oder neun. Ich weiß nicht mehr, was genau ich geil fand, aber ich weiß noch, dass mein Opa mich fragte, ob ich denn überhaupt wüsste, was „geil“ bedeutet. „Sowas wie super.“, sagte ich.
Er erklärte mir, was „Vergeilung“ bei Pflanzen bedeutet. Wir standen ja im Garten bei den Tomaten. Und er erklärte mir, dass es oft mehrere Bedeutungen eines Wortes gibt. So machte er mich neugierig auf Sprache. Er zeigte mir, was Sprache kann und wie mächtig Sprache ist.

Und wenn ich mir die Diskussionen (gerade im Netz) angucke und vor allen Dingen schaue, aus welcher Ecke die größten Gegner der gendergerechten Sprache kommen, stellt sich die Frage: Kann es sein, dass die größten Gegner der gendergerechten Sprache bornierte alte Männer sind, die Angst um ihr Partriarchat haben? Männer, die geistig in der Phallokratie leben. Männer, die Angst vor Machtverlust haben?

Was auf jeden Fall auffällt: Es gibt anscheinend nur Gegner der gendergerechten Sprache. Keine Gegnerinnen. Keine GegnerInnen. Keine Gegner*innen.

Hier ein interessanter Artikel einer sehr tollen Frau dazu:

https://www.zeit.de/kultur/2021-01/gendergerechte-sprache-duden-kathrin-kunkel-razum

EINE EINORDNUNG.

Es gibt unterschiedliche Arten, mit einer Krise umzugehen. Wobei die mentale Beschaffenheit eines Menschen dafür zuständig ist, wo „Krise“ beginnt.
Einige befinden sich schon in einer tiefen Krise, wenn eine Torte schief angeschnitten wurde oder wenn im Supermarkt der Joghurt nicht mehr da steht, wo er sonst immer steht. WO SIND WIR DENN HIER?!?!?!
Andere Menschen stehen in einem Waldbrand, einem Feuersturm, der mit 1000 Grad alles Leben wegbrennt und sagen: „Oh. Bisschen warm heute.“

Kommt es zu einer großen Krise, die jeden Menschen auf der Welt betrifft, verstärken sich bestimmte Verhaltensweisen.
Forscherinnen und Forscher der Pierre Tradonneur-de-chardonnay-et-exorbitante-du-quatre-vingt-trois-au-miel-Universität in Aurich haben untersucht, wie eine Pandemie Anfang des 21. Jahrhunderts bestimmte Verhaltensweisen des Menschen in Deutschland verstärkt und eine erste grobe Einordnung vorgenommen.
Momentan gibt es in Deutschland überwiegend:

Die middelraged men
Gerade Männer um die 50 sind sehr anfällig für Verhaltensverstärkungen. Dieses Alter markiert grundsätzlich einen Wendepunkt im Leben: Haare fallen aus, um die Hüften bildet sich eine Fettdecke, im Schritt ist alles halbschlaff und der Hodensack schlackert auf Kniehöhe. Die Lücke zur Jugendlichkeit wird radikal kompensiert, früher mit Cabrios (z.B. Mercedes Benz SLK in hellblau metallic), Viagra (auch blau) oder Motorrädern („was Englisches“).
Heute gern mit Yoga-Sessions, sehr teurem Gin, folkloristischen Instrumenten und mit radikal-jugendlicher Zwangsrhetorik.
Gerade die erfolgreichen Managertypen sind es, die sich im Netz mit ihren Morning Runs darstellen und zwei Postings später davon faseln, dass „Die Mainstream-Medien sowieso nur lügen, die Regierung komplett versagt und Merkel endlich vertrieben werden muss“.

Die Katastrophen-Groupies
„Ich habe es euch schon letztes Frühjahr gesagt!“ ist der am häufigsten ausgesprochene Satz dieser Gruppe. Dazu hochgezogene Augenbrauen und verschränkte Arme als Zeichen der Abgrenzung und der Überheblichkeit.
Im Wohnzimmer hängt ein Prof. Christian Drosten-Poster, die Bücher in den Regalen mussten Desinfektionsmittelflaschen und Forscher-Biographien weichen.
Im Wohnzimmer surrt der Drucker, der aktuell alle 23.882 Studien von Dr. Fauci ausspuckt.
Alle RKI-Statistiken werden genau so auswendig gelernt wie Zitate von Karl Lauterbach.
Und man ist natürlich schon längst auf die Klimakatastrophe vorbereitet: Das Greta Thunberg-Poster hängt im Schlafzimmer gegenüber vom Bett.

Die Radikalen
Der Erdbunker ist längst eingerichtet. Acht Paletten Dosenfleisch, vier Fässer Diesel für den Generator und mehrere Rambomesser sind am Start. Der kleine Waffenschein ist beantragt, der Tarnanzug ist schon mit der Haut verwachsen. „Nudeln? Mehl? Hefe? Das ist was für Anfänger!“
Ein typischer Radikalen-Karriere-Verlauf geht so: Klopapier und Nudeln hamstern -> Facebook-Sperre wegen Hate-Speech -> Angelschein, Jagdschein, kleiner Waffenschein -> Kündigung beim Arbeitgeber (oder unehrenhafte Entlassung bei der Bundeswehr) -> Kündigung aller Freundschaften und Familienbeziehungen -> Pachtgrundstück bei Schönwalde -> Army-Shop, Baumarkt (Profi-Abteilung) -> VW Caddy Pick Up (Bj 83) -> zwei Kilo Plastiksprengstoff vom KSK-Kollegen bunkern -> Bilder vom Capitolsturm sehen -> Kuh schießen, häuten (gibt ja keine Büffel in Deutschland), im Kuh-Kostüm den Reichstag stürmen. Verhafte werden.

Die Knallwürste
Deep State. Reptiloiden. Die Erde ist eine Scheibe. Attila. Bill Gates. Kinderblut. Unterirdische Fabriken, in denen Menschen zu Dosenfleisch (wait! What?!) verarbeitet werden. Chemtrails. Trump wird Kanzler von Deutschland. Alles auf Telegram nachzulesen.
Irgendwann macht es POFF und ein wichtiger Teil im Gehirn platzt.
Früher haben die Knallwürste Donald Duck geglaubt. Heute glauben sie den Quatsch, den sich zynische Widerlinge bei 12 Flaschen Wein ausdenken – und verwechseln das mit der Realität. Knallwürste sind die am stärksten

DIE ZÜNDLER
Es sind Menschen mit sehr gut ausgebildeten rhetorischen Fähigkeiten (sehr oft konservative Journalisten und Kolumnenschreiber), die große Krisen dazu nutzen, um bewaffnet mit Dynamit, Benzinfässern und Flammenwerfen die sozialen Medien anzuheizen.
Sie hämmern mit jedem Tweet / Kommentar / Posting einen Spaltkeil durch die Gesellschaft. Ihre mediale Wirkung ist überaus gefährlich, denn sie versammeln viele -> middelraged men und -> Radikale hinter sich.


Die Verbesserer

Grob betrachtet gibt es zwei Arten der Verbesserer: Die aktiven und die passiven.
Die aktiven Verbesserer packen an. Sie erfinden Lösungen für Probleme oder Missstände. Sie versuchen, Dinge wirklich besser zu machen. Voller Tatendrang. Egal, ob es darum geht, Lerngruppen zu organisieren, ob man Geld für Bedürftige sammelt, ob man Alten hilft. Sie denken zuerst an die anderen – und sehr selten an sich selbst. (Auch nicht immer gesund)

Die passiven Verbesserer gucken immer genau hin. Ob Masken korrekt sitzen. Ob die Bahn pünktlich ist. Ob die Autos korrekt parken. Aber sie sagen nichts. Und sie machen wenig. Die Stimme wird selten laut.

Auch im Netz natürlich wird genau hingesehen, hier wird auch gern etwas kommentiert.
Nicht vollständige Aufzählungen müssen sofort ergänzt, nicht ganz korrekte Sachverhalte richtig gestellt werden. Damit es in der verstärkt diffusen Angst eine klare Struktur und eine Ordnung gibt. Es wird natürlich auch beim Lesen dieses Textes Menschen geben, die impulsiv denken oder schreiben müssen:
„Du hast die Gruppe der (hier einsetzen, welche Gruppe fehlt) vergessen.“ oder „Dr. Fauci hat nur 1.300 Veröffentlichungenund „die Pierre Tradonneur-de-chardonnay-et-exorbitante-du-quatre-vingt-trois-au-miel-Universität in Aurich gibt es gar nicht.“

Die KREISCHER

Sie werden lauter. Immer lauter. Und wenn sie so laut sind, dass es in den Ohren matscht, legen sie noch eine Schippe drauf. Im Supermarkt, auf der Straße, an der Tastatur. „DAS IST DOCH HIER NUR PSEUDO!!!“
Leben im CAPS LOCKDOWN.

Die Suchtgefährdeten
Vom Feierabendbier zum Frühstückswein: Die Handydaten zeichnen seit Wochen nur noch Bewegungen zwischen Wohnort, Getränkemarkt und Altglascontainer auf. Der Lockdown wird weggesoffen. Die Leber glüht. Das Gehirn schreit.

Die Kiffer rauchen sich so dicht, dass die Zeit nur noch eine zähe Masse aus Gelee ist. Gras ist der wichtigste Rohstoff der Welt und pro Woche werden zwei Großpackungen Blättchen verbaut.

Die Zocker verwachsen mit ihren Konsolen oder bringen die Entwickler von Candy Crush an die Grenzen, weil sie immer neue Level freischalten.

Die Pornosüchtigen haben das gesamte Internet durchgewichst. Wo sind die gottverdammten Taschentücher?

Die Serienjunkies haben Netflix, Amazon Prime, Magenta TV und sogar die ARD Mediathek durchgeguckt. Von vorne nach hinten, von hinten nach vorne. Jetzt gucken sie alles nochmal durch – auf der Suche nach Filmfehlern.

Zwischenfazit:
Die Pandemie ist derzeit im vollen Gange, die Entwicklung der Dynamik ist rasant.
Es wird spannend zu beobachten sein, was mit den Suchtgefährdeten, den Kreischern, den Verbesserern, den Zündlern, den Knallwürsten, den Radikalen, den Katastrophen-Groupies und dern middelraged men passiert, wenn die Pandemie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Oder wenn es wieder ein halbwegs normales Leben gibt.

Mein Tag in Teesorten.

„Habt euch Lieb-Tee“, „heute ist ein guter Tag-Tee“, „Magenliebe-Tee“. Die Supermarktregale sind voller Motto-Tee.
Da lass ich mich doch nicht zweimal bitten. Hier mein Tag in Teesorten. Und ich trinke echt viel Tee.

Scheiß-Wecker-Tee.
Äh-was?-Vielzufrühwach-Tee.
Zum Frühstück erstmal ne Kanne Kaffee-Tee.
Noch ein Koffeein-Partikel und ich habe einen Herzinfarkt-Tee.
Wie soll ich diesen Tag bloß überleben-Tee.
Ist Puls von 300 normal-Tee
Nazis raus-Tee.
Irgendwas zum Mittag machen-Tee.
Veganer Putenhack-Tee.
Blöder Witz-Tee
Hände waschen nicht vergessen-Tee.
Sowieso: Immer Hände waschen-Tee.
Das neue Sleaford Mods-Album ist sehr gut-Tee.
Warum gibt es so viele dumme Menschen-Tee.
Querdenker raus-Tee.
Zeit-für-wichtige-Fragen-Tee.
Warum sind Kniekehlen eigentlich nicht behaart?-Tee.
Sind Schneeflocken nur Hipster-Regentropfen?-Tee.
Mag mein Lieblingsbuch mich vielleicht gar nicht?-Tee.
Bisschen Optimismus-Tee
Der Tag ist zwei Minuten länger hell-Tee
Guten Abend-Tee
Ach vergiss es, kannst es nicht einschlafen-Tee
Wälz dich stundenlang-Tee


Hirnlose Nullperformer.

Miese Buffetvordrängler. Herzlose Welpentöter. Frühspritzer. Wirtschaftliche Allesversalzer. Toten-nachträglich-aufs-Grab-Pisser. Scheiss-Egaliker. Selbstverliebte Ellenbogenrempler. Ätzende ErstmalICHlinge. Widerliche Gesellschaftszerstörer. Elendige Jammerlappen. Verhöhner. Penner. 
Zu dünn angerührte IQ-Zwerge. 
Megabeschissene Scheißflachhirner. Behämmerte Gipsfköpfe. Merkbefreite Trottel. Unnütze Kackhaufen. Dumme Idioten, die man als allererstes zurücklassen müsste. 
Superdoofies, die es nicht verdient haben, in diesem Land zu leben. Geistesgestörte Tuffis, denen man Führerschein, Wahlrecht und Handy wegnehmen müsste. 

Das (und noch viel mehr) seid ihr, wenn ihr jetzt unbedingt feiern müsst. Es gibt Kontaktbeschränkungen, die niemand geil findet – aber alle halten sich dran. Alle, ausser euch.

Was stimmt mit euch nicht?

Klare Ansage: Skatrunden, Shisha-Abende, Raves, Kindergeburtstage, Junggesellenabschiede, Gang-Bangs, Scheidungsparties, Massenprügeleien und alle anderen Zusammenkünfte, bei denen viele Leute zusammmenkommen, um sich zu umarmen, zu feiern, zu saufen, zu knutschen, müssen warten. Ihr seid nämlich nicht allein. 

Jede und jeder versteht es. 

Sogar ich habe Lust, mal wieder Menschen zu sehen. Ich bin mittlerweile sogar so weit, dass ich in eine Kneipe gehen würde. Aber sich dem Drang widersetzen? Das versteht niemand mit mehr als einer funktionierenden Hirnzelle. 
Zumal es doch so ist: Wenn jetzt gefeiert wird, dauern die Kontaktbeschränkungen noch länger. Sogar ein Spatz würde das verstehen. Selbst eine Eintagsfliege. Oder eine Alge. Oder eine Scheibe Toast. 
Wenn ihr euren Finger nehmt, ihn in eure Nase steckt, einen glitschigen Popel rausholt und den fragt: „Ist es sinnvoll, jetzt zu feiern?“ Wird er sagen: „Natürlich nicht. Ich schäme mich dafür, dass du so denkst und ich hasse mich dafür, dass ich in deiner Nase gewohnt habe! Igitt, bist du ekelig, du hässlicher Fleischsack!“

82 Millionen Menschen in Deutschland halten sich an die Regeln. Und am Ende – Stichwort „Pandemie“ – halten sich rund acht Milliarden Menschen auf der Welt an die Kontaktbeschränkungen.

Aber ihr nicht, oder was? Wie scheisse seid ihr?

Reisst euch mal zusammen. Es kann doch nicht angehen, dass ihr euch verabredet und niemand denkt oder sagt: „Nee, lass mal. Keine gute Idee, jetzt mit 40 Menschen zusammen zu kommen.“ 
Das Virus wird nicht denken: „Ach komm, die machen nur ne Ausnahme. Heute steck ich mal niemanden an.“
Wann merkt ihr was? Wenn ihr selbst auf der Intensivstation liegt, intubiert werden müsst? So wie ihr drauf seid, noch nicht mal dann. 

Oder ist das Feiern im Keller, im Hinterhof, in der Wohnung, in der Halle, woauchimmer euer ernstgemeinter Beitrag zum Umgang mit einer Pandemie? 

Falls ja, sollte man euch die Worte, die oben stehen, noch ein paar Mal um die Ohren hauen. Am besten zusammen mit der flachen Seite einer handelsüblichen Spatenschaufel.

Politik. Und Politik.

Irgendwo habe ich in einem Tweet eine kleine Analyse zum Angebot von Friedrich Merz gelesen, in dem er Armin Laschet vorschlug, Wirtschaftsminister zu werden.
Leider finde ich den Tweet nicht mehr, vielleicht wurde er auch gelöscht. Egal.

Darin hieß es sinngemäß, dass Merz das getan hat, um Armin Laschet zu schwächen. Und natürlich, um Angela Merkel, seiner Intimfeindin, eins auszuwischen.
Denn Armin Laschet hat nicht auf das Angebot geantwortet, sondern Angela Merkel hat ihm via Interview eine klare Abfuhr erteilt.
In einer Friedrich Merz-Welt bedeutet diese Zurückhaltung von Armin Laschet, nicht auf das Angebot eingegangen zu sein, Schwäche.
Er etikettiert den Mann, der noch nicht mal eine Stunde an der Spitze der CDU steht, als schwache Führungsperson.
Angela Merkel bescheinigt Merz, mit dem Merkel-Vertrauten Peter Altmeier einen schlechten Wirtschaftsminister im Kabinett zu haben.

Ein Tweet, drei Backpfeifen.

Das ist Politik.

Armin Laschet hat auf dem digitalen Parteitag eine verhältnismäßig gute Rede gehalten. Friedrich Merz hat eine schauderhafte Performance hingelegt.
Polemische Spalthammer wie Jan Fleischhauer schreiben jetzt: „Der Unterschied zwischen Merz und Laschet? Merz hat seine Rede selbst geschrieben.“
Friedrich Merz wird als Macher dargestellt. Laschet als Typ, der alleine nichts auf die Kette kriegt.

In einem BILD-Interview sagt Armin Laschet: „Als netter Herr Laschet wird man nicht Parteichef.“
Die Springerpresse wollte Merz ins Amt schreiben – Laschet versucht hier, seine Wahrnehmung zu korrigieren. Sehr wahrscheinlich auch mit Blick nach Bayern. Diese Aussage ist als Kampfansage an Markus Söder zu verstehen, der als Shrek verkleidet unter seinem Franzjosef Strauss-Plakat liegt und kichert. Markus Söder hat ordentlich Ellenbogen, gilt als starker Macher, er kann sich der Unterstützung der Springer-Presse sicher sein.
Er kann nur noch über seine eigenen Beine stolpern, da können die anderen machen, was sie wollen.
Und dann ist da ja auch noch Jens Spahn, den man auch gut ins Amt schreiben kann.

Auch das ist Politik.

Jetzt gucken alle auf die aktuellen Umfragen, bringen sich in Position, es kommt Bewegung ins Spiel. Annalena Baerbock und Robert Habeck gelten als Wunschpartner der CDU. Nicht wegen der Nähe (die besteht eher zur FDP), sondern weil die Umfragen es bestimmen. Wird die Grünen-Spitze nochmal umgestaltet? Bleibt es bei einer Doppelpitze? Wird Annalena Baerbock alleinige Spitze? Oder kommt Cem Özdemir doch noch aus dem Windschatten? Die Grünen haben die realistische Chance, Teil der Regierung zu werden, sie werden alles dafür tun. Denn es geht um nichts weniger als Macht.

CDU Generalsekretär Paul Ziemiak faselt davon, dass „man vielleicht bald mit den Grünen verhandeln würde und dass die Grünen dann garantiert mehr Kröten schlucken würden als sie jemals über eine Strasse getragen haben.“

Und auch das ist Politik.

Politik besteht in der Wahrnehmung aus unheimlich viel Ego, aus externen Einflüssen (Medien, Lobbyismus), aus Machtgier – und aus schlechten Reden.
Das ist aber nicht Politik, sondern nur Wahlkampf, das Sprungbrett zum Machtgewinn, Machterhalt oder zum Ausbau der Macht.

Die eigentliche Politik, das Gestalterische, das Handeln, gerät vollkommen in den Hintergrund.
Wenn gehandelt wird, passieren Fehler – und die werden natürlich sofort ausgeschlachtet. Persönlich und medial. Bewegung ist so gut wie nicht spürbar. Das Belauern schon.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie soll man Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermitteln, wie wichtig Politik ist?
Aus der Perspektive der Jungen hampeln und balzen da ein paar alte Männer (und wenige Frauen), giften sich an, treten in Talkshows auf und labern theoretischen Müll, unverständliches Zeug. Das ist nicht Politik. Das ist größtenteils Ego-Schrott, den man so ähnlich auch aus dem Trash-TV kennt.

Die Inhalte werden an Personen festgemacht, bestenfalls an Parteipositionen. Erst das Ego, dann die Partei, dann der Inhalt.

Wie wäre es, wenn man Inhalte (Klima, Wirtschaft, Wohnungsbau, Pflege, alles) in der Wahrnehmung fixieren und in den Mittelpunkt stellen würde – und die Politikerinnen und Politiker sich einfach nur damit beschäftigen würden?
Dann würde es um Inhalte und Themen gehen – und nicht mehr um die Personen.

Also: Inhalt first.

Auch das wäre Politik. Und das ist vielleicht eine Chance für die SPD.

VÖGEL UND FLIEGEN.

Es ist der Traum der Menschheit. Fliegen. Wieso hat eigentlich noch nie jemand die Vögel gefragt, wie das mit dem Fliegen so ist?

Adler:
„Ja, guckt mich gern an. Ich bin der Richard David Precht der Lüfte, der Coole aus der Raucherecke. Ich bin der Zlatan Ibrahimovic der Luft. Wo ich bin, ist ganz oben. Das ist mal klar.
Auf Thermik gleiten und beobachten ist das, was ich den ganzen Tag mache. Flügelschläge? Kraftaufwand? Pffft. Habt ihr schon mal einen Adler schwitzen sehen? Ich lache euch aus. Und ich sehe alles, was ihr macht. Alles. Verstanden?


Auch dass ihr gerade näher an den Bildschirm kommt und eure dümmlichen Glotzkorken zusammenkneift.“

Fasan:
„Haha! Neulich habe ich Zwölf Meter geschafft. Zwölf! Zwöööööö-höööööölf! Das war wunderbar. Und jetzt bewundert bitte wieder mein Federkleid, wie es glänzt. Schön, oder?“

Möwe:
„LINKS RUM – VROOOOOOM. RECHTS RUM – VROOOOOOAAAAR. BZIOUUUUUUUU. JETZT STEIL.
HIER IM GEGENWIND IST ES ÜBRIGENS SEHR LAUT.
ICH MUSS AUCH JETZT LOS – IN FÜNF KILOMETER ENTFERNUNG HAT JEMAND EINEN KRÜMEL BROT IN DIE LUFT GEWORFEN. TSCHAU!“

Spatz:
„Alter! (hechel) Wie ätzend! Ich (hechel) kann nicht (hechel) mehr! Zwwww…(hechel)…zweitau(hechel)….zweitausend Flü(hechel)…Flügelschläge….in…der…Sekunde….(hechel) sind (hechel) echt (hechel) an(hechel)streng(hechel)end! Und das (hechel) für (hechel) fünf (hechel) Meter. Scheiss (hechel) Mini(hechel) Körper.“

Taube:
„Jaja. Ich weiß. Ich nerve. Alle Tauben nerven. Mit unseren Geräuschen und unseren komischen Bewegungen. Das Kopfwackeln. Das Humpeln. Das Flattern.
Und das Klatschen und Pfeifen unserer Flügel, wenn wir starten. Klatschpfwwwwit – Klatschpfwiiiiiit – Klatschpfwiiiiiit – Klatschpfwiiiiiit.
So. Keine Zeit mehr – ich kacke jetzt einem von euch aufs Dach.“

Ente:
„Whaaaaat! Es geht tatsächlich – wenn man VOOOORSIIIICHT! die Flügel schnell bewegt und dazu so schnell läuft wie es AAAAACHTUNG! geht, kann man PLAAAAAAATZ DAAAAA! – whoooooooooo-hoooooou! WIE GEIL IST DA DENN?!?!?!
Versucht das doch auch mal!!!“

Specht:
„Ich mach das hier nur, um zum nächsten – Ah! Dahinten die Pappel. Da muss ich sofort hin. Hier Tschak – Tschak – Tschak – Tschak – ich baller dir die Rinde weg! Tschak – Tschak – Tschak“

Kormoran:
„Wenn sogar die Ente meint, das das geht, mach ich das auch. Ok. Aber höher als 20 Zentimeter – niemals. Das ist mir zu krass. Ich bin ja keine Möwe oder so. Wie hoch bin ich jetzt? Elf? Alter, nee. Ich lande.“

Krähe:
„Crow13delta8 an Tower, Crow13delta8 an Tower: auf drei Uhr ist eine Straßenlaterne defekt. Stromkreislauf scheint unterbrochen, sollte gecheckt werden, ist ein 98er Modell mit Halbschalenleuchte. Vielleicht auch Feuchtigkeitsschaden.
Direkt unter mir ist ein roter Ford Fiesta, er schlingert leicht. Entweder Stoßdämpfer oder der Reifendruck hinten rechts ist zu niedrig. Werde jetzt eine Walnuss auf die Straße legen, damit der Wagen sie knacken kann. Warte noch auf Grün am Fußgängerüberweg. Werde die Zeit nutzen, um die 826334ste Stelle hinter dem Komma von pi zu definieren. Over.“

Pinguin:
„Ey, wovon redet ihr eigentlich?“