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KAMERADEN!

Die Bahnhofsklatscher und Teddywerfer nehmen euch im Weltnetz nicht ernst? 
Sie widersprechen euch und fordern Fakten? Sie feuern sachliche Argumente ab wie eine Flak? 
Und das nur, weil ihr fordert, dass sie „in Lagern vernichtet gehören“? 
Sie nennen euch wegen dieser Lappalien „Nazis“ und ihr könnt damit irgendwie nicht so gut umgehen? 
Ihr fangt an, laut zu werden und werdet deshalb regelmäßig gesperrt?

Das gehört der Verrrrrrgangenheit an!

Denn hier kommt der Sieg bringende Kommunikationsleitfaden für Freunde des Vaterlandes. 
Quasi der Joker im Blitzkrieg der Kommentarspalte.

Wenn mal wieder jemand töricht wird, befolgt einfach diese 16 Punkte – dann werdet ihr in den sozialen linksgrünversifften Denunziantenmedien auch wieder ernst genommen. 
Und dann ist RUHE!!1!!11

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Also: Kameraden, angenommen, der Puls ist mal wieder auf 180…..

1. Steht auf, atmet einmal durch. Geht dabei im Kopf die erste Strophe des Deutschlandliedes durch. 
Am besten ca. 3.000 Mal. Das hilft garantiert!

2. Steht auf! Geht kurz von der Tastatur weg!

3. Noch weiter, Kameraden!

4. Wichst eure Stiefel, zieht sie an und geht noch ein paar Schritte weiter. 
Immer schön Richtung Osten, durch die Uckermarck, dann durch Polen durch, bis ihr irgendwann in Wolgograd angekommen seid.

5. Buddelt euch da einen Graben, ca. 280 Meter lang, 2 Meter tief. Stützt die Wände mit Brettern ab. Denkt an die Drainage.
Wenn euch jemand fragt, was ihr da macht, sagt einfach: „Я возьму два пива, восемь водки и четыре колбасы, пожалуйста.“.

6. Wo ihr schon mal da seid: Sucht doch bitte noch kurz das Bernsteinzimmer.

7. Nicht gefunden? Macht nichts. Kommt einfach wieder zurück. Soweit die Stiefel tragen!

8. Wenn ihr wieder zu Hause seid, schnauft erst einmal ordentlich durch.

9. Pflanzt einen Baum. (Sorte egal, Hauptsache nichts Ausländisches. Ach, nehmt eine Eiche, Kameraden.).

10. Wartet ca. 30 – 40 Jahre.

11. Jetzt könnt ihr den Baum abholzen, zersägen und und zerhacken. Dabei könnt ihr euch nochmal ordentlich abreagieren.

12. Trocknet das Holz zwei Jahre und verbrennt es dann im Ofen.

13. Überlegt euch, während das Feuer lodert, eine passende Antwort für diesen vaterlandsverräterischen Kommentar, der euch so auf die Palme gebracht hat.

14. Bevor ihr euch an den Rechner setzt, geht aber nochmal nach Wolgograd zurück – denn ihr seid da noch nicht fertig. Der Graben muss schließlich wieder zugeschüttet werden.

15. Wenn ihr wieder zu Hause seid, nehmt euch als erstes ein Pulsmeßgerät.

16. Ist der Ruhepuls zwischen 33 und 45?

Dann beginnt einfach wieder bei Punkt 1.

Sorgen jetzt auch mit Seitenzahlen.

Bildschirmfoto 2022-02-25 um 18.55.50Völlig verrückt: 
Mein Buch ist gerade erschienen. 

Das gibt es in jeder Lieblingsbuchhandlung und auch hier zu bestellen: https://www.carlsen.de/hardcover/wird-schon/978-3-8303-3634-1

Es geht darin um Sorgen.

Mein kleines Buch kann helfen, einen anderen Blick auf die eigenen Sorgen zu bekommen.
Es ist eine kleine Ablenkung, die sehr einfach funktioniert:
Wer diese Sorgen liest, beschäftigt das Gehirn kurz mal nicht mit den eigenen Sorgen. 

Tatsächlich soll dieses Buch einen kleinen gesellschaftlichen Beitrag leisten und die Sorgen anderer mindern.
Deswegen geht, ein Teil des Erlöses an Sea-Eye e. V. 

 

An eigentlich alle

0 – 7: Lernt laufen. Lernt sprechen, klettert auf Bäume. Und hört nicht immer auf die Erwachsenen. 
Rettet Regenwürmer und lernt, nett und offen zu sein. 
Dann ist das Leben auch nett zu euch – und euch stehen viele Türen offen. Ach ja: Zähne putzen nicht vergessen. Und steckt euch bitte keine Erbsen in die Nase.
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7 – 14: Werdet groß, geht viel raus. Wälzt euch im Matsch und lernt, Menschen zu unterscheiden. 
Nicht in „fremd“ und „von hier“, sondern in dumm (schlecht, bescheuert, fies) und schlau (nett, witzig, herzlich). 
Legt ab und zu auch mal das Smartphone zur Seite und lest Bücher. (Die Dinger mit den Papierseiten.)
In ein ganz paar Jahren seid ihr die wichtigsten Leute, die wir haben, die Erwachsenen kriegen es nämlich nicht mehr so richtig hin. Da ist es wichtig, dass ihr schlau seid.
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15 – 21: Hormone sind cool. Knutschen ist cool. Faul rumliegen ist supercool. Erwachsene labern nur Schrott und nerven. 
Stimmt, oder? Macht es doch einfach besser.

Schmiedet Pläne, probiert aus (Ausnahme: harte Drogen, Banküberfälle, Castingshows). Guckt nicht so viel YouTube, macht nicht so viele Selfies (wie die ganzen Erwachsenen, die das eigentlich nur machen, um sich jung zu fühlen.)
Färbt euch die Haare lila, lasst euch tätowieren. 
Macht, was ihr wollt: Geht studieren oder geht auf den Bau zum Arbeiten. Versucht aber, möglichst viel Wissen mitzunehmen. 
Seid kritisch, gern auch oberkritisch.

Aber geht auf jeden Fall wählen, wenn Wahlen anstehen. 
Egal, ob CDU, SPD, Grüne, DIE PARTEI, FDP oder die Eichhörnchenpartei. Aber auf keinen Fall die AfD, die NPD oder irgendeinen anderen rechtspopulistischen Schrott. (Die CSU also auch nicht.) Wenn ihr denkt, dass es besonders lustig und rebellisch ist, die AfD oder die NPD oder etwas in der Art zu wählen, gebt beiden euer Kreuz. 
Und besucht auf jeden Fall mal eine KZ-Gedenkstätte. 
Das hilft zu verstehen. 
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22 – 30: Wenn ihr nicht schon längst bei euren Eltern ausgezogen seid, zieht endlich aus. Macht euer eigenes Ding.
Lebt doch vielleicht mal ein paar Monate in einem anderen Land, egal ob Dänemark, Simbabwe oder Großbritannien. 
Bekommt mal einen anderen Blick auf Deutschland – lernt zu schätzen, wie gut es uns allen hier geht. (Nämlich verdammt gut.)
Wenn ihr Karriere machen wollt, macht Karriere. Seid aber trotzdem so nett, den Leuten hinter euch die Türen aufzuhalten. 
Werdet keine miesen Arschlöcher. 
Und geht auf jeden Fall wählen, macht euer Kreuz aber auf keinen Fall bei der AfD oder der NPD. Auch wenn das in der Gegend, in der ihr lebt, gerade sehr angesagt ist.
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31 – 44: Lust auf eine eigene Familie? Dann macht Kinder – am besten ganz viele. 
Keine Lust auf Familie? Dann eben keine Kinder. 
Ob mit oder ohne: Gebt euer Wissen weiter. Alles. Engagiert euch.
Seid nett zu anderen Menschen auch wenn ihr eigentlich knurrige Misanthropen seid. 
Seid tolerant auch wenn ihr Spießer seid. 
Seid offen. Und empathisch. 
Und lernt zu schätzen, dass es euch, denen es eigentlich an nichts fehlt, auch ohne einen klatschneuen MINI Clubman, eine top-Bikinifigur oder ein VIP-Event mit Schnittchen und Prosecco ganz schön gut geht. 
Zum Beispiel, weil ihr eine Stimme habt, mit der ihr etwas bewegen könnt. Geht also bitte wählen. Und denkt vielleicht mal über einen Organspendeausweis nach.
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45 – 50: Verzichtet auf Botox und Silikon. Verzichtet aber nicht auf Denken und Handeln. 
Mischt euch ins Leben ein, helft anderen Menschen. (Z.B. einkaufen gehen für die Omi aus dem 4. Stock oder einer Flüchtlingsfamilie Deutsch beibringen). Helfen ist superwichtig – irgendwann braucht ihr auch mal Hilfe. 
Guckt euch mal im Spiegel an – wenn aus Falten Schrammen werden, ist es nicht mehr weit bis zum künstlichen Hüftgelenk.
Macht Sport, habt Freunde, habt eine Leidenschaft. Ihr seid extrem wichtig, denn ihr seid genau in der Mitte des Lebens – und in der Mitte der Gesellschaft. 
Informiert euch, redet mit Leuten, die jünger sind als ihr und mit welchen, die älter sind. Bewegt was. Hört den Kinder zu. Und redet bitte nicht von „früher war alles besser“. Dafür seid ihr viel zu jung. 
Sorgt lieber dafür, dass auch in Zukunft alles besser sein kann. Geht also wählen.
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51 – 65: Herbst des Lebens. Na gut, Spätsommer. 
Die Sonne geht aber jetzt schon deutlich früher unter als noch vor ein paar Jahren. Und der Rücken schmerzt. 
Egal, ihr seid noch voll dabei. 
Genießt es. Geht überteuert essen, macht Urlaub auf dem Schiff. 
Freut euch auf die Rente. 
Geht mindestens einmal im Monat mit euren Freunden los und lasst es krachen. Aber so richtig. Wie früher. Am besten, ihr lasst euch von euren Kindern von Parties abholen. (Sanfte Rache: kotzt euren Kindern das Auto voll.) 
Ihr könnt machen, was ihr wollt – aber engagiert euch bitte und geht wählen. Ihr seid wichtig – und das Kreuz an der richtigen Stelle ebenfalls. 
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66+: Zeit. Endlich. Genießt es. Wenn ihr Großeltern seid, seid es zu 100 Prozent. Legt euch zu euren Enkeln auf den Fußboden und spielt stundenlang Lego. 
Und erklärt euren Enkeln, wie Leben geht. (Eure Kinder haben dafür wahrscheinlich keine Nerven). 
Erklärt euren Enkeln auch, was im Leben wichtig ist. 
Nämlich nett zu Menschen sein, den Leuten, die hinter einem sind, die Türen aufzuhalten und Regenwürmer retten. 
Ach ja: Und bitte auf jeden Fall wählen gehen.

Und wenn ihr richtig gut drauf seid, steckt ihr euch ab und zu mal eine Erbse in die Nase.

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Geschrieben habe ich das exakt vor drei Jahren. Ich wurde gerade freundlicherweise auf diesen Text aufmerksam gemacht. Und teile ihn einfach nochmal – denn irgendwie ist er immer noch aktuell.

Noch eine Ergänzung:

Alle meine (vorsichtig formulierten) Anregungen beziehen sich natürlich auf alle Menschen. Egal, welche Hautfarbe, egal welche Herkunft, egal, welcher Glauben, egal, ob gesund oder sterbenskrank, ob mit oder ohne Einschränkung, ob mit Behinderung oder ohne. 
Ich möchte wirklich niemanden ausschließen.

UND IHR SO?

Hallo ihr Empörten da am anderen Ende des Glasfaserkabels, das hier geht an euch:

Ihr müsst euch wieder über „faule Kinder und dumme Jugendliche“ aufregen, die sich am 15. 3. weltweit – teilweise sogar in den Ferien – für das Klima einsetzen und damit die Linksblinker, Braunkohlefreunde und Ewiggestrigen gegen sich aufbringen?
Ihr könnt nicht anders als gegen die „behinderte, von den Eltern instrumentalisierte Mistgöre“ Greta Thunberg zu schießen, weil sie eurer Meinung nach „gefährlich, verlogen und scheisse“ ist und ihr wollt sie, seit sie auch noch für den Friedensnobelpreis nominiert ist, am liebsten mit Diesel übergießen und abfackeln?
Ihr wollt einfach nicht akzeptieren, dass diese junge Frau zusammen mit vielen Kindern und Jugendlichen in wenigen Monaten mit Pappschildern, Mut und Willen eine umgerechnet wahrscheinlich mittlerweile milliardenschwere Kampagne auf die Straße gebracht hat?

Dann kommt hier ein kleiner Gratistipp:

Macht doch selbst was. Zum Beispiel das hier:

#SaturdayForWebergrill
Reihenhausbewohner, die Bock auf Bauchfleisch, Maispoularde und Pulled Pork haben, kommen an diesem Tag zusammen. Sie garen, wedeln und verkrusten ihr mit Antibiotika getuntes Nackensteak, das in Neonmarinade schwimmt und lassen die Beilagen stehen. („Salat? Das ist was für Mädchen und Kaninchen!!!“)
Bei ein paar Bieren (Pale Ale) wird über Dampfgarer, über das „Merkelende“ und über die verzogenen Gören von heute gefachsimpelt. 
Hier gilt: wer am lautesten rülpst, hat gewonnen! Mit Stückchen gibt Extrapunkte!

Eure Galionsfigur: irgendein Fernsehkoch.

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#SundayForFrühschoppen
Endlich Sonntag. Endlich kann man sich ungeniert das erste Bier zum Frühstück reinzischen. Und Korn. Dazu Sauerfleisch, schon ist der Kater vom Samstag weg. Gegen Mittag ist leichtes Eindösen angesagt, die Müdigkeit wird mit Wein aus dem TetraPak weggesoffen, wenn man voll genug ist, kann man sich bei anderen Streikteilnehmern anlehnen und ihnen dicke Fäden auf die Schulter sabbern. Hier stört es niemanden, denn alle verfolgen dasselbe Ziel: irgendwie vor Montag nach Hause kommen. Es wird hitzig diskutiert, Forderungen sind egal. Prost!

Eure Galionsfigur: Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner

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#MondayForRückschritt
Dieser rollatorfreundliche Streik (nur ebenerdig) ist für die, die noch wissen, was Zucht und Ordnung ist. 
Für faltiges Gammelfleisch, das von Dampfmaschine, Draisine und Stalingrad schwärmt und hinten im Schrank noch eine Wehrmachtsuniform hängen hat. 
Ihr habt was erreicht damals. 
Wer hat es denn aus en Trümmern gestampft, das deutsche Wirtschaftswunder? 
Das wart ihr, als ihr jung wart! Jawoll! Hacken zusammen! 
Ihr könnt hier ganz in Ruhe von Schützengraben und Kuhlenkampff fabulieren, während euch Kartoffelbrei und Eierlikör aus dem Mundwinkel laufen. 
Die Pflegerin (aus Rumänien) wischt das schon auf. Kein Problem.

Euer Galionsfigurpärchen: Erika Steinbach und Alexander Gauland feat. Landolf Ladig

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#DienstagForVollgas
Ihr braucht die linke Spur mehr als eure linke Herzklappe. Ihr würdet eure Kinder Bugatti, Lambohdschini oder Audi nennen.
Ihr lebt auf breiten Reifen und nur eine Leitplanke kann euch bremsen. Wenn überhaupt. Ihr hasst Bäume, denn sie stehen immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Zum Beispiel an der Landstraße, wo es echt gefährlich sein kann, wenn man mit knapp 200 durch die Allee brettert. Ihr seid Macher, die im Businessflieger immer als ersten Gang stehen. Ihr seid gottverdammte PERFORMER!
Ihr habt immer einen Lackstift in der Tasche und euer Fuß ist aus Blei: Dann ist diese Demo für euch. 
Ihr trefft euch zur Rushhour auf jeder Bundesautobahn, auf jeder Landstraße und natürlich in den Innenstädten. Als gemeinsames Zeichen könnt ihr einfach ein paar Donuts in den Asphalt brennen. Bringt eure Hupen mit!

Eure Galionsfigur: Ulf Poschardt

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#MittwochForMitläufer
Ihr seid die Mehrheit. Ihr seid die Nullchecker, die komplett frei von Durchblick jeder noch so behämmerten Bild-Schlagzeile hinterherrennen. Ihr habt keine eigene Meinung, aber ihr seid extrem laut. Und ihr seid verdammt schnell, wenn es darum geht, Kommentare ins Netz zu schreiben. 
IN GROßBUCHSTABEN! DAMIT MAN EUCH NOCH BESSER HÖRT!1!11! 
Ihr seid die zu dünn angerührten und habt den IQ eines Eierkochers. Ihr meckert über Ausländer, während ihr euch Döner und Pizza reinwürgt. Ihr seid Pauschaltouristen und Buffetdrängler. Ihr seid ja keine Nazis, aber… 
Ihr seid schon immer die kriegsentscheidenden Leute gewesen. Ihr trefft euch Mittwochs.

Eure Galionsfigur: Julian Reichelt
(Goebbels geht ja leider nicht mehr)

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#DonnerstagForFlachbildfernseher
Euch ist alles egal, solange nicht gespoilert wird. Ihr wollt einfach nur Serien glotzen, ihr wollt die ersten sein, die wissen, an welcher Stelle aus Nebendarsteller die Hauptfiguren werden. Ihr wollt UltraHD SuperVision in größtmöglicher Auflösung. In ganz dunklen Momenten fragt ihr euch, wann aus euch nur noch Nebendarsteller geworden sind. Ach, egal. Nächste Folge. 
Ihr bleibt auch Donnerstag lieber auf dem Sofa kleben.

Eure Galionsfigur: immer die neueste

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Alle anderen, also die Leute mit Weitsicht, unterstützen einfach weiterhin #FridayForFuture

Viel Erfolg!

Euer SoBo

PERFORMANCE

Wir sind nervöse Fleischklumpen, die sich lieber um das Leben von ausgedachten Netflix-Figuren kümmern als um das eigene.

Verwöhnte Arschlöcher, die sich ihren Hintern gern mit 14-lagigem Toilettenpapier abwischen. Gäbe es 30-lagiges Blattgoldklopapier, würden wir auch das nehmen.

Und wenn es einen Billigflug nach Barcelona gibt, fliegen wir selbstverständlich hin. Zum Shoppen. 
Oder nach Island, da ist so schöne Natur.

Warum? Weil wir es können.

Wir sind voll auf Performance. Immer und überall.

Wir wecken unsere Kinder auf Englisch, füttern sie mit Chiasamenmüsli, schummeln ihnen eine bifi in den Ranzen und bringen sie zur Schule.

Den SUV nehmen wir nur, weil wir keinen Hubschrauber haben.

Danach fahren wir zum 800 Meter entfernten Supermarkt, um in Schrumpffolie verpackte Biogurken zu kaufen. Oder „Real Earth Carrots“, das sind Möhren, an denen noch etwas Erde klebt. 
Das machen wir um zu spüren, dass sie auf einem Acker und nicht in einem Gewächshaus mit Nährflüssigkeit gezüchtet worden sind. Dafür bezahlen wir gern 18,- Euro / Kilo.
Die Erde von unseren „Real Earth Carrots“ spülen wir mit dem guten Vittel-Wasser ab.

Wir kaufen online ein paar limited Edition Sneaker von einem auf YouTube bekannt gewordenen Rap-Star für € 1450,- und hoffen, dass sie im Wert steigen. 
Dass die Schuhe von Kindern mit blutigen Fingern für einen Hungerlohn zusammengenäht worden sind, ist vielleicht ein bisschen ärgerlich, aber im Prinzip egal. Dass der Rap-Star Frauen erniedrigt und vergewaltigt ist, naja, eigentlich auch egal. 
Hauptsache, man kann die Dinger mit Gewinn verticken. 
Für die Kohle kann man sich einen richtig guten Gin kaufen. Und ein Konzertticket. 
Den Gin saufen wir aus und tun so als würden wir einen Unterschied schmecken. 
Beim Konzert stehen wir hinten und filmen alles mit dem Scheißtelefon, damit wir Insta-Stories machen können. Um zu zeigen, dass wir da waren. 
Warum? Weil wir es können.

Wir legen Wert darauf, dass unsere Kinder in der 2. Klasse gute Schulnoten bekommen und dass sie spätestens in der 4. Klasse das Handelsblatt verstehen. Sie sollen alles wissen. Sie sollen die Besten sein. 
Dass dabei Dinge wie „Wie geht es dir“, „Danke“ und „Bitte“ verloren gehen: egal.

Hauptsache, die Performance stimmt.

Wenn wir in uns hineinhorchen und denken: „Boah ey. Leben ist echt anstrengend. Je suis Midlife-crisis! Ich mach was für mich und fahre jetzt ab und zu mal Rennrad, ist auch gut für die Umwelt!“, bedienen wir im Internet einen Konfigurator, lassen uns in Taiwan einen Carbonrahmen backen und zu uns schippern. 
Dann zwängen wir unsere deformierten Wurstkörper in functional Lycra-Wear und drehen eine Runde durch den Schwarzwald oder über irgendeinen Deich. 
Und während wir unsere 300 Euro-Trikots mit Mettwurstdampf vollschwitzen, denken wir, dass wir tatsächlich was Gutes tun, weil wir ja gerade kein Benzin verbrauchen.

Den Paketboten, diesen dummen, faulen Idioten, haben wir natürlich beschimpft, als er das Fahrrad geliefert hat – machen ja alle. 
Darüber im Netz gelästert haben wir auch. 
Haha. 
„Der Kommentar war so lustig, gab 27 Likes! Hahahahaha. Den Typen hab ich fertig gemacht!“

Machen ja auch alle. Das gehört zum guten Ton.

Wir posten fleissig Bilder aus dem Sessellift: 
„2973 Meter hoch. Guck mal, wie die Sonne ballert!“ 
Und dann beschweren wir uns darüber, dass der Schnee sogar hier oben sogar Mitte Februar schon seifig ist.

Wir nehmen Kredite auf, um uns vielleicht einen E-Smart, einen Toyota, einen Tesla oder wasauchimmer leisten zu können, weil wir nicht darüber nachdenken, wo der Strom herkommt und wie die Akkus gebaut werden.

Wenn wir uns Avocado aufs Brot schmieren, denken wir, dass wir die Guten sind, weil Avocado ja immerhin kein Fleisch ist.

Wir denken von der Tapete bis zur Wand.

Und wenn uns was nicht passt, werden wir zu Protestwählern. 
„Jawohl! Denen da oben muss man es mal zeigen!“

Wir wollen Vorteile, keine Anstrengungen. Wir sind Speichellecker. Machtgeile Politiker unserer eigenen Partei.

Die Partei heisst: „ICH.“

Und wenn es mal jemanden gibt, der an unserer verkrusteten Struktur rüttelt wie derzeit eine Greta Thunberg oder auch der fertige Bettler aus der S-Bahn oder irgendein fragender Kommentar im Netz, werden wir wütend und antworten mit Zynismus und Hass.

Wir fordern eine Revolution von der Jugend! Aber nur, damit wir sie im Keim ersticken können. Weil wir doch selbst Berufsjugendliche sind. 
Wir sind 50 und tragen Sneaker, Jeans und Tattoos. Und wir haben Durchblick. 
Und zum Karneval gehen wir als Punk. 
Wir sind jung. Da können jetzt keine Kinder kommen und uns sagen, was zu tun ist!

Wir sind halbglatzige, übergewichtige, von Zynismus zerfressene Riesenarschlöcher, die guten Rotwein saufen wollen und denen im Prinzip alles egal ist.

Hauptsache, die Rente stimmt. 
Hauptsache, die Eigentumswohnung ist abbezahlt und man könnte sein 2 Tonnen schweres Auto mit 275 km/h über die Bahn treten. (Was nie passiert, weil immer Stau ist. Oder weil die Autobahnen absacken.)
Hauptsache das mit dem Feminismus wird nicht irgendwann mal Überhand nehmen. 
Hauptsache da kommen nicht so viele Flüchtlinge. 
Hauptsache für die neue Netflix-Serie lohnt sich das Wachbleiben. 
Hauptsache der Urlaub ist geil.
Hauptsache die Performance stimmt.
Hauptsache der Bonus stimmt. 
Hauptsache der Wein schmeckt nicht billig. 
Hauptsache ICH.

Wir hinterlassen Fußabdrücke, die größer sind als Dubai und Las Vegas zusammen und zerren unsere Kinder in genau diese Fußabdrücke – statt dass wir sie ihren eigenen Weg gehen lassen.

Wir hören ihnen ja nicht mal zu.
Der nächste Yogakurs ist wichtiger.
Was die Nachbarn sagen ist wichtiger.
Rendite.
Nagellackentferner.
Bacon auf dem Burger.
Rasenmäherroboter.

Alles ist wichtiger, als mal den den Kindern zuzuhören.

Die Wahrheit ist: Nichts ist wichtiger, als mal den Kindern zuzuhören.

Die Kinder versuchen nämlich gerade, uns den Arsch zu retten.

Und wir lassen sie nicht.

Was vielleicht hilft, ist einmal ganz kurz vor den Spiegel stellen, den Rücken durchdrücken und so abgezockt gucken wie bei einer Verhandlung, bei der es um Geld und um den eigenen Vorteil geht.

Und dann der Person, der man gegenüber steht, in die Augen gucken und diese eine, klitzekleine Frage stellen:

„Stimmt meine Performance?“

Und dann mal 5 Minuten darüber nachdenken.

Das würde vielleicht schon mal helfen.

SPROTZ

Kennt man ja vielleicht.

Da geht man feiern, nach 6-8 Bieren denkt man: 
„Gut. Jetzt einmal Döner mit alles. Schön scharf“

Der Döner, so groß wie ein Labradorwelpe, wird in Rekordzeit inhaliert. Noch beim Kauen kommt der Nachdurst.

Also noch mehr Biere – die löschen diesen quälenden Durst, spülen den Zwiebel-Nachgeschmack weg und machen einen wieder hungrig.

Gegenmittel: zwei Cheeseburger und eine mittlere Pommes, ach nee, komm, ne große. 
Und ein paar Schnäpse zum Zerhacken. 
Und noch mehr Bier. Und ne Apfeltasche. 
Und einmal Ente mit Rotkohl und Klößen.

Die Spirale des inneren Horrors dreht sich bis in den Dickdarm. Irgendwann wankt man mit ca. 3 Promille auf dem Kessel und 7 Kilo Nahrung im Bauch nach Hause. Auf dem Küchentisch gammelt noch eine halbe Spinatpizza mit einer glänzenden Schicht Käselinoleum vor sich hin. 
Rein damit.

Dann schlafen. Und verdauen. Und aufwachen.

Irgendwann meldet sich der Arsch mit einem Grummeln und Zischen. Alles will raus.

Dieser schmierige, ölige Bierschiss, von einer bauschaumartigen Konsistenz, der wirkt wie ein Blitzkrieg, der einem die Nasenscheidenwand wegreißt, der Porzellan aufweichen kann, ist das mit Abstand ekelhafteste Andenken an so einen Abend. 
Es ist so viel und es ist so grauenhaft, dass sogar zwischengespült werden muss. Ein gigantischer Horrorhaufen.

Es gibt Menschen, bei denen man das Gefühl hat, dass ihnen jemand offenbar genau so einen widerlichen, ekelhaften, blubbernden, zischenden, schmerzhaften Schiss in den Schädel gekackt hat.

Anders ist dieser Tweet von Joachim Steinhöfel kaum zu erklären.

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Das Erschütternde sind nicht die hasszerfressenden und spaltenden Gedanken dieses Herrn. 
Es reichen fünf Minuten auf seinem Twitter-Profil aus, um zu wissen, wie dieser Mann tickt. 
Das Erschütternde ist, dass fast 3.000 Leute diese Gedanken auch noch gut finden.

Das ist noch ekelhafter als der schlimmste Bierschiss der Welt.

#postkacktisch