EVENTUELL.

Vor uns liegt eine ganz neue Dekade. Unberührt liegt sie da, wie eine frisch berieselte Schneelandschaft. Jede und jeder von uns allen tritt Spuren in diesen Schnee.
Wir entscheiden, wie diese Spuren, die wir hinterlassen, aussehen werden. Eventuell nicht ganz unwichtig zu wissen, dass die Spuren anderen zur Orientierung dienen. Und auch nicht ganz unwichtig: Ein komplettes Durcheinander aus Salzstreuschneematsch, Kackhaufen und zertretenem Wuthass sieht scheisse aus.
Hier kommen ein paar ´Vielleichts´. Jedes Vielleicht ist vielleicht ein Schritt.

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• Vielleicht sollte man mehr auf Konzerte gehen, obwohl man eigentlich keine Lust hat, auf ein Konzert zu gehen.
Da spielen Bands, die, bevor sie auf die Bühne gegangen sind, in kalten, siffigen Proberäumen gestanden haben und geübtgeübtgeübt haben.
Und manchmal gibt es Konzerte, die der absolute Knaller sind und sich spontan in die Hirnrinde einbrennen. Am besten sind übrigens die Konzerte, bei denen das Smartphone in der Tasche bleibt.

• Vielleicht sollte man mehr Bücher lesen. Auch von Autoren, die einem nicht unbedingt liegen. Vielleicht auch mal ein Sachbuch, nicht nur den neuesten Horrorsplatterthriller. Viele Autorinnen und Autoren zerreißen sich beim Schreiben. Jedes Buch wird mit Hingabe und Leidenschaft geschrieben. Na gut. Fast jedes. Aber es gibt so viele tolle Autorinnen und Autoren, die entdeckt werden wollen.

• Vielleicht sollte man ab und zu mal etwas essen, was man noch nie vorher gegessen hat. Und vielleicht sogar selbst kochen. Irgendwas mit Kurkuma, Wolàtnyi-Wurzeln oder Birkenrindensaft. Oder Tomaten. Oder Kartoffeln.

• Vielleicht sollte man nicht mehr von Fleischverzicht sprechen. Sondern von Gemüsedazugewinn.

• Vielleicht sollte man ab und zu mal einen Umweg nehmen. Oder den üblichen Weg viel langsamer zurücklegen. Oder mal ein anderes Transportmittel nehmen: das Fahrrad oder die Bahn oder die Füße. Oder, wenn man immer Fahrrad fährt: auch mal das Auto. Ein Perspektivwechsel ab und zu ist wirklich nicht schlecht.

• Vielleicht sollte man keine Bilder mehr von Kindern posten, die beim Essen eingeschlafen sind und den Kopf voll niedlich in die Pommes mit Mayo gelegt haben. Vor allen Dingen, wenn man selbst jemand ist, die oder der durchdreht, wenn von ein Foto von sich mit Doppelkinn im Netz zu sehen ist.

• Vielleicht sollte man versuchen, Plastik zu vermeiden, wo man Plastik vermeiden kann. Zum Beispiel im Badezimmer: ein Stück Seife hält bedeutend länger als eine Pulle Duschgel. Also richtig viel länger – bestimmt 20 Mal länger.

• Vielleicht sollte man den Leuten viel häufiger mal die Tür aufhalten. Ganz einfach , weil es nett ist.

• Vielleicht sollte man mehr lernen. Irgendwas, einfach den Horizont erweitern.

• Vielleicht sollte man „das mit dem Gendern“ einfach mal zur Routine werden lassen. Weil es respektvoll und sinnvoll ist. Und wenn man schon dabei ist: vielleicht sollte man auch alles dafür tun, dass diese dumme Ungleichberechtigung verschwindet.


• Vielleicht sollte man viel häufiger mal Regenwürmer retten, die auf Gehwegplatten entlangglitschen und versuchen, irgendwie in die Erde zu kommen.

• Vielleicht sollte man den Mund aufmachen, wenn andere Leute etwas Tendenziöses / Rassistisches / Sexistisches / Homophobes / Herabwürdigendes von sich geben. Vielleicht ist man in dem Moment der Partypooper. Aber wenn man abends in den Spiegel guckt, ist das Partypoopergefühl nicht mehr so schlimm.

• Vielleicht sollte man mal mit einer oder einem Obdachlosen reden und fragen, ob man irgendwas mitbringen kann.
Vielleicht sollte man auch mal mit sehr erfolgreichen Menschen reden und fragen, wovon sie zu viel und wovon sie viel zu wenig haben. Ist bestimmt interessant.

• Vielleicht sollte man die Meinungen anderer akzeptieren, auch wenn sie nicht die eigene ist.

• Vielleicht sollte man standhaft bleiben – aber nicht erstarren, nur um unbedingt standhaft zu bleiben.

• Vielleicht wären mehr Zwischentöne gut.

• Vielleicht sollte man viel häufiger singen. Laut und schief. Egal. Raus damit.

• Vielleicht sollte man sich ab und zu eine ganze Tafel Schokolade reinzimmern. Und niemandem etwas davon abgeben.

• Vielleicht sollte man nicht die eigene Wahrheit zur Wahrheit für alle machen.

• Vielleicht sollte man viel mehr akzeptieren. Aber nicht alles.

• Vielleicht sollte man viel häufiger daran denken, dass wir das unfassbar große Glück haben, in Frieden leben zu dürfen. Seit 75 Jahren. Das ist alles andere als selbstverständlich.
Genau wie fließend Wasser, Strom und eine sehr anständige Infrastruktur auch nicht unbedingt selbstverständlich sind.

• Vielleicht sollte man häufiger mal die eigene Komfortzone verlassen. Auch wenn es nur kurz ist.

• Vielleicht sollte man viel mehr lieben. Und viel weniger hassen. Und auch nicht so viel meckern, sondern mehr wundern.

• Vielleicht sollte man mehr miteinander reden. Statt übereinander herfallen.

• Vielleicht sollte man viel weniger Angst haben. Denn Angst ist kein guter Motor.
Der Angstmotor bringt uns nicht durch eine ganze Dekade.

Und vielleicht braucht man viel weniger ´vielleicht´, sondern viel mehr ´auf jeden Fall!´

ERBÄRMLICH.

Alte weiße, verknorrte Männer mit schrumpeligen Truthahn-Hodensäcken und Hormonebbe und alte weiße Frauen mit hodenartigen Eierstöcken, die Angst vor einer 16jährigen haben und ihre miesen Gefühle wegpöbeln und weghetzen müssen, weil sie nicht damit klarkommen, dass es schon seit über einem Jahr eine Jugendbewegung gibt, die sich für das Klima einsetzt, echauffieren sich in diversen Postings auf allen Kanälen über dieses Bild.

Sie rechnen mit derselben Penibilität, mit der sie Falschparker melden und Hotels auf Meckerportalen schlecht bewerten, auf, was die Designersessel kosten. Und setzen das in Relation mit dem Einsatz von Greta Thunberg: „Abzocke!“, „Klimahysterie als Geldmaschine!!!1!11“, „alles gesteuert! Alles Meinungsmache von den Ökoterroristen!!!“

Kurze Frage an die Leute, die so einen Denkmüll absondern müssen:
Habt ihr noch alle Latten am Zaun? Könnt ihr nicht mal eure erbärmliche Fresse halten und vielleicht mal nachdenken, bevor ihr euch mit großen Worten an den vermeintlichen Verfehlungen ergötzt und euch dann auf die geile Reichweite, die ihr in den sozialen Medien erzielt, euren Pümmi reibt und dabei ganz aufgeregt hechelt und mit euren steifen Spinnenfingern weiterhetzt und kommentiert und euch an dieser ganzen miesen Nummer aufgeilt?

Versucht doch mal, euren Restklumpen Gehirn zu aktivieren und nutzt diese popelige Rosine, um zu verstehen, worum es Greta Thunberg wirklich geht.
Um das Klima. Sie setzt sich für eine konsequent an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientierte Klimapolitik ein.
Das Klima ist auch für euch, das gehört nicht einer 16jährigen Aktivistin, die man sehr gern kritisch sehen kann und in Teilen auch muss.

Aber wenn ihr schon dabei seid, auf Google irgendwelche Preise für irgendwelche Sessel nachzuschlagen, nutzt doch einfach mal den Übersetzer.

Da steht dann: „Einem 39-jährigen Mann wird vorgeworfen, die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mutter-Opernsängerin Malena Ernman mit dem Tod bedroht zu haben, schreibt Aftonbladet.“

Das werdet ihr natürlich gut finden, weil „die Klimagöre es nicht anders verdient hat“, und „ihre gierige Instrumentalisierungsmutter sowieso“.
Und das zeigt, dass ihr nichts, aber auch wirklich nichts, also noch weniger als nichts verstanden habt. Egal, wie schlau ihr euch findet.

Ihr nervt.

Sehr, sehr doll.

Wenn ihr das nächste Mal das Bedürfnis habt, unbedingt euren miesen, zynischen Kackhass in die Tastatur hämmern zu müssen, weil jemand mit dem Tode bedroht wird, tut allen den Gefallen, haltet kurz inne, nehmt euch einen Backstein und schlagt damit so oft ihr könnt, auf eure Finger ein. Ist besser für alle.

Hier geht es zum Artikel:
https://www.svd.se/man-atalas-for-hot-mot-greta-thunberg?fbclid=IwAR1aFMMwcTPPDLv06t6QaWddCpLYDhY7SNFBcQ6MS0W8AYr7NTgVt9M9VMI

SEKUNDE MAL.

Vielleicht polierst du Autolack, oder du vereinbarst Termine, vielleicht fütterst du Kinder. Oder Alte.
Was auch immer du machst: Mach es so toll du kannst.

Egal, ob du Zahnarztbohrer desinfizierst, ob du Geranien einpflanzt oder Döner verkaufst: du wirst diesen einen Moment haben, den du so perfekt beherrschst wie nur du es kannst. Deine Sekunde.
Vielleicht ist es der Schwung, mit dem du jedes Mal genau die richtige Menge Krautsalat in das Fladenbrot hineinlegst. Oder es ist genau der richtige Druck, mit dem du die Schaufel Erde in die Erde drückst, so dass die Geranie mit ihren zarten Wurzeln perfekt hineinpasst. Oder dein Lächeln, das du für Alte übrig hast.

Egal, ob du Gedichte schreibst oder Verträge. Oder ob du Platinen lötest oder im Tierheim Hunde fütterst.
Egal, ob du Menschen eine neue Sprache beibringst, ihnen neue Laufschuhe verkaufst oder Fenster putzt: Du wirst Dinge darin finden, die nur du kannst. Den Schwung, das Weiterdenken, das Planen.

Es ist vollkommen egal, ob du Gasthermen wartest oder Fußböden schleifst, kunsthistorische Zusammenhänge herausfindest oder Sonntag nachmittags als Schiedsrichterassistent guckst, ob das eben Abseits war oder nicht.
Es wird diese eine Bewegung, diese eine Fähigkeit geben, die genau deine Bewegung ist. Deine Sekunde, dein Talent.

Manchmal ist es vielleicht schwierig, in diese Sekunde, in dein Talent hineinzukommen.
Gibt eben manchmal Hürden – vielleicht in Form von Blödis um dich herum oder in Form von Ablenkung oder irgendwas, was dich bedrückt. Aber du wirst es immer wieder schaffen.
Egal, ob du Eis verkaufst, ob du Jazz-Pianist bist oder ob du Kinokarten abreisst. Selbst wenn dein Talent für einen Moment unter einem Haufen Emo-Schrott verbuddelt ist: Es ist da.

Und wenn du diese eine Sekunde, nämlich deinen Moment gefunden hast, dann lass dich da reinfallen. Ist schließlich deine Sekunde.

Und wenn du gerade einen Menschen erlebst, der seinen vielleicht klitzekleinen Moment gefunden hat –  zum Beispiel im Baumarkt, wenn dieser schüchterne Verkäufer weiß, dass der 8er Bohrer vollkommen ausreicht, um dieses kleine Gewürzregal an der Wand über dem Herd zu befestigen und dass man vielleicht noch gucken sollte, dass es nicht direkt über dem Herd angebracht wird, weil man sonst beim Kochen mit den Töpfen da rankommen kann, dann bemerke es doch einfach und sag staunend „danke“.

Und wenn dir im Supermarkt jemand voller Inbrunst deinen Einkauf über den Scanner zieht und dich im größtmöglichen Supermarktstress anstrahlt und dir ein schönes Wochenende wünscht, dann wünsche doch einfach ein schönes Wochenende zurück.

Und wenn dir jemand die Tür aufhält, dir ein perfekt gezapftes Bier auf den Tresen stellt, dir (fast) schmerzfrei Blut abnimmt oder dir genau das Brötchen aus der Auslage gibt, das du haben wolltest, obwohl du nicht mal sagen musstest, welches du haben wolltest, dann bemerke es doch einfach und sag „Wow. Danke“.

Es kann nämlich sein, dass genau das der Moment dieses einen Menschen war. Und es kann sein, dass ein kurzes Lächeln und ein kleines Wertschätzen dieses kleinen Momentes den Tag dieses einen Menschen wirklich besser macht. Jeder Mensch, der ein Talent hat, freut sich, wenn das Talent bemerkt wird.

Vielleicht denken jetzt einige: „Boah. Nee, ey. Das sind vor Zucker triefende Zeilen, die sich wie Gelee durch meine Augen in mein Hirn drücken. Hat der SoBo so früh am Morgen Drogen genommen oder warum schreibt er so einen furchtbaren Rosamunde Pilcher-Motivations-Quatsch? Das ist wirklich schlimmer als ein schmalziger Schlagersänger im ZDF Fernsehgarten!!!“

Ganz so ist es nicht.

Meine Gedanken kommen aus einer anderen Richtung: Stress ist ansteckend. Hass ist ansteckend. Schlechte Laune ist ansteckend. Miese Gefühle sind ansteckend. Hatespeech ist ansteckend. Anrempeln ist ansteckend. Meckern ist ansteckend. Dieser komplette Kackhass, gerade hier im Netz, ist total ansteckend. Miese Laune XXL de luxe-Edition.

Und ich bin mir sicher, dass ein „Danke“ im richtigen Moment, ein Lächeln, Wertschätzung und Respekt, auch ansteckend sind.

Vergisst man nur manchmal. 

NICHT WEITERSAGEN!

Wenn man in New York ist, erlebt man unheimlich viel. Ganz einfach, weil einem diese riesige Stadt viel gibt. Sehr viel sogar. Und alles auf einmal. Ein paar Mal war ich da schon und habe meine Synapsen an das New Yorker Starkstromnetz angeschlossen. Informationen, bis die Drähte glühen – innerhalb von Nanosekunden.
Man kann gar nicht anders als gucken und glotzen und staunen. Und mal den Kopf aufmachen und mal ins Museum gehen, oder in dieses eine Café, von dem alle reden. Und auf jeden Fall auch mal in diesen einen Jazz-Laden, wo die Leute spielen, von denen man noch nie vorher gehört hat, von denen man aber später auf jeden Fall mal hören wird.

Ach, New York.

Dieser eine Geheimtipp-Jazz-Laden, in dem ich ein paar mal war, ist in einem Hinterhof, irgendwo eine gute halbe Stunde Fahrt mit der Bahn, dann noch ein paar Minuten zu Fuß.
Liegt in diesem einen Stadtteil, in den man sonst nicht so geht, irgendwo im East-End vergraben.
Aber wenn man schon in New York ist, na klar, dann kann man da mal eben hinfahren. Weil es sich immer lohnt – extrem gut kuratierte Abende vom Betreiber, der Musik liebt, der Musik ist. Die Stunden in dem Laden sind der perfekte Abschluss nach einer vollen Woche.

Die Bands, die da spielen, spielen da gern, wenn sie in der Stadt oder in der Nähe sind – weil da keine klassische Club- oder Konzertatmosphäre ist, sondern eine Mischung aus Proberaum, Bar und Wohnzimmer. Direkt vor der Bühne steht ein Sofa, der Sound in dem Laden ist exzellent und das Publikum weiß zu schätzen, was es da hört und sieht.

Die Bands, die kommen, wohnen da mehr als dass sie nur spielen. So nah ist man den Musikerinnen und Musikern sonst nur, wenn man selbst in einer Band ist.
Alles ist sehr intim und offen. Keine durchkonzipierten Konzertabende, die sich nach Plastik anfühlen und bei denen sich die Leute auf der Bühne fragen, in welcher Stadt sie eigentlich gerade sind.
Es gibt hier keine Hotelkettenbands, die sich Hotelkettenfrühstück reinschaufeln und nur da ihre Sets runterrotzen, weil es so im Plan steht, den der Bandmanager im Kokainwahn aufgestellt hat. Die Bands, die hier spielen, wollen hier spielen, weil es einzigartig ist.

Da ist das internationale Jazz-Kollektiv, das einem mit seinen Arrangements das Rückenmark auf links dreht und das Gehirn kalibriert. Mit der finnischen Trompetenfrau, die auch die Sängerin ist und die man spontan heiraten möchte, weil sie so toll ist. Die Band mit dem Drummer, der so spielt als hätte er vier Arme und dem Bassisten, der mit seinem Kontrabass irgendwann mal Nachwuchs zeugen wird und dem 22jährigen Pianisten, der spielt als käme er aus einer anderen Galaxie und wäre auf dem Halleyschen Kometen in die Stadt geritten.

Es gibt da experimentelle Jungs, die Elektronik und Jazz zu einem absonderlichen Abend mit der Sprengkraft von mehreren tausend Tonnen TNT vermischen und es gibt da offene Jam-Sessions, wo Leute aus der Szene hinkommen und sich ausprobieren. Ganz einfach, weil sie Bock haben. Das ist besonders.

New York ist aber auch einzigartig. Solche Orte gibt es eben nur da, in dieser Millionenstadt, wo es neben den Massenabfertigungsorten mit stumpfen Touristen und Feiermenschen eben auch sowas wie diesen Ort gibt. Wahrscheinlich ist das Verhältnis von Scheiss-Plätzen zu so einem wie diesem hier ungefähr 14999227:1.
Dieser Ort hier liegt in diesem halb-Industriegebiet, bisschen abgefuckt, bisschen gut, wo irgend so ein schrumpelig-legendärer Pizzadienst ist und gegenüber eine bunte Tankstelle und wo sich echt nur Freaks und Kenner hinverirren. Kommt man aber mit der Bahn gut hin. Geheimtipp. Hinterhof, Treppe hoch, zweiter Stock. Gibt da Erdnussflips und Hutkasse. Also nicht mal Eintritt. Die Getränke sind günstig. Alle sind nett. Sollte man lieber niemandem sagen.

Und ich mache es doch. Das mit dem Weitersagen.

Und kann an dieser Stelle auch verraten, dass man sich den Flug über den Atlantik sparen kann.
Der Club heißt „white cube“ und ist in Bergedorf, also Hamburg Ost.
Dauert ein paar Minuten, um dahin zu kommen, aber die Reise (die keine Reise, sondern eine schnöde Bahnfahrt mit der S-Bahn ist) lohnt sich sehr.
Der white Cube könnte sehr gut in New York stehen, Brooklyn zum Beispiel, da passt er wirklich gut hin.

Aber noch besser passt er dahin, wo man ihn nicht erwartet – weil man dort Abende erlebt, die man so nicht erwartet.

Geht da hin, erlebt was unterstützt die Leute da. Erlebt die Leidenschaft. Erzählt aber niemandem von dem Laden.

Hier gibt es alle Informationen: https://whitecube-bergedorf.de/program/

NUR DEUTSCH.

So viele strammdeutsche möchten ein reines, pures Deutschland wie früher. Weil da ja alles besser war. Sie wollen keine kulturellen Einflüsse von außen, alles muss so deutsch sein wie es geht. Ganz pur, ganz rein.
Sie haben Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“, vor „Umvolkung“, einige von ihnen leugnen den Holocaust, finden dass der Führer damals mehr richtig als falsch gemacht hat und bezeichnen den Nationalsozialismus als „Fliegenschiss in der deutschen Geschichte.“
Ein paar von den Deutschen sitzen sogar im Bundestag, spalten das Land mit Hass und Hetze und zersetzen die parlamentarische Demokratie.
Sie wollen die Macht. Und sie wollen „das Volk“.

Ok. Seid deutsch. Könnt ihr meinetwegen machen. Aber wenn ihr es wirklich ernst meint, gibt es ein paar Regeln: ihr müsst ausschließlich deutsch leben.

Das heißt:

Euren Toyota, euren Skoda, euren Hyundai, euren Renault, euren Kia, euer was-auch-immer lasst ihr stehen. Und wenn ihr jetzt denkt: „Gnorff Gnroff, ich fah´ VOLKSwagn!!1!!11“. Könnt ihr machen. Ihr solltet dann aber bitte so konsequent sein und die Steuergeräte für die Elektronik (kommt aus dem Ausland), die Reifen (Gummimischung aus dem Ausland), die Sitze (im Ausland zusammengenäht), das Radio (aus dem Ausland) und nicht zuletzt das Benzin (aus dem Ausland, wahrscheinlich aus den Vereinigten arabischen Emiraten!) nicht nutzen. Das heißt: ihr könnt eure zerpflückte Karosserie in den Vorgarten stellen, euch reinsetzen und so tun als würdet ihr mit 190 über die Autobahn fahren.

Wenn ihr konsequent seid, sitzt ihr nackt im Auto. Denn die Klamotten, die ihr tragt, kommen sehr wahrscheinlich nicht aus Deutschland. NIKE? In Indien zusammengenäht. Adidas? In der Türkei produziert. Levi´s? Judenmarke. H&M? Wird in China zusammengetackert. Von armen Menschen mit nicht-arischem Blut.

Hungrig wäret ihr auch. Döner? Pizza? Spaghetti? Nein. Nicht für euch. Auch nichts vom „Chinamann“, auch wenn euer Lieblingsessen „vom Schlizi“ Schweinefleisch süß-sauer ist.
Ihr könntet nicht mal nackt am Lagerfeuer sitzen und euch ein paar deutsche Kartoffeln grillen. Die haben ihren Ursprung auf der Insel Chiloé im Süden Chiles. Da leben Menschen mit braunen Augen und dunklen Haaren.
„Na unt? Dann brat ich mir ehm ein rosa Hausschwein!“
Nee. Geht auch nicht.
Erste archäologische Nachweise der Haustierwerdung gibt es aus der Zeit vor 9000 Jahren auf dem Gebiet der heutigen Osttürkei.

Eure Scheissmusik würdet ihr auch nicht hören können. Weder Schlager noch Rechtsrock. Die Gitarren, die Verstärker, der Effektgeräte: alles aus dem Ausland.
Helene Fischer: auch aus dem Ausland. Euer „blonder Engel“ wurde im sibirischen Krasnojarsk geboren. Radios und Anlagen? Sehr wahrscheinlich habt ihr zu Hause keine Volksverstärker stehen, sondern irgendwas Japanisches. Wieder „so Schlitzis.“

Nicht mal die AfD dürftet ihr wählen. Zum Beispiel ist in dieser Partei auch ein Dubravko Mandic. Der wurde in Sarajewo geboren.
Oder Markus Frohnmaier. Der kleine Brüllwürfel, der hervorragende Kontakte nach Russland hat, wurde in Rumänien geboren. Unwählbar.

Seid deutsch. Aber wenn, dann so richtig, richtig, richtig. Also komplett ohne Einflüsse von irgendwo anders. Wählt euch selbst. Pflanzt euch fort. Wenn ihr wirklich konsequent und sehr fleissig seid, seid ihr schon ganz bald bestimmt 12 oder 13 Leute. Irgendwann in 100 oder 200 Jahren.
Und ihr sitzt dann nackt vor einer Höhle im Wald und ärgert euch über die Wolken am Himmel, die keine Grenzen kennen.

Ach so, fast vergessen, für all die nicht-ganz-so konsequenten, die nicht nackt vor ihrer Waldhöhle sitzen wollen: Auf Facebook solltet ihr trotzdem nicht mehr kommentieren. Das Unternehmen gehört Mark Zuckerberg. Einem Amerikanischen Juden.

ABGELEGT. (I)

Der Mensch besteht zu 80 % aus Wasser. Die restlichen 20 % gehen für Knochen, Haut, Fett, Gelenkflüssigkeit, etwas Hirn, Muskeln und zu einem großen Teil auch für Vorurteile drauf.
Ich habe mich mal mit einem meiner Vorurteile auseinandergesetzt und versucht, es abzulegen.


Vorurteil: „Liegefahrräder sind richtig scheissepeinlich!“

Nur spaßbefreite Lötkolbenfans und Mathefreaks, allenfalls Maschinenbauingenieure fahren ein Liegefahrrad. Denn nur Mitbürger, die das Periodensystem der Elemente bei sich im Wohnzimmer hängen haben, sich für die Machart von Explosionen in Blockbustern interessieren und Konzerte anhand der gespielten Minuten beurteilen, haben wirklich kein Problem damit, für ihre Fortbewegungsart belächelt zu werden.

Sie tragen ja auch wasserdichte Handy-Taschen am Gürtel und immerscharfe Taschenmesser in der Multifunktionsjacke.

Und diesen Leuten ist ihr Image genauso egal wie ihre Frisuren. Oder ihr Anti-Image.

Ich selbst fahre viel Fahrrad; Rennrad, Klapprad, ich fahre tagsüber, abends, bei Sonne, bei Regen, bei jeder Jahreszeit. Jeden Tag. Und überall hin. Dabei lasse ich mich gern von Autofahrern anhupen und von Fußgängern anbrüllen.

Und natürlich bin ich auch einer von denen, die Liegeradfahrer nicht ernst nehmen können. Da bin ich aber einer fast 100 Prozent der restlichen Weltbevölkerung.

Wenn ich mein Lebensmischpult vor mir betrachte und den Regler mit den Vorurteilen mal runterziehe, stellt sich mir eine Frage: „Was genau ist eigentlich so peinlich an Liegerädern?“

Diese Frage drängte sich mir zumindest auf, als ich ein ziemlich muskulöses Exemplar vor mir stehen sah. Von hinten drückte sich mir eine bass-lastige Stimme eines silberhaarigen Herrn ins Ohr.

„Sie können gern mal ne Runde fahren“.

Was, wenn mich jemand sieht? Was, wenn ich mich blamieren muss? Was, und das wäre wahrscheinlich das Schlimmste, wenn – ich Gefallen daran finde? Nach 10218 weiteren „Was, wenn…“-Fragen hab ich mich fürs Ausprobieren entschieden.

Der Einstieg folgt nach Anweisung des Besitzers und nach einer bestimmten, meinem Bewegungsapparat völlig fremden Choreographie.

Sobald die Wirbelsäule sich an den gemütlichen Sitz geschmiegt hat und die Beine ausgestreckt sind, stellt sich fast so etwas wie das „gemütlich-auf dem-Sofa-sitzen-und-die-Beine-langmachen-Gefühl“ ein.

Die Nackenmuskulatur entspannt sich, die Arme sinken Richtung Asphalt und werden vom großartig konzipierten, weil perfekt liegenden Lenker abgefangen. Intuitiv greifen die Hände die Lenkergriffe.

Bremse, Schaltung, alles liegt fest und mit einem schon fast unheimlichen Vertrauensvorschuss in der Hand.

Die Augen gewöhnen sich schnell an die Perspektive, sitzend, knappe 30 cm über dem Boden Rad zu fahren.

Falsch.

Sie gewöhnen sich nicht daran, sie erinnern sich. Denn die Perspektive ist die Mischung aus kindlich-langsamen Kettcar fahren und dem beschriebenen auf-dem-Sofa sitzen. Mit dem Additiv der sehr schnellen Fortbewegung, welche nahezu mühelos und auf längeren Strecken mit großer Wahrscheinlichkeit schmerzlos vonstatten geht.

Das Fahren mit einem Liegefahrrad ist weniger Fahren als vielmehr Gleiten. Was von Außen betrachtet lästernswert aussieht, ist, subjektiv gesehen, elegantes Vorankommen, und zwar immer schön mit den eigenen Füßen im Blickfeld. Die Lenkung arbeitet extrem präzise, der Wendekreis ist erstaunlich klein.

Trotzdem dürfte ein Liegerad seine Stärken auf langen Geraden haben.

Und, ja, man sieht die Dinge anders: Dickwanstige Modehunde begegnen einem auf Augenhöhe. Genauso Kniescheiben von Fahrradfahrern und Stoßstangen von Kleinwagen. Fährt man an einem SUV vorbei, kann man hervorragend in den Radkasten sehen und sich von dem Zustand der Stoßdämpfer überzeugen.

Was erst ziemlich spät auffällt: Gegenwind ist egal, denn der ist für die da oben. Für genau die, die einen belächeln, was einem nach einer Zeit ziemlich schnuppe sein dürfte.

Ich habe mich herabgewagt auf das Liegefahrrad und gleichzeitig mein körpereigenes Vorurteil-Kellergewölbe und finde: Liegefahrräder sind keine Beleidigung für den Radweg. Sie sind längst nicht so peinlich, als dass man es nicht wenigstens einmal ausprobieren sollte.

Einen ziemlich großen Nachteil gibt es aber: Es macht keinen Spaß, mit einem Liegerad auf eine viel befahrene Kreuzung zuzufahren und zu gucken, ob von links oder rechts etwas kommt. Die Füße im Blickfeld, den Kopf am Heck.

Ein einzigartiger Vorteil: Mit einem Liegefahrrad macht man wahrscheinlich auch im Autokino eine gute Figur. Natürlich nur wenn man Lästerresistent ist und Blockbuster mag.

GREAT GAME! IT´S GREAT!!!

Es wird vom „Trump-Zeitalter“ gesprochen.
Ein narzisstisch gestörter Mann, dessen Kopfinhalt dem stinkenden Darminhalt nach einer durchzechten und durchdöneren Nacht entspricht, ist der (nach eigenem Ermessen) mächtigste Mann der Welt.

Der Mann ist nicht ganz dicht. Und trotzdem ist er amerikanischer Präsident. Eigentlich wäre er die perfekte Besetzung für eine bissige, schmierige, zynische Komödie über Machtmissbrauch, über Tölpeligkeit, über Gesichtsentgleisungen.
Der Mann ist die Mimik von Luis de Funès mit der Trotteligkeit eines besoffenen Benny Hills, der Widerwärtigkeit eines Harvey Weinsteins und dem Humor einer Steuererklärung. Ein Film mit dem Typen wäre schmerzhaft anzusehen, an einigen Stellen bestimmt auch lustig.
Am Anfang, als er darüber redet, wie man Frauen in den Schritt fasst…“, oder „die Stelle, wo er der deutschen Kanzlerin den Handschlag verweigert….“, oder „allein wie der Typ ins Flugzeug steigt....“ oder „wie der redet….“.
Tja.
Leider haben Realität und Leinwand kurz die Rollen getauscht.

In ein paar Jahren werden Kinder im Geschichtsunterricht anhand seiner Tweets die Geschichte rekonstruieren können. Wenn es dann noch Geschichtsunterricht gibt.

Das Fatale: Donald Trump ist vielen ein Vorbild. Und weil sie sehen, dass man mit diesem beschissenen Verhalten nach ganz oben kommt, machen sie das auch.

Sie reißen ihr Maul auf, lügen, beleidigen, grabbeln, hetzen, sind hinterf***ig und ekelig, sie bedrohen, machen Leute fertig. Weil es geht.

Ob sie nun Stephan Brandner, Nigel Farage, Jair Bolsonaro oder Alice Weidel heißen. Ob sie das ätzende Kind auf dem Schulhof sind, das Mitschüler fertig macht oder ob sie der miese Chef sind, der Frauen angrabbelt und Leute rausschmeisst, ganz einfach, weil er es kann.

Es ist gerade angesagt, mit der Macht zu spielen.
Herzlich Willkommen im Trump-Zeitalter.

DLANOD PMURT

Der krasseste, mieseste, ätzendste, widerlichste, am schlechtesten frisierte, hässlichste und am schlechtesten ausgedachte Bösewicht aus dem Marvel-Universum:

Der EVILDENT OF THE WORLD!

Er fasst Frauen in den Schritt, er vergewaltigt, er bedroht, er wütet.
Er spinnt Intrigen, er feuert Mitarbeiter schneller als ein MG60 Patronen durch den Lauf jagen kann. Er streut Hass wie ein Krebsgeschwür Metastasen. Er verarscht alle und jeden.
Er schreit, er riecht schlecht. Er bekämpft das Gute mit schlechten Deals.

Seine Superkraft: Lügen.
Innerhalb kürzester Zeit hat er 13.435 Lügen und Falschbehauptungen in die Welt gesetzt. (https://www.washingtonpost.com/graphics/politics/trump-claims-database/)

Seine Hauptwaffe: TWITTER und DEALS!

Er sieht aus wie eine gelbhaarige Eierspinne, sein Steak iss er blutig, am liebsten, wenn es noch zuckt. Mit seinen Keramikzähnen reißt er Kühen das Fleisch aus den Schenkeln. Dann spuckt er seinen Verdauungssaft auf den Batzen, wartet ein paar mit Lügen gefüllte Sekunden und schlürft dann den Brei durch seinen Rüssel ein. Am liebsten würde er das auch mit Menschen machen, am allerliebsten mit seinen politischen Gegnern. Er will die Welt vernichten. 

Und er hat DEN KOFFER!

Allein kann ihn niemand besiegen. Deshalb braucht es die gebündelte Macht des Guten.

Können Spiderman,Thor, Mister Fantastic, Power Man, Ghost Rider, Hulk, Iron Man, Jessica Jones, Boombergman und vor allen Dingen Alexandria Ocasio-Cortez ihm den Koffer und den Code entreißen?

Das Böse wächst mit jeder Lüge und wird immer mächtiger.

Spoiler: Nein. Können sie nicht.

Der einzige, der ihn zum Einsturz bringen kann, ist er selbst! Er kann nur über die Stricke seiner Lügen fallen – und die Welt muss ihm dabei helfen. Wie? Politiker dürfen ihm nicht mehr die Hand geben und ihn anlächeln. Sie dürfen bestenfalls nicht mehr mit ihm sprechen. Außenminister aller Länder sollten ihn nicht mehr treffen wollen. Denn seine Deals sind eh mies.
Talkshowmoderatoren sollten ihn öffentlich nur noch auslachen.
Zeugen sollten gegen ihn aussagen. Untersuchungsausschüsse müssen die absolute, faktensichere Wahrheit rausholen. Zeitungen müssen sich gegen seine beschissenen Fake-Behauptungen wehren. Und Twitter sollte ganz dringend seinen Account sperren. Das Böse, was wirklich wie eine schlecht ausgedachte Comicfigur klingt, aber leider wahr ist, muss ausbluten.

Nur so kann die Allianz der Wahrheit ihm dabei helfen, über seine eigenen Lügen zu stolpern.

Denn was die Welt merken muss:
Er ist das Böse.
Seine Deals sind scheiße.
Außerdem twittert er beim Kacken.

PURE DOMINANZ.

Wenn man zufällig während der Brunftzeit irgendwo in der amerikanischen Steppe unterwegs ist und einen 900 Kilo schweren Bisonbullen mitten im Begattungsvorgang von einer Kuh pflückt, wenn man dann das gesamte Bullensperma auffängt und das ausgeschüttete Testosteron und den krassen Brunftgeruch extrahiert und in einen laschen Typen reinpumpt, der früher zu viel Nachhilfeunterricht und zu wenig Liebe bekommen hat und das heute mit Krokodillederschuhen und miesem Arschlochverhalten kompensieren muss, hat man genau die Zielgruppe, für die die Produktmanager von BMW den neuen X6 M Competition entworfen haben.

Weiche Schlaffis, die ihr verkrüppeltes Ego, das eigentlich so stark ist wie ein warmer Furz, mit dem in Blech gepressten, offiziellen BMW X6-Leitgedanken „PURE DOMINANZ“ aufpusten müssen.

Das sind Leute, die kein Problem damit haben, im Jahr 2019 für ein Auto mit 625 PS knapp 180.000 Euro auszugeben. Leute, bei denen auf jeden Fall nicht das Gewissen dominiert, sondern der Hedonismus, der offene Benzinhahn, das Gaspedal, der Ellenbogen.

Markus Flasch, Leiter der Geschäftsführung BMW M GmbH, über den Wagen:


„Der BMW X6 M Competition macht auf den ersten Blick klar, was in ihm steckt.“

Genau. In dem Wagen steckt zu viel von allem.
Der BMW X6 M Competition ist das Gesicht von Harald Glööckler als Auto. Allerdings mit dem Gehirn einer Teppichmilbe und dem mit Drogen zugespachtelten Gewissen von Jordan Belfort, dem Hauptdarsteller aus „Wolf of Wall Street“.
Der Wagen ist für Leute gemacht worden, die ihre Exaltiertheit wie einen Pelzmantel, der aus dem letzten sibirischen Tiger genäht wurde, tragen müssen. Ganz einfach weil sie es können. Der Wagen ist das Blech gewordene Spiegelbild der Gesellschaft.
Wenn man schon in den Weltuntergang fährt, dann wenigstens ausreichend motorisiert und mit den richtigen Sonderausstattungen versehen.

Zum Beispiel mit der Akustikverglasung für € 600,-.
Denn die ekelerregenden Geräusche, die entstehen, wenn man z.B. mal einen Hund, ein Kind oder einen Radfahrer überrollt, sollen nicht in den Innenraum dringen. Wäre nicht schön.

Und der Duft der Außenwelt, egal, ob blühende Rapsfelder, brennende Kohlekraftwerke oder brennende Vorstädte, soll auch schön draußen bleiben. Deshalb gibt es das „Ambient Air Paket“ für zarte € 350,-.
Hier kann man aus einem Buffet von künstlichen Duftaromen sein eigenes Geruchspaket zusammenstellen. Wo sich das Prekariat einfache Duftbäume an den Rückspiegel hängt, kann die verwöhnte Nase hier Düfte mischen.
Es wird in jedem X6 riechen wie in einer Douglas-Filiale an einem Samstag vormittag. Aber vielleicht gibt es ja auch Büffelsperma als Aroma?

Natürlich verfügt das Auto über eine Gestensteuerung. Damit kommt man
der Zielgruppe entgegen, die es nicht anders kennt, dass auf cholerische Anfälle (in Meetings, beim Ehestreit, beim Shoppen) oder auf das Zappeln bei einer Überdosis reagiert wird.
Die Kopf-ab-Geste ändert zum Beispiel Lieder oder beendet Telefonate. Hektisches Zucken mit unkontrolliertem Röhren schaltet das Gebläse an, wenn das Prozac mal nicht anschlägt und man wütend durch die Luft fuchtelt, blättert man automatisch das digitale Telefonbuch durch und landet wahrscheinlich beim BMW-Concierge, der einem den Weg in die Betty Ford-Klinik vorschlägt.

Für die Türen können sich die Kunden eine „Soft Close-Automatik“ bestellen. Kostet € 650,-.
Auf der Website steht: „Die Soft-Close-Automatik für die Türen bringt die Raffinesse und die Souveränität des Fahrzeugs bestens zum Ausdruck.
Sie ermöglicht ein bequemes und sicheres Schließen der Türen ohne viel Kraftaufwand und störende Zuschlaggeräusche.“
Es werden sich Millionen Menschen über heftige Zuschlaggeräusche beschwert haben, deshalb dieses sinnvolle Extra.
Muss man sich mal vorstellen, wie ein irgendein solventer Muskelrapper mit Wurstpenis, der aussieht und riecht wie ein Gorilla, aus dem Bodybuilding-Studio kommt, seine Gucci-Tasche auf den Rücksitz schleudert und die Tür sich mit einem leisen bzzzzzzzzzzzz automatisch zuzieht. Das ist echt hart.

Dass die Sitze eine Massagefunktion haben, war nicht anders zu erwarten. Dass man sich eine Carbon- Motorhaubenabdeckung für € 1.200- bestellen kann: wird den BMW-Mechatronikern, die das Ding jedes Mal abbasteln müssen, wenn sie den Motor sehen wollen, ein müdes, Kopfschütteln entlocken. „Nicht noch so einer…“

Am zeitgemäßesten von allem ist die BMW-Niere, die den Namen „Iconic Glow“ trägt. Allein für die Namensgebung möchte man den Leuten, die es sich ausgedacht haben, die ein oder andere BMW-Niere an die Stirn nageln.
Für schlappe € 500,- kann man den Kühlergrill, der ungefähr den Grundriss einer 1,5 Zimmer-Wohnung hat, leuchten lassen.
So kann man auch am Ende einer Fahrt sehr gut sehen, wo in den Gitterstäben sich mal wieder ein Rehbock oder ein lästiger Kleinwagen verfangen hat.

Schätzungsweise wird der BMW  X6 M Competition im Modelljahr 2022 mit dem Motor eines Kreuzfahrtschiffes (wird dann mit Welpen, Kindern und Hartz4-Empfängern betankt), mit Panzerabwehrraketen im Kühlergrill, mit Sitzen aus Nashornleder, mit Webergrill im Handschuhfach, mit einem Puff im Kofferraum und natürlich einem diamantbesetzten „FUCK YOU GRETA“-Emblem angeboten.

Ist ja eh alles egal.
Das Motto wird dann nur kurz angepasst:

PURE IGNORANZ.

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Hier geht es zur Website. (Und: ja. Ich weiß, dass ich den Hersteller BMW und die „M GmbH“ in einen Topf werfe. Nur falls sich jemand darüber aufregen sollte. Aber dieser werksgetunte Wagen wird offiziell auf der BMW-Website angeboten.)

https://www.bmw.de/de/neufahrzeuge/m/x6-m/2019/bmw-x6-m-automobile-ueberblick.html

KLEIN ANFANGEN.

Das Abgleiten in Richtung Hass, Spaltung und Negation ist eine gesellschaftlich Kontinentaldrift in Zeitraffer. Und wir alle sind mittendrin. Es gibt eigentlich nur drei Möglichkeiten:

1. Mithassen. Mitlügen. Mitspalten
2. Schweigen
3. Was machen.

1 und 2 sind die Punkte die den ganzen Populisten, also der AfD, einem Donald Trump, einem Jair Bolsonaro, einem Matteo Salvini, einem Recep Erdogan, einem Viktor Orbán, einem Nigel Farage und den ganzen anderen gefährlichen Typen Erfolg bringen. (Und natürlich auch damals einen Adolf Hitler an die Macht gebracht haben.)
Auch Schulterzucken und Schweigen hilft denen.

Lasst doch einfach was ändern. Also Punkt 3.

Da die großen Veränderungen gerade irgendwie nicht hinzubekommen sind, weil jede größere Entscheidungen erst durch eine gallertartige Zeit-Raum-Masse gequetscht werden muss, bevor etwas Spürbares passiert, sollten wir vielleicht erstmal wieder klein anfangen.

Ich bin echt kein Typ für Listen. Aber trotzdem habe ich eine kleine Liste geschrieben.

Wenn ein paar Menschen ein paar dieser Dinge davon machen, wird der Moment besser. Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr gute Momente. Und je mehr gute Momente, desto weniger Groll, Hass und der ganze Scheiß, der jeden von uns runterzieht wie eine Tonne Blei.

Hier also die Top 33 der kleinen Dinge, die vielleicht Großes bewirken können:

1. „Hallo“ oder „Guten Tag“ sagen.
2. „Danke“ sagen
3. „Bitte“ sagen. 4. Nachfolgenden Leuten die Tür aufhalten.
5. Wenn man Einkaufen geht, die Omi (oder den Opi) von nebenan fragen, ob man etwas mitbringen soll.
6. Jemandem Hilfe anbieten.
7. Zuhören.
8. Beim Abbiegen blinken.
9. Im Supermarkt heruntergefallene Sachen aufheben und zurück ins Regal stellen.
10. Den Müllmännern, den Putzleuten im Hotel oder den Leuten, die bei H&M die T-Shirts falten, „danke“ sagen – und es ehrlich meinen.
11. Leute ausreden lassen.
12. Im Auto: nicht Wut-hupen. Möööööp! Mööp! MÖÖÖÖÖÖP!!!
13. Kinder ernst nehmen.
14. Nicht unbedingt recht haben wollen. Vor allen Dingen nicht, wenn es nicht so ist.
15. Freundlich sein.
16. Lächeln.
17. Einem Obdachlosen Beachtung schenken.
18. Einen Obdachlosen fragen, ob man etwas für ihn tun kann.
19. Gegenargumente anhören, nicht reflexmeckern.
20. Mal wieder über den eigenen Schatten springen.
21. Wenn man sexistischen / homophoben / rassistischen Scheiß hört, den Mund aufmachen.
22. Ein Buch im Buchladen kaufen.
23. Einen Waldspaziergang machen, über die Bäume staunen.
24. Für Freunde da sein.
25. Sich mal wieder bei den Eltern bedanken.
26. Am Ende einer Rolltreppe weitergehen – nicht stehen bleiben.
27. Komplimente machen.
28. Nicht belehren.
29. Zugeben, dass man etwas nicht weiß, wenn man etwas nicht weiß.
30. Leuten Erfolg gönnen.
31. Regenwürmer vom Asphalt aufheben und auf die Erde legen.
32. Mal nicht zynisch, ironisch oder sarkastisch sein.
33. Leuten mal die Vorfahrt lassen.
34. Sich entschuldigen, wenn einem ein kleines Missgeschick passiert ist. Sorry!
35. Nicht alles sofort verurteilen.
36. Nach vorne gucken.
37. Diese Liste im Kopf weiterspinnen.