SOCIAL MEDIA

Die sozialen Medien gehören mittlerweile zum Alltag wie die FFP2-Maske. In regelmäßigen Abständen ploppen neue Kanäle und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten auf, die von den Communities gehassliebt werden wie eine Tüte Chips, die man sich beim Binge-Watching reinzieht. Hier eine kleine Übersicht.
(Quelle: Internet.)

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Facebook ist das Altenheim der sozialen Medien. Verknöcherte Gichtfinger hämmern hier größtenteils Inhalte in die Tastatur, in denen aufgezeigt wird, was früher alles besser war.
Kommentarspalten werden mit Lachsmileys und Denken geflutet, das so fortschrittlich ist wie ein VHS-Recorder. „Wisst ihr noch? Damals, der Rübenkaffee 1945 / 46. War gar nicht so schlecht.“ und „Unter fünf Liter spricht man nicht von Hubraum!“
Facebook hat mittlerweile das Image von Phil Collins in seinen schlechtesten Zeiten oder einer juckenden Geschlechtskrankheit. Über 31 Millionen Leute sind aber immer noch hier. „Aber nur wegen der Nachrichten.“

Instagram ist der Spiegel im Flur, in den man guckt, bevor man rausgeht, den Schal noch ein bisschen zurecht zupft und die eine störrische Haarsträhne hinters Ohr klemmt.
„Passen die Schuhe zum Gürtel? Ist der T-Shirt-Kragen gut so? Was ist mit der Tasche? Soll ich nochmal tauschen…..Moment….“
Für viele ist es auch der Spiegel, der über dem Bett hängt, in den man guckt, während man es sich selbst macht. „Och ja, ich würde mich ja selbst f***en.“
Auf Instagram sind die Leute, die nicht mehr auf Facebook sind, weil Facebook ja eine miese Datenkrake und Instagram ja viel geiler ist. Dass Instagram = Facebook ist, wird geflissentlich wegignoriert und hinters Ohr geklemmt wie eine störende Haarsträhne.

YouTube ist für die einen das eigene Medienimperium, wo man zu einer Mischung aus Rupert Murdoch, Markus Lanz und Tim Mälzer wird und sich mit ganz neuen Formaten selbst verwirklichen kann. „Guck mal, schon 39 Views für meine Panflöten-Bauanleitung aus Strohhalmen und Kabelbindern.“
YouTube verhält sich in den allermeisten Fällen zu einem professionellen Medienunternehmen wie ein Lego Duplo-Starter-Set zu einer 30 Quadratmeter großen Platine der NASA.
Für sehr viele andere ist YouTube die TV-Fernbedienung mit Drölfundachtzig Milliarden Tasten und Kanälen.
Jetzt Drölfundneunzig.

TikTok ist die kleine Dose Red Bull.
Der schnelle visuelle Experimentierkasten mit Häppcheninhalten, die irgendwo zwischen Hirnrinde und Auge passen.
Alles ein bisschen bunt und klebrig und schnell wegkonsumierbar.

Vimeo ist das ARTE der Videoplattformen.
Wie ein Abendessen bei einem Architektenpaar, das nur japanischen Geheimtipp-Jazz aus einer High-End-Anlage mit Boxen aus der schwäbischen Boxen-Manufaktur hört und wo es zu kanadischem Räucherlachs Gespräche über das Feuilleton aus der NY Times gibt.

Twitter ist die Bare-Knuckle-Kampfarena für Leute, die sich größer und wichtiger fühlen als sie sind.
Hier gibt es einfach straight aufs Maul. Egal, von wem. Egal, für was.

LinkedIn ist der Mittvierziger, der nochmal durchstartet und sich fühlt wie ein Mittzwanziger, der schon so viel Plan hat wie ein Mittvierziger.
Kein Alkohol, keine Drogen, kein Fleisch, kein Zucker mehr. Nur noch sanft aufgebrühten Tee und das Surfcamp in Portugal. Und Yoga.
Und der einem ungefragt vom Lebenswandel und den neuen Projekten erzählt. (Eine App, die ausrechnet, welche Wellen an welchem Strand gut für dich sind. In Bezug auf Gewicht, Können und Körpergröße, dazu gibt es echt gute Ernährungstipps für schlappe 10,99 € im Monat.)

Snapchat ist der kleine Laserpointer, mit dem man Katzen ärgert. Die armen Viecher (User:Innen) hechten einem visuellen Reiz hinterher und zack – ist der auch schon wieder weg.

Clubhouse der exklusive norwegische Coffee/Barbershop-Geheimtipp, wo man beim Warten auf den Kaffee (die Bohnen werden mit einem handgeschmiedeten Bohnenlöffel aus einer alten norwegischen Fischerdose in einen Steinmörser gelegt und da langsam mit einem Walzahn gebrochen und gemahlen) echt suuuuuuuperinteressanten Gesprächen lauschen kann.
Und der bald wieder schließen wird.

Xing ist der Typ im Karohemd auf der WG-Party, der sich gerade die achte Portion Kartoffelsalat vom Buffet auf seinen Teller schaufelt und der nach dem elften Bier die Flasche Hela-Curry-Ketchup ext.

Pinterest ist die vollgeklebte Kühlschranktür von Lisa in ihrer ersten Wohnung. Voller schöner Farben, Sofas und Sonnenuntergänge, die von halblustigen Kühlschrankmagneten festgehalten werden.

Fax machine ist beliebteste social Media-Tool für 80 % aller Deutschen. Allerdings ganz modern mit Thermopapier.



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