PURE DOMINANZ.

Wenn man zufällig während der Brunftzeit irgendwo in der amerikanischen Steppe unterwegs ist und einen 900 Kilo schweren Bisonbullen mitten im Begattungsvorgang von einer Kuh pflückt, wenn man dann das gesamte Bullensperma auffängt und das ausgeschüttete Testosteron und den krassen Brunftgeruch extrahiert und in einen laschen Typen reinpumpt, der früher zu viel Nachhilfeunterricht und zu wenig Liebe bekommen hat und das heute mit Krokodillederschuhen und miesem Arschlochverhalten kompensieren muss, hat man genau die Zielgruppe, für die die Produktmanager von BMW den neuen X6 M Competition entworfen haben.

Weiche Schlaffis, die ihr verkrüppeltes Ego, das eigentlich so stark ist wie ein warmer Furz, mit dem in Blech gepressten, offiziellen BMW X6-Leitgedanken „PURE DOMINANZ“ aufpusten müssen.

Das sind Leute, die kein Problem damit haben, im Jahr 2019 für ein Auto mit 625 PS knapp 180.000 Euro auszugeben. Leute, bei denen auf jeden Fall nicht das Gewissen dominiert, sondern der Hedonismus, der offene Benzinhahn, das Gaspedal, der Ellenbogen.

Markus Flasch, Leiter der Geschäftsführung BMW M GmbH, über den Wagen:


„Der BMW X6 M Competition macht auf den ersten Blick klar, was in ihm steckt.“

Genau. In dem Wagen steckt zu viel von allem.
Der BMW X6 M Competition ist das Gesicht von Harald Glööckler als Auto. Allerdings mit dem Gehirn einer Teppichmilbe und dem mit Drogen zugespachtelten Gewissen von Jordan Belfort, dem Hauptdarsteller aus „Wolf of Wall Street“.
Der Wagen ist für Leute gemacht worden, die ihre Exaltiertheit wie einen Pelzmantel, der aus dem letzten sibirischen Tiger genäht wurde, tragen müssen. Ganz einfach weil sie es können. Der Wagen ist das Blech gewordene Spiegelbild der Gesellschaft.
Wenn man schon in den Weltuntergang fährt, dann wenigstens ausreichend motorisiert und mit den richtigen Sonderausstattungen versehen.

Zum Beispiel mit der Akustikverglasung für € 600,-.
Denn die ekelerregenden Geräusche, die entstehen, wenn man z.B. mal einen Hund, ein Kind oder einen Radfahrer überrollt, sollen nicht in den Innenraum dringen. Wäre nicht schön.

Und der Duft der Außenwelt, egal, ob blühende Rapsfelder, brennende Kohlekraftwerke oder brennende Vorstädte, soll auch schön draußen bleiben. Deshalb gibt es das „Ambient Air Paket“ für zarte € 350,-.
Hier kann man aus einem Buffet von künstlichen Duftaromen sein eigenes Geruchspaket zusammenstellen. Wo sich das Prekariat einfache Duftbäume an den Rückspiegel hängt, kann die verwöhnte Nase hier Düfte mischen.
Es wird in jedem X6 riechen wie in einer Douglas-Filiale an einem Samstag vormittag. Aber vielleicht gibt es ja auch Büffelsperma als Aroma?

Natürlich verfügt das Auto über eine Gestensteuerung. Damit kommt man
der Zielgruppe entgegen, die es nicht anders kennt, dass auf cholerische Anfälle (in Meetings, beim Ehestreit, beim Shoppen) oder auf das Zappeln bei einer Überdosis reagiert wird.
Die Kopf-ab-Geste ändert zum Beispiel Lieder oder beendet Telefonate. Hektisches Zucken mit unkontrolliertem Röhren schaltet das Gebläse an, wenn das Prozac mal nicht anschlägt und man wütend durch die Luft fuchtelt, blättert man automatisch das digitale Telefonbuch durch und landet wahrscheinlich beim BMW-Concierge, der einem den Weg in die Betty Ford-Klinik vorschlägt.

Für die Türen können sich die Kunden eine „Soft Close-Automatik“ bestellen. Kostet € 650,-.
Auf der Website steht: „Die Soft-Close-Automatik für die Türen bringt die Raffinesse und die Souveränität des Fahrzeugs bestens zum Ausdruck.
Sie ermöglicht ein bequemes und sicheres Schließen der Türen ohne viel Kraftaufwand und störende Zuschlaggeräusche.“
Es werden sich Millionen Menschen über heftige Zuschlaggeräusche beschwert haben, deshalb dieses sinnvolle Extra.
Muss man sich mal vorstellen, wie ein irgendein solventer Muskelrapper mit Wurstpenis, der aussieht und riecht wie ein Gorilla, aus dem Bodybuilding-Studio kommt, seine Gucci-Tasche auf den Rücksitz schleudert und die Tür sich mit einem leisen bzzzzzzzzzzzz automatisch zuzieht. Das ist echt hart.

Dass die Sitze eine Massagefunktion haben, war nicht anders zu erwarten. Dass man sich eine Carbon- Motorhaubenabdeckung für € 1.200- bestellen kann: wird den BMW-Mechatronikern, die das Ding jedes Mal abbasteln müssen, wenn sie den Motor sehen wollen, ein müdes, Kopfschütteln entlocken. „Nicht noch so einer…“

Am zeitgemäßesten von allem ist die BMW-Niere, die den Namen „Iconic Glow“ trägt. Allein für die Namensgebung möchte man den Leuten, die es sich ausgedacht haben, die ein oder andere BMW-Niere an die Stirn nageln.
Für schlappe € 500,- kann man den Kühlergrill, der ungefähr den Grundriss einer 1,5 Zimmer-Wohnung hat, leuchten lassen.
So kann man auch am Ende einer Fahrt sehr gut sehen, wo in den Gitterstäben sich mal wieder ein Rehbock oder ein lästiger Kleinwagen verfangen hat.

Schätzungsweise wird der BMW  X6 M Competition im Modelljahr 2022 mit dem Motor eines Kreuzfahrtschiffes (wird dann mit Welpen, Kindern und Hartz4-Empfängern betankt), mit Panzerabwehrraketen im Kühlergrill, mit Sitzen aus Nashornleder, mit Webergrill im Handschuhfach, mit einem Puff im Kofferraum und natürlich einem diamantbesetzten „FUCK YOU GRETA“-Emblem angeboten.

Ist ja eh alles egal.
Das Motto wird dann nur kurz angepasst:

PURE IGNORANZ.

————————————–

Hier geht es zur Website. (Und: ja. Ich weiß, dass ich den Hersteller BMW und die „M GmbH“ in einen Topf werfe. Nur falls sich jemand darüber aufregen sollte. Aber dieser werksgetunte Wagen wird offiziell auf der BMW-Website angeboten.)

https://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/m/x6-m/2019/bmw-x6-m-automobile-ueberblick.html

KLEIN ANFANGEN.

Das Abgleiten in Richtung Hass, Spaltung und Negation ist eine gesellschaftlich Kontinentaldrift in Zeitraffer. Und wir alle sind mittendrin. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten:

1. Mithassen. Mitlügen. Mitspalten
2. Schweigen
3. Was machen.

1 und 2 sind die Punkte die den ganzen Populisten, also der AfD, einem Donald Trump, einem Jair Bolsonaro, einem Matteo Salvini, einem Recep Erdogan, einem Viktor Orbán, einem Nigel Farage und den ganzen anderen gefährlichen Typen Erfolg bringen. (Und natürlich auch damals einen Adolf Hitler an die Macht gebracht haben.)
Auch Schulterzucken und Schweigen hilft denen.

Lasst doch einfach was ändern. Also Punkt 3.

Da die großen Veränderungen gerade irgendwie nicht hinzubekommen sind, weil jede größere Entscheidungen erst durch eine gallertartige Zeit-Raum-Masse gequetscht werden muss, bevor etwas Spürbares passiert, sollten wir vielleicht erstmal wieder klein anfangen.

Ich bin echt kein Typ für Listen. Aber trotzdem habe ich eine kleine Liste geschrieben.

Wenn ein paar Menschen ein paar dieser Dinge davon machen, wird der Moment besser. Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr gute Momente. Und je mehr gute Momente, desto weniger Groll, Hass und der ganze Scheiß, der jeden von uns runterzieht wie eine Tonne Blei.

Hier also die Top 33 der kleinen Dinge, die vielleicht Großes bewirken können:

1. „Hallo“ oder „Guten Tag“ sagen.
2. „Danke“ sagen
3. „Bitte“ sagen. 4. Nachfolgenden Leuten die Tür aufhalten.
5. Wenn man Einkaufen geht, die Omi (oder den Opi) von nebenan fragen, ob man etwas mitbringen soll.
6. Jemandem Hilfe anbieten.
7. Zuhören.
8. Beim Abbiegen blinken.
9. Im Supermarkt heruntergefallene Sachen aufheben und zurück ins Regal stellen.
10. Den Müllmännern, den Putzleuten im Hotel oder den Leuten, die bei H&M die T-Shirts falten, „danke“ sagen – und es ehrlich meinen.
11. Leute ausreden lassen.
12. Im Auto: nicht Wut-hupen. Möööööp! Mööp! MÖÖÖÖÖÖP!!!
13. Kinder ernst nehmen.
14. Nicht unbedingt recht haben wollen. Vor allen Dingen nicht, wenn es nicht so ist.
15. Freundlich sein.
16. Lächeln.
17. Einem Obdachlosen Beachtung schenken.
18. Einen Obdachlosen fragen, ob man etwas für ihn tun kann.
19. Gegenargumente anhören, nicht reflexmeckern.
20. Mal wieder über den eigenen Schatten springen.
21. Wenn man sexistischen / homophoben / rassistischen Scheiß hört, den Mund aufmachen.
22. Ein Buch im Buchladen kaufen.
23. Einen Waldspaziergang machen, über die Bäume staunen.
24. Für Freunde da sein.
25. Sich mal wieder bei den Eltern bedanken.
26. Am Ende einer Rolltreppe weitergehen – nicht stehen bleiben.
27. Komplimente machen.
28. Nicht belehren.
29. Zugeben, dass man etwas nicht weiß, wenn man etwas nicht weiß.
30. Leuten Erfolg gönnen.
31. Regenwürmer vom Asphalt aufheben und auf die Erde legen.
32. Mal nicht zynisch, ironisch oder sarkastisch sein.
33. Leuten mal die Vorfahrt lassen.
34. Sich entschuldigen, wenn einem ein kleines Missgeschick passiert ist. Sorry!
35. Nicht alles sofort verurteilen.
36. Nach vorne gucken.
37. Diese Liste im Kopf weiterspinnen.

KLEINE PAUSE

Nur falls ihr euch wundern solltet: mein Konto wurde gesperrt. Weil ich gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstoßen haben soll. Mit anderen Worten: weil irgendein zu dünn angerührter Bot mich gemeldet hat.

Mehr dazu später.

IHR HABT DIE WAHL.

Am 27. Oktober 2019 sind in Thüringen Landtagswahlen. Es gibt ungefähr 1,8 Millionen Wahlberechtigte in 44 Wahlkreisen.
Den aktuellsten Umfragen nach liegt die AfD (laut Infratest Dimap) momentan bei 25 %.
Das sind 450.000 Menschen, die ihr Kreuz bei der AfD machen wollen.

Geht man mal davon aus, dass der „harte Kern“, also die wirklich Rechten, Leute, die „Muselmänner aus den Moscheen zerren wollen“, die sich auf Rechtsrockkonzerten 22 Liter Bier reintanken und deren Gehirne einem braunen Haufen Durchfall ähneln, 15 % der Wähler ausmachen, also Menschen, bei denen man nichts mehr machen kann, bleiben noch 10 %.

Das sind gut 180.000 Menschen, die die AfD wählen wollen, weil „die endlich mal sagen, wie es ist“, die die AfD wählen wollen, weil „die Altparteien nichts hinbekommen!“, die die AfD wählen wollen, weil „Danke Merkel!!1!!11!“.
Das sind die wankelmütigen Protestwähler, die enttäuschten Mitläufer, die nur eines denken: „Naja, wenn das alle machen, mach ich das auch.“

Das sind 180.00 Menschen, die die AfD zu sich ziehen will, indem sie sich verharmlost und sich als eine „bürgerlich-konservative“ Partei inszeniert.
Die sie aber nicht ist. 

Man kann davon ausgehen, dass diese 180.000 Menschen in Thüringen wissen, wen sie da wählen, trotzdem will ich gern nochmal sagen, wem sie ihre Stimme geben wollen. Wen sie an die Macht heben wollen.  

Björn Höcke ist Geschichtslehrer und versucht mit seiner Rhetorik, in die Köpfe der Menschen einzudringen. Er nutzt genau wie seine Partei Mittel, mit denen schon die Nationalsozialisten die Massen manipuliert haben: Umdeutungen, Ideologisierung der Alltagssprache, wahnwitzige Übertreibungen.
„Unkontrollierte Flüchtlingsströme“, „Lügenpresse“, “Zwangsgebühren”, “Staatsfernsehen”.

Björn Höcke faselt von einer „tausendjährigen Zukunft Deutschlands.“
Genau der Höcke bezeichnet Sigmar Gabriel schon 2016 als „Volksverderber“.
Adolf Hitler schrieb in „Mein Kampf“: „Hätte man zu Kriegsbeginn (1914) und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet.“

Andere Beispiele für die Höcke-Rhetorik?
„Bewegungspartei“. „Entartung“, „Degeneration“, „Tat-Elite“, „Verfall, „dass Deutschland erwacht“.

Das sind alles Begriffe, die erwiesenermaßen der NS-Rhetorik entliehen sind, wie Andreas Diss recherchiert hat.
(Quelle:
https://www.diss-duisburg.de/2016/11/zur-ns-rhetorik-des-afd-politikers-bjoern-hoecke/)

Björn Höcke ist Geschichtslehrer.
Er weiß genau, was er sagt. Und er weiß ganz genau, was seine Worte anrichten können. Denn er hat gelernt (und gelehrt), dass aus Worten irgendwann auch Taten werden.
1933 fing auch mit Worten an. „Kauft nicht beim Juden!“, zum Beispiel. Später kam es zur Reichspogromnacht, zur „Polenaktion“, zum Holocaust.
Seit April 1933 wurden jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien im Deutschen Reich boykottiert. Heute werden Flüchtlingsheime angezündet und die antisemitischen Übergriffe steigen seit Jahren an. Und dem Mann geht es nicht mehr um Flüchtlinge und um „Umvolkung“. Ihm geht es um Deutschland.

Die Worte der Deutschen 1933 waren die ersten Warnsignale, darauf wollte aber niemand hören, man ist lieber blind dem Führer gefolgt. Haben alle anderen ja schließlich auch gemacht.
Und Jahre später haben die Leute „von alledem nichts gewusst.“

80 Jahre später will Björn Höcke unter Zuhilfenahme derselben Worten an die Macht. Er will die Leute mit genau den rhetorischen Mitteln hinter sich wissen. Derselbe Björn Höcke, der ein (sehr konfrontatives) Interview mit folgenden Worten abbricht:

Höcke: Passen Sie auf. Wir beenden das Interview, nur, dann ist klar … Wir wissen nicht, was kommt … Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.

ZDF: Ist das eine Drohung?

Höcke: Nein. Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin. Ich bin auch nur ein Mensch, verstehen Sie?

ZDF: Und was könnte kommen? Wenn Sie sagen, wir wissen nicht, was kommt.

Höcke: Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein.

Achtung: „Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande.“

Der Mann hat psychische Auffälligkeiten und will unbedingt an die Macht.
Und es ist vielleicht mal an der Zeit, daran zu erinnern, was seine Worte bewirken.
Nein. Ich werde Björn Höcke keine Schuld an dem Naziterror-Akt in Halle geben. Auch wenn man den Mann offiziell einen „Faschisten“ nennen darf. Auch wenn er für den Rechten Flügel der AfD steht. Der Mann steht sogar so weit rechts, wenn die Erde eine Scheibe wäre, würde er mit einem Bein schon in irgendeinem brauen Loch im All stehen. Oder im Führerhauptquartier.

Ich schweife ab.

Denn ich will nur kurz darauf aufmerksam machen, dass die Nazi-Rhetorik und die verbalen Vernichtungsphantasien der AfD und speziell von Höcke die Hemmungen gewaltbereiter Menschen sinken lassen. Wahrscheinlich ist schon so ungefähr jeder, der hier liest, im Netz von Rechten bedroht worden. Das ist nicht immer schön.
Noch unschöner ist, dass diese verbalen Drohungen mittlerweile in die Tat umgesetzt werden.
Erst der Mord an Walter Lübcke, dann der Terrorakt gegen Juden in Halle. Was soll denn noch kommen?

Höcke hat sich natürlich von dem Terrorakt distanziert (klar, sind ja bald Wahlen). Er hat geschrieben: 

„Mit großer Bestürzung habe ich von dem Terroranschlag in Halle erfahren.
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer dieses völlig wahnhaften Verbrechens.

Was sind das nur für Menschen, die anderen Menschen so etwas antun?!“

Er schrieb vom „wahnhaften Verbrechen“.
Mit diesem kleinen Adjektiv bietet er dem Täter Schutz.
Wenn der nämlich „wahnhaft“ ist, ist er automatisch nicht ganz zurechnungsfähig. So wird der Täter ein „Psychokiller“ werden, ein „verwirrter Einzeltäter.“ Jemand, mit dem Höcke und die AfD ideologisch nichts zu tun haben. Was nicht ganz richtig ist.

Denn zu seiner Frage: („Was sind das nur für Menschen, die anderen Menschen so etwas antun?!“)

Das sind Neonazis.
Neonazis, die aus den Worten Taten werden lassen. Und solche Taten nennt man Naziterror.

Wir haben ein echtes Neonazi-Problem in Deutschland. Die Entnazifizierung ist noch längt nicht abgeschlossen.
Weil viel zu lange weggeguckt wurde.
Es gibt einen ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, der Hetzjagden klein redet – und der die rechte Szene offenbar lange geschützt hat.
Es gibt einen NSU und dazu geshredderte Akten. Es verschwinden Waffen bei der Bundeswehr und der Polizei. Es gibt ein rechtes Netzwerk bei der Bundeswehr und der Polizei. Es gibt einen Schulterschluss der AfD mit der PEGIDA und der ultrarechten Bewegung „Pro Chemnitz“.
Wir haben Nazigruppierungen, die sich im Internet Löschkalk und Leichensäcke besorgen, es gibt „Terrorlisten“ auf denen 25.000 Menschen stehen.
Es gibt eine Kanzlerinkandidatin, die in dem Terrorakt mit zwei Toten und neun Verletzten allen Ernstes ein „Alarmsignal“ sieht.
Und es gibt ein Bundesland, das den Mann, der mit seiner Rhetorik die Nazis in diesem Land befeuert, mit einem (Haken)kreuz auf dem Wahlzettel an die Macht bringen kann.

Es muss jedem, der am 27. Oktober wählen darf, klar sein: Wer Höcke wählt, wählt einen Neonazi.
Wer die AfD wählt, wählt eine Partei, die einen Mann, den man offiziell als Faschisten bezeichnen darf (muss!) als Fraktionsvorsitzenden in Thüringen hat.
Wer die AfD wählt, wählt nicht Protest. Sondern Faschismus.
Wer die AfD wählt, wählt nicht die Zukunft. Sondern die dunkelste Vergangenheit, die es in Deutschland gibt.
Wer die AfD wählt, wählt nicht „endlich mal eine ordentliche Oppositionspartei“. Sondern Neonazis.

Ihr seid in Thüringen 180.000 Menschen, die einen Unterschied machen können. Geht unbedingt wählen. Zeigt, dass ihr aus der Geschichte gelernt habt. Fordert Veränderungen. Geht auf die Straße. Nehmt die Politiker in die Pflicht. Seid laut. Seid unbequem! Seid schlau!
Aber macht euer Protestkreuz aus Protest nicht bei der AfD.

Es sei denn, ihr wollt wirklich einem Faschisten eure Stimme geben.  

VIEL ZU VIEL ZU VIEL ZU SCHNELL.

Die Gehirne vieler Menschen laufen höchstens auf 56k. Die meisten auf Modem- und einige sogar auf Wählscheibengeschwindigkeit.
Aber die Informationsgeschwindigkeiten und vor allen Dingen die Auswirkungen der Informationen passieren in Lichtgeschwindigkeit.
Wir gucken den ganzen Tag in ein Stroboskoplicht und grillen unsere Gedanken.


Die Geschwindigkeit, in der sich kluge, belesene, eloquente Menschen in geifernde Hasskartoffeln verwandeln, ist absurd. Geschäftsführer erfolgreicher Unternehmen mutieren zu sabbernden Teufeln, die ihren Hass versprühen wie eine Rosette bei hartem Durchfall. Bildungsbürger verschanzen sich hinter kruden Thesen und Falschinformationen.
Wankelhirne stützen sich auf Verschwörungstheorien.
Die Geschwindigkeit, mit der Phänomene entstehen, mit der sich Lager bilden, mit der voll drauflos gehasst wird, ist absurd.

Die Masse an Informationen ist beängstigend. Es wird sich nicht mal mehr über das eigentliche Thema aufgeregt, sondern das Aufregen franst aus. Einer regt sich über das Thema auf, der nächste darüber, wie sich der erste aufregt. Ein Dritter regt sich über eine Sache auf, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, worüber sich wieder ein anderer aufregt. Und das regt viele andere auf. Runtergebrochen auf eine stark vereinfachte Rechnung sieht das so aus:

Sorge + Unwissenheit = Angst.

Beispiel Greta Thunberg: Eine 16jährige Frau krempelt innerhalb von 13 Monaten den Planeten um. Und zwar mit allen Mitteln, die ein 16jähriger Mensch hat.
Sie mahnt an, sich um das Klima zu kümmern. Es gibt viele (analoge und digitale) Follower. Sie tritt etwas los, sie ist der Beginn einer echten Bewegung. Hat vor ihr so keiner geschafft.
Sie spaltet. Es gibt Menschen, die ihr (blind) folgen und ebenfalls mahnen, es gibt Leute, die dazu gehören wollen, es gibt die träge Masse. Treiber, early adopter und Mainstream, um das mal mal aus Marketingsicht zu betrachten.
Viele Menschen jubeln sie hoch, ikonisieren sie, behandeln sie wie einen Popstar, oder vielmehr ein Produkt.
Sie ist in Talkshows, es gibt PR-Inszenierungen, es gibt weltweite Streiks.
Sie polarisiert. Sie segelt nach New York (und fliegt zurück), sie spricht vor der UN-Versammlung, sie gibt dem Ex-Präsidenten Barack Obama die Bro-Fist, sie serviert Donald Trump eiskalt ab.

Irre. Sie ist 16. Sechzehn.

Sie kann aber trotzdem nicht über Wasser laufen. Viele ihrer Fans sehen sie aber in dieser Rolle. Sie Fans schützen sie vor (auch berechtigter) Kritik und feiern sie für jede ihrer Aktionen, egal, was es ist – und sie teilen alles. Egal, ob Fernsehsehnder, ob Promi oder ob reichweitenstarkter Privatmensch. Das ist an der ein oder anderen Stelle ein bisschen übertrieben, denn das einzige, was sie tut, ist mahnen.
Die Menschen sollten ihre Mahnung ernst nehmen und statt sie endlos zu feiern und möglicherweise bald noch irgendeine Greta-Barbie rauszubringen, endlich handeln. Ganz klar.
Und vor allen Dingen ganz schnell.

Aber es gibt eben auch Menschen, die Greta Thunberg am liebsten eine großkalibrige Kugel in den Schädel jagen würden. In Zeitlupe. So dass es schön spritzt und matscht, während sie ihr noch ein bisschen in die Rippen treten können. Weil Greta Thunberg mahnt. Und nervt. Und weil man sein Leben ja anpassen und ändern müsste, wenn man das tun würde, was sie fordert.
Statt ihre mahnenden Worte ernst zu nehmen, wird jede ihrer Aktionen, jedes Interview, jeder Schluck, den sie aus einer Wasserflasche nimmt, seziert, mit Hass und Hetze garniert und in die digitale Welt gepustet.
Von Fernsehsehndern, Promis und reichweitenstarkten Privatmenschen.
Menschen wollen sich nicht verändern.
Sie hassen lieber. Ist vielleicht sowas wie Schutzhass.

ok.

Wenn die Menschheit jede Verhaltensänderung in der Geschichte so behandelt hätte, würde wir immer noch vor einer kalten Höhle sitzen, in der Hand zwei Feuersteine – und wir würden ablehnen, sie aneinander zu schlagen. Weil es ja was ändern würde. Und weil man die Folgen nicht absehen könnte. Und weil man findet, dass Beeren und rohes Gammelfleisch ganz ok schmecken. Wir hätten uns schon lange totgeschutzthasst. Sprechen würden wir auch nicht, weil man sich für jedes freundliche „hallo“ in die Fresse geben würde.

(Ich weiß: das war 1. Nicht das Thema und 2. ein wirklich unpassender Vergleich.)

Andere Beispiele als (ausgerechnet die nervige) Greta Thunberg, die wir mit Schutzhass überziehen?
Andere Dinge, die medial genau so zerfetzt werden? Und zwar von allen, weil mittlerweile jeder eine Tastatur und einen Internetzugang besitzt und im Grunde genommen agieren kann wie eine Zeitung oder ein Fernsehsender?

Gerne.

Elektromobilität. Faschismus. Windenergie. Feminismus. SUV. Kita-Plätze. Grillfleisch. Popcorn. Kreuzfahrtschiffe. Fahrradwege. Pfeffer. Konzerte. FC Bayern. Verfassungsschutz. Grenzen. Wollpullover. Tempolimit. Zucker. Reisen. Autotune. Instagram-Filter. Rente. Postleitzahlen. Paketboten. Halloween. Männer. Frauen. Ärzte. Haustiere. Mieten. Kindergeld. Ossi & Wessi. Hautfarbe. Dschungelcamp. Sachsen. Nationalelf. AfD. NSU. Polizei. Fleischersatz. Und so weiter.

Guckt mal im Netz, in eurer erweiterten Filterblase
Egal, welches Thema.
Schwarz.
Weiß.
Hart.
Scheiß.

Kaum Diskurs, viele gucken nicht mal mehr bis zum Tellerrand, weil der Hass die Sicht vernebelt. Die Augen verengt, die Hände schlagen Parolen in die Tastatur. Es ist ein einziges Aufpeitschen.

Vielleicht brauchen wir einfach eine andere Rechnung:

Sorge + Offenheit = Zuversicht.

Wäre doch zu schön, wenn Leute einfach ab und zu mal das Auto stehen ließen und aufs Fahrrad steigen würden, wenn sie ab und zu mal panierten Rosenkohl statt Schnitzel äßen und die Meinung eines anderen Menschen einfach mal stehen lassen könnten.

Wie viel geiler die Welt plötzlich wäre.  

351 GRAMM GESCHICHTE.

Dieser Stein, ein aus einem Stück Feuerstein gefertigtes Werkzeug, ist irgendwas zwischen 7500 und 4200 Jahre alt.
Ein geschliffenes Kernbeil, ein Relikt aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit.
Als aus diesem Stein ein Werkzeug gemacht wurde, stand die erste kulturelle Revolution der Menschheit an, ein Epochenwechsel.
Statt den Tieren hinter zu jagen, wurden die Menschen sesshaft.

Anstelle von Windschirmen aus Birkenreisig, die mit Pfählen in der Erde befestigt wurden, haben sich die Menschen erste Hütten ausgedacht.

Vorsichtige Ackerbauversuche wurden unternommen, Tiere wurden gehalten.

Und sie begannen zu töpfern.

Dieser Stein ist faszinierend und wiegt sehr schwer in der Hand.

Viel schwerer als die 351 Gramm.
Weil er, sobald er in der Hand liegt, Geschichten erzählt: Über die Menschen, die aus dem Feuerstein ein Werkzeug gemacht haben.
Darüber, wie es gewesen sein muss, wenn das Feuer ausgegangen ist.

Und er erzählt von den vielen Menschen, die ihn über viele tausend Jahre hinweg schon in der Hand hielten oder sogar als Werkzeug benutzt haben. Was haben sie damit gemacht? Sechs Wochen lang auf eine Birke eingedroschen, bis sie umgefallen ist? Speere geschnitzt? Tiere zerhackt?

Außerdem erzählt er davon, dass es, als er gefertigt wurde, nichts von dem gab, was uns heute umgibt und uns so wahnsinnig wichtig ist: Türen? Religionen? Grenzen? Politik? Kapuzenpullis? Steckdosen? Motoren? Bücher? Plastik? Kräne? Geld? Flugzeuge? Donuts? Marken? Zuchthunde? Telefone? HD-TV? Rente? Kreuzfahrten? Yoga? Parfum? Heizungsluft?

Seit ein paar Generationen ist dieser Stein in der Familie.
Mein Uropa, ein toller, weiser Mann, den ich sogar noch kennenlernen durfte, hat ihn vor ungefähr 100 Jahren gefunden.

In den Boberger Dünen war das, am Hamburger Stadtrand.
Vielleicht sogar zusammen mit seinem Sohn, meinem Opa, dem unbestritten allerbesten, allerklügsten und phantasiereichsten Opa der Welt.

Irgendwann auf einem ihrer vielen Spaziergänge haben sie ihn ausgebuddelt und mitgenommen, so die Erzählungen.
Aber vielleicht hat ihn auch mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa gefunden.
Oder dessen Ur-Ur-Ur-Oma. Wer weiß es genau?

Der Stein lag immer bei meinem Opa im Regal. Wenn er unterwegs war, oder Wichtiges vorhatte, war der Stein dabei – als Glücksbringer.
Vielleicht hatte er ihn auch dabei, als er meine Oma, die unbestritten allerlustigste Person der Welt, kennengelernt hat. Irgendwann 1929 oder 1934.

Mein Opa hat in damals Kneipen Klavier gespielt. Der Stein wird dabei gewesen sein, als mein Opa zur Wehrmacht eingezogen wurde.

„Ich habe immer daneben geschossen, absichtlich“, hat er mir früher immer erzählt und mir über den Kopf gestreichelt. Dabei hat er geblinzelt.

Die Wahrheit ist: er war vollkommen ungeeignet, nervlich nicht belastbar, hat gezittert, wenn er das Gewehr hielt – und hat wahrscheinlich nicht ein einziges Mal geschossen. Er wurde nach zwei Wochen wieder nach Hause geschickt.

Zum Glück.

Ich bin unendlich stolz auf meinen kriegs-untauglichen Opa, weil er nämlich um so friedenstauglicher war. Er konnte sprichwörtlich keiner Fliege etwas zuleide tun. (Er hat sogar extra Gemüse angebaut, damit Schnecken und Insekten genug zu Essen hatten – und wir unseren Spaß hatten, wenn sein Kopfsalat mit Fleischeinlage auf den Tisch gekommen ist. Schneckenpulen war angesagt.)

Der Stein war auch im Juli 1943 dabei, als die „Operation Gomorrha“ Hamburg zerstört und über 30.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Mein Opa und meine Oma lebten damals in Hamm in einer kleinen Wohnung, mein Opa ist in der Gegend aufgewachsen, ist in der Wendenstrasse zur Schule gegangen. Die ganze Familie hat in der Gegend gewohnt – Eltern, Schwiegereltern, Geschwister, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins.
Die Arbeiterviertel Hamm, Rothenburgsort und Hammerbrook waren an diesem Tag das Ziel der britischen und amerikanischen Phosphorbomben.

Es gab mal wieder Fliegeralarm, alle mussten in den Bunker. Routine.

Der Stein ist natürlich mitgekommen.

Der Vater meiner Oma ist nicht gekommen, denn der wollte unbedingt draußen helfen, das brennende Hamburg zu löschen.

Ein Mensch gegen zehntausend Brandbomben.

Er ist dabei umgekommen, genau so wie 12 weitere Familienmitglieder meiner Oma. Sie haben es nicht in den Bunker geschafft, sondern nur in einen Keller. Ein kompletter Familienstrang weggebrannt, innerhalb von wenigen Stunden.

Meine Oma ist, nachdem die Stadt abgekühlt ist, raus aus dem Bunker und zurück zu ihrem Wohnhaus.
Da war aber nichts mehr, nur noch die Fassade – und der Mülleimer, der am Balkon hing. Alles verloren. Fast alle verloren.

Sie hat mir früher oft erzählt, wie das war. „Ach, ich habe so viele Tote gesehen…einige sind im weichen Asphalt stecken geblieben und wurden bei lebendigem Leib gebacken, andere sind einfach so verglüht, viele sind erstickt, kannst du dir nicht vorstellen.“

Meine Oma und mein Opa mussten nach dem Feuersturm, wie so viele Hamburger, raus aus Hamburg. Mein Ur-Ur-Uropa hat damals im heutigen Tschechien gelebt, da wollten sie hin, denn „da war ja noch Frieden“.
Erst ist meine Oma los, mein Opa wollte schnellstmöglich hinterher, hat aber natürlich nicht sofort funktioniert.
Meine Oma hat es relativ schnell geschafft, mein Opa ist durch das zerbombte Deutschland geirrt, größtenteils zu Fuß.

Immer dabei (in der zerknautschten Aktentasche): der Stein.

Die beiden waren monatelang getrennt, es gab aber einen hollywoodreifen Briefkontakt. Denn meine Oma hat einem Soldaten, der von der Ostfront nach Hamburg auf Heimaturlaub durfte, einen Brief mitgegeben.

Und dieser Brief ist tatächlich angekommen, was immer noch ein Wunder ist. Darin stand, dass es ihr gut ging und mein Opa sich keine Sorgen machen muss. Danke dir für diese Tat, namenloser Soldat, denn ohne diesen Brief wäre ich heute sehr wahrscheinlich nicht hier.

Die beiden haben sich nach langer Zeit wieder gefunden, haben den Krieg beide irgendwie überlebt ­ – mehr oder weniger unbeschadet.

Meine Mutter wurde acht Wochen nach Kriegsende geboren, sie haben sich ein neues Leben als kleine Familie aufgebaut – in der Nähe der Boberger Dünen.
1962 kam dann die Flut. Wieder hat die Familie alles verloren, aber der Stein, das Glück, wurde gerettet. Und wieder haben sie sich ihr Leben neu aufgebaut.

Ich weiß noch, wie fasziniert ich immer war, wenn ich den Stein bei meinem Opa und meiner Oma im Regal habe liegen sehen. Die meisten Dinge sind ja, wenn man sie mit Kinderaugen betrachtet, viel faszinierender als wenn man sie mit den abgenutzten Augen eines Erwachsenen ansieht. Bei diesem Stein ist es anders. Ich kann auch leider nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, dieses Kernbeil in der Hand zu halten.

Meine Mutter hat ihn mir gegeben. „Jetzt musst du auf ihn aufpassen – dann passt er auch auf dich auf.“

Der Stein liegt jetzt bei mir im Regal, ich nehme ihn oft und gucke ihn mir an, lasse mir die vielen Geschichten erzählen. Er ordnet Erfolge und Misserfolge, Bedürfnisse und Wünsche ein und gibt mir das Gefühl, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Ich hoffe, dass er da noch sehr lange liegen bleiben wird – und meiner Familie und natürlich auch mir Glück bringt.

Denn ich glaube, dass dieses Relikt aus der Jungsteinzeit in Wirklichkeit ein Glückswerkzeug ist.

————————————————

Ich habe diese sehr persönlichen, komplett ironiefreien Zeilen übrigens nicht geschrieben, weil ich besoffen am Küchentisch hocke oder weil ich zu viele Rosamunde Pilcher-Filme geguckt habe.

Sondern weil ich den Stein heute kurz in der Hand hatte. Und an meinen Uropa gedacht habe, der jetzt 133 Jahre alt wäre.

Hundertdreiunddreißig!

Aus meiner Sicht eine wahnsinnige Zahl mit einer wahnsinnigen Geschichte. Irgendwie auch meiner Geschichte, denn ohne meinen Uropa wäre ich heute nicht hier – und ohne den Stein vielleicht auch nicht.

Aus Sicht des Steines bin ich – sind wir – allerdings nur ein kurzes Blinzeln in der Geschichte.

Nur etwas mehr als Nichts.

Denn dieser Stein hat bestimmt 70 oder 80 solcher langen Familiengeschichten zu erzählen.

Und es werden bestimmt noch viele dazukommen.

Ein beruhigender Gedanke.

Blinzel, blinzel.