Tja. Die Leidtragenden der Pandemie: alle (bis auf die wenigen Ausnahmen, die aus der Pandemie einen saftigen Profit schlagen).
Für die allermeisten wird sich das Leben allerdings irgendwann demnächst wieder irgendwo Richtung Normalempfinden einpendeln. „Irgendwann demnächst, irgendwo“ – das waren jetzt viele weiche Wörter, schön unkonkret, ich weiß. Aber es wird besser werden, die Pandemie wird bald unter Kontrolle sein. Daran glaube ich fest.
Natürlich wird nichts mehr sein wie vorher, es wird viele Pleiten, viele fiese Schicksale und neue Gewohnheiten geben, aber in ein, zwei Jahren, vielleicht sogar schon in ein paar Monaten, wird man bei einem schalen Bier aus dem Plastikbecher auf einem Stadtfest stehen, sich zuprosten und sagen: „Wir hier! Das wäre 2020/21 nicht gegangen! Prost!“
Es kann natürlich jede andere vollkommen undenkbaren Situation sein, wie zum Beispiel: Bei einem Spaziergang anhalten, ohne Maske auf einer Parkbank sitzen oder einen Kindergeburtstag mit mehr als einem Kind feiern.
Kinder.
Sie sind die wirklich Leidtragenden: Kita-Kinder, die verzweifelte und ängstliche Home-Office-Eltern aushalten müssen, Grundschüler:innen, die von wütenden Eltern unterrichtet werden müssen, Jugendliche, die sich zwischen eigenem Hormonlotto, der Unfähigkeit der Lehrkörper und der Verzweiflung der Eltern entscheiden müssen.
Aber diese Kinder haben zumindest die Chance, irgendwann wieder in normalen Bahnen lernen zu können.
Wer das Leben lang mit einem Stigma und einer vollkommen zu Unrecht aufgerückten Etikettierung zu kämpfen haben wird, sind die Kinder und Jugendlichen, die genau jetzt ihren Abschluss machen. Egal, ob ESA, MSA oder Abi. (Erst-Schulabschluss, mittlerer Schulabschluss oder Abitur). Egal, welcher sozialen Schicht zugehörig.
Das sind laut statistischem Bundesamt mal eben kurz 1,8 Millionen Menschen.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/_inhalt.html
Diese Kinder und Jugendlichen werden irgendwann in einem Vorstellungsgespräch sitzen – wenn sie es überhaupt bis dahin schaffen – und dann werden die Menschen am anderen Ende des Tisches die Augenbrauen hochziehen, die Lippen schürzen und mit verständnisvoller Stimme sagen: „Ah, ich sehe gerade: Corona-Abschluss…“, und in diesem Moment wird die Klappe fallen.
Der Senior Human Ressources-Manager oder Unternehmens-Boss wird wohlwollend eine von diesen übertrieben kleinen Minifläschchen Apfelsaft anbieten, was exakt das Äquivalent für die Chancen der Bewerberin oder des Bewerbers im Unternehmen ist: Mehr als eine Karikatur einer Chance wird das nicht sein.
Und genau dieses Bild, das gerade entsteht (nicht nur hier im Text, sondern vor allen Dingen in der Medienlandschaft), sollte schnellstmöglich gedreht werden.
Diese 1,8 Millionen Absolvent:innen haben in einer Pandemie, in der sehr viele Entscheider:innen so planlos umhergeirrt sind wie Hühner, denen man gerade den Kopf abgeschlagen hat, mal eben ihren Abschluss gemacht.
Und zwar trotz überforderter Lehrkräfte, einem bundesweiten Digitalisierungsstandard auf dem Niveau eines Faxgerätes von 1989, trotz sozialer Abnabelung, trotz maximaler Unsicherheit. Die können gar nicht anders als gut sein.
Und genau deshalb haben diese Absolvent:innen haben viel mehr verdient als eine verächtliche Alibi-Chance.
Liebe Personalabteilungen, wenn ihr jemanden mit einem 20/21er Abschluss bei euch sitzen habt: schiebt ihnen kein Minifläschchen Apfelsaft rüber. Stellt ihnen einen ganzen Kasten hin.
Das sind gute Leute. Sie können mit Druck umgehen, sie sind maximal flexibel und sehr viel besser als jede Abschlussnote es jemals ausdrücken könnte.
Und vor allen Dingen haben sie in der Pandemie etwas gelernt, was man in der Schule eben nicht beigebracht bekommt: Sie wissen, wie man durch eine Krise kommt.
Jedes ins Zeugnis gestempelte „ausreichend“ ist, gemessen an den Umständen, also ein „sehr gut“.
Mindestens.
DREI FRAGEN.
Wie soll man mit Autofahrern, die es noch nicht mal schaffen, beim Abbiegen ihren beschissenen Blinker zu benutzen, eine Verkehrswende hinbekommen?
Wie soll man mit ignoranten Trotteln, die es noch nicht mal schaffen, beim Einkaufen eine Maske zu tragen, eine Pandemie unter Kontrolle bringen?
Wie soll man mit engstirnigen Wählscheibengehirnen, die James Bond für echt halten, die Kredite für Autos aufnehmen, die zwei Tonnen wiegen und bei 250 Km/h automatisch abgeriegelt werden und deren Felgen ein Monatsgehalt kosten, die keinen Pauschalurlaub mehr im Hotel wollen, weil das ja pauschal und nicht angesagt ist, aber ohne mit der Wimper zu zucken zwei Wochen auf der AIDA buchen, die pro Sommer zwei bis drei Einweggrills, elfkommedrei Kilo Nackensteaks von der Tanke in Neonmarinade und 160 Liter Dosenbier verbrauchen, die ihren alten Saugdiesel anschmeissen, um die 400 Meter zum Supermarkt bollern, den sie verfluchen, weil es da keine Plastiktüten mehr gibt, die Bock auf Heizpilze, Bock auf Leistung, Bock auf Hubraum, Bock auf Shoppingtrips mit dem Düsenflieger nach Mailand, die Bock auf Vollgas, die Bock auf beheizte Whirlpools im Garten, die Bock auf schales Bier aus dünnwandingen Plastikbechern haben, eine Klimawende hinbekommen?
AAAAARRGGGLLL!!!

Wut auf die Maßnahmen. Wut auf die Regierung. Wut auf die Medien. Wut auf Karl Lauterbach. Wut auf die Kommentarspalte. Wut auf das Auto vor einem. Wut auf die Arbeit. Wut auf den Teppich. Wut auf das Haustier. Wut auf die Promis.
Wut auf die Reihenfolge. Wut auf die Enge. Wut auf die eigenen Kinder. Wut auf den Stammtisch. Wut auf den Staub. Wut auf die Frisur. Wut auf das Denken. Wut auf das Wetter. Wut auf die Zahlen. Wut auf die Folgen. Wut auf die Worte.
Wut auf die Wut.
Wut auf alles da draußen.
Ich möchte nicht klingen wie ein Dorfpastor oder irgendein YouTube-Mentalcoach, der einem basische Holzketten gegen den Schmerz für 1350,- Euro das Stück verkauft.
Aber die Wut ist nicht da draußen – sondern da drinnen, in einem selbst.
Ich kenne das – auch ich bin sehr oft sehr wütend. Es ist richtig und wichtig, die Wut rauszulassen. Schreien, Meckern, Stampfen, laut Musik hören. Rennen. was auch immer. Ich bin gerne wütend.
Aber es ist noch wichtiger, sie zu kontrollieren und irgendwann mal gut sein zu lassen.
Denn sonst übernimmt die Wut das Kommando. Wut treibt an, Wut beschleunigt, Wut macht noch wütender. Und noch wütender. Und so weiter.
Mitten in der ganzen Wut gibt es aber einen hellen Fleck: Die Besonnenheit.
Und es ist gar nicht so doof, bei der ganzen Wut da drinnen und da draußen, ab und an mal ein bisschen besonnener zu sein. Impulskontrolle ist eine gute Sache.
Gilt für mich, für viele Multiplikator:innen, für Medienmenschen, für Journalist:innen und für alle, die irgendwo in die Kommentarspalte schreiben.
Ok?
Easy. Danke.
(Ich lese mir diese Zeilen selbst vor, wenn ich mal wieder schäume. Denn ich bin noch lieber nicht wütend als wütend.)
WARUM ES SICH NICHT LOHNT, LEUTEN WIE ULF POSCHARDT ZU FOLGEN.

Twitter nutze ich wegen der Nachrichten. Ernsthafte Diskussionen kann man hier vergessen, es geht wirklich nur darum, informiert zu sein.
Ab und zu mal ein paar Witze und Annehmlichkeiten sind natürlich auch gut – das sind allerdings nur Begleiterscheinungen.
Ich folge vielen Leuten, mit denen ich politisch nicht zwingend auf einer Wellenlänge funke. Das mache ich, weil ich denke, dass andere Sichtweisen als die eigene wichtig sind. Diskurs ist wichtig. Der eigene Tellerrand sollte nicht der Horizont sein, wie ich finde.
In der eigenen Filterblase ist es zwar gemütlich, aber mehr als sehr angenehme likes und lautes Nicken auf das eigene Echo darf man da eben auch nicht erwarten.
Natürlich bin ich auch auf Twitter, um zu gucken, was die Menschen, denen ich folge, so von sich geben, wie sie das Medium Twitter nutzen. Welche Nachricht wird gerade verbreitet? Wie wird sie verbreitet? Wird es krude? Tendenziös? Wird sie Teil der Empörungsökonomie? Wie schnell geht es? Wie wird mit Informationen umgegangen? Ich kann da ne Menge lernen.
Zum Beispiel darüber, wie ich es nicht machen möchte, wie ich nie sein will.
So folge ich Ulf Poschardt, Julian Reichelt, sogar Erika Steinbach. Ich gucke selbstverständlich, was Stephan Brandner so macht. Alice Weidel und Beatrix von Storch haben mich blockiert. Benedikt Brechtken auch. Jan Fleischhauer gucke ich mir an, wenn ich gucken möchte, wie ein Mann, der die Scheidung noch nicht verarbeitet hat, sich gehen sein biederes Reihenendhaus-Image wehren möchte.
Donald Trump bin ich gefolgt, als er noch ein Twitter-Konto hatte. Und bei Don Alphonso gucke ich immer mal wieder, wen er gerade durchs Netz hetzt.
Zurück zu Ulf Poschardt.
Der Mann ist ohne Zweifel sehr klug. Er kann mit Worten umgehen. Er hat eine starke Meinung, er ist Geschäftsführer der „Welt“, einem Springer-Medium. Und er weiß ganz genau, was er tut.
Nämlich Benzin in die Glut kippen.
Nachrichten anderer Medien aufnehmen, sie einmal durch die Populismusmühle quetschen und weiterverbreiten.
Und die Nachrichten verbreiten sich ganz einfach wie eine brennende Benzinspur.
Diese brennende Spur geht vom „freien Liberalismus“ (für den Poschardt steht) ganz schnell zu den Konservativen über, von da frisst sie sich an den rechten Rand, wo die Rechtsextremen schon warten. Von Poschardt zur AfD ist es nicht weit.
Gibt es ein Distanzieren zu Leuten der AfD? Nein. Wird irgendwas dafür getan, das Feuer einzudämmen? Natürlich nicht. Warum denn auch? Brennt doch so schön.
Ulf Poschardt baut Mauern und fackelt Brücken ab. Die eigene Meinung, die eigene Blase wird eingemauert. Die Brücken, die Diskurs heißen, werden abgefackelt und eingerissen. Mit jedem einzelnen Tweet. Ich will gar nicht mutmaßen, wieso man so wird und ob der Name „Ulf“ in seiner Kindheit vielleicht eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Am relativ aktuellen Beispiel Jella Haase kann man diese Brandspur ganz gut nachverfolgen. Die taz hat das mal kurz aufgearbeitet.
https://taz.de/Jella-Haase-und-die-RAF/!5750429&s=haase/
Alles, was Ulf Poschardt von sich gibt, ist erwartbar. Repetetiv. Immer und immer wieder. Repetetiv. Immer und immer wieder. Repetetiv. Immer und immer wieder.
Information aufnehmen, Benzinkanister aufdrehen, in die Glut kippen, zurücklehnen, gucken, was passiert. Das ist „stille Post“ mit Dynamit. Repetetiv. Immer und immer wieder.
Man kann sich nicht vorstellen, dass jemand wie Ulf Poschardt ernsthaft etwas dagegen hat, dass die Menschheit die Klimakatastrophe abwendet. Man kann sich auch nicht vorstellen dass er Armut ernsthaft gut oder dass er es geil findet, wenn amazon kaum Steuern zahlt.
Trotzdem trötet er verhasste Zeilen gegen Klimaaktivismus raus. Und gegen vermeintlich „Linke“ Ideen. Alles immer schön laut und durchdringend.
Warum er das macht?
Zwei Gründe.
1. Ego. Klicks, Likes, Retweets. Eitelkeit.
1. Welt Plus-Abos verkaufen.
Ulf Poschardt („ulf posh„) ist ein langweiliger und wahnsinnig eitler Zahlenmensch ohne neue Ideen.
Er ist der Kapitän einer Butterfahrt, auf der er verkrusteten Verhaltensrentnern Welt Plus-Abos verkauft.
Abos, die wie vollkommen überteuerte Heizdecken die eigene Sturheit und Borniertheit warmhalten.
Die Welt braucht aber keine Heizdecken. Sondern Respekt und Toleranz. Ohne diese beiden Dinge kann es keinen Diskurs geben.
Tschüss, Ulf.
IMPFDRÄNGLER.
Impfdrängler.
Diese sehr für den Zustand der Gesellschaft im Jahr 2021 stehende Wortkombination bewirbt sich schon jetzt offiziell als Unwort des Jahres.
Impfdrängler. Was sind das für Menschen?
Eine Frage, der ich natürlich in knallharten Recherchen nachgegangen bin. Also:
Was Impfdrängler machen, wenn sie gerade mal nicht beim Impfen drängeln:
• Auf der Autobahn durch die Rettungsgasse brettern und Rettungskräfte beschimpfen. Ihr Verhalten rechtfertigen sie damit, dass der Asphalt in der Mitte der Autobahn ja porös und gefährlich wird, wenn er nicht durchgehend genutzt wird.
• Rentner via Maschmeyer-Enkeltrick um das Ersparte bringen. Und sich damit rechtfertigen, dass sie das Geld nur dem Wirtschaftskreislauf zuführen wollten, um das Land zu retten.
• Auf der Intensivstation Beatmungspatienten die Sauerstoffmaske abnehmen, um sie sich selbst aufzusetzen. Mit der Rechtfertigung, dass die Maske ab und zu mal an ein anderes Gesicht angepasst werden muss, weil sonst eine Materialermüdung droht.
• Auf einem Schiff, das gerade sinkt, Kinder, Frauen und Alte hart wegschubsen, um als erste ins Rettungsboot zu springen. Und sich damit rechtfertigen, dass ein Rettungsboot nur dann am besten funktioniert, wenn jemand mit einem kräftigen Ellenbogen darin sitzt.
• Im Zoo am Elefantengehege die Drei- und Fünfjährigen aus der ersten Reihe wegdrängeln, ihnen Äpfel und Möhren wegnehmen, um die Dickhäuter zu füttern. Mit der Rechtfertigung, dass die Kinder sich ja selbst in die erste Reihe stellen können – wenn sie Erwachsene sind.
• Im Hospiz Schmerzpatienten die Medikamente wegnehmen. Mit der Rechtfertigung, dass der Anblick eines Menschen, der leidet, ja schlimmer ist, als das Leid selbst.
• Auf der Straße Obdachlosen den letzten Euro aus dem Becher nehmen. Mit der Begründung, dass man dem Mann hilft, weil der ja nur Alkohol kaufen und sich selbst Leid zufügen würde.
https://www.sueddeutsche.de/meinung/corona-bloss-nicht-1.5204734
WAS MAN SO HÖRT.

Von verschiedenen Seiten habe ich glaubhaft gehört, dass Erika Steinbach sich einen Schützengraben in ihr Wohnzimmer gebuddelt hat und abends vollkommen besoffen in einer alten Wehrmachtsuniform darin liegt, dabei aus Hitlers „Mein Kampf“ liest und sich danach wollüstig in eine alte Munitionskiste erbricht.
Häufig posiert sie nackt auf einer Stalingradorgel und lässt sich abwechselnd von Alexander Gauland und Andreas Kalbitz durchknattern, während sie BdM-Lieder singt.
Videoaufnahmen davon schickt sie Ursula Haverbeck ins Gefängnis, die sich bei Erika Steinbach mit erotischen Gedichten und selbstgebauten Knastwaffen revanchiert.
Für die Medien war das bislang kein Thema. Wäre eine reizvolle Aufgabe für unsere so fleißigen Netzwerk-Journalisten. Werden die aber nicht machen.
PSSSSSSST.
Wie ruhig es ist. Und das schon seit Wochen. Sehr angenehm.
Das liegt nicht nur nicht am Schnee, an der Kälte, an den wenigen Menschen, die draußen unterwegs sind.
Es ist auch in den Displays, auf den Schreibtischen und in den Köpfen ruhig.
Es ist nämlich kein Donald Trump mehr da, der jeden Tag mehrere hundert Millionen, wahrscheinlich sogar Milliarden Menschen mit seinen Lügen, seinem Gepöbel, seinem Gehirnschrott belästigt.
Der König aller Populisten ist ruhig, er hat kein Megaphon mehr.
Und viele kleine Möchtegernpopulisten und -populistinnen haben ihr Vorbild verloren. Da liegt niemand mehr auf dem goldenen Tablett, an dem man sich in Sachen Lautstärke, Monströsität, Gier und Schrottplatzköterichkeit ausrichten kann.
Joe Biden und seine Frau, Dr. Jill Biden traten gestern kurz vor dem Super Bowl-Finale gemeinsam vor die Kamera, wünschen einen guten Abend und bitten die Bevölkerung, Masken zu tragen und auf Abstand zu achten.
Donald Trump hätte der Bevölkerung erzählt, dass er „das „China-Virus“ zurück nach Wuhan Wuuuuuuuhuuuuuhannnn schicken wird. Wie das schon klingt! Wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten hat. Wuuuuuuuhuuuuuhannnn! Aber China ist eh schlecht! Alles an China ist schlecht.“
Und dann hätte er erzählt, „dass man sich ja auch Desinfektionsmittel spritzen kann. Oder Domestos, das geht auch. Zur Not Silit Bang! Und dass man sich „Schrotflinten kaufen sollte, weil Teile der Bevölkerung EURE LÄDEN PLÜNDERN WOLLEN! Und dass Sklaven schon immer geplündert haben! Wenn man aus der Geschichte gelernt hat, dann das.“ Und dass es „niemanden gibt, der mehr über die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft weiß als ICH!“ Und dass „es noch nie jemanden gab, der besser im Baseball, im Stabhochsprung UND im American Football ist als ICH!“ Und dass „JEDER auf der Welt weiß, dass Football früher mit einem Würfel aus Magerquark gespielt wurde und erst als ICH mich mal fünf Minuten damit beschäftig habe, wurde daraus dieser wunderbare AMERICAN Football!“
Und dass „Masken nichts bringen. Aber Knutschen und Fummeln hilft! Und zar immer. Man muss Frauen übrigens nicht fragen, ob sie befummelt werden wollen. DIE WOLLEN IMMER BEFUMMELT WERDEN!“
Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.
Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.
Und dann hätten wieder alle reagiert, sich empört. Viele hundert Millionen Menschen, vielleicht sogar Milliarden hätten was gesagt, was Dummes, was Schlaues geschrieben. Bis zum nächsten Tweet.
Aber so ist viel besser.
ALLTAGSNAZI.

Okay, empören wir uns kurz.
Zum Beispiel über den 1951 in Pirmasens geborenen Georg Pazderski, den ehemaligen Offizier und heutigen AfD-Abgeordneten. Über dieses maximalrassistische Arschloch, dem man 50 Bandscheibenvorfälle pro Stunde, Oberschenkelknochen aus Weizenmehl und mehrwöchigen Brechdurchfall wünscht.
Georg Schleimpfropf Pazderski sagt medienwirksam (und taktisch geschickt), dass die AfD bürgerlich-konservativer sein müsste, sich von Rechts abgrenzen müsste.
Gleichzeitig fällt er immer wieder mit rassistischer Hetze und Falschbehauptungen auf. Was ihm zum Beispiel eine einstweilige Verfügung des Vereins „Sea-Eye“ eingebracht hat. Und was ihm eigentlich auch eine Behandlung mit einem Elektroschocker (> 20.000 Volt) einbringen sollte.
Dieser erbärmliche Kotzbrocken kann das rassistische Hetzen nicht lassen.
Auf Twitter hat dieser abscheuliche Knilch knapp 24.000 Follower und streut sein völkisches Gift weiter in dieses Massenmedium. Die Trümmeromi Erika Steinbach (feuchter Traum vieler Populisten) folgt ihm natürlich.
Sie selbst hat knapp 90.000 Follower und verbreitet seinen ekelhaften Scheiß weiter.
Bernd Luge, ein kleiner norddeutscher AfD-Knalldackel mit über 13.000 Followern, ebenfalls. Die Reichweite des Pazderski-Rassimus ist also enorm.
Natürlich hat Pazderski unter seinen Followern so zynische Würste, die seine Hassgedanken ungebremst weiterdenken. Zum Beispiel den schreibenden Flakhelfer, der sagt: „…war letztens zu Besuch in Hamburg. Und dachte, ich wäre in Nigeria oder Nairobi. Zum Kotzen.“
An dich, du kleiner ätzender Kacknazi: Hamburg ist die „Freie und Hansestadt Hamburg“. Du hast diese Stadt nicht verstanden.
Kleine dumme Denkschrapnelle, die eine Kniescheibe als Gehirn haben, haben in dieser Stadt nichts zu suchen. Bleib einfach in deinem Nest, komm nie wieder.“
Oder UweR, den nationalsozialistischen Troll, der schreibt: „Schiffe beschlagnahmen und versenken. Oder versenken, nur versenken.“
Mann, Uwe, hoffentlich erstickst du an einer fetten Bockwurst, die aus deutschem Schwein gemacht wurde, du ekelhafter Typ. Dich will man mit 9 Millionen Dezibel anschreien.
Dich soll beim Kacken der Blitz treffen. Rettungskräfte sollen dich mit heruntergelassener Hose auf dem Klo sehen. Vollkommen eingeschissen. Und sie sollen, bevor sie dich retten müssen, deine Tweets vorgelesen bekommen. Dann können sie nochmal überlegen, ob sich dich retten oder ob sie dich in deinem Kothaufen liegen und verenden lassen.
Empören ist gut.
Es befreit, bringt aber nicht viel. Außer ein paar zustimmenden Likes der eigenen Filterblase und etwas Druckabbau. Na gut – und ein paar Hassnachrichten.
Impulsive Empörung verstärkt allerdings auch die Reichweite der Sender.
Empören ist also doch nicht so gut.
Denn mit den Beschimpfungen und derben Phantasien ist man (bin ich!) im Grunde genommen auf einer Ebene mit diesen ekelhaften Kotzbrocken und Denkverbrechern. Ich schimpfe und beleidige. Also gut. Sorry.
Raus aus dem braunen Sumpf, hin zum Rationalen:
Die oben zitierten Rassistinnen und Rassisten sind komplett verloren, sind vollständig durch das Anstandsraster gefallen. Diese sozial Abgehängten wird man nicht mehr einfangen können, die wird man nicht mehr zum Umdenken bewegen können.
Wie denn auch? Man wird sie ja nicht mal zum Denken bewegen können.
Diese Menschen sind ganz einfach von Hassgeschwür zerfressen und befinden sich am dunkelbraunen Ende der Nazi-Skala.
Was diese Menschen von sich geben, ist Rassismus der härteren Gangart. Mit sowas muss sich der Verfassungsschutz ernsthaft beschäftigen.
Die Frage, wo dieses rassistische Denken endet, wird häufig gezeigt und diskutiert.
Was meiner Meinung nach zu wenig diskutiert wird, ist die Frage: „Wo fängt das rassistische Denken an?“
Wo fangen Massenversklavung. Ausbeutung, Diskriminierung. völkisches Denken, ethnische Säuberungen, struktureller Rassismus, Vorurteile, Hass auf Menschengruppen, Wunschdenken zum Völkermord und tatsächlich durchgeführter Völkermord an?
Im Alltag.
Beim N-Wort. Beim Z-Schnitzel. Bei „mal eben schnell ungefragt jemandem in die Haare fassen“. Bei „Du kannst doch bestimmt gut tanzen / singen / spielst doch bestimmt gut Basketball / bist doch im Bett ne Granate, oder?“ Bei „das „R“ als „L“ aussprechen“. Bei „Indianer“ und „Eskimo“.
„Moooooment! Ich bin doch kein Nazi! Das haben wir früher auch immer gesagt und ich sehe nicht ein, dass ich jetzt nur wegen so ein paar (hier Bevölkerungsgruppe einsetzen) meine Sprache ändern sollte! Ich sage auch weiterhin (hier Wort einsetzen)! Das wird man jawohl noch sagen dürfen!“
Nein.
Solchen Äußerungen sollte man unbedingt ein sehr entschlossenes „Nein, das ist rassistisch.“ entgegensetzen.
Rassismus muss bemerkt werden. Immer. Auch und vor allen Dingen im Alltag.
Und da sind wir beim Alltagsrassismus.
Allein dass es dieses Wort geben muss, ist beschämend. Alltagsrassismus.
Das Wort „Alltagsrassismus“ wirkt auf mehreren Ebenen. Es beschreibt, dass Rassismus ein wiederkehrendes Muster ist. Und es bewertet den Rassismus, macht ihn gewöhnlich.
Für die Sender ist diese Gewohnheit ein stumpfes Zuschlagen mit Worten und Gesten. Und vielleicht noch der Gedanke, „dass es jawohl echt nicht so schlimm sein kann, wenn es alltäglich ist – man gewöhnt sich an alles.“
Für die Betroffenen ist diese Gewohnheit mit jeder Erfahrung schmerzlich.
Alltagsrassismus.
Ich selbst dürfte eigentlich nicht über Rassismus schreiben, weil ich ihn nicht wirklich nachempfinden kann. Haut weiß, ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebe hier, bin privilegiert.
Aber ich darf Rassismus bemerken. Und (mehr oder weniger) freundlich darauf hinweisen, wenn etwas rassistisch war. Und ich bin sehr stark der Meinung, dass jeder Mensch genau das tun sollte.
Rassismus bemerken. Jedes verdammte Mal.
Rassismus nicht zu bemerken ist nicht nur dumm, es ist gefährlich.
Denn jedes Mal, wenn etwas Rassistisches nicht bemerkt wird, wenn nicht darüber gesprochen wird, dass etwas verletzend, diskriminierend, abwertend, rassistisch ist, wird Rassismus alltäglicher. Dann verschiebt sich die Grenze des Denk- und Sagbaren immer weiter nach Rechts.
Dann werden die „großen“ Rassisten gefüttert.
Anders gesagt:
Wer nichts gegen Alltagsrassismus unternimmt, ist ein Alltagsnazi.
„Also Alltagsnazi geht jetzt aber wirklich zu weit!“
Wieso? Das wird man jawohl noch sagen dürfen.
WIR. DIE. ICH. DIE ANDEREN.

Mal versuchen, die Ängste eines Impfgegners zu verstehen – mal versuchen, die Fakten eines Schulmediziners ernst zu nehmen. Nur mal versuchen.
Mal die Argumente eines Veganers anhören – mal jemandem beim über Schwärmen über ein perfekt zubereitetes Steak zuhören.
Mal einen FDP-Wähler ausreden lassen – mal die Geschichte eines Geflüchteten anhören.
Mal die Vorteile eines SUV anhören. Mal über die Freiheiten des Radfahrens reden.
Mal die „Genderdebatte“ nicht als „Mädchenkram“ abtun – mal dies, mal das.
Mal (…) – mal (…). Mal (…) – mal (…).
Unsere Köpfe sind Beißreflexbetriebene Bewertungsmaschinen geworden, die Denken und Befinden nur noch in „gut“ und „schlecht“ aufteilen. Die eigene Meinung ist in Sekundenbruchtteilen da und zählt für sehr lange Zeit.
Harte Grenzen. Schwarz. Weiß.
Es gibt leider nur sehr wenige Denkschleusen – und die Sozialen Medien verstärken das auch noch.
Das Denken verkrustet mehr und mehr. Und es beeinflusst unser Handeln.
Es gibt leider viele gefährliche, sehr schlaue Menschen, die genau wissen, was sie wann zu sagen haben, um die schwarz/weiß-Grenze höher und härter werden zu lassen.
Was vielleicht an der ein oder anderen Stelle ganz gut wäre: Durchlässigkeit.
Eine semiepermeable Membran, um eine Osmose, einen kleinen Gedankenaustausch, zu ermöglichen.
Zuhören. Reden. Austausch.
Ist nicht so schwer.
P.S.: Natürlich muss man auch innere Grenzen ziehen – und nicht mit jedem / jeder reden. Man muss Ausnahmen machen, allein aus Selbstschutz. Aber es sollten eben Ausnahmen bleiben.
GANZ SCHNELL MAL EBEN LANGSAM.

Gleich geht eventuell das Internet kaputt. Denn ich schreibe etwas zum Thema „Tempolimit“.
Aber bevor ich etwas darüber schreibe, will ich kurz erzählen, wie ich überhaupt zum Automobil stehe.
Als Kind hätte man mich zu „Wetten, dass…?“ schicken können, weil ich Autos am Türenzuschlaggeräusch erkennen konnte. Ich kannte und kenne die Lebensläufe und die Meilensteine einiger bedeutender Designer. Von Paul Bracq über Wilhelm Hofmeister und Flaminio Bertoni. Mercedes /8, BMW 2800 CS, Citroen DS – die Göttin.
Früher habe ich viel Zeit in Autohäusern verbracht und alle Kataloge gesammelt, die kriegen konnte. Autos haben mich schon immer fasziniert.
Ich habe ganze Wochenende auf der IAA in Frankfurt verbracht und mit Designprofessoren über Sicken und Fensterflächen gefachsimpelt.
„Auto“ war mein erstes Wort.
Heute fahre ich die meiste Zeit Fahrrad, Wetter ist mir egal. Regen, Schnee, Sonne, ich fahre immer.
Bei längeren Strecken, also Strecken über 30 Kilometer, nehme ich Bahn, selten nehme ich das Auto.
Ich habe einen schraddeligen VW Bus mit bald 270.000 Kilometern auf der Uhr, den ich so selten wie möglich fahre, weil es ein alter Diesel ist.
Ein zerkratzter Bus, mit dem ich hin und wieder in den Urlaub ins europäische Ausland fahre – wenn ich nicht gerade das Fahrrad nehme. Oder wenn Corona es unmöglich macht.
Der Bus ist ein fahrendes Bett, eine fahrende Transportmöglichkeit und eine prima Abstellkammer.
Und er ist ein Relikt.
Am liebsten höre ich beim Autofahren Radio (DLF, NDR Info) oder gute Musik und lasse mich treiben.
Ich fahre nicht gern am Limit, bin tatsächlich nie gern schnell gefahren. Die einzigen Punkte, die ich in Flensburg habe, habe ich fürs Fahrradfahren bekommen, in meinem Leben wurde vielleicht drei Mal geblitzt, auf jeden Fall häufiger abgeschleppt.
Ich fahre immer so, dass ich das Gefühl habe, niemanden zu stören. Weder hinter, noch neben und schon gar nicht vor mir. Ich fahre zügig. Umsichtig. Vorsichtig.
Und fahre immer meinen Gedanken hinterher.
Am liebsten fahre ich auf einsamen Straßen, habe es dabei nicht eilig, es ist kalt und die Sonne scheint. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind für mich keine Qual und kein ungefährer Richtwert für andere, sondern für mich selbstverständlich. Das ist mein krasser mobiler Lebensstil: NDR Info hören und mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten.
Ach so: ich schimpfe viel, wenn ich im Auto sitze.
Ich bin schon in ziemlich vielen Ländern Auto gefahren, weiß, wie es ist, nach ein paar Wochen Tempolimit die Landesgrenze nach Deutschland zu überfahren und sofort den Stress zu spüren, weil sehr viele Menschen das Schild „Bundesrepublik Deutschland“ als Anlass nehmen, das Gaspedal sofort durchzutreten. („So, jetzt aber! Endlich zu Hause! Hallo Deutschland! Hallo Hubraum!“ Mach ma Platz!“)
Ich bin schon die unterschiedlichsten Autos und Autotypen gefahren, Kleinwagen, Hybridwagen, Sportwagen, Kleinlaster, Wohnmobile, Luxuslimousinen, Oldtimer.
Und ich habe natürlich auch Traumautos, am liebsten hätte ich einen alten Saab. Oder einen alten Volvo. Oder einen alten Citroen.
Am allerliebsten hätte ich zu meinem Traumauto natürlich auch die Zeit, das Autofahren so zu genießen, wie ich es mir vorstelle und nicht bei jedem Klappern, Quietschen oder Schleifen und bei jedem Schluck Treibstoff, den ich verbrauche, nervös zu werden.
Und mir mal keine Sorgen zu machen.
Soviel zu mir. Ich bin keine 1, aber auch keine 6.
Jetzt schnell zum Tempolimit.
Das Auto ist neben Bier die heilige Kuh der Deutschen: Eine mit Technik, Kraft und Assistenzsystemen vollgestopfte heilige Blechkuh.
Hat man doch immerhin das Auto hier erfunden.
Kein Wunder, dass das Auto der Stolz der Nation ist. Motor des Wirtschaftswunders. Vollgas. Statussymbol. Beschleunigung. Reisen. Strecke. Liebe. Und noch viel mehr.
Das Auto ist auch Ausdrucksmöglichkeit des sozialen Status. Es ist Objekt der Begierde, es ist für viele Menschen ein erfüllbarer Traum. Nicht wenige verschulden sich stark für ihr Traumauto mit Alufelgen und Metallic-Lack.
Das Auto ist für Deutschland ein gigantischer Wirtschaftsfaktor, es ist die dicke, heilige, schöne, schnelle, funktionierende, gut klingende, mit erotischen Linien versehene, auf Hochglanz polierte Kuh. Eine mit perfekten Spaltmaßen, einem durchzugsstarken Motor und bestenfalls Neuwagengeruch.
„Autofahren ist Freiheit!“
Viele Menschen, nahezu egal, aus welchem politischen Lager, aus welcher sozialen Schicht, setzen Autofahren lautstark mit Freiheit gleich.
Davon abgesehen, dass diese Leute sich erstmal zwei Tonnen Technik und Blech für einen hohen fünfstelligen Betrag ans Bein binden, ist das Wort „Freiheit“ ein bisschen zu groß für die linke Spur.
Ist jedenfalls meine Meinung.
Man kann und muss darüber diskutieren, ob die heutige „Freiheit“ hier nicht auch mit grenzenlosem Spaß, Egoismus und Hedonismus verwechselt wird. Auch wenn der Begriff zu Zeiten des Wirtschaftswunders bis zur Ölkrise eine andere und tiefere Bedeutung hatte, weil die Deutschen das erste Mal weiter weg fahren konnten. Italien. Frankreich. Spanien. Europa. Anderes Geld, anderes Wetter, anderes Bier.
Also war die gefühlte Freiheit eigentlich eher die Größe der Entfernung.
Viele fahren Auto, um den Erinnerungen, der Leichtigkeit hinterherzufahren. Im Auto war alles gut. Man ist auf der Rückbank aufgewachsen, der Führerschein war eines der ersten Lebensziele. Das erste Auto vergisst man nie.
Auto ist natürlich auch Politik. Und Lobbyismus. Auto ist Macht. Auto ist Arbeit. Auto ist Versagen. Auto ist Begeisterung. Auto ist Verehrung. Benz. Porsche. Piech. Röhrl. Schumi. Und natürlich Andi Scheuer. (Augenverdrehen.)
Auto ist auf jeden Fall Reizthema. (Wird man wahrscheinlich auch wieder an den Reaktionen dieses Beitrages sehen.)
Es gibt sehr viele Seiten im Netz, die sich mit dem Pro und dem Contra zum Thema Tempolimit auseinandergesetzt haben – da bin ich nicht der Erste. Natürlich nicht.
Die meisten Seiten setzen sich mit dem Tempolimit auf deutschen Autobahnen auseinander, es geht dabei konkret um das Tempolimit von 130 Km/h.
Zur schnellen Einordnung: Auf 7.640 deutschen Autobahnkilometern gilt derzeit ein Tempolimit.
Auf 18.150 Kilometern gilt die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.
Zum Thema Richtgeschwindigkeit drücken wir mal eben das Gaspedal durch und fahren in den Februar 1974.
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„Im Februar 1974 – drei Monate nach dem Höhepunkt der Ölkrise mit den vier „autofreien Sonntagen“ in Deutschland – startete der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) unter seinem Präsidenten Franz Stadler eine Kampagne mit dem Titel „Freie Bürger fordern freie Fahrt“, die sich hauptsächlich gegen den im November 1973 gestarteten viermonatigen Tempo-100-Großversuch auf den Bundesautobahnen richtete. Da sich viele ADAC-Mitglieder nicht mit diesem Slogan anfreunden konnten, hatte die Kampagne eine Austrittswelle zur Folge.
Erfolg der Kampagne war, dass statt eines generellen Tempolimits von 100 km/h auf den Autobahnen eine unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingeführt wurde.“ (Quelle: Wikipedia)
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Deutschland ist das einzige Industrieland auf der Welt, in dem man streckenweise so schnell fahren kann, wie man will. Und die Politik wurde beim Thema Tempolimit schon mal hart ausgebremst.
Ich habe mich ein bisschen durch das Netz gewühlt. Generell gilt: Für jedes Pro gibt es ein Contra. Für jedes Contra ein Pro.
Hier sind noch ein paar Links zum Thema.
1. Was Deutschland.de sagt:
https://www.deutschland.de/de/topic/leben/tempolimit-in-deutschland-pro-und-contra
2. In aller Kürze: Sechs Gründe für und gegen ein Tempolimit:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.geschwindigkeit-auf-autobahnen-sechs-gruende-fuer-und-gegen-ein-tempolimit.e3805741-5b7f-478f-a60a-5217e84d43e3.html
3. Kontroverse Meinung einer Autozeitung:
https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/tempolimit-130-autobahn-fakten/
4. Fakten, vom ZDF gesammelt:
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/im-ueberblick-was-ein-tempolimit-fuer-den-klimawandel-die-verkehrssicherheit-und-den-verkehrsfluss-bringt-102.html
Meine Meinung:
Ich bin ganz klar für ein Tempolimit. 120 Km/h auf Autobahnen. 50 Innerorts, 80 Außerorts.
Und in Städten muss dringend eine Verkehrswende her. Viel mehr Radwege, ÖPNV bestenfalls gratis, Autos raus aus den Innenstädten. Umdenken!
Wir müssen uns dringend bewegen, brauchen schlaue Konzepte, die digitale und analoge Bewegung perfekt miteinander verbinden. Und dabei natürlich maximal klimafreundlich und nachhaltig sind.
In mir ist eine Stimme, die die Menschen versteht, die jetzt ganz viel „aber aber aber“ sagen. Und dieser Stimme sage ich: „Denk mal nicht nur an dich und deine Bequemlichkeit, die Heizungsluft, den Geruch von Benzin, warmgefahrenen Reifen und an Geschwindigkeit. Sondern auch an die Zukunft.“
Drei Dinge, die ich angehen würde, wenn ich jetzt entscheiden könnte:
1. Dynamik.
Ich würde als ersten Schritt ein partielles Tempolimit einführen, das auf empirischen Daten beruht. Beispiel: Wenn auf einem bestimmten Streckenabschnitt zu einer bestimmten Zeit wenig los ist, kann man da ohne Tempolimit fahren. Ist da viel los, gibt es ein Tempolimit. Das wäre also eine dynamische Regelung. Die, wenn Deutschland smart wäre, digital ausgesteuert werden könnte. (Ist so ähnlich in dem Auto-Motor-Und-Sport-Bericht abgebildet.)
Nicht alle, aber sehr viele wären zufrieden. Und es wäre ein Anfang. Und den könnte man schnell realisieren.
2. Mut.
Wenn man Dinge nicht vorantreibt, bleibt man stehen. Und die deutsche Automobilindustrie hinkt momentan eh sehr stark hinterher.
Da kann man nicht nur ein bisschen nach vorne denken. Man muss! Die deutsche Automobilindustrie steht mit dem Arsch an der Wand.
Man hat „die Japaner, die ja nur kopieren“ lange belächelt und „die Amerikaner mit ihren Computern und der schlechten Verarbeitung“ sowieso.
Heute baut Tesla in Brandenburg eine gigantische Fabrik. Für Tesla ist die E-Mobilität nur ein Zwischenschritt zur Autonomie, während Deutschland im Innovationsstau steht und sich auf dem Erfindergeist von 1886 ausruht.
Kurzer Schritt zur Seite: Sogar die Post hat (zusammen mit dem Tochterunternehmen StreetScooter aus Aachen) ein E-Mobil auf den Markt gebracht – weit bevor die großen deutschen Marken mal was Vernünftiges auf die Straßen gestellt haben. Das ist nach vorne gedacht. Von der Post (!)
Zurück zum Mut: Autonomes Fahren? Mikromobilitätskonzepte? Sinnvolle Verkehrswenden? Ideen, die die „Freiheit“ in der Mobilität neu definieren? Digitalisierung? Fahrfähigkeitstests im Alter – und Konzepte für Alte? Tja.
Je weiter man nach vorne denkt, desto weniger braucht man die Autobahn, wie sie heute das Land wie Krampfadern durchzieht. Und desto weniger brauchen Menschen die vermeintliche Freiheit, das Gaspedal voll durchzutreten.
Mut bedeutet aber auch, Dinge neu, konsequent und anders zu denken.
Vor allen Dingen müssen sich ein paar schlaue Köpfe mal über die viel bemühte „Freiheit“ Gedanken machen und sich gut überlegen, was die Freiheit von heute ist. Denn meiner Meinung nach richtet sich man an sich an der Freiheit von gestern aus – und das kann es nicht sein, wenn man eigentlich nach vorne will.
3. Konsequenz.
Wer mit der eigenen Interpretation von „Freiheit“ nicht vernünftig umgeht und so die Freiheit anderer beschneidet, bekommt echte Konsequenzen zu spüren. Und zwar schnell. Wer nicht diszipliniert ist, gibt den Schlüssel ab.
Wer auf Autobahnstrecken, die tempomäßig limitiert sind, deutlich zu schnell fährt, verliert den Führerschein.
Wer den Führerschein verliert, kann ihn nach einer zweijährigen Denkpause noch einmal machen.
Die Probezeit für diese Leute beträgt fünf Jahre. Wer in der Probezeit wieder zu schnell fährt, verliert den Führerschein dauerhaft.
Das Auto wird ab einer bestimmten Schwere des Vergehens einkassiert und versteigert. (Mit dem Geld werden Blitzer finanziert, Mobilitätskonzepte verwirklicht und Unfallopfer entschädigt.)
Und ab einer bestimmten Schwere des Vergehens gibt es Freiheitsstrafen – allerdings sehr viel früher und konsequenter als heute.
Auch Innerorts, Außerorts und auf Landstraßen ist der Führerschein schnell weg, wenn man nicht diszipliniert fährt.
Zack. So schnell geht das. Wer Freiheit und Geschwindigkeit will, muss damit umgehen können. Nicht nur fahrtechnisch. Auch emotional.
So gibt es ganz schnell einen neuen Umgang mit Geschwindigkeit und Tempolimit, auch wenn jetzt sehr wahrscheinlich geschrien wird: „Das ist ja schlimmer als in China!“, „Überwachungsstaat!“
Aber auch das ist Freiheit: Denkfreiheit.