Politik. Und Politik.

Irgendwo habe ich in einem Tweet eine kleine Analyse zum Angebot von Friedrich Merz gelesen, in dem er Armin Laschet vorschlug, Wirtschaftsminister zu werden.
Leider finde ich den Tweet nicht mehr, vielleicht wurde er auch gelöscht. Egal.

Darin hieß es sinngemäß, dass Merz das getan hat, um Armin Laschet zu schwächen. Und natürlich, um Angela Merkel, seiner Intimfeindin, eins auszuwischen.
Denn Armin Laschet hat nicht auf das Angebot geantwortet, sondern Angela Merkel hat ihm via Interview eine klare Abfuhr erteilt.
In einer Friedrich Merz-Welt bedeutet diese Zurückhaltung von Armin Laschet, nicht auf das Angebot eingegangen zu sein, Schwäche.
Er etikettiert den Mann, der noch nicht mal eine Stunde an der Spitze der CDU steht, als schwache Führungsperson.
Angela Merkel bescheinigt Merz, mit dem Merkel-Vertrauten Peter Altmeier einen schlechten Wirtschaftsminister im Kabinett zu haben.

Ein Tweet, drei Backpfeifen.

Das ist Politik.

Armin Laschet hat auf dem digitalen Parteitag eine verhältnismäßig gute Rede gehalten. Friedrich Merz hat eine schauderhafte Performance hingelegt.
Polemische Spalthammer wie Jan Fleischhauer schreiben jetzt: „Der Unterschied zwischen Merz und Laschet? Merz hat seine Rede selbst geschrieben.“
Friedrich Merz wird als Macher dargestellt. Laschet als Typ, der alleine nichts auf die Kette kriegt.

In einem BILD-Interview sagt Armin Laschet: „Als netter Herr Laschet wird man nicht Parteichef.“
Die Springerpresse wollte Merz ins Amt schreiben – Laschet versucht hier, seine Wahrnehmung zu korrigieren. Sehr wahrscheinlich auch mit Blick nach Bayern. Diese Aussage ist als Kampfansage an Markus Söder zu verstehen, der als Shrek verkleidet unter seinem Franzjosef Strauss-Plakat liegt und kichert. Markus Söder hat ordentlich Ellenbogen, gilt als starker Macher, er kann sich der Unterstützung der Springer-Presse sicher sein.
Er kann nur noch über seine eigenen Beine stolpern, da können die anderen machen, was sie wollen.
Und dann ist da ja auch noch Jens Spahn, den man auch gut ins Amt schreiben kann.

Auch das ist Politik.

Jetzt gucken alle auf die aktuellen Umfragen, bringen sich in Position, es kommt Bewegung ins Spiel. Annalena Baerbock und Robert Habeck gelten als Wunschpartner der CDU. Nicht wegen der Nähe (die besteht eher zur FDP), sondern weil die Umfragen es bestimmen. Wird die Grünen-Spitze nochmal umgestaltet? Bleibt es bei einer Doppelpitze? Wird Annalena Baerbock alleinige Spitze? Oder kommt Cem Özdemir doch noch aus dem Windschatten? Die Grünen haben die realistische Chance, Teil der Regierung zu werden, sie werden alles dafür tun. Denn es geht um nichts weniger als Macht.

CDU Generalsekretär Paul Ziemiak faselt davon, dass „man vielleicht bald mit den Grünen verhandeln würde und dass die Grünen dann garantiert mehr Kröten schlucken würden als sie jemals über eine Strasse getragen haben.“

Und auch das ist Politik.

Politik besteht in der Wahrnehmung aus unheimlich viel Ego, aus externen Einflüssen (Medien, Lobbyismus), aus Machtgier – und aus schlechten Reden.
Das ist aber nicht Politik, sondern nur Wahlkampf, das Sprungbrett zum Machtgewinn, Machterhalt oder zum Ausbau der Macht.

Die eigentliche Politik, das Gestalterische, das Handeln, gerät vollkommen in den Hintergrund.
Wenn gehandelt wird, passieren Fehler – und die werden natürlich sofort ausgeschlachtet. Persönlich und medial. Bewegung ist so gut wie nicht spürbar. Das Belauern schon.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wie soll man Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermitteln, wie wichtig Politik ist?
Aus der Perspektive der Jungen hampeln und balzen da ein paar alte Männer (und wenige Frauen), giften sich an, treten in Talkshows auf und labern theoretischen Müll, unverständliches Zeug. Das ist nicht Politik. Das ist größtenteils Ego-Schrott, den man so ähnlich auch aus dem Trash-TV kennt.

Die Inhalte werden an Personen festgemacht, bestenfalls an Parteipositionen. Erst das Ego, dann die Partei, dann der Inhalt.

Wie wäre es, wenn man Inhalte (Klima, Wirtschaft, Wohnungsbau, Pflege, alles) in der Wahrnehmung fixieren und in den Mittelpunkt stellen würde – und die Politikerinnen und Politiker sich einfach nur damit beschäftigen würden?
Dann würde es um Inhalte und Themen gehen – und nicht mehr um die Personen.

Also: Inhalt first.

Auch das wäre Politik. Und das ist vielleicht eine Chance für die SPD.

Ein Gedanke zu “Politik. Und Politik.

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