14. 6. 7 n.Cor

Vielleicht wird die Zeit ab jetzt in v.Cor und n.Cor eingeteilt. „Wann wurde das Automobil erfunden? 134 v. Cor.“ „Wann wurde John F. Kennedy erschossen? 57 v.Cor.“ „Wann war das mit der Statue?“

Wir schreiben das Jahr 7 n. Cor.

Die Menschen in Deutschland und Europa dürfen endlich wieder alles machen, dürfen rausgehen, dürfen sich treffen und zusammen feiern. Viele schaffen das mit dem Rausgehen allerdings nicht, weil sie verlernt haben, durch Türen zu gehen.
Die BILD nutzt den Schwung, es gibt jeden Tag die Josef Fritzl-Kolumne mit Tipps für Menschen, die zu Hause gefangen sind.
Im Netz gibt es Millionen Clips, in denen Menschen gegen Türrahmen laufen. „Habt ihr den gesehen, der sich den Kiefer gebrochen hat? Guckt euch mal die Zeitlupe an!“
Die Bauindustrie reagiert auf diesen Nebentrend, Türen werden größer, Türrahmen werden gummiert. „Soft door“ nennt sich das. Eine Haustür kostet so viel wie ein Kleinwagen.

Die Leute, die (einigermaßen unbeschadet) rausgehen und sich spontan in Parks und auf Parkdecks von Einkaufszentren treffen, haben in der Wohnzimmereinsamkeit verlernt, sich zur Begrüßung die Hand zu geben. In YouTube-Tutorials kann man es zum Glück nachgucken, macht aber so gut wie niemand. Die Leute haben sich digital satt gesehen, wollen echten Kontakt. Haut auf Haut.
Wie ging das nochmal? Wie fühlt es sich an?

Die meisten Menschen sind komplett enthemmt, lecken sich zur Begrüßung spontan ab, berühren sich überall, schnüffeln am Po wie Hunde.
Denn der Trend, der sich viral verbreitet, lautet „social nearing“.

Folgen der langen Einsamkeit zu Hause: Duschen ist out. Frisuren sind egal. Etikette ist was, was man gestern hatte. Jetzt wird gefurzt, gerülpst, gegrabscht. Menschen, die früher mit Haarschaum komplizierte Frisurentürme gebastelt haben, bevor sie aus dem Haus gegangen sind, pendeln in der Entwicklung wieder Richtung Höhlenmensch. Überall werden Feuer gemacht, Tiere erlegt und gegessen.
Das Wort „Hausmannskost“ ist verboten. Wer es trotzdem sagt, wird auf der Stelle verhaftet.

Restaurants sind Plätze für Orgien. Es ist vollkommen normal, am Buffet zwischen Kartoffelsalat und Mangoldcrèmesüppchen zu knattern. Gäste kommen eh fast nackt. Aus „All you can eat“ wird „all you can_____“.

Benzin wird mit der Lockerung sofort wieder teurer – egal. Man besorgt sich natürlich online günstige Mikrokredite, um sich Treibstoff zu kaufen.
Man tankt das Auto voll und stellt sich zu den anderen in den Stau auf die A7. Die Schlaglöcher dort sind riesengroß.
Viele fixieren den Hupknopf mit Klebeband, feiern Stau-Orgien. Auf dem Pannenstreifen werden Nackensteaks gegrillt. Alles entlädt sich.

Adidas wird in allen großen Städten Mundschutz-Flagship-Stores errichten und die Mieten bis zum Jahr 30 n. Cor im Voraus gezahlt haben.
„Systemrelevante“ Berufe sind für kurze Zeit modern. Als aber auf Instagram und TikTok Accounts mit Dekubituswunden und den leeren Blicken von Alzheimer-Patienten geflutet werden, sind doch schnell wieder andere Berufe angesagt.
Banker zum Beispiel. Oder Store-Manager bei adidas.

Die AfD ist zu einer angemessen kleinen Rotzbude geworden und arbeitet noch am Maßnahmenpaket gegen das Virus. (Und auch am Rentenpaket)
Alice Weidel sitzt da zusammen mit Björn Höcke und Stephan Brandner.
Sie falten Schiebermützen aus Aluminiumfolie für die Reichsbürgerbewegung und beleidigen alles und jeden.
Christian Lindner hat auch so eine Mütze, erzählt man sich. Er soll damit heimlich vor dem Spiegel stehen, sanft hin- und herschwingen und Xavier Naidoo-Songs singen. Sind aber unbestätigte Berichte.

Mercedes Benz stellt Möbel her. Jörg Meuthen ist mit seiner Partei „Die Enttäuschten“ gescheitert.
Angela Merkel ist mit den Worten „Ok, na gut, ich machs“ erneut Kanzlerin geworden.

Aber alle Nachrichten, alle Bilder, alle Informationen sind nichts gegen „TBSOGD.“

In New York steht die Freiheitsstatue jetzt im Schatten einer 984 Meter hohen Donald Trump-Statue. „The biggest statue of greates deals“.
Unter der Kappe, auf der „Amerika first!“ blinkt, lugen ein paar blonden Haare vor. Sie sind aus feinen Goldfäden gesponnen, die im Wind wehen.
Die Statue brüllt jedes einzelne Wort, das Donald Trump jemals gesprochen haben wird, mit 45000 Dezibel in die Welt. Wenn der Wind günstig steht, kann man es in überall auf dem Planeten hören.
Und an der Ostküste der Vereinigten Staaten sind 90 % der Menschen taub.

„The biggest statue of greates deals“ wird am 14. Juni 7 n.Cor mit einem Event, das am ehesten mit einem Meteoriteneinschlag zu vergleichen ist, enthüllt.

Es bleibt laut.

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