@REALDONALDTRUMP

Das Privatunternehmen Twitter hat das Privatkonto von Donald Trump gesperrt.

Es hat erst die Stürmung des Capitols gebraucht.
Es hat Bilder eines QAnon-Freaks im Büffelkostüm, der das wichtigste Rednerpult Amerikas durch die Gegend trägt, gebraucht.
Es hat bewaffnete, gewaltbereite Extremisten gebraucht, die darauf vorbereitet waren, Geiseln zu nehmen.
Es hat ein paar (zum Glück nicht gezündete) Sprengsätze in Washington gebraucht.
Es hat Angst und eine Erschütterung gebraucht.
Es hat Verletzte gebraucht.
Und es hat fünf Todesopfer gebraucht.

Aus Gedanken werden Worte. Aus Worten werden Taten.

Hier sind aus Worten Taten geworden – auch um gewaltige, ikonische Bilder zu produzieren, die zeigen, wie angreifbar die USA sind, wie verletzlich die Demokratie ist.
Bilder, die sich in die Geschichtsbücher einbrennen, die in gedanklicher Nähe zu den brennenden Twin Towers stehen werden.
Diese Bilder wollte Trump haben und er hat sie mit dem Büffelmann bekommen.

Die Stürmung des Capitols hat gezeigt, wie schnell Dinge außer Kontrolle geraten können. Und sie haben vor allen Dingen gezeigt, wie mächtig Worte, wie mächtig die sozialen Medien als Verstärker sind.

88,7 Millionen Follower können jetzt nicht mehr von Trumps Lügen aufgestachelt werden.
Zumindest auf Twitter.
Donald Trump wird natürlich einen anderen Weg finden, Bilder zu kreieren, die die Welt verändern. Vielleicht mit der nächsten Live-Ansprache auf Fox. Oder durch seine treuen Republikaner wie Ted Cruz, Matt Gaetz oder seinen Schwiegersohn.
Vielleicht geht er auch gleich rüber zu Michael Wendler und Attila Hildmann. Ist dann auch gleich auf einem russischen Server. Praktisch!

Donald J. Trump hat in den vier Jahren seines Wirkens eines geschafft, bzw. geschaffen: Das Wortmonster „Trumpismus“ – die durch Lügen und Hetze angereicherte, verschärfte Form des Populismus. Inkl. Faschismus.

Sein Regierungsstil (wobei „Stil“ hier vollkommen falsch ist) wird sein Twitter-Wirken und ihn selbst als orangefarbenen Fleischklumpen überleben.

Trumpismus wird es noch in zig Jahren geben.

Diese politische Ideologie, die die Kraft hat, sich wie ein Krebsgeschwür durch die Demokratie zu fressen. Eine lügendurchtränkte Schlagwortpolitik, mit der man die Dummen und die Lauten hinter sich versammeln kann. 88,7 Millionen Menschen auf Twitter. 75 Millionen Menschen bei der Wahl.

Seine Politik funktioniert mit wenigen Zeichen und kann einen Nachrichtenkanal in einen verlogenen Propagandakanal verwandeln. Seine Politik ist keine Politik, sondern ein einziges Anschreien.
LAUT! VERLOGEN! GEGEN DIE WAHRHEIT!

Eine Politik, die zerstörerische Bilder will: Angela Merkel nicht die Hand geben. Die amerikanische Flagge würgend umarmen. Menschen mit Behinderungen nachäffen. Swat-Teams, die BLM-Protester wegtreten. Menschen, die das Capitol stürmen. Die haben übrigens Flaggen dabei gehabt, aber nicht Stars&Stripes, sondern „Trump is my president“. Allein das ist vollkommen irre. Und bezeichnend.

Zwei Dinge sind sehr bemerkenswert: die Erleichterung, die die mediale Welt direkt nach dem Löschen des Kontos spürt.
Und natürlich der Beißreflex einiger konservativer und populistischer Pappnasen, die jetzt „ZENSUR!!!!“ brüllen.
Zur Einordnung: Ein Privatunternehmen löscht ein gefährliches Privatkonto. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist keine Zensur. Das ist konsequentes Handeln mit vierjähriger Verspätung.
Zensur wäre es, wenn Twitter das offizielle Konto des Präsidenten sperren würde. Haben sie aber nicht gemacht.

Die Lauten brüllen: „Das ist gegen die Meinungsfreiheit!“
Nein, ist es nicht. Wenn die Wirkung einer Meinung auf einer privaten Plattform zu gefährlich wird, muss man sich als privates Unternehmen darum kümmern. Ganz einfach.
Dass auch immer mal wieder „linke“ Seitenbetreiber oder Meinungen blockiert oder gelöscht werden, verschweigen die lieben Populisten gern. Klar.   
Das sind übrigens genau dieselben Populisten, die im Zusammenhang mit der Stürmung des Capitols vor linkem Terror warnen. Sind es noch Populisten oder sind es schon Trumpisten?

Eines muss man Donald Trump übrigens zugute halten: Unter seinem Account @realdonaldtrump hat er sein wahres Gesicht gezeigt.
So ätzend, laut, berechnend und verlogen ist er wirklich.
Und die Menschen sind ihm und seinen Worten genau deshalb gefolgt – einige sogar bis ins Capitol.

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