NORMAL.

Momentan wird viel über das „New Normal“, das „neue normal“ diskutiert. Schlaue Köpfe versuchen, die Gewohnheiten und den Konsens so hinzubiegen, dass sich das Leben, das tägliche Miteinander, tatsächlich irgendwie normal anfühlt: Maskenpflicht, Homeschooling, Geisterspiele, Videokonferenzen, Einreisebeschränkungen, Kontaktverbot, Umarmungen, und so weiter.

Bevor man sich über das neue normal den Kopf zerbricht, sollte man auch mal gucken, was das „alte normal“ ist und war.
Und was davon auch im neuen normal stattfinden soll.

Dazu ein paar Fragen:

Wie konnte es für viele Menschen normal werden, unbedingt jeden Tag Fleisch essen zu müssen?
Zum Beispiel irgendwelche zusammengefegten Fleischreste, die in Tierdärme gestopft werden, für die die Hackfresse Dieter Bohlen mit den Worten: „Mann, ist das ne Wurst!“ eine ziemlich sexistische Werbung gemacht hat.
Oder diese trostlosen schrumpeligen Bockwürste, die es an fast jeder Tankstelle an der Kasse gibt. Wer will die essen? Und wer isst die? Und warum? Wann ist es normal geworden, dass in jedem größeren Supermarkt eine Fleischtheke von der Länge eines Linienbusses steht?

Wann ist es normal geworden, dass Menschen, die es sich leisten können, sich aus ihrer Eigentumswohnung in den Fahrstuhl Richtung Tiefgarage schleppen, um dort in den komplett übermotorisierten Neuwagen zu steigen und damit in die Tiefgarage vom Gym zu fahren, wo man eine Runde auf dem Laufband schwitzt?

Wie konnte es normal werden, dass Leute, die eine in einem Garten gewachsene Gurke sehen, sagen: „Krass! Die sieht ja echt aus wie eine aus dem Supermarkt!“

Warum konnte es normal werden, dass man mal eben kurz zum Shopping nach Barcelona oder London oder Mailand fliegen kann?
Für 16 Euro.

Wann ist es normal geworden, dass nicht alle Kinder in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, dieselben Bildungschancen haben?
Und: wann ist es normal geworden, dass es allein in Deutschland tausende Kinder gibt, die in Armut leben müssen?

Warum ist es normal geworden, dass rechtsradikale den Diskurs bestimmen?

Warum ist es normal geworden, dass es eine „dritte Welt“ und „Schwellenländer“ und „Industrienationen“ gibt?

Wann ist es normal geworden, dass Verschwörungstheoretikern, Populisten, Spaltern, Zersetzern und Hassmenschen zugehört wird – und dass Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen wollen, ausgelacht werden?  

Wann ist es normal geworden, dass aus sozialen Medien sie asozialen Medien geworden sind?

Warum sind Waffenexporte normal?

Wann wird es normal, nicht rassistisch zu sein? Wann wird es normal, nicht sexistisch zu sein? Wann wird es normal, nicht homophob, nicht antisemitisch zu sein? Wann wird es normal, dass alle Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Klimakatastrophe wenigstens einzudämmen, tatsächlich ergriffen werden?
Wann wird es normal werden, Menschen und ganze Kontinente nicht mehr auszubeuten?

Wann kommt „the wise normal“, die „vernünftige Normalität“?

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